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Erich Zenger

Das Jesus-Buch von Benedikt XVI.

Im Licht des Alten Testaments

 

Aus der Zeitschrift der Katholischen Akademie in Bayern 'zur debatte', 5/2007, S. 29-31

 

    "Zu dem Jesus-Buch ... bin ich lange innerlich unterwegs gewesen", sagt Papst Benedikt von dem Buch, das zu seinem 80. Geburtstag erschienen ist. In ihm geht es um die von den Evangelien gezeichnete Gestalt und Botschaft Jesu. Prof. Dr. Erich Zenger von der Universität Münster stellte das Buch des Papstes in seinem Abendvortrag am 12. Juni 2007 in das Licht des Alten Testamentes und bezeichnete es als eine Art "Summa theologica" des Papstes sowie als eine "theologisch überzeugende und sprachlich schöne Wegweisung". "zur debatte" macht den Vortrag zugänglich.

 

Manche Autoren lieben es, das Vorwort zu ihrem Buch nicht nur mit nüchternen Zahlen zu datieren, sondern mit weiteren Angaben zu versehen, die meist programmatisch gemeint sind. Unter dem Vorwort des Jesus-Buches steht: "Rom, am Fest des heiligen Hieronymus, 30. September 2006. Joseph Ratzinger - Benedikt XVI." Die zwei Namen, mit denen das Vorwort unterschrieben ist, zuerst der bürgerliche und dann der päpstliche (in dieser Reihenfolge), sind ein erster Lesehinweis. Es ist das persönliche Buch des Menschen, Christen, Theologen Joseph Ratzinger. Aber zugleich ist es das Buch des Joseph Ratzinger, der Papst ist. So ist es zwar kein Buch, das lehramtliche Autorität hat und deshalb von den Katholiken Glaubensgehorsam einfordert, aber es wird gleichwohl großen Einfluss haben, vor allem dann, wenn es in dem, was es sagt, und durch die Art und Weise, wie es redet, Zustimmung findet. Einen zweiten Lesehinweis gibt die Datierung auf das Fest des heiligen Hieronymus, des wohl bedeutendsten Bibelwissenschaftlers der Alten Kirche. Er war nicht nur ein genialer Übersetzer und Ausleger der Bibel, sondern bemühte sich um eine Synthese von jüdisch-christlicher Theologie und antiker Kultur. Gegen Augustinus verteidigte Hieronymus bei der Bibelübersetzung die Priorität der veritas Hebraica gegen die Graeca veritas. Und am Anfang seines Jesajakommentars formuliert er den hermeneutischen Basissatz christlicher Bibellektüre: "ignoratio enim Scripturarum ignoratio Christi est", d.h. "die Schriften nicht kennen heißt Christus nicht kennen." Es ist keine Frage: Mit "Schriften" meint Hieronymus hier die Heilige Schrift des Judentums bzw. das christliche Alte Testament, das ich selbst gerne auch "Erstes Testament" nenne. Das Wort des Hieronymus sagt also: Das Alte Testament nicht kennen und nicht verstehen heißt Jesus Christus nicht verstehen. Das ist meines Erachtens auch die Leitidee des Jesus-Buchs von Benedikt XVI. Da ich Alttestamentler bin, habe ich das Buch vor allem mit der Brille des Alttestamentlers gelesen. Und ich sage ohne Einschränkung: Ich habe es gerne gelesen. Mit großer Zustimmung, aber auch mit manchen ernsthaften Rückfragen.

Ein sehr persönliches Buch der Gottsuche

Das Jesus-Buch ist ein sehr persönliches Buch, zu dem der Papst, wie er im ersten Satz des Vorworts sagt, "lange innerlich unterwegs gewesen" (10) ist. Mit dem Schreiben hat er als Kardinal im Sommerurlaub 2003 begonnen. Es sollte sein großes Glaubensbuch werden, sozusagen eine Summa theologica seines Lebens. Allerdings nicht im Stil eines Thomas von Aquin, nicht in der verobjektivierenden Sprache einer Dogmatik, nicht im elementarisierenden, generalisierenden Stil eines Katechismus, sondern in der Lebendigkeit eines persönlichen Glaubenszeugnisses. An dieser Absicht hat er auch nach "seiner Wahl auf den Bischofssitz zu Rom" (23) festgehalten und, wie er selbst sagt, "alle freien Augenblicke genutzt, um das Buch voranzubringen" (23).

