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Bernhard Bleyer

Die Armen als Sakrament Christi

Die Predigt Pauls VI. in San José de Mosquera (1968)

 

Aus: Stimmen der Zeit, 11/2008, S. 734-746

 

    BERNHARD BLEYER, Religionslehrer und Projektreferent im Fach Moraltheologie an der Katholischen Akademie Regensburg, erinnert an eine vor 40 Jahren gehaltene, bisher wenig beachtete Predigt Papst Pauls VI. in Kolumbien, in der dieser die Armen als "Sakrament Christi" bezeichnete.

 

Es muß für die Zuhörer im Petersdom eine eindrückliche Rede gewesen sein, auf die sie am 6. Dezember 1962 mit lautstarkem Beifall antworteten. Der 71jährige Erzbischof von Bologna, Giacomo Kardinal Lercaro, hatte gerade eine Stellungnahme zur begonnenen Debatte um den Entwurf der Kirchenkonstitution abgegeben – seine erste Wortmeldung in der Konzilsaula. Es heißt, Papst Johannes XXIII. selbst habe ihn dazu mit den Worten aufgefordert: "Man hat Sie in St. Peter noch nicht gehört. Sprechen Sie daher." {1}

Keine drei Monate waren vergangen, seitdem der Papst am 11. September in der "Radiofunkbotschaft an die Katholiken der Welt" einen vernehmbaren Akzent vor das kommende Konzil gesetzt hatte. Einen Monat vor Konzilseröffnung hatte er die "sozialen Verpflichtungen", die "der Kirche immer am Herzen liegen", thematisiert. Sie seien als Wesenselemente des kirchlichen Lebens in die doppelte Ausrichtung der Kirche "ad intra" und "ad extra" integriert, denn die Botschaft zur Erneuerung der inneren Struktur der Kirche (ad intra) sei von ihren Lebensäußerungen nach außen (ad extra) nicht zu trennen. Aber das Zueinander des "Innen-Außen-Bezugs" könne nicht symmetrisch gedacht werden, und auch die Dynamik der Radioansprache weist in ihrer Gesamtheit ein Ungleichgewicht auf:

"Denn der Papst entfaltete breit die Beschreibung der Beziehung der Kirche 'nach außen' in ihrer Sorge für die Würde des Menschen und für die grundlegende Gleichheit aller Völker, vor allem aber gab er ihr eine neue Kennzeichnung, daß er sie als 'die Kirche von allen und besonders die Kirche der Armen' nannte." {2}

Diese Bezogenheit der Kirche auf die Welt ist für Johannes XXIII. konstitutiv. Die Ansprache spitzt diese Verwiesenheit der Kirche sogar noch zu: "Gegenüber den unterentwickelten Ländern erweist sich die Kirche als das, was sie ist und sein will, die Kirche aller, vornehmlich die Kirche der Armen." {3}

 

Die Rede Kardinal Lercaros auf dem Konzil

An diese Argumentation knüpft nun Kardinal Lercaro im Rahmen der Debatte um den ersten Entwurf der Kirchenkonstitution (1. bis 7. Dezember 1962) an. Mit expli-

 


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ziter Kritik am vorgelegten Schema hielt er sich zunächst zurück "und begnügte sich damit, das Grundanliegen zu benennen, das seiner Ansicht nach die konziliare Erfahrung prägen und zum Hauptziel des Zweiten Vatikanums werden müsse" {4}. Ausdrücklich würdigt er die Wortmeldungen der Kardinäle Léon-Joseph Suenens und Giovanni Battista Montini. Schließlich habe das zweimonatige gemeinsame Arbeiten während der ersten Sessio ein besseres Verständnis entstehen lassen, was die Kirche den Menschen "dieser Zeit vorschlagen muß, wenn sie das innerste Geheimnis der Kirche kennenlernen wollen, die gleichsam das große Sakrament Christi ist (intimum Ecclesiae mysterium, quasi 'magnum Sacramentum' Christi)." {5}

In seiner Analyse der heutigen Zeit, die von dramatischer Armut gekennzeichnet sei, unterstreicht Kardinal Lercaro unter anderem, daß die zunehmende Konfrontation mit den Armen und den armen Völkern gerade die Überwindung der Armut anzielen müsse, indem die Armen die Befähigung erlangten, sich ihrer Lage und ihrer Rechte bewußt zu werden. Dies sei deswegen unumgänglich, da die herausragende Aufgabe der Kirche in der Evangelisierung bestehe. Die Verkündigung des Evangeliums in der Welt werde der biblischen Perspektive dort gerecht, wo die Armen als die Adressaten der Frohbotschaft angenommen seien. Damit weist er auf eine ernste Lücke der Ausarbeitungen des vorliegenden Schemas "De Ecclesia" hin und konstatiert sogleich: "Das Mysterium Christi in der Kirche ist immer, in besonderer Weise aber heute, das Mysterium Christi, der in den Armen lebt." {6}

Lercaros Intervention gilt trotz des diplomatischen Tons einer Neuformulierung des vorgelegten Schemas "Über die Kirche". Zielstrebig plädiert er für die Aufnahme des essentiellen und elementaren Aspekts des Mysteriums Christi in den Armen: jenes Aspekts, der von den Propheten als authentisches Zeichen der messianischen Bestätigung angekündigt und von der Mutter des Erlösers in der Menschwerdung des Wortes erhöht, der in Geburt, Kindheit, verborgenem Leben und Dienst Jesu deutlich und wirksam geworden sei; jenes Aspekts, der das grundlegende Gesetz der Königsherrschaft Gottes offenbare und der von der apostolischen Gemeinde an bis in die Zeiten der intensivsten inneren Erneuerung und äußeren Expansion der Kirche ein besonderes Merkmal verleihe. Es sei schließlich der Maßstab, der bei der zweiten Ankunft des Messias das Kriterium des Ewigkeitscharakters von Sanktion oder Lohn sein wird (vgl. Mt 25,31–46). Lercaro appelliert an die Konzilsväter:

