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Volker Wörl

Die Finanzkrise und ihre Opfer

 

Aus: Christ in der Gegenwart, 42/2008, S. 473 f.

 

    Von den Folgen der internationalen Finanzkrise sind zunächst Banken und Unternehmen betroffen. Aber die Auswirkungen werden in allen Bereichen der Gesellschaft zu spüren sein.

 

Es gibt Jahreszahlen, die werden in den Geschichtsbüchern stehen. Das Jahr 2008 wird ein solches Jahr sein. Das liegt nicht nur an der weltweiten Finanzkrise, von der man derzeit noch nicht einmal weiß, ob ihr Höhepunkt schon überschritten ist. Wichtiger noch, und mit ihr untrennbar verbunden, ist eine geopolitische Wende, nämlich der Verfall von Macht und Prestige der Vereinigten Staaten. Die Krise wird ein Ende finden. Der Niedergang Amerikas beendet eine Epoche.

"Das Gleichgewicht der Kräfte verändert sich. Die Ära der amerikanischen Führung ist unwiderruflich vorbei", schrieb John Gray, emeritierter Professor an der Londoner "School of Economics", in der "Süddeutschen Zeitung". Und weiter: "Man erkennt das schon allein daran, wie die Macht der USA in ihrem eigenen Hinterhof untergraben wird. Venezuelas Präsident Hugo Chavez kann die Supermacht necken und verspotten, so viel er will, bestraft wird er dafür nicht. Auf globaler Ebene wird Amerikas Schwäche noch deutlicher. Mit der Verstaatlichung zentraler Teile des Finanzwesens haben die Vereinigten Staaten ihr Credo der freien Märkte selbst zerstört. Eine ganze Regierungsform mitsamt ihrer Ökonomie ist kollabiert. Die Folgen werden so weitreichend sein wie beim Untergang der Sowjetunion."

Amerika und auch Großbritannien haben nach dem Untergang des Kommunismus und der gelenkten Wirtschaft den unbestritten nützlichen Markt dogmatisiert: Er kann alles, er ist allmächtig und allwissend. Und in Europa, gerade auch in Deutschland, ließ man sich von den meist höheren amerikanischen Wachstumsraten faszinieren. Politiker, aber auch Journalisten, insbesondere Wirtschaftsjournalisten, starrten fasziniert auf diese Politik, forderten sie als Maßstab allen ökonomischen Handelns.

 

China borgt Amerika Dollars

Dabei wurde zweierlei übersehen, ja ignoriert. Erstens haben Privatleute und die Regierung in den USA jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt: Konsumieren, Schulden machen, Geld ist billig, die Zukunft ist rosig, das Wachstum geht ewig weiter! Die USA schleppen seit Jahren gigantische Defizite im Staatshaushalt und in der Zahlungsbilanz mit sich herum. Das notwendige Geld leihen sie sich in aller Welt. China, ideologisch und bald auch ökonomisch der wichtigste Konkurrent, ist weltweit der größte Dollargläubiger. Amerikas gigantische Rüstung und der Krieg im Irak wurden und werden in großem Umfang mit geborgtem Geld finanziert. Billiges Geld hat Millionen Hausbesitzer ruiniert und die Spekulation aufgeheizt. Der vormalige US-Notenbankchef Alan Greenspan, ehedem als Finanzgenie gepriesen, gilt heute vielen als Hauptverantwortlicher für die jetzige Krise.

Der zweite Denkfehler ist der Glaube, dass freie Märkte alles zum Besten regeln. Es wird davon ausgegangen, dass die Akteure auf dem Markt, also Menschen als Privatleute oder Unternehmer, stets absolut rational handeln. Der "Homo oeconomicus" ist eine theoretische Konstruktion. Tatsächlich wird menschliches Handeln von einem ganzen Bündel emotionaler Regungen bewegt: Freude an Besitz und Vermögen, Lust auf Neues, Habgier, Neid, Geiz, Nachahmungstrieb, Stolz, Angst.