 

Eine geradezu poetische Liebeserklärung

In der Tat: Dies ist ein sehr persönliches Buch, weil er es - man spürt es beim Lesen immer wieder - selbst geschrieben hat. Da waren keine Ghostwriter am Werk (wie das bei vielen Prominenten der Fall ist), und da gab es keine Textvorlagen, die ein Mitarbeiterstab entworfen hat und die dann vom Chef abschließend redigiert wurden. Jedenfalls ist das der Eindruck, den ich als literarkritisch geschulter Exeget beim Lesen des Buchs gewonnen habe. Ich glaube, dass Joseph Ratzinger dieses Buch mit innerer Freude geschrieben hat. Der Erzbischof von Straßburg, Joseph Doré, der Schüler Ratzingers war, als Ratzinger an unserer Münsteraner Fakultät lehrte, hat diesen persönlichen Stil des Papstbuchs bei der Präsentation in Paris als die "Sensibilität eines Verliebten" charakterisiert und dies so zusammengefasst: "Er liebt Jesus." Ja, dieses Buch ist eine wissenschaftlich fundierte und streckenweise sogar poetische Liebeserklärung an Jesus von Nazareth.

Als professioneller Psalmenausleger freue ich mich verständlicherweise sehr, dass der Papst das Anliegen seines Buches mit einer Anspielung auf Psalm 27 zusammenfasst, in dem es heißt: "Dein Angesicht, Lebendiger, suche ich. Verbirg dein Angesicht nicht vor mir. Dein Angesicht zu schauen ist mein Glück" (Ps 27, 8-9, 13). Benedikt XVI. sucht das Angesicht Gottes in Jesus von Nazareth, und zwar im Zeugnis der Evangelien, wie er sie liest und versteht.

 

Ein pointiert bibeltheologisches Buch

Davon bin ich schlichtweg beeindruckt: Der Papst liebt die Bibel und lebt mit der Bibel. Und dieser Papst liest und erklärt die Bibel auf hohem bibelwissenschaftlichen Niveau (wenngleich mit sehr begrenzter Wahrnehmung der neueren Fachliteratur). Mich fasziniert, dass die Bibel und das Studium der Bibel beim späten Ratzinger konsequent "das Fundament" und "die Seele" seiner Theologie geworden sind. Beide Metaphern stammen aus Artikel 24 der Dogmatischen Konstitution über die Offenbarung ("Dei Verbum") des Zweiten Vatikanums und wurden 1967 von dem damals in Tübingen lehrenden Joseph Ratzinger, der bei der sehr kontroversen Genese des Dokuments zusammen mit Karl Rahner, Yves Congar und Edward Schillebeeckx als Theologe von Kardinal Frings eine wichtige Rolle spielte, im entsprechenden Kommentarband des LThK folgendermaßen erläutert: "Artikel 24 ist der Funktion der Schrift für die Theologie zugeordnet. Diese Funktion wird zunächst mit dem Bild des Fundaments beschrieben, wobei das Moment der Beständigkeit im Vordergrund steht" (LThK II, 576). Was Ratzinger dann zur Metapher "Seele" sagt, erklärt m.E. seine ambivalente Beziehung zur aktuellen Bibelwissenschaft, die im Jesus-Buch zum Ausdruck kommt. Ratzinger schrieb 1967: "In den bisherigen Handbüchern der Dogmatik bildete den Ausgangspunkt der Betrachtung die jeweilige kirchliche Lehrvorlage. Im Anschluss daran wurde ein Schrift- und Überlieferungsbeweis geboten und dann eine theologische Verarbeitung versucht. Das hatte zur Folge, dass die Schrift grundsätzlich nur unter dem Aspekt des Beweises für vorhandene Aussagen betrachtet wurde. Wo neue Fragen verhandelt wurden, ergaben sie sich in der Regel aus der Arbeit der systematischen Theologie selbst, nicht aus den Anstößen der Schrift" (LThK II, 577). Ich selbst habe von 1958 bis 1966 in Rom studiert und unsäglich an dieser bibelfeindlichen Theologie gelitten.

 

Enttäuschung über die historisch-kritische Exegese

Es ist im Rückblick offenkundig: Als Folge des Zweiten Vatikanums brach damals in vielen Regionen der katholischen Kirche ein "Bibelfrühling" aus, sowohl im Leben der Gemeinden als auch in der theologischen Wissenschaft. Über diesen frühnachkonziliaren Bibelfrühling hat sich längst ein frostiger, winterlicher Reif der Enttäuschung gelegt. Mehr und mehr wurde und wird die moderne Bibelwissenschaft nicht mehr als Inspiratorin, sondern als Zerstörerin des Glaubens gesehen und erlebt. Der nicht ganz unberechtigte Hauptvorwurf lautet: Sie analysiert und interpretiert mit faszinierender und selbstfaszinierter Gelehrtheit die biblischen Texte als historische Dokumente, aber sie hat vergessen, dass die Bibel ein Buch des Glaubens und der Kirche ist. Oder, um es noch klarer zu sagen: Viele Bibelwissenschaftler präsentieren die Bibel nur als Dokumente der altorientalischen und der hellenistisch-römischen Religions- und Sozialgeschichte, aber nicht auch als formatives und normatives Lebensbuch des heutigen Christentums. Diese Relevanz der Bibel überlassen viele Exegeten der Dogmatik oder der Praktischen Theologie.