"Wir werden unserer Aufgabe nicht wirklich gerecht, wenn wir das Geheimnis Christi in den Armen und die Evangelisierung der Armen nicht zum Zentrum, zur Seele der doktrinalen und gesetzgebenden Arbeit dieses Konzils machen. Es darf nicht ein Thema unter anderen sein, sondern muß die zentrale Frage werden. Thema dieses Konzils ist die Kirche, insbesondere insofern sie eine Kirche der Armen ist." {7}

Nach dieser Forderung legt der Erzbischof den damit verbundenen theologischen Perspektivenwechsel konkret aus und begründet sogleich: Das Konzil müsse die Armen deshalb ins Zentrum stellen, weil sie "als Zeichen und Form der Gegenwart

 


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und der erlösenden Macht" Christi real anwesend seien. Die Formulierung, mit der Lercaro diese Gegenwart benennt, ist beachtlich: "sacramentum magnum, dico, in Christo et in ecclesia" ("das große Sakrament, sage ich, in Christus und der Kirche") {8}. Wie dies zu verstehen sei, erläutert er umgehend: Die Kirche kenne drei tiefe "Wahrheiten des Mysteriums Christi in der Kirche" – nämlich seine Gegenwart in der Leitung der Kirche und seine Gegenwart in der Eucharistie. Beide Arten der Präsenz seien in der Geschichte der Kirche gründlich durchdacht worden. Die dritte Gegenwart Christi in der Kirche müsse hingegen noch genauer behandelt werden: die Gegenwart Christi in den Armen {9}.

Im Rückblick auf die Argumente kommentiert Giuseppe Alberigo:

"Erzbischof Lercaro von Bologna sprach sich in der Aula dafür aus, die Kirche der Armen zum Leitgedanken der gesamten Konzilsarbeit zu machen: sie sei 'der Faktor der Synthese, der Punkt, an dem alle bisher behandelten Themen zur Klärung kommen und in ihrem Zusammenhang erkennbar werden', und das gelte auch für die künftige Arbeit. Die Anwesenheit Christi in den Armen ... wurde verbunden mit den beiden anderen tiefen Mysterien Christi in der Kirche: der Eucharistie und dem Bischofsamt." {10}

Félix Ortiz de Urtaran vermutet, daß Lercaro den Ausdruck "Kirche der Armen" vom einstigen Pariser Erzbischof, Maurice Kardinal Feltin, übernommen habe. Dieser habe ihn bereits 1959 in einem Pastoralbrief gebraucht {11}. Über die Vermittlung des französischen Arbeiterpriesters Paul Gauthier sei auch Lercaro in Kontakt mit Begriff und Inhalt einer theologischen Reflexion über die "Kirche der Armen" gekommen. Schon im Oktober 1962, so berichtet Alberigo, hatte sich eine informelle Gruppe aus Konzilsvätern und Periti unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Lyon, Pierre-Marie Kardinal Gerlier, formiert. Ihre Treffen fanden vor allem im Belgischen Kolleg statt. Die Gruppe nannte sich "Jesus, die Kirche und die Armen"; eine der treibenden Kräfte war Paul Gauthier. Ungeachtet des Einflusses, den die Gruppe auf einige Konzilsväter hatte und dem sie auch Geltung verschaffen wollte, "blieb sie doch immer am Rand des Konzils" {12}. Unter anderem war es der engen Anbindung Giuseppe Dossettis, dem "Haustheologen" Kardinal Lercaros, zu verdanken, daß dieser über den Stand der Diskussionen stets gut informiert gewesen sein dürfte.

Nur zwei Wochen nach der Rede vom 6. Dezember, am 22. Dezember 1962, wiederholte Lercaro seine Thesen in einer Radio- und Fernsehansprache {13}. Knapp ein Jahr später, am 10. Oktober 1963, richtete Papst Paul VI. an Kardinal Lercaro die Bitte, daß die Arbeiten der Gruppe "Kirche der Armen" auf "eine Verwendung in den Konzilsbeschlüssen zu prüfen" {14} seien. Ein Jahr später, am 19. November 1964, übersandte ihm Lercaro die erbetene Stellungnahme mit dem Hinweis, "daß es unter den katholischen Christen noch an Vorarbeiten zur Frage der Armut mangle und daß die gemachten Vorschläge daher nur vorläufiger Art seien". Trotz des eindringlichen Argumentierens der Konzilsrede Lercaros und trotz des Beifalls, den sie fand, entsprach sie "in keiner Weise der allgemeinen Auffassung" {15}

 


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der Konzilsväter. Der Fortgang des Konzils hat gezeigt, daß die Reden Kardinal Montinis, dem späteren Paul VI., und von Kardinal Suenens weit mehr Einfluß auf die folgenden Diskussionen um die Ausrichtung des Konzils nahmen als die des Kardinals aus Bologna: Montini und Suenens "argumentierten für die Notwendigkeit, die Frage der Präsenz der Kirche in der Welt aufzunehmen. So erhielt im Verlauf des Vaticanum II der Aspekt der Armut lediglich einen geringen Anteil." {16}