Die geplatzte Börsenblase ist letztlich darauf zurückzuführen, dass mit den ständig steigenden Kursen einer dem anderen nachlief - auch "kleine Leute", die einfach teilhaben wollten am Wohlstandszuwachs ohne Eigenleistung. Sicherheitsüberlegungen beim Investieren von Geld und Kapital traten immer mehr zurück, weil es eben etliche Jahre lang gut gegangen war. Die Banken trugen kräftig dazu bei, erfanden immer neue Anlagekonstruktionen, deren Funktionieren selbst viele Anleger nicht kapierten - und sie, die Banken, verdienten glänzend dabei. In guter Erinnerung ist die Vorgabe einer Kapitalrendite von 25 Prozent von Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank. Welcher Investor erreicht das? Und womit kann - konnte - diese Rendite verdient werden? Mit gewagten Anlagen und mit der Naivität von Millionen Kunden, die eigentlich hätten wissen müssen, dass die Banken nichts verschenken. Kaum jemand hat sich an den gesunden Grundsatz gehalten, nur solche Geschäfte zu machen, die man auch versteht. Und jetzt schon ist zu prophezeien - dabei wird es bleiben.

Die Kirchen, bis hin zum Papst, haben immer wieder vor einer "Vergötzung des Marktes" gewarnt. Er müsse der Gesellschaft dienen und nicht nur einer Minderheit horrende Profite bescheren. Er müsse für Sicherheit und Gerechtigkeit sorgen. Der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau war bis zuletzt ein leidenschaftlicher Kritiker hemmungsloser Marktgläubigkeit. Und selbst an Ludwig Erhard und seine Maßhalte-Appelle sollte man sich erinnern.

Jetzt kommt das Paradoxon: Seit Jahrzehnten mahnt die US-Regierung und mit ihr der Internationale Währungsfonds Entwicklungsländer, sich nur ja an die liberalen Marktregeln zu halten. Sonst gäbe es keine Hilfen. Jetzt, unter dem Zwang der Verhältnisse und im Bewusstsein, dass eine verheerende Weltwirtschaftskrise droht, hat sich Amerika abrupt vom Dogma der freien Märkte verabschiedet. US-Regierung und Notenbank entwarfen und der Kongress billigte, wenn auch mit erheblichen Bedenken, ein Notprogramm im Umfang von 700 Milliarden Dollar - das sind rund 200 Milliarden mehr, als der gewaltige Rüstungsetat umfasst. Nach diesem Gesetz darf die Regierung den Banken zweifelhafte Wertpapiere abkaufen. Das Risiko wird also auf die Gesamtheit der Steuerzahler verlagert. Ein alter Vorwurf der Sozialisten bestätigt sich: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Todsünden gegen die freie Marktwirtschaft werden derzeit begangen. Aber alles deutet darauf hin - es muss sein!

Längst hat das amerikanische Debakel auf Europa, insbesondere auch auf Deutschland übergegriffen. Fünfzig Milliarden Euro mussten in einem ersten Schritt zur Rettung des in Not geratenen Immobilienfinanzierers "Hypo Real Estate" bereitgestellt werden. Niemand weiß, was noch kommt, ob nicht noch weitere Banken in lebensgefährliche Schwierigkeiten geraten. Und niemand weiß, ob nicht aus staatlichen Bürgschaften verlorene Subventionen werden.

Die Krise trifft hierzulande auf eine Gesellschaft, in der sich die Gräben vertieft haben. Sie verlaufen zwischen Spitzenverdienern, die fünfhundertmal mehr verdienen als ihre Zuarbeiter, zwischen Kassen- und Privatpatienten, zwischen wohlhabenden Senioren in noblen "Residenzen" und Rentnern in oft sehr armseligen Altersheimen mit viel zu wenig Personal. Wir haben längst eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Diese Spaltung der Gesellschaft wurde in den letzten Jahren zwar von den Medien aufgegriffen, von den Kirchen als Schuld bewusstgemacht und von manchen Politikern kritisiert, geändert hat sich aber nichts, weil es aufwärts ging. Die Agenda 2010 hat Schmerzen zugefügt, war aber erfolgreich. Am besten abzulesen ist dies am Rückgang der Arbeitslosenzahlen um zwei Millionen.