Ist es verwunderlich, dass die Bibelwissenschaft in Theologie und Kirche mehr und mehr an Einfluss verliert? Ist es verwunderlich, dass es neuerdings wieder katholische Dogmatiker gibt, die stolz darauf sind, bei ihren Entwürfen ohne die Bibel auszukommen? Ist es verwunderlich, dass Menschen, die mit der Bibel leben wollen, neue Wege und Methoden suchen und praktizieren, denen bei aller Unterschiedlichkeit der Verzicht auf die moderne Exegese gemeinsam ist.

Ich habe den Eindruck: Das Jesus-Buch von Benedikt XVI. ist von dieser Ambivalenz der Rolle der Bibel in der wissenschaftlichen Theologie und im Leben der Kirche sehr wesentlich beeinflusst. Diese Zweifel an der theologischen Leistungsfähigkeit der modernen Bibelwissenschaft beunruhigen den Papst unübersehbar. Ich will dies mit zwei Hinweisen verdeutlichen:

(1) Im Vorwort beschreibt er die von mir eben skizzierte Situation folgendermaßen: "Die Fortschritte der historisch-kritischen Forschung führten zu immer weiter verfeinerten Unterscheidungen zwischen Traditionsschichten, hinter denen die Gestalt Jesu, auf den sich doch der Glaube bezieht, immer undeutlicher wurde, immer mehr an Kontur verlor. Zugleich freilich wurden die Rekonstruktionen dieses Jesus ... immer gegensätzlicher: vom antirömischen Revolutionär, der auf den Umsturz der bestehenden Mächte hinarbeitet und freilich scheitert, bis zum sanften Moralisten, der alles billigt und dabei unbegreiflicherweise selber unter die Räder kommt. Wer mehrere dieser Rekonstruktionen nebeneinander liest, kann alsbald feststellen, dass sie weit mehr Fotografien der Autoren und ihrer Ideale sind als die Freilegung einer undeutlich gewordenen Ikone. Insofern ist inzwischen zwar Misstrauen gegenüber diesen Jesus-Bildern gewachsen, aber die Figur Jesu selbst hat sich nur umso weiter von uns entfernt" (10f).

 


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(2) Die Enttäuschung über die moderne Exegese, ja sogar ein tief sitzendes Misstrauen ihr gegenüber zeigt sich in einer Passage des Buchs, die eigentlich seinem sonstigen Niveau nicht würdig ist. Es ist jene Passage, in der der Papst auf die 1899/1900 erschienene "Kurze Erzählung vom Antichrist" des russischen Philosophen und Dichters Wladimir Solowjew anspielt, in der dieser erzählt, der Antichrist habe als großer Bibelgelehrter von der Universität Tübingen den Ehrendoktor der Theologie erhalten. Ob der Papst zu dieser Assoziation Erinnerungen an selbst erlebte Tübinger Zeiten angeregt haben, weiß ich nicht. Im Jesus-Buch kommentiert er den Hinweis folgendermaßen: "Solowjew hat mit dieser Darstellung seine Skepsis gegenüber einem gewissen Typ exegetischer Gelehrsamkeit seiner Zeit drastisch ausgedrückt. Das ist kein Nein zur wissenschaftlichen Bibelauslegung als solcher, aber eine höchst heilsame und notwendige Warnung vor ihren möglichen Irrwegen. Bibelauslegung kann in der Tat zum Instrument des Antichrist werden" (64).

Trotz der Enttäuschung über moderne Exegese hält der Papst sie weiterhin für unverzichtbar, erklärt ausdrücklich, dass er selbst ihr viele Einsichten verdanke, und legt eben nun sein Buch vor, das zeigen will, dass und wie die Bibel und ein wissenschaftlich reflektierter Umgang mit ihr die "Seele" der Theologie sein können.

 

Ein zugespitztes Buch

Noch eine lange Reihe von Gesichtspunkten könnte benannt werden, an denen das persönliche Profil des Autors dieses Jesus-Buchs erkennbar wird. Ich nenne nur noch einen Aspekt, weil er mir besonders relevant zu sein scheint. Als sehr persönliches Buch ist es ein einseitiges und zugespitztes Buch. Was für alle Jesus-Bücher gilt, gilt auch hier (selbst wenn der Autor dem widersprechen würde): Das jeweilige Jesusbild ist (fast) immer das höchstpersönliche, subjektive und einseitige Bild ihrer Autoren. Dieses Jesus-Buch ist ein großartiges Glaubenszeugnis eines theologischen Denkers. Aber ich vermisse in ihm die Leidenschaft, die von den unsäglichen Leiden und konkreten Nöten der Menschen, von ihren berechtigten Zweifeln, ja vom Ernst ihres Nicht-Glauben-Könnens erschüttert ist. Ich will es sehr pathetisch formulieren: Dieses Jesus-Buch ist nicht in der Arena des Leids, sondern im Gelehrtenzimmer geschrieben. Es ist ein spektakulär vollkommenes Gottesbuch, aber seine Botschaft ist mir insgesamt zu wenig geerdet. Immer wieder wird zwischen den Zeilen die Sorge, ja die Angst sichtbar, dass die Gottesbotschaft der Bibel gesellschaftlich oder politisch missverstanden oder missbraucht werden könnte. Es ist die Sorge, dass die Gott-Suche und die Botschaft von der Zuwendung Gottes nicht mehr den ersten Platz in der Verkündigung der Kirche und im Leben der Einzelnen einnehmen.