Obwohl also die Konzilsdokumente an nur wenigen bedeutenden Ausnahmen {17} die ekklesiale Stellung einer "Kirche der Armen" thematisieren, geht das theologische Ringen darum nicht verloren. Es taucht wenige Jahre später an einem anderen Ort wieder auf. Margit Eckholt gibt dazu einen Hinweis. Das, was Johannes XXIII. mit einer "Kirche der Armen" angedacht hatte, werde erst in den nachkonziliaren Dokumenten des CELAM (Konferenz der Bischöfe Lateinamerikas) ausformuliert: "Seine Vision einer 'Kirche der Armen', die auf dem Konzil selbst nur wenig Gehör fand, nimmt Fleisch und Blut an in der lateinamerikanischen Kirche der Nachkonzilszeit." {18}

 

Die theologische Begründung der Kirche der Armen –
das Beispiel Gustavo Gutiérrez

Exemplarisch kann diese Behauptung an der Theologie von Gustavo Gutiérrez OP geprüft werden: In der Tat führt die theologische Reflexion Lateinamerikas das Thema einer Neuorientierung der Kirche in der Welt als "Kirche der Armen" fort. Bei aller Diversität der vorfindbaren Entwürfe bleibt bemerkenswert, daß viele Autoren und auch offizielle Texte des CELAM (spätestens seit 1968), wie Kardinal Lercaro auf dem Konzil, denselben biblischen Bezugstext anführen. Schon in seinem ersten, enorm einflußreichen Hauptwerk zur Theologie der Befreiung spricht Gutiérrez von der Überzeugung, daß die Gerichtsrede bei Matthäus (Mt 25,31–46) "für manche Autoren die wesentlichen Aussagen der Heiligen Schrift" {19} zusammenfasse. Die exegetischen Argumente abwägend, zieht er das Fazit: "Nach Matthäus beruht das Gericht ... in prophetischer Perspektive auf der neuen Ethik, die aus dem Prinzip der universalen Liebe erwächst." {20} Die Gottesliebe verwirkliche sich in konkreter menschlicher Praxis:

"Es bedarf einer Vermittlung durch den Menschen, um zu Gott zu gelangen. In der Tat genügt es nicht festzustellen, die Liebe zu Gott sei untrennbar mit der Liebe zum Nächsten verbunden. Denn die Liebe zu Gott kann nicht anders, als sich in der Liebe zum Nächsten ausdrücken." {21}

Es sei Papst Paul VI. gewesen, der ausgehend von Mt 25,31–46 in seiner Homilie zum Abschluß des Zweiten Vatikanischen Konzils am 7. Dezember 1965 treffend formulierte: "Um Gott zu erkennen, müssen wir den Menschen kennenlernen." {22} Gutiérrez gibt daher der nachkonziliaren Theologie eine Aufgabe mit auf den Weg:

 


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"In unseren Kontakten mit den Menschen begegnen wir dem Herrn, zumal in den Kontakten mit denen, denen Unterdrückung, Ausbeutung und Entfremdung ihr menschliches Gesicht entstellt haben ... Durch sie kommt das Heil der Menschheit; ... Unsere Haltung ihnen gegenüber oder – besser – unser Engagement für sie entscheidet darüber, ob sich unsere Existenz in Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters befindet. Das ist der Inhalt der Offenbarung, die Christus uns gibt, indem er sich mit den Armen des Matthäus-Textes identifiziert. Auf dieser Grundlage müßte eine Theologie des Nächsten entwickelt werden, die uns z. Zt. noch fehlt." {23}

Die Gewichtung, die Jesus von Nazaret der Zuwendung zum Nächsten einräume, schreibe der christlichen Theologie eine unauflösliche Präferenz ins Gedächtnis, die sich durch die Bedürftigkeit des auf Hilfe angewiesenen Menschen konstituiere {24}. Der verwundete, ausgeraubte, mißhandelte und der hungernde, durstige, nackte, obdachlose, gefangene Mensch ist der bevorzugte Ort, an dem sich der Mensch zum Nächsten macht oder nicht:

"Nur vermittels konkreter Gesten der Liebe und Solidarität kommt es zu einer effektiven Begegnung mit Christus (,Das habt ihr mir getan'). Wenn wir Liebe und Solidarität verweigern, weisen wir Christus zurück (,Das habt ihr mir nicht getan'). Der Arme, der Andere wird zu einer Offenbarung des ganz Anderen." {25}

Gutiérrez wiederholt die Argumentation in den Vorlesungen zur Spiritualität der Befreiung, gehalten an der Pontificia Universidad Católica von Lima im Jahr 1982. Im letzten Kapitel liest man unter der Überschrift "Eine doppelte Bewegung":

"Gestützt auf unsere lateinamerikanische Erfahrung, können wir bestätigen, welches Gewicht der Matthäusstelle 25,31–46 beizumessen ist. Sie hat uns geholfen zu erkennen, daß es gerade auch darauf ankommt, welche Wirkung der Dienst am Nächsten zeitigt. Allerdings liegt uns nicht allein an der Wirkung der Nächstenliebe, sondern auch an so etwas, das man ... die christliche Erdung der Caritas nennen könnte. Der Text hat uns den Blick dafür geöffnet, daß die Begegnung mit den Armen vermittels konkreter Werke unumgängliche Brücke auch zur Begegnung mit Christus ist." {26}

Zusammenfassend kann verdeutlicht werden, daß die Vielzahl der Bezüge zu Mt 25 bei Gutiérrez exemplarisch erkennen läßt, daß eine so gegründete Theologie "ihre Wurzel im göttlichen Mysterium hat, welches sich durch Jesus Christus im Leben der Armen offenbart, die für ihre Befreiung in der Welt von heute kämpfen" {27}. Damit ist über die Theologie von Gustavo Gutiérrez und über die lateinamerikanische Theologie der Befreiung insgesamt Wesentliches gesagt. Dennoch bleibt die Bestimmung dieser Gegenwart Jesu Christi in den Armen ungeklärt. Es drängt sich die Frage auf, wie sich denn diese Offenbarung Christi im Armen denken läßt bzw. wie der an Jesus Christus glaubende Mensch die Gegenwart Jesu in den Armen bezeichnen soll? Auf diese Fragen weist der befreiungstheologische Diskurs hin. Eine verbindliche, definitive Antwort findet sich nicht.