 

Liberale rufen nach dem Staat

Geändert hat sich auch nichts, weil die Macher nicht betroffen waren. Spitzenmanager verdienen jährlich zwei- oder dreistellige Millionensummen, häufig bei relativ niedrigen Grundgehältern, die durch hohe Prämien aufgebessert wurden. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" erhielt der Amerikaner Lloyd Blankfein, Chef des Finanzhauses Goldman Sachs, im vergangenen Jahr ein Grundgehalt von 220.000 und eine Erfolgsprämie von 53 Millionen Dollar. Das gibt es auch in Deutschland. Jahresbezüge des Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking von 60 Millionen Euro wurden niemals bestritten.

Der Kurssturz hat unzählige kleine Aktionäre hierzulande viel Geld gekostet. In den USA aber hat zum Beispiel der langjährige Chef der weltgrößten Versicherungsgesellschaft AIG, Maurice Greenberg, mit dem Verfall seines Wertpapierbestandes einen Vermögensverlust von 1,25 Milliarden Dollar (Januar 2007) auf 50 Millionen Dollar (September 2008) "erlitten". In Deutschland dürfte es, weil Spitzenverdiener oft in Aktien des eigenen Hauses entlohnt werden, Verluste in Größenordnungen gegeben haben, die sich der Normalbürger nicht vorstellen kann. Bankchef Ackermann gab im Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Mannesmann/Vodafone-Affäre sein Vermögen mit ungefähr 100 Millionen an.

Feuer auf dem eigenen Dach, Ängste vor einer "Weltwirtschaft am Abgrund" und weit verbreitet auch echte gefühlte Sorgen lassen jetzt darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Die leidenschaftlichsten liberalen Marktwirtschaftler rufen plötzlich nach dem Staat. Wie aber soll eine gerechtere und gegen Krisen besser gewappnete Gesellschaft aussehen? Es muss jetzt darum gehen, weltweit wirksame Regeln und Kontrollen gegen

 


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irrwitzige Spekulationen und chaotische finanzielle Praktiken zu finden. Also hochspekulative Hedgefonds verbieten? Eine - nach ihrem Erfinder benannte - sogenannte Tobin-Steuer einführen, die das Hin- und Herschieben von Millionenanlagen im Augenblickstempo mit je einem Promille belastet? Steueroasen schließen? Mehr Aufmerksamkeit und Kontrolle verdienen die Investmentbanker, die mit hochriskanten, undurchsichtigen Geschäften selbst sehr reich geworden sind und die Krise im Kern verursacht haben. Und wenn der Staat mit Geld eingreift und angeschlagenen Banken das Leben rettet, dann muss er auch Einfluss nehmen können auf die Bezüge der Spitzenleute. Dies alles ist so kompliziert, die Palette der Möglichkeiten ist so breit, dass nur wirkliche Fachleute entscheiden können, was sinnvoll, wirksam und am Ende nicht schädlich ist. Mit forschen Redensarten muss man jedenfalls vorsichtig sein.

Die Finanzkrise trifft, wie gesehen, auch die Reichen und die Schwerreichen. Aber sie gefährdet natürlich nicht deren Existenz, selbst wenn, wie zu lesen war, am Finanzplatz London 50000 Banker und Broker ihre glänzend dotierten Stellen verlieren könnten. Und die immer noch vielen, die ihren Arbeitsplatz behalten, können vielleicht mit ihrem Jahresbonus nicht mehr den Porsche oder Ferrari kaufen.