Wahrscheinlich wird das Leiden an Gott und die tiefe Not der Gottverlassenheit, also die ganze Dramatik der Theodizeefrage, im zweiten Band im Kontext der Passion Jesu erörtert. Aber gehört nicht der Jesus von Nazareth, der vom realen Hunger der Menschen, von ihren leibhaftigen Krankheiten und von ihren seelischen Leiden herausgefordert wird und ihnen Brot zum Essen gibt, ohne nach ihrem Glauben zu fragen, der sie leiblich und seelisch heilt, um ihnen dadurch das Angesicht des bedingungslos liebenden Gottes zu offenbaren, so zentral zum öffentlichen Wirken Jesu, dass ich doch überrascht bin, dass diese sehr realen Lebensgeschichten im Jesus-Buch nicht vorkommen - bzw. eben nur in der Perspektive des Johannes-Evangeliums, wo sie hochreflektiert als theologische "Zeichen" präsentiert werden? Zumindest im Alten Testament werden die Hungernden und Dürstenden zuallererst durch Brot und Wasser vor dem Tod gerettet. Der biblische Gott will eine menschenwürdige Gesellschaft, weil er in sehr konkretem Sinne ein menschenfreundlicher Gott ist. Wird hier nicht doch sichtbar, dass der Jesus dieses Jesus-Buchs eben zuallererst und zutiefst "Wort" und erst abgeleitet "Tat" Gottes ist? Ob hier nicht doch ein wenig, um es vorsichtig zu sagen, der Theologe und der Priester Ratziger das zu Grunde liegende Denkmodell ist? Würde er das Buch auch so schreiben, wenn er - wie Jesus von Nazareth - das Alltagsleben der Menschen sehr konkret teilen müsste bzw. dürfte? Nach der Lektüre dieses Jesus-Buchs kann ich begreifen (wenn auch aus gesamtbiblischer Perspektive nicht zustimmen), warum der Papst mit der politischen Theologie und mit der Befreiungstheologie Probleme hat und warum er mit der Christologie von Jon Sobrino wenig anfangen kann.

 

Das hermeneutische und methodische Programm

Kein ernst zu nehmender Bibelwissenschaftler würde heute noch ein Leben Jesu schreiben wollen. Eine Biographie oder ein Psychogramm Jesu von Nazareth scheitert zunächst an der Spärlichkeit der Quellen. Als primäre Quellen hätten wir dafür die Evangelien und als sekundäre Quellen Hinweise bei Tacitus, Sueton und vielleicht bei Flavius Josephus. Das eigentliche Problem sind aber die Evangelien selbst, die keine historischen Berichte über die Vita Jesu sein wollen. Sie sind stark geprägt vom nachösterlichen Glauben, den sie bezeugen und verkünden. Und sie haben eine komplizierte, vielschichtige Entstehungsgeschichte. Andererseits wissen wir heute ziemlich viel über die Zeit und den Raum, in denen Jesus gelebt hat. Deshalb gibt es exzellente historisch-kritische Arbeiten, die Jesus als eine Gestalt des Judentums und die Jesusbewegung als eine innerjüdische Erneuerungsbewegung erforschen. Die historisch-kritischen Jesusbücher von Martin Ebner und Gerd Theißen sind alles andere als glaubenszersetzend, aber sie wollen und können nicht das in Jesus offenbar gewordene Gottesgeheimnis erreichen, das die biblischen Texte bezeugen und um das es Benedikt XVI. in seinem Jesus-Buch geht.

 

Ein ambitioniertes Gegenprogramm zur historisch-kritischen Jesus-Forschung

Streng genommen geht es ihm noch um mehr: Er will den Nachweis führen, dass diese Glaubenszeugnisse historisch glaub-würdig sind. Er will die verbreitete Unterscheidung bzw. Trennung zwischen dem Jesus der Geschichte und dem Christus des Glaubens überwinden. Während die überwiegende Mehrheit der Neutestamentler der Meinung ist, dass die entfaltete Christologie des Johannes-Evangeliums oder des Christus-Hymnus des Philipper-Briefs (2,6-11), nach der Jesus Gott gleich bzw. Gottes Sohn bzw. Gott selbst ist, eine spätere theologische Kreation der Gemeinden sei, stellt der Papst die Gegenfrage: "Wieso konnten unbekannte kollektive Größen so schöpferisch sein, so überzeugen und sich durchsetzen? Ist es nicht auch historisch viel logischer, dass das Große am Anfang steht und dass die Gestalt Jesu in der Tat alle Kategorien sprengte und sich nur vom Geheimnis Gottes her verstehen ließ?" (21f).