 


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Man könnte noch weitere Textbelege zur Bedeutung der Gerichtsrede in der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung anführen. Sie alle blieben Fragmente, losgelöst aus unterschiedlichsten Aussagekontexten. Die wohl aussagekräftigste Auslegung der Gerichtsrede und eine Fortführung der theologischen Intention der Rede Lercaros auf dem Konzil ist jedoch in Vergessenheit geraten. Sie hatte einen Bedeutungshorizont in der Auslegung von Mt 25,31–46 aufgezeigt, der jede Theologie, die die Praxis der Caritas in den Mittelpunkt ihrer Reflexion stellt, auf wohlbegründeter, lehramtlicher Basis argumentieren läßt. In keiner der bedeutenden befreiungstheologischen Schriften wird auf sie verwiesen. Es geht um die Wiederentdeckung der Predigt Papst Pauls VI. in San José de Mosquera in Kolumbien.

 

Die Predigt in San José de Mosquera

Am 24. August 1968 eröffnete Papst Paul VI. in der Kathedrale von Bogotá die Zweite Generalversammlung des Lateinamerikanischen Episkopats, welche zwei Tage später im diözesanen Seminar von Medellín zu tagen begann {28}. Schon bei der Planung der ersten päpstlichen Reise nach Lateinamerika hatte man die Eröffnung der Konferenz mit der Teilnahme des Papstes am 39. Eucharistischen Weltkongreß in Bogotá verbunden. Zwischen der Ankunft des Papstes, am Donnerstag vormittag, 22. August 1968, um 10.20 Uhr Ortszeit am Flughafen El Dorado in Bogotá und der Eröffnung der Zweiten Generalversammlung in der Catedral Primada de Colombia am besagten 24. August, lagen einige bedeutsame Termine, darunter ein Treffen mit dem Präsidenten der Republik Carlos Lleras Restrepo, die Weihe von 200 Priestern und Diakonen im Kongreßzentrum, die Messe für die "Campesinos" in San José de Mosquera und ein Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinde von Bogotá.

Carmelo Juan Giaquinta konnte detailliert herausarbeiten, daß im Rahmen der Reise vier Ansprachen des Papstes in besonders enger thematischer Verbindung stehen und als Ganzes gelesen werden müssen: Die Predigt an die Campesinos in San José de Mosquera (am 23. August um 11 Uhr), die Rede zum Tag der Entwicklung (am 23. August um 17 Uhr), die Predigt in Santa Cecilia (am 24. August um 8 Uhr) und die Ansprache an die versammelten Bischöfe (am 24. August um 10.30 Uhr) {29}. Man kann die Verbindung in etwa so zusammenfassen: Ausgehend von den namenlosen Situationen der Ungerechtigkeit, an denen die Menschen Lateinamerikas leiden, bezeichnet der Papst die christliche Forderung nach Gerechtigkeit als erste und minimale Forderung der christlichen Caritas. Gegen die zeitgenössischen Ideologien richte das Christentum die Überzeugung, daß diese Liebe zum anderen Menschen, zum Nächsten, an der Liebe Gottes zu den Menschen seinen Maßstab habe; und ferner, daß die Liebe der Menschen zu Gott der umgewandte Vollzug der zwischenmenschlichen Liebe sei.

 


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In allen genannten Reden verbindet Paul VI. punktuell die Motive der beiden kirchlichen Großereignisse miteinander: die bevorstehende Umsetzung der Konzilsbeschlüsse auf einem Kontinent voller Ungerechtigkeit müsse das Zentrum ihres Ausgehens stets im Auge behalten, d.h. alle Orientierungsbestrebungen der Kirche müssen von der Überzeugung der realen, liebenden Anwesenheit Gottes unter den Menschen getragen sein. Sie gibt den kirchlich-caritativen Bemühungen einen wirklich christlichen Grund.

Unter allen vier Texten hat der erstgenannte in Sprache und Intention das erkennbarste Profil. Er setzt einen theologischen Akzent, der es wert ist, ausführlicher besprochen zu werden. Mit ihm folgt Paul VI. den wesentlichen Argumentationsschritten, die Kardinal Lercaro in seiner Rede auf dem Konzil vorgetragen hatte. Und noch eine geschichtliche Besonderheit muß erwähnt werden: Auch Kardinal Lercaro war in diesen Tagen in Bogotá. Er war der Päpstliche Legat des 39. Eucharistischen Weltkongresses {30} und stand während des Papstbesuchs in Kolumbien in engem Kontakt zu Paul VI. Die Lektüre der folgenden Predigt läßt den Eindruck entstehen, daß der Papst selbst der theologischen Überzeugung Lercaros, die er auf dem Konzil beispielhaft präsentierte, mit der Autorität seiner eigenen Worte Geltung verschaffen möchte.

Am Tag zwischen seinem Besuch des Eucharistischen Weltkongresses (22. August 1968) und der Eröffnung der Generalversammlung des Episkopats (24. August) reiste der Papst am 23. August in die Diözese Facatativá, um dort mit 200000 Campesinos, Landarbeitern und Tagelöhnern aus unterschiedlichen Regionen Lateinamerikas, eine Messe an einem selbst Kolumbianern kaum bekannten Ort mit Namen San José de Mosquera, etwa 25 km außerhalb von Bogotá, zu feiern. Noch nie hatte ein Papst eine Messe in tropischer Landschaft, auf lateinamerikanischem Boden und noch dazu in Gegenwart zigtausender Menschen, die zu den Ärmsten der Armen des besuchten Landes zählen, gefeiert.