Die wirklich Armen bleiben arm, und ihre Zahl wird zunehmen, auch wenn in diesem Jahr - das ist das erfreulichste Datum der Sozialbilanz - die Arbeitslosigkeit gesunken ist. Doch nächstes Jahr könnte es schon anders aussehen. Hier geht es um eine in die Millionen gehende Schicht, für die man, weil das Wort "Unterschicht" vermieden werden sollte, den Begriff "abgehängtes Prekariat" erfunden hat. Das sind Arbeitslose, Ungelernte, Menschen, die im Wettbewerb aus der Bahn geworfen wurden, die mit ihrem Lohn das Existenzminimum nicht erreichen, zum Überleben auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Nach dem jüngsten Armutsbericht der Bundesregierung leben ungefähr fünfzehn Prozent aller Kinder unterhalb der Armutsschwelle. In den EU-Ländern gilt ein Haushalt als arm, wenn ihm weniger als sechzig Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung stehen. In einem Kommentar der beiden Ärztinnen Elke Schäfer von der Charite in Berlin und Eva Landmann von der Justus-Liebig-Universität in Gießen war zu lesen: "In Deutschland geht es für einen großen Teil der Kinder längst nicht mehr um die Frage, ob sie Geige oder Ballett lernen, sondern ob sie morgens hungrig zur Schule gehen oder als Vierzehnjährige nach der Schule mit der Bierflasche in der Hand in der S-Bahn sitzen." Die Probleme im unteren Drittel der Gesellschaft werden sich verschärfen, wenn der Abschwung zu einer längeren Rezession führt. Aber diese Probleme kennen wir. Sie sind - so barbarisch dies klingt - der Gesellschaft und der Politik vertraut.

Im Zentrum der entstandenen Drei-Klassen-Gesellschaft lebt die große Mittelschicht. Das ist die Mehrheit der Bevölkerung: Facharbeiter, Angestellte, Beamte, Selbständige. Menschen, denen es nicht schlecht geht, oft mit Wohneigentum, mit Auto, auskömmlichen Löhnen und Gehältern. Sie sind gut situiert, aber zugleich weitgehend einflusslos. In regelmäßigen Abständen dürfen sie ein neues Parlament wählen. Welche Regierung daraus hervorgeht, das haben sie schon nicht mehr in der Hand. Die jüngsten Wahlen - vor allem, aber nicht nur, in Bayern - haben gezeigt, dass diese Menschen mit der politischen Praxis nicht mehr einverstanden sind. Sie sind keine homogene Schicht, ihre Interessen glauben sie in unterschiedlichen Parteien und Gruppierungen am besten vertreten. Sie machen keinen Aufstand, von Ausnahmen abgesehen streiken sie nicht. Sie hungern nicht und müssen dies auch künftig nicht, aber sie werden ihre Lebensweise ändern. Und das wird Folgen haben, beginnend beim Einzelhandel bis hin zur Kunstszene.

 

Die zwei "Mittelstände"

Wenn aber der "Bundesverband der Industrie" vom Mittelstand spricht, dann ist eine andere Kategorie als die soeben angesprochene gemeint. Der "mittelständischen" gewerblichen Wirtschaft gehören auch Familienunternehmen mit fünfhundert oder tausend Beschäftigen an, die jährlich hohe dreistellige Millionenumsätze machen. Sie sind oft besonders erfindungsreich, besetzen auf dem Weltmarkt mit großem Erfolg Marktnischen, machen drei Viertel ihres Geschäfts im Ausland. Sie sind die Kernsubstanz unserer Volkswirtschaft.

Man meint also sehr unterschiedliche Menschen und Existenzen, wenn man vom Mittelstand spricht. Dies berücksichtigend kann man gleichwohl sagen: Der deutsche Mittelstand ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die Eindämmung radikaler Bewegungen ganz links und ganz rechts, für ein breites Wohlstandsfundament, für ein ausreichendes finanzielles Potenzial in der Sozialpolitik, für Kultur und Bildung in unserem Gemeinwesen besonders wichtig. Menschen aus dieser breiten Schicht vor allem beschicken die Universitäten, sie interessieren sich für Werte und Einrichtungen, ohne die eine Gesellschaft ihre Identität verliert, sie sind ein Tragpfeiler für das Theater- und Musikleben. Wenn man sich das bewusst macht, bedeutet dies nicht, dass man die Not der Armen übersieht, ihre gesellschaftliche Position vernachlässigt - im Gegenteil: Ein in seinem Kern gesundes Gemeinwesen wird durchlässiger von unten nach oben. Wenn diese Durchlässigkeit bisher noch zu gering ist, dann bestätigt dies nur den fortwährenden Reformbedarf.