Das ist ein ambitioniertes wissenschaftliches Projekt, das der Papst da wagt, indem er die Fragestellung einfach umdreht. Er fragt nicht: Was können wir mit den Mitteln der historischen Forschung einigermaßen sicher über den historischen Jesus wissen, und wie kommen wir von diesem historischen Jesus zum Glauben an den Christus? Er fragt vielmehr: Worin konvergieren die vielfältigen Zeugnisse der Evangelien über Jesus, und ist dieses Glaubenszeugnis mit der geschichtlichen Gestalt Jesu historisch plausibel? Gegen die Bedenken und Zweifel der historisch-kritischen Analyse setzt er seine geradezu konfessorisch formulierte Option: Ich traue den Evangelien, sogar dem Johannes-Evangelium, ihm sogar besonders, als historisch glaubwürdigen Zeugen.

Damit stellt sich das Buch eine doppelte Aufgabe: Es muss zum einen die vielen und teilweise sich widersprechenden Stimmen der Evangelien über Jesus zu einem stimmigen Zusammenklang zusammenführen, was angesichts der bekannten Disharmonie zwischen den Synoptikern Matthäus, Markus, Lukas auf der einen Seite und dem Johannes-Evangelium auf der anderen Seite einen geradezu genialen Dirigenten bzw. Interpreten braucht, wenn daraus schlussendlich doch ein gemeinsames, wenngleich polyphones Lied werden soll. Und dann muss der noch viel schwierigere und anstrengende Versuch unternommen werden, dieses vielstimmige Lied auf eine Urmelodie zurückzuführen, die der historische Jesus selbst war bzw. ist.

Das erste Projekt, die Zusammenführung der vielen Stimmen zu einem gemeinsamen Lied, ist hervorragend gelungen. Dass das zweite Projekt, die wissenschaftlich plausible Rückführung auf Jesus als geschichtliche Gestalt gelungen ist, bezweifle ich. Ich bin sogar der Meinung, dass das nicht oder nur ganz fragmentarisch möglich ist.

 

Drei hermeneutische Optionen

Die Hermeneutik, mit der Benedikt XVI. die biblischen Texte liest, ist von drei Optionen bestimmt, die ich in meiner Terminologie synchrone, kanonische und rezeptionsästhetische Lektüre bezeichnen würde.

(1) Erste hermeneutische Option: Synchrone Lektüre. Die historisch-kritische Exegese der letzten zwei Jahrhunderte war weitgehend darauf fixiert, die Entstehung der biblischen Texte zu erforschen und die rekonstruierten Textschichten als Dokumente ihrer jeweils vermuteten Entstehungszeit zu erklären, wobei häufig die romantische These im Hintergrund stand, die älteste Textstufe sei, weil dem erzählten Geschehen am nächsten, auch die historisch glaubwürdigste. Bei Texten mit einer komplexen Entstehungsgeschichte war man vor allem an dieser selbst interessiert und die Endgestalt des Textes blieb oft sogar unbeachtet. Dies sind für den Exegeten spannende und für das Verständnis der Texte keineswegs belanglose Fragen. Aber heilig und normativ sind Judentum und Christentum nicht hypothetisch erschlossene Vorstufen, sondern die Endgestalt der Texte. Dieser hat die historisch-kritische Exegese bei ihrer diachronen Lektüre zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Auf die Endgestalt der Texte konzentriert sich nun die synchrone Lektüre, wobei das methodische Verhältnis von Diachronie und Synchronie ein derzeit heftig diskutiertes Problem ist. Um diese Problematik sorgt sich der Papst in seinem Buch nicht. Seine Option für die synchrone Lektüre ist bibelwissenschaftlich begründbar, aber die Beobachtungen der diachronen Lektüre haben mit der Eigenart der Texte selbst zu tun. Ob die Tatsache, dass wir eben nicht ein Evangelium, sondern vier Evangelien haben, vom Papst nicht doch ernsthafter hätte reflektiert werden müssen?