Diesem außergewöhnlichen Ereignis begegnet er mit außergewöhnlichen Worten. In herzlichem Ton formuliert er bereits seine Begrüßung: "Salve, Campesinos colombianos! Salve, trabajadores de la tierra en América Latina!" ("Seid gegrüßt, kolumbianische Bauern! Seid gegrüßt, Landarbeiter in Lateinamerika!") {31}. Schon allein der Beginn hält Überraschendes fest: Die Begegnung mit ihnen sei, so der Papst, einer der ersehntesten und schönsten Momente der ganzen Reise; einer der innerlichsten und bedeutendsten Momente seines apostolischen und päpstlichen Dienstes. Unmittelbar nach einem kurzen Hinweis zu seiner Teilnahme am Eucharistischen Weltkongreß in Bogotá entfaltet der Papst eine erstaunliche Theologie in der Auslegung der Rede vom Weltgericht (Mt 25,31–46). Darin spricht er die Landarbeiter und Tagelöhner mit den Worten an:

"Ihr seid ein Zeichen, ein Abbild, ein Mysterium der Präsenz Christi. Das Sakrament der Eucharistie bietet uns seine verborgene Gegenwart an, lebendig und real; Ihr seid auch ein Sakrament, d.h. ein heiliges Abbild des Herrn in der Welt, eine Widerspiegelung, die eine

 


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Vertretung ist und die nicht sein humanes und göttliches Gesicht verbirgt ... Die gesamte Tradition der Kirche erkennt in den Armen das Sakrament Christi, das gewiß nicht einfach gleichzusetzen sei mit der Wirklichkeit der Eucharistie, aber in vollkommen analoger und mystischer Entsprechung damit stehe."

Danach wird auf den biblischen Referenztext aus Mt 25 hingewiesen und hinzugefügt: Der Herr selbst spreche darin seine Gegenwart im Leidenden, Hungernden, Kranken, Mitleid Bedürftigen zu, als ob er selbst dieser Unglückliche sei, entsprechend des geheimnisvollen und mächtigen, evangeliumsgemäßen Humanismus Christi. In direkter Anrede fährt der Papst fort:

"Geliebte Söhne, Ihr seid Christus für uns. Wir, die wir das außerordentliche Glück haben, sein Stellvertreter im Lehramt der durch ihn geoffenbarten Wahrheit und im pastoralen Dienst der ganzen katholischen Kirche zu sein, wollen den auferstandenen und leidenden Christus in Euch entdecken. Wir sind nicht gekommen, um Eure untergebenen Beifallsrufe, die immer angenehm und bewegend sind, zu empfangen, sondern um den Herrn in Euren Personen zu ehren, um uns also vor ihnen dementsprechend zu verneigen und ihnen zu sagen, daß wir jene Liebe ... an ihn in Euch, in Euch selbst erweisen." {32}

Das Oberhaupt der Kirche versichert zudem, er kenne die elenden Umstände, in der die versammelten Armen lebten. Mit diesem Bekenntnis verbindet er einen Satz, den die Bischöfe der Generalversammlung in Medellín übernehmen werden: "Ihr hört uns jetzt schweigend zu, aber Wir hören den Schrei, der aus euren Leiden emporsteigt." {33} Obwohl Paul VI. zugibt, keine "competencia directa" in den "zeitlichen Fragen" und auch keine Mittel oder Autoritäten zu haben, um in ihre Situation praxisorientiert einzugreifen, spricht er doch gewichtige Punkte an: Er sehe sich weiterhin als Verteidiger der Sache der Armen und als Ankläger der ökonomischen Ungerechtigkeiten. Die Kirche fördere daher die entsprechenden sozialen Reformen der Länder, besonders derer, die zugunsten der Armen seien. Der Papst unterstütze diese Bestrebungen auf internationaler Ebene: der Dienst am Menschen sei der vorrangige Zweck des Reichtums. Der Papst selbst wolle Beispiel sein, indem er die besten Traditionen der Selbstlosigkeit und des Dienstes in der Kirche wiederbelebe, die uns jedes Mal den Geist der Armut in Erinnerung riefen, wie ihn der göttliche Meister gepredigt und das ökumenische Konzil bekräftigt hätten. Gegen Ende der Predigt ruft er den Landarbeitern zu:

"Seid nachsichtig, geliebte Söhne, daß wir auch an Euch die Seligpreisung der evangelischen Armut, die Euch zu eigen ist, verkünden. Eure Bedingungen als demütige Menschen sind besser geeignet das Reich der Himmel zu erreichen." {34}

Deswegen ermahnte der Papst die Versammelten, ihr Vertrauen nicht auf die Gewalt oder Revolution zu setzen, sondern die bestehenden christlichen Initiativen (wie die Katholische Aktion) zu fördern. Die Predigt schließt mit dem Worten: "Empfangt unseren apostolischen Segen! Er ist für Euch, Campesinos aus Kolumbien, aus Lateinamerika; für Euch alle, ihr Arbeiter auf dem Feld der irdischen Welt." {35}

 


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Die wirkliche Gegenwart Christi im Armen – analog zur Eucharistie

Woher nimmt Paul VI. die Überzeugung, die Armen als das Sakrament Christi zu bezeichnen? Indem er eine theologische Qualifizierung des Begriffs vornimmt, bestätigt er nicht nur dessen inhaltliche Festlegung, sondern gibt ihm eine lehramtlich untermauerte theologische Dignität. Der Papst vollzieht dies in einer Weise, indem er das "Sakrament Christi in den Armen" in Entsprechung zum "Sakrament der Eucharistie", der "Mitte" und dem "Höhepunkt des Lebens der Kirche" – Formulierungen, die Johannes Paul II. in der Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" (EE 31) 35 Jahre später verwenden wird – deutet und sagt, daß die ganze Tradition der Kirche ("toda la tradición de la Iglesia") das Sakrament Christi in den Armen in der Weise erkennen und theologisch aussagen könne, wie sie es in ihrer Tradition eben nur für die Eucharistie aussagen könne.

