Prof. Dr. Gerhard Podskalsky SJ
* 16. März 1937 in Saarbrücken
6. Februar 2013 in Köln

Am 6. Februar 2013 verstarb nach langer Krankheit Prof. Dr. Gerhard Podskalsky SJ, der zwischen 1975 und 2005 dem Professorenkollegium der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen angehörte und von hier aus eine weitgespannte internationale Forschungstätigkeit entfaltete.

Geboren wurde er am 16.3.1937 in Saarbrücken und war in der Schulzeit sehr aktiv in der katholischen Jugendarbeit der Pfarrei St. Albert. Mit einigen seiner Freunde aus dieser Zeit und Klassenkameraden des staatlichen Ludwigsgymnasium Saarbrücken hat er immer Kontakt gehalten. 1956 machte er das Abitur und trat dann am 1.6.1956 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu zu Eringerfeld ein.

Gerhard Podskalsky wurde im Jesuitenorden nach den ordensüblichen Studien der Philosophie in Pullach bei München und der Theologie in Sankt Georgen, die damals beide durch Lizentiate abgeschlossen wurden, am 27.8.1966 in Frankfurt von Bischof Hans L. Martensen SJ zum Priester geweiht. Er blieb während seiner Zeit als Professor ein seelsorglich interessierter Priester und Mitbruder, der immer eifrig Wochenendaushilfen übernahm.

Mit seiner Dissertation "Byzantinische Reichseschatologie. Die Periodisierung der Weltgeschichte in den vier Großreichen (Dan 2 und 7) und dem tausendjährigen Friedensreiche (Apk 20)" wurde er 1972 an der Philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Doktor der Philosophie promoviert. Hauptrelator war Prof. Dr. Georg Beck, der auch das Entstehen der Habilitationsschrift begleitete: "Theologie und Philosophie in Byzanz. Der Streit um die theologische Methodik in der spätbyzantinischen Geistesgeschichte (14/15. Jh.), seine systematischen Grundlagen und historische Entwicklung". Mit dieser Arbeit wurde Pater Podskalsky 1975 am Fachbereich "Altertumskunde und Kulturwissenschaften" der Universität München die Lehrbefähigung für das Fach Byzantinistik zuerkannt. Im Dezember 1975 wurde er dann an die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen zum außerordentlichen Professor berufen und 1981 zum Professor für Kirchengeschichte, Byzantinische und Slavische Theologie ernannt.

Seit 1976 hat er regelmäßig an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen und am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom Vorlesungen und Seminare zur Alten Kirchengeschichte und zur Theologie des christlichen Ostens angeboten.

    Seine Bibliographie - darin u.a. drei bahnbrechende Handbücher
    "Christentum und theologische Literatur in der Kiever Rus' (988-1237)" (erschien auf Deutsch 1982, auf Russisch 1996, auf Polnisch 2000),
    "Griechische Theologie in der Zeit der Türkenherrschaft (1453-1821). Die Orthodoxie im Spannungsfeld der nachreformatorischen Konfessionen des Westens" (erschien auf Deutsch 1988, auf Neugriechisch 2003)
    und "Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien (865-1459)" (2000)
    - lässt erkennen, worin der Schwerpunkt seiner weltweit rezipierten und anerkannten Forschungen liegt: in der Slawistik und Byzantinistik.

Er lieferte Beiträge zu byzantinistischen Tagungen und Kongressen rund um den Erdball: in Athen und Sydney, in Thessaloniki, Moskau und Belgrad. Seine auf der Homepage von Sankt Georgen zusammengestellte Liste von Büchern, Artikeln, Aufsätzen, Miszellen und Rezensionen in vielen Sprachen nicht nur des westlichen, sondern vor allem des östlichen Europa lassen die Tiefe und Weite seiner Interessen und Forschungskompetenz erahnen, von der nur ein winziger Ausschnitt bei seiner Lehrtätigkeit in Sankt Georgen zum Vorschein kam. Die Hochschätzung seiner Kenntnisse kam auch dadurch zum Ausdruck, dass er als Fachberater für Byzantinoslavica bei der neuen, dritten Auflage des "Lexikons für Theologie und Kirche" ausgewählt wurde, dessen 11 Bände von 1993 bis 2001 erschienen.

Im Jahr 2005 erfolgte die Emeritierung und im Frühjahr 2009 der Umzug in die Seniorenkommunität des Jesuitenordens in Köln-Mülheim. Im März 2010 bekam er in der Frankfurter Universitätsklinik einen Herzschrittmacher und eine Nierentransplantation. Seitdem war er in den letzten Jahren kaum mehr wissenschaftlich oder theologisch aktiv. Er brauchte häufig Krankenhausaufenthalte und war vom 27.1.2013 wegen einer schweren Lungenentzündung im Evang. Krankenhaus zu Köln-Kalk, wo er dann am 6. Februar morgens verstorben ist.

R.i.p.