(2) Zweite hermeneutische Option: Kanonische Lektüre. Diese Lektüre ist eine Konsequenz aus der Entstehungsgeschichte der Bibel als Bibel. Die Bezeichnung "Bibel" hält fest, dass die Bibel ein besonderes Buch ist: Zugrunde liegt der Plural des griechischen Wortes biblion "Buchrolle", Schriftstück, Brief". Als Fachterminus für die Heiligen Schriften charakterisiert das Wort biblia die Bibel als eine Büchersammlung oder als ein Buch aus Büchern. Im Blick auf die christliche Bibel ist dies die zwei-eine Bibel aus den beiden Teilen Altes Testament und Neues Testament, die eine kanonische Einheit bilden. Methodisch ist die kanonische Lektüre eine spezifische Form der intertextuellen Lektüre. Wir nennen sie kanonische Lektüre, weil sie als das hermeneutisch relevante Textkorpus nur die zum Kanon der Bibel gehörenden Texte bzw. Schriften und sogar deren Anordnung im Aufbau der Bibel berücksichtigt. Über die Relevanz und das methodische Verfahren der kanonischen Lektüre gibt es derzeit eine heftige bibelwissenschaftliche Diskussion. Ich selbst gehöre zu ihren entschiedenen Befürwortern.

Es ist im Übrigen nicht ganz richtig, wenn gesagt wird (auch vom Papst selbst; vgl. im Vorwort, S. 17), die kanonische Exegese sei vor etwa 30 Jahren in Amerika entwickelt worden. In der Sache ist es die klassische rabbinische und patristische Hermeneutik, und es ist ein Proprium der jüdischen Schriftauslegung bis heute.

Die kanonische Perspektive war auch über die Jahrhunderte hinweg eine im Christentum übliche Leseweise, deren Basisaxiom lautete: Sacra Scriptura sui ipsius interpres. Diese Methode hat gewiss die Gefährdung, dass sie in den biblischen Texten das findet, was sie finden will, also zur Eisegese mutiert. Der Siegeszug der historisch-kritischen Exegese in der Neuzeit hängt auch mit derartigen Fehlentwicklungen dieser Methode zusammen. Ihre aktuelle Wiederaufnahme durch die christliche Bibelwissenschaft wurde zum einen durch den christlich-jüdischen Dialog angestoßen, zum anderen hat sie nicht nur mit der skizzierten Bewertung des komplexen Prozesses der Kanonisierung der biblischen Schriften zu tun, sondern auch mit den neuen kulturwissenschaftlichen Einsichten über die Funktion von heiligen und kanonischen Texten überhaupt. Ich kann dies alles hier leider nicht breiter und differenzierter darstellen. Aber ich möchte festhalten, dass die Option des Papstes für die kanonische Lektüre bibel- und kulturwissenschaftlich begründbar ist.

Deshalb ist der von verschiedenen Kritikern erhobene Einwand, mit dem Projekt der kanonischen Exegese werde im Papstbuch ein doch sehr fragwürdiges Instrument als Problemlöser mobilisiert, weder überzeugend noch begründet. Die kanonische Methode gründet im spezifischen Charakter der Bibel selbst und ist so alt wie die Bibel selbst, deren Vernunftgemäßheit ließe sich m.E. gut vom Wahrheitsbegriff der Hebräischen Bibel her entwickeln. Dieser lautet bekanntlich emet, d.h. Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Treue. Die Bibel ist als Sammlung jener Schriften entstanden, die die Treue Gottes - trotz allem - bezeugen. Die Wahrheit der Bibel ist eine Wahrheit, die sich bewährt und dadurch bewahrheitet hat, und zwar in ihrer

 


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theologischen, kanonischen Ganzheit. Wenn man dies zeigen kann, ist die Botschaft der Bibel m.E. vernunftgemäß. Ich habe den Eindruck, dass das Jesus-Buch von Benedikt XVI. eine wichtige Stimme zum Projekt "Vernunftgemäßheit der Bibel" ist.

 

(3) Dritte hermeneutische Option: Rezeptionsästhetische Lektüre. Die neuere literaturwissenschaftliche Diskussion betont sehr stark, dass literarische Texte nicht eindeutig, sondern mehrdeutig (polysem) sind, dass dem Leser eines Textes bei der Sinnkonstitution eines Textes eine große Rolle zukommt und dass man zwischen der Intention eines historischen Autors und der Bedeutung des von ihm verfassten Textes unterscheiden müsse. Die mehrfachen Bedeutungen eines Textes ergeben sich aus den unterschiedlichen Kontexten, in denen er überliefert ist und rezipiert wird. Im Fall der Bibel ist dies vor allem die Lebens- und Glaubensgemeinschaft, die die Bibel als ihren Kanon akzeptiert hat und akzeptiert. Deshalb gibt es, wie das letzte Dokument der Päpstlichen Bibelkommission "Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel" (2001) zu Recht betont, legitimerweise eine jüdische Leseweise der Bibel Israels und eine davon unterschiedene christliche Leseweise des Alten Testaments.