Mit dieser Verbindung verleiht der Papst die höchste Wertschätzung, die die Kirche dem Geschaffenem zusprechen kann, nämlich die Überzeugung der realen Präsenz von Gott selbst in Jesus Christus in der Materie von Brot und Wein (vgl. KKK 1333), in perfekt analoger und mystischer Korrespondenz ("perfecta correspondencia analógica y mística") ein weiteres Mal: in der antreffbaren Präsenz Christi in den Armen.

Paul VI. benennt den Ort für die erhabenste Bezeugung Gottes in der Welt, wie es die Kirche seit jeher schon in ihrer Theologie der Eucharistie getan habe, wenn sie über dieses Sakrament sage, daß die Kirche von der Eucharistie lebe und es den "Kern des Mysteriums der Kirche" (EE 1) zusammenfasse, daß die Eucharistie "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (LG 11) sei, daß es "das allerwertvollste Gut" sei, "das die Kirche auf ihrem Pilgerweg durch die Geschichte haben" (EE 9) könne und daß es "als Höhepunkt aller Sakramente" (EE 34) gelte.

Dann verdeutlicht Paul VI., daß die Kirche all ihre Überzeugungen bezüglich der Eucharistie auch in perfekt analoger und mystischer Korrespondenz auf das "Sakrament Christi in den Armen" hin aussagen könne: Der Arme fasse demnach auch den "Kern des Mysteriums der Kirche" (EE 1) zusammen; der Arme sei auch "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (LG 11); der Arme sei ferner "das allerwertvollste Gut, das die Kirche auf ihrem Pilgerweg durch die Geschichte haben kann" (EE 9); und der Arme sei auch der "Höhepunkt aller Sakramente" (EE 34).

Paul VI. weist mit diesen Worten dem humanen und sozialen Dienst der christlichen Caritas, die sich den Kranken, Hungernden, Bedürftigen, "Armen und Bedrängten aller Art" (GS 1) zuwendet, jenen Platz und Stellenwert in der Kirche zu, den die Kirche immer schon für die Feier des Sakraments der Eucharistie bereitgestellt hat. Eucharistie und die Praxis zugunsten der Armen gehören aufgrund ihrer höchsten theologischen und heilsgeschichtlichen Dignität zusammen. Das Bekenntnis der realen Präsenz Christi in der Welt und seiner Begegnungsmöglichkeit für die Menschen der Welt sind zentrale Gabe und Aufgabe, Zeichen und Werkzeug

 


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der Christen in der Welt. Der Papst bekräftigt sogar den Entsprechungscharakter von Eucharistie und Praxis zugunsten der Armen mit der Aussage:

Die Armen sind "ein heiliges Abbild des Herrn in der Welt (una imagen sagrada del Señor en el mundo) ... Ihr seid Christus für uns (vosotros sois Cristo para Nos)" {36}.

Weil Paul VI. in den Landarbeitern und Tagelöhnern Christus erkennt, würdigt er die Präsenz des Sohnes Gottes in ihnen und durch sie. Bewußt gebraucht er dafür theologisch geprägte Begriffe, wie sie aus der eucharistischen Verehrung bekannt sind: "honrar al Señor en vuestras personas". Lehramtliche Belege zur Verbindung der Motivik findet man in den spanischsprachigen Versionen der späteren lehramtlichen Dokumente von Johannes Paul II.: in den Enzykliken "Ecclesia de Eucharistia" und "Evangelium vitae". Beide Texte sprechen von der eucharistischen Verehrung und formulieren: "honrar el cuerpo de Cristo" {37}. Beide Texte zitieren dabei wörtlich aus den Predigten über das Matthäusevangelium von Johannes Chrysostomos {38}. Beide Texte führen die Auslegung der Gerichtsrede in Mt 25,31–46 an:

"Willst du den Leib des Herrn ehren? Vernachlässige ihn nicht, wenn er unbekleidet ist. Ehre ihn nicht hier im Heiligtum mit Seidenstoffen, um ihn dann draußen zu vernachlässigen, wo er Kälte und Nacktheit erleidet. Jener, der gesagt hat: ,Dies ist mein Leib', ist der gleiche, der gesagt hat: 'Ihr habt mich hungrig gesehen und mir nichts zu essen gegeben', und ,Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.' ... Was nützt es, wenn der eucharistische Tisch überreich mit goldenen Kelchen bedeckt ist, während er Hunger leidet? Beginne damit, den Hungrigen zu sättigen, dann verziere den Altar mit dem, was übrigbleibt." {39}

 

Die Präsenz Christi in der Eucharistie und in den Armen

Wenn die Behauptung stimmt, daß die theologische Begründung der "Kirche der Armen" in den Konzepten befreiungstheologischen Denkens ausformuliert wurde, so führt man damit jene thematische Linie weiter, die an Markierungspunkten wie der Radioansprache Johannes XXIII., der Konzilsrede Kardinal Lercaros und der Predigt Pauls VI. verläuft. Obwohl dieser Text in Vergessenheit geriet, haben viele namhafte Theologen vergleichbare Argumentationsstrukturen erarbeitet und veröffentlicht. Dabei fällt auf, daß sie sich immer wieder auf Mt 25 beriefen.

