Hilfreiche Texte

Link zum Mandala von Bruder Klaus
Iwan Sokolowsky SJ

Islam und Frieden

English Version

 

Aus: Mitteilungen der österreichischen Jesuiten, Heft 3, 2005

 

In nicht-moslemischen Kulturen herrscht die Meinung vor, der Islam sei die Religion des heiligen Krieges, der gewalttätigen Gottesherrschaft oder bestenfalls der absoluten Gesetzesgerechtigkeit; ihre moralischen Maßstäbe und Wertvorstellungen wären nur durch den Kontakt mit der westlichen Zivilisation gemildert worden, könnten aber jederzeit wieder zu Religionsfanatismus zurückkehren. Somit hätten Frieden und Islam wenig gemein. Im Gegensatz dazu sind Muslime überzeugt, dass Frieden und Islam nicht nur harmonisch nebeneinander bestehen können, sondern identisch sind.

 

Ganzheit

Bevor Aussagen des Koran über den Frieden und ihre Anwendung in der muslimischen Gemeinschaft im Alltag von Religion, Politik und Gesellschaft untersucht werden können, empfiehlt sich eine kurze Erklärung der arabischen Wortwurzel s-l-m. Aus ihr werden die Wörter für Friede (salâm), die Religion des Friedens (islâm) und den Anhänger des Friedens (muslim) gebildet. Ihre Grundbedeutung ist die "Ganzheit", zugleich das Heil, körperliches und geistiges Wohlergehen, Unversehrheit, Wiederversöhnung. Durch die Annahme der Ganzheit, ein "Sich-ihr-ergeben", wird Frieden gestiftet. All das ist der Islam: Unterwerfung, die Frieden stiftet, unversehrt, heil, gesund und geistig normal sein lässt. Für einen gläubigen Muslim gilt: Wer den Islam nicht zur Religion hat, ist zu bedauern, denn er lebt in der Finsternis, ist verblendet und findet den rechten Weg nicht. Er trägt den Frieden nicht in sich, ist in sich gespalten, aber auch die Menschen, Völker und Nationen, unter denen er lebt, sind gespalten.

 

Keine Götter neben Allah

Da nun die Ganzheit, das Nicht-Zerfallen in Einzelteile den Grundstein der islamischen Religion darstellt, ermisst man den Stellenwert, der dem Monotheismus zukommt. Allah ist der eine und einzige Gott, der keine Götter und auch keine Partner der Gottheit neben sich hat. Nichts ist gottwidriger als die Idee der Dreifaltigkeit, die den einen Gott aufteilt, in Einzelteile zerfallen läßt, ihm seine Ganzheit raubt. "Wahrlich ungläubig sind, die da sagen: Allah ist der Dritte von Dreien, wo es doch außer Allah, dem einzigen Gott, keinen Gott gibt." (Sure 5, 72-73)

 

Islam ohne Hass

Feindschaft und Hass, d.h. Nicht-Frieden, sind für Muslime nur Ausdruck für Nicht-Islam, sind doch Islam und Frieden identisch. Wer nicht bereit ist, sich zu unterwerfen, sondern sich stolz über den Islam erhebt, geht an seinem eigenen Stolz zugrunde und endet im Nicht-Frieden. Die Heiden haben den Frieden nicht; von den Juden und Christen, mit denen Gott einst in Abraham einen Bund geschlossen hatte, ist er gewichen, nachdem sie diesen Bund gebrochen und nicht den Islam angenommen haben. Zerstritten sind sie untereinander, sogar in Fragen der Religion.

 

Veränderung

Das Festhalten am Islam wird einst mit dem Paradies belohnt. Er durchdringt alle Schichten des Lebens und ist aufgrund seiner zentralen Stellung ein religiöses und sozio-politisches Programm. Der gläubige Muslim betrachtet den Gang der Geschichte, sucht in allem den Finger Gottes, da doch nichts geschieht, was Gott nicht zulässt.
Festzusetzen, was unaufgebbar zum Islam gehört und was ohne Störung des Friedens verändert und an soziale, politische und ökonomische Gegebenheiten angepasst werden kann, damit ringen die Muslime, denn für sie ist es eine Frage ihres Heils. An diesem geistigen Ringen teilzunehmen, ist aber möglich und erforderlich - in einem Dialog, einem Austausch von Ideen, damit gemeinsam Wege gefunden werden können, zusammenzuleben, ohne die eigenen Überzeugungen zu verleugnen.

 

    P. Iwan Sololowsky SJ, geb. 1940, ist Mitarbeiter im Kardianl König Haus. Bildungszentrum der Jesuiten in Wien-Lainz.

 

Link to 'Con-Spiration'