Biblische Texte haben also ein Sinnpotenzial, das über die Intention ihrer Erstverfasser hinausgeht. Das ist für den Papst, der einen biblisch gegebenen Sinnzusammenhang zwischen den neutestamentlichen Aussagen über die Gestalt des Jesus von Nazareth und den christologischen Aussagen des Ersten Konzils von Nizäa (325 n. Chr.) aufzeigen will, ganz wichtig. Die rezeptionshermeneutische Sinnoffenheit der biblischen Texte ist nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit und Unbegrenztheit. Im Fall des Konzils lässt sich die Formulierung, Jesus sei "gleichwesentlich, gleichen Wesens" (homoousios) mit dem Vater, er sei wirklich "wahrer Gott vom wahren Gott", rezeptionshermeneutisch als Ergebnis des Lesevorgangs der kirchlichen Rezeptionsgemeinschaft in Auseinandersetzung mit anderen möglichen Leseweisen verständlich machen. Das ist ein Hauptanliegen des Jesus-Buchs. Es will den Vorwurf zurückweisen, die frühchristliche Christologie sei eine Verfremdung und Verfälschung des biblischen Jesus-Zeugnisses.

Im Vorwort erläutert und begründet der Papst diesen rezeptionshermeneutischen Aspekt seiner Bibellektüre folgendermaßen: Es ist "wichtig, gegenwärtig zu halten, dass schon jedes Menschenwort von einigem Gewicht mehr in sich trägt, als dem Autor in seinem Augenblick unmittelbar bewusst geworden sein mag. Erst recht gilt dieser Mehrwert des Wortes, das seinen Augenblick überschreitet, von den Worten, die im Prozess der Glaubensgeschichte gereift sind. Da spricht der Autor nicht einfach aus sich selbst und für sich selbst. Er redet aus einer gemeinsamen Geschichte heraus, die ihn trägt und in der zugleich die Möglichkeiten ihrer Zukunft, ihres weiteren Weges schon im Stillen gegenwärtig sind" (18f).

Um dieses Sinnpotenzial der Bibel hat sowohl die jüdische wie die christliche Tradition schon immer gewusst. Beide entwickelten spezifische Programme zur Entfaltung des mehrfachen Schriftsinnes. Gregor der Große schreibt in seinen Ezechiel-Homilien (1, 7, 8): "Wieviel ein jeder Heilige aus der heiligen Schrift gewinnt, ebensoviel gewinnt diese heilige Schrift bei ihm selbst. ... Die göttlichen Worte wachsen mit dem Leser (divina eloquia cum legente crescunt)" (M. Fiedrowicz, Prinzipien 106).

 

Hoher Respekt vor dem Judentum

Über diese Methode des Umgangs mit der Bibel wird derzeit heftig diskutiert. Zumindest die patristische Schriftauslegung zeigt, wie problematisch sie sein kann, wenn sie von einer theologisch irrigen Grundoption ausgeht. Da die meisten Kirchenväter im Blick auf das Verhältnis Israel - Kirche die Substitutions- bzw. Verwerfungsthese vertreten, wonach die Kirche an die Stelle des den Messias Jesus nicht annehmenden Judentums getreten sei, werden von ihnen viele Texte des Neuen Testaments in diesem Sinne, also dezidiert antijudaistisch, ausgelegt. Der Papst, der übrigens, wie der Artikel "Kirche" in der 2. Auflage des LThK aus dem Jahre 1961 zeigt, als junger Theologe selbst substitutionstheologisch infiziert war, geht in seinem Jesus-Buch, wo er auch stark die Väterexegese aufnimmt, deren antijudaistischen Weg dezidiert nicht mit.

Man muss sogar noch mehr sagen: Der Papst ist bemüht, das bis heute andauernde Nein der Juden zu Jesus tiefer zu verstehen. Das wird besonders sichtbar, wenn er im vierten Kapitel des Buchs über die Bergpredigt, wo er seine für das Buch insgesamt wichtige Auffassung entwickelt, Jesus sei "die Tora in Person", Folgendes schreibt: Ich möchte in meiner Auslegung der Bergpredigt "die Neufassung der Tora bedenken, die uns Jesus bietet. Hier steht Jesus im Gespräch mit den Überlieferungen Israels. Der große jüdische Gelehrte Jacob Neusner hat sich in einem wichtigen Buch sozusagen unter die Hörer der Bergpredigt eingereiht und im Anschluss daran ein Gespräch mit Jesus versucht unter dem Titel: Ein Rabbi spricht mit Jesus. Dieser ehrfürchtig und freimütig geführte Disput des gläubigen Juden mit Jesus, dem Sohn Abrahams, hat mir mehr als andere Auslegungen, die ich kenne, die Augen geöffnet für die Größe von Jesu Wort und für die Entscheidung, vor die uns das Evangelium stellt" (99). Was dann folgt, ist gewissermaßen ein christlich-jüdischer Dialog, bei dem sich der Christ Joseph Ratzinger von dem Juden Jacob Neusner zu einem tiefen Verständnis des göttlichen Anspruchs Jesu und zu einem Verstehen des jüdischen Nein zu diesem Anspruch hinführen lässt.