Neben Gustavo Gutiérrez stützen sich auch die Jesuiten der Universidad Centroamericana (UCA) in San Salvador auf dessen Bedeutung. Martin Maier SJ stieß in seinen Untersuchungen zum Leben und Werk des Erzbischofs von San Salvador, Oscar Arnulfo Romero, auf eine bemerkenswerte Predigt zum Fronleichnamsfest 1978, in der Romero, ähnlich wie Paul VI. zehn Jahre vorher, einen Zusammenhang zwischen der Gegenwart Christi in der Eucharistie und in der Existenz der Armen und Elenden herstellte:

 


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"Eine Verehrung für den Leib und das Blut des Menschensohnes erscheint durchaus am Platze, solange es so viele Übergriffe auf den Leib und das Blut in unserer Bevölkerung gibt. Ich möchte gerne in diese Feier unseres Glaubens zu Ehren der Gegenwart des Leibes und des Blutes Christi, ... all das Blut und die Berge von Leichen mit hineinnehmen, die hier in unserer Heimat und in der ganzen Welt dahingemordet werden." {40}

Nach der Ermordung Romeros († 1980) nimmt Ignacio Ellacuría SJ († 1989) das Kernargument auf und verdeutlicht: In den Armen "ist vor allem die Gegenwart Jesu in besonderer Weise gegeben, eine verborgene, aber nicht minder reale Gegenwart" {41}. Jon Sobrino SJ unterstreicht – auf gleichem Fundament stehend – beständig: "Im Zentrum der Theologie der Befreiung steht die Gegenwart Gottes in den Armen." {42} Jesus Christus mache sich selbst in der Geschichte bleibend zugänglich. Er gebe dafür einen Ort bekannt, an dem ihm in dichter und ausdrücklicher Form begegnet werden kann: im existentiell bedrohten, bedürftigen Menschen. Gerade dort, wo die Zuwendung zu ihm im Erniedrigten zur Praxis wird, ist der Ort der Anwesenheit Christi. Es ist ein bevorzugter christlicher Ort, der Ort des präsenten Evangeliums, in der Art, daß er sich bei denen anwesend zusagt, denen er selbst die Frohe Botschaft vom kommenden Reich Gottes zugesagt hat: den Randexistenzen der Gesellschaft.

Die Auslegung von Mt 25 hat in der Theologie der Befreiung an vielen Stellen und bei namhaften Autoren über vier Jahrzehnte hinweg eine gewichtige Rolle gespielt. Um so mehr überrascht, daß die aussagekräftigste, lehramtliche Deutung, noch dazu im Umfeld des Gründungsereignisses einer bischöflich getragenen Theologie der Befreiung von Medellín, in Vergessenheit geriet. Die Predigt von Papst Paul VI. in San José de Mosquera am 23. August 1968 läßt sich als Ausdruck der traditionellen Überzeugung der Kirche lesen: Die reale Präsenz des sich durch Jesus Christus endgültig offenbarenden Gottes in der Welt kann von der Kirche zweimal in perfekt analoger und mystischer Korrespondenz ausgesagt werden: für die Präsenz Christi in der Eucharistie und für die Präsenz Christi in den Armen und von Not Bedrängten aller Art.

In bezug auf das Selbstverständnis und die Praxis der Kirche läßt sich sagen: Wenn die Kernaufgabe, der eigentliche Auftrag der Kirche in der Welt und der Grund ihrer Existenz, darin besteht, das Evangelium zu bezeugen und zu verkünden, und wenn sie weiß, wo die Orte der realen Präsenz Gottes in der Welt sind, nämlich in der eucharistischen Gott-Mensch-Begegnung und in der diakonischen Begegnung mit dem Armen und von Not Bedrängten aller Art, dann gibt sie zwei Fundamente an, auf denen sie ihre Legitimität baut: Die Kirche ist da, um Leben, Kreuz und Auferstehung Christi in der Welt vergegenwärtigend zu bezeugen – in höchster Form tut sie dies in der Feier der Eucharistie und im Dienst zugunsten des von Not Bedrängten und Armen.

 


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ANMERKUNGEN

{1} Zit. nach P. Gauthier, Tröstet mein Volk. Das Konzil u. "die Kirche der Armen" (Graz 1966) 247.

{2} N. Klein, Aggiornamento u. "Zeichen der Zeit". Zu den Konzilsprojekten von Johannes XXIII. u. Paul VI., in: Visionen des Konzils. 30 Jahre Pastoralkonstitution "Die Kirche in der Welt von heute", hg. v. G. Fuchs u. A. Lienkamp (Münster 1997) 27–50,34f.

{3} K. Wenzel, Kleine Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (Freiburg 2005) 16.

{4} G. Alberigo, "Die Kirche der Armen". Von Johannes XXIII. zum Zweiten Vatikanischen Konzil, in: Blutende Hoffnung (FS Gustavo Gutiérrez, Luzern 2000) 67–88,76.

{5} Der Originaltext ist abgedruckt in: Acta synodalia sacrosancti Concilii Oecumenici Vaticani II. Periodus prima. 4 Congregationes generales XXXI–XXXVI (Rom 1971) 327–330, 327.

{6} Ebd. 327f.

{7} Zit. nach M.-D. Chenu, "Kirche der Armen" auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil, in: Conc(D) 13 (1977) 232–235,233.

{8} Ebd.

