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OTTO SYRE SJ
KALENDARIUM
DER GESELLSCHAFT JESU

 
Otto Syré
 

 SJ-Kalendarium
Veröffentlicht am 23.05.2005
  Letzte Änderung am 2.12.2016
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 English Version

 

P. Otto Syre SJ
* 3. März 1913     † 29. Oktober 2008

P. Otto Syré wurde am 9. März 1913 in Münster als zweites Kind seiner Eltern Johann Hermann Ernst Syré und seiner Frau Maria Amalia, geb. Hundhausen geboren. Sein Vater war ein angesehener und weithin beliebter Handelsvertreter im Textilbereich. Seine Geschwister waren Elisa und Alma und sein heute noch lebender Bruder Vincenz. Neben der klar katholischen Erziehung im

Elternhaus prägten ihn durch P. Gustav Grauvogel SJ die Ideale der Katholischen Jugendbewegung im Bund Neudeutschland (ND-KMF), dem er zeitlebens verbunden blieb. Er besuchte die Lamberti Volksschule und das städtische Gymnasium zu Münster. 1933 machte er Abitur, und nach zwei Semestern Theologiestudium am Borromäum in Münster trat er am 25. April 1934 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu zu s´ Heerenberg ein. Sein philosophisches Studium von 1936 bis 1940 wurde unterbrochen durch eine schwere Lungen-Tuberkulose. Über 15 Monate verbrachte er in der Franziskus-Heilstätte zu Mönchen-Gladbach, um sie auszuheilen. Danach wurde er in seinen Aufgaben sein ganzes Leben lang häufig durch Krankheiten - mehrfach bedrohlichen - behindert. Sie zwangen ihn, insgesamt über zwei Jahre in Krankenhäusern zu verbringen.
Während des Krieges war er zeitweilig Sekretär des Provinzials Theodor Wulf SJ und erlebte dadurch am 15. April 1941 die Auflösung des Canisiushauses in der Stolzestraße zu Köln durch die Gestapo. Danach begann er das Theologiestudium an der Hochschule Sankt Georgen zu Frankfurt. Mit 14 anderen Jesuiten wurde er am 9. November 1942 in der Jesuitenkirche zu Mainz durch Bischof Dr. Albert Stohr zum Priester geweiht. Alle diese neu geweihten Mitbrüder wurden zu ihrem Schutz vor der Gestapo in Pfarreien gesandt. P. Syré war zuerst in der Pfarrei Deutschorden und dann in der Pfarrei zu Oberrad in Frankfurt und erlebte die Zerstörungen der Wohnungen und die Leiden der Menschen durch die Bombenangriffe. Nach dem Ende des Krieges setzte er bis 1947 sein Theologiestudium im Berchmanskolleg zu Pullach fort. Anschließend war er zum Terziat im Haus Sentmaring zu Münster. Von jetzt an stand sein Ordensleben im Dienste der Mitbrüder und vielseitiger Seelsorgsarbeiten. 1948 war er Sozius des Novizenmeisters in Eringerfeld. Von 1952 bis 1955 war er Sozius des P. Provinzial Nikolaus Junk. Damals versuchte er sich mit schriftstellerischer Arbeit und gab er drei Hefte "Jesuiten" im Verlag Styria heraus.
Sein besonderes Charisma zeigte sich als Hausoberer. Gut 34 Jahre war er insgesamt Superior zuerst in Saarlouis, dann in Hannover, Dortmund, Köln, Koblenz, Trier und Münster. In all diesen Städten gab er Priesterkonferenzen, Schwesternvorträge und Exerzitien.
1972 übernahm er für einige Jahre die Aufgabe, etwa 50 Mitbrüder der Provinz zu besuchen und zu betreuen, welche damals auf Einzelposten lebten und arbeiteten.
Von 1977 bis 1988 war er Nationalsekretär für das Gebetsapostolat und besuchte alle Bischöfe in Deutschland.
Von 1992 an war er frei von Aufgaben, und so wurde die Herausgabe eines Kalendariums der Gesellschaft Jesu sein Traum. Ganz abschließen konnte er dieses Vorhaben nicht mehr, wenngleich über 100 Artikel fertig vorliegen und im Internet unter seinem Namen zu finden sind.
Im April 2002 zog er mit anderen Mitbrüdern des Altenheims von Münster nach Köln-Mülheim um. Eine auffallende Stille begleitete ihn nun bis zu seinem Tod. Er war sehr glücklich in der Gesellschaft Jesu und sehr beliebt bei allen. Mit Sinn für Stil in Kleidung und Umgang strahlte er zeitlebens eine großzügige Grandezza aus.
P. Syré schrieb in seinen Aufzeichnungen: "Er erreichte immer tiefere Schichten seines Lebens, wie es in der 4. Strophe des Liedes Morgenstern der finstern Nacht von Angelus Silesius ausgedrückt ist