 

Die Bibel Israels / das Alte Testament als Fundament des Christentums

In diesem Dialog erkennt der Christ Ratzinger, was er im Buch - für viele wohl überraschend - immer wieder betont, dass der Inhalt der Botschaft Jesu mit der Botschaft der Bibel Israels identisch sei. Jesus hat die Tora des Mose nicht aufgehoben. "Die Seligpreisungen werden", "nicht selten als das neutestamentliche Gegenüber zum Dekalog, sozusagen als die höhere Ethik der Christen gegenüber den alttestamentlichen Geboten hingestellt. Mit einer solchen Auffassung verkennt man den Sinn dieser Worte Jesu vollständig" (100). Jesu Ankündigung von Gottes Herrschaft ist inhaltlich nichts Neues gegenüber dem Alten Testament. Jesus verkündet keinen anderen Gott als den des Alten Testaments. Das zeigt das Jesus-Buch durch die intensive Korrelation der neutestamentlichen Texte mit Texten aus dem Alten Testament. Was die Päpstliche Bibelkommission in ihrem Dokument "Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel" programmatisch formuliert hat, setzt der Papst in seinem Buch um: "Ohne das Alte Testament wäre das Neue Testament ein Buch, das nicht entschlüsselt werden kann, wie eine Pflanze ohne Wurzeln, die zum Austrocknen verurteilt ist" (Nr. 84).

Als Alttestamentler freut mich verständlicherweise, dass mit dem Jesus-Buch des Papstes das Alte Testament als Fundament des Christentums endlich wieder in sein Recht eingesetzt wird. Ich würde jedoch stärker den bleibenden Eigenwert und auch die Relevanz der Eigenbotschaft des Alten Testaments betonen. Für mich gibt es im Verhältnis der beiden Teile unserer Bibel eben doch das, war wir den Verheißungsüberschuss des Alten Testaments nennen, wodurch Jesus dann als Erfüllung zugleich die Bekräftigung der noch nicht erfüllten Verheißungen ist. Das Jesus-Buch legt m.E. zu einseitig den Akzent auf die sich im Kommen Jesu bereits realisierende Gottesherrschaft.

Den Eigenwert des Alten Testaments möchte ich auch betonen mit Blick auf das Judentum, wo es als Bibel Israels das Fundament jüdischer Identität ist und, wie der Papst im literarischen Gespräch mit dem Juden Jacob Neusner ja selbst betont, das Nein zu Jesus als Bleiben in der Treue zum Gott Israels begründet. Mit hohem Respekt für dieses jüdische Festhalten an der jüdischen Leseweise der Bibel Israels verweist Benedikt XVI. auf den bei Lukas überlieferten Zusammenhang des von Christen oft als Beweis für das doch radikal Neue des Christentums zitierten Bildwortes vom neuen Wein, der in neue Schläuche gehöre. Im Jesus-Buch kann man dazu Folgendes lesen: "Bei Markus steht da: 'Niemand wird neuen Wein in alte Schläuche füllen; tut er es doch, zerreißt der Wein die Schläuche, so dass Wein und Schläuche verloren sind. Nein, neuer Wein gehört in neue Schläuche" (Mk 2,22); ähnlich lautet der Text bei Matthäus (9,17). Lukas überliefert uns das gleiche Gespräch, fügt aber am Schluss noch an: 'Und niemand, der alten Wein trinkt, möchte neuen; er sagt nämlich: Der alte Wein ist gut' (Lk 5,39) - was man doch wohl als ein Wort des Verstehens für diejenigen auslegen darf, die beim 'alten Wein' bleiben wollen" (218f).

 

Die Hauptfrage: Was hat Jesus Neues gebracht?

Schließlich setzt sich der Papst der von Juden bis heute den Christen gestellten Hauptfrage aus: "Was hat denn euer 'Messias' Jesus gebracht? Er hat nicht den Weltfrieden gebracht und das Elend der Welt nicht überwunden. So kann er doch wohl der wahre Messias nicht sein, von dem gerade dies erwartet wird. Ja, was hat Jesus gebracht?" (149). "Die Antwort lautet ganz einfach: Gott. Er hat Gott gebracht, ... den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den wahren Gott, hat er zu den Völkern der Erde gebracht" (73).

Das Jesus-Buch macht m.E. Ernst mit der Grund-Einsicht: Quelle und Maßstab allen christlichen Redens über Gott und zu Gott sind weder Konzilstexte noch Enzykliken noch die Werke Luthers, Calvins oder Zwinglis, sondern die Bibel in ihren zwei Teilen. In ihrer Vielgestaltigkeit, in der faszinierenden Polyphonie ihrer Melodien und in ihrer bisweilen sogar literarischen Widersprüchlichkeit macht sie uns allerdings bewusst, dass wir diese einfache Botschaft nie voll und ganz erfassen, sondern immer nur bruchstückhaft und annäherungsweise.

 

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