{9} Vgl. G. Ruggieri, Der schwierige Abschied von der kontroverstheologisch geprägten Ekklesiologie, in: Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959–1965), Bd. 2, hg. v. G. Alberigo u. K. Wittstadt (Mainz 2000) 331–419,404–407.

{10} G. Alberigo, Die Fenster öffnen. Das Abenteuer des Zweiten Vatikanischen Konzils (Zürich 2006) 78.

{11} Vgl. F. O. de Urtaran, La opción por los pobres. Un poco de historia, in: Lumen 36 (1987) 216–246, bes. 220, A. 10.

{12} Alberigo (A. 4) 71.

{13} Vgl. CivCatt 114 (1963) 285–286.

{14} Vgl. J. O. Beozzo, Die brasilianische Kirche nach dem Konzil – Zeichen der Zeit u. aktuelle Herausforderung, Das Zweite Vatikanische Konzil u. die Zeichen der Zeit heute, hg. v. P. Hünermann (Freiburg 2006) 451–476,456

.

{15} Alberigo (A. 4) 83.

{16} G. Gutiérrez, Die Kirche der Armen, in: MThZ 42 (1991) 141–150,143.

{17} Z. B. GS 1; LG 8,42,88; CD 13; PO 20, oder das Kapitel über das Wirtschaftsleben von GS.

{18} M. Eckholt, Kirche der Armen. Die Rezeption des Zweiten Vatikanums in Lateinamerika, in: HerKorr Spezial: Das unerledigte Konzil. 40 Jahre Zweites Vatikanum (2005) 50–54,50,52.

{19} G. Gutiérrez, Theologie der Befreiung (Mainz 41979) 181.

{20} Ebd. 184.

{21} Ebd. 186.

{22} Schlußansprache Pauls VI. am 7. Dezember 1965, in: Das Konzil u. seine Folgen, hg. v. M. v. Galli u. B. Moosburger (Luzern 1966) 287–295,295.

{23} Gutiérrez (A. 19) 190.

{24} Vgl. G. Gutiérrez, Evangelio y derechos humanos, in: ders., Densidad del presente. Selección de artículos (Lima 1996) 289–293,293.

{25} G. Gutiérrez, Befreiungspraxis, Theologie u. Verkündigung, in: Conc(D) 10 (1974) 408–419,412.

{26} Vgl. G. Gutiérrez, Aus der eigenen Quelle trinken. Spiritualität der Befreiung (München 1986) 124.

{27} C. Luy Montejo, Armut u. Spiritualität. Der Beitrag Gustavo Gutiérrez’ zur Theologie der Evangelisierung (Frankfurt 2006) 26.

{28} Vgl. ausführlicher in: B. Bleyer, Subjektwerdung des Armen. Zu einem theologisch-ethischen Argument im Zentrum lateinamerikanischer Befreiungstheologie (Regensburg 2008) Kap. 7.

{29} Vgl. C. J. Giaquinta, La pobreza y los pobres de América Latina en la enseñanza de Pablo VI., in: Pablo VI y América Latina. Jornadas de Estudio. Buenos Aires, 10–11 de octubre de 2000, hg. v. R. Papetti

 


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(Brescia 2002) 127–139,134; S. Scatena, In populo pauperum. La chiesa latinoamericana dal concilio a Medellín (1962–1968) (Bologna 2007) 429–445.

{30} Vgl. F. Oberkofler, An den Wurzeln des Glaubens. Gott, sich u. die Welt finden. Kardinal Giacomo Lercaro (1891–1976). Leben, Werk, Bedeutung (Würzburg 2003) 117.

{31} Vgl. Paul VI., Ad quamplurimos Columbianos agri cultores v. D. "campesinos", undique in Campo v. "S. José de Mosquera" coadunatos, in: AAS 60 (1968) 619–623, 619.

{32} "Para honrar al Señor en vuestras personas, para inclinarnos por tanto ante ellas y para deciros que aquel amor ... de quien somos el humilde y último sucesor, lo rendimos a El en vosotros, en vosotros mismos."

{33} Zit. nach Medellín, "Armut der Kirche", Nr. 2, in: Dokumente von Medellín, hg. v. Bischöfliche Aktion Adveniat (Essen 1972) 133–139,133.

{34} Paul VI. (A. 31) 623.

{35} Ebd.

{36} Ebd. 619.

{37} Vgl. Ecclesia de Eucharistia 20 und die zugehörige Note 34; Evangelium vitae 87 und die zugehörige Note 113.

{38} Vgl. M. Blum, "Aber Dir ist ein anderes Ziel gesetzt: Christus in den Armen zu bekleiden ..." (Hieronymus ep. 130,14) – Rezeptionsgeschichtliche Anmerkungen zu den Werken der Barmherzigkeit, in: "Dies ist das Buch ..." Das Matthäusevangelium. Interpretation – Rezeption – Rezeptionsgeschichte (FS Hubert Frankemölle, Paderborn 2004) 254–274,270.

{39} Zit. nach Ecclesia de Eucharistia 20 und die zugehörige Note 34; vgl. J. Chrysostomus, In Evangelium S. Matthaei homiliae, 50,34, in: PG 58,508–509.

{40} M. Maier, Oscar Romero. Meister der Spiritualität (Freiburg 2001) 136.

{41} I. Ellacuría, Die Kirche der Armen, geschichtliches Befreiungssakrament, in: Mysterium liberationis. Grundbegriffe der Theologie der Befreiung, Bd. 2, hg. v. dems. u. J. Sobrino (Luzern 1996) 761–787,781.

{42} J. Sobrino, Gedanken über Karl Rahner aus Lateinamerika, in dieser Zs., Spezial 1 (2004) 43–56,51.

 

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