Diese vielen Millionen Menschen in Deutschland wären von einer lange dauernden, gravierenden Wirtschaftskrise besonders hart betroffen. Und sie würden ihrerseits Dauer und Intensität der Krise besonders stark prägen. Denn materiell gesehen sind sie wichtige Nachfrager von Waren und Dienstleistungen. Sie besitzen oft kleinere Geldvermögen oder bescheidene Aktiendepots, die dezimiert wurden oder dezimiert zu werden drohen. Sie sind wichtige Kunden von Banken und Versicherungen. Sie begehren Kredite für den Kauf von Wohnungen und langlebigen Konsumgütern. Sie bedienen als Handwerker oder Kaufleute die täglichen Bedürfnisse der Menschen. Sie arbeiten als Angestellte und Beamte in öffentlichen Institutionen und haben einen Einfluss auf das Wohlergehen und die Stimmung der ganzen Gesellschaft, den man nicht unterschätzen darf. Sie sind als Richter und Staatsanwälte Hüter des Rechtsstaats. Sie prägen sehr entscheidend die öffentliche Meinung als "Konsumenten" von Wort, Bild und Ton. Und gar nicht so wenige Menschen aus diesem Kreis machen öffentliche Meinung als Redakteure und Publizisten. Aus ihren Kreisen rekrutieren sich hauptsächlich die Kunstschaffenden, die ein Land braucht, um sich selbst darzustellen. Man darf davon ausgehen, dass auch die Eliten einer Gesellschaft wesentlich dem mittelständischen Milieu entstammen. Und Eliten im recht verstandenen Sinn braucht eine Gesellschaft zu ihrer geistigen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung. Dies gerade auch im strenger werdenden internationalen Wettbewerb.

Die Entwicklung in Russland, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion oder auch auf dem Balkan zeigt, wie wichtig ein solider Mittelstand ist. Achtzehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es dort nur eine relativ kleine Schicht, die schnell sehr reich geworden ist. Das sind Menschen mit Talent - und oft auch mit kräftigen Ellenbogen. Millionen Menschen in diesen Ländern, oft der Mehrheit, geht es materiell aber schlechter als in den Zeiten des Staatssozialismus. In China und Indien hat sich mittlerweile ein Mittelstand entwickelt, der das Wachstum vorantreibt. Auch das sind Millionen Menschen, gemessen an der Gesamtbevölkerung aber eine kleine Minderheit. Kenner der Szene berichten allerdings, dass auch dort der Wohlstand von verhältnismäßig wenigen auf dem Rücken von vielen Bettelarmen wächst.

 

Noch Leichen im Keller?

Die Krise ist noch lange nicht zu Ende. Immer neuer Zündstoff lässt sie auflodern. Im Frühsommer meinten einige Ökonomen, Politiker und Wirtschaftsführer, der Höhepunkt sei wohl überschritten. Vielleicht spielte dabei der Wunsch eine wichtige Rolle, das psychologische Klima zu verbessern. Inzwischen ist die Krise vor allem eine Vertrauenskrise. Banken glauben, die Kollegen hätten noch "Leichen im Keller". Ihre Kunden bleiben misstrauisch, weil sich die Spitzen miserabel präsentiert haben. Und das Misstrauen pflanzt sich von oben nach unten fort. Der Soziologe Richard Sennett sagte in einem Interview: "Die Menschen verlieren nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr Haus, sie können sich das gewohnte Konsumniveau nicht mehr leisten. Das hat eine tiefe Bedeutung: Die Amerikaner glaubten, sie seien Sieger im Kapitalismus. Dieses Selbstvertrauen verschwindet und wird ersetzt durch das Gefühl des Niedergangs." In Amerika hat sich bereits das FBI zur Klärung dubioser Tatbestände eingeschaltet. Hierzulande sind die Staatsanwälte noch nicht tätig geworden.

Im Wirtschaftsteil mancher Zeitung ist vom hohen Nutzen auch der überspitzten Spekulation zu lesen. Sie trage bei zu einer realistischen Preisbildung. Sie helfe, Verhaltensweisen zu ändern - beispielsweise im Energieverbrauch. Sie gebe findigen Unternehmern Signale, was der Markt begehrt. Manches daran mag stimmen. Überzeugender ist aber eine biblische Aussage: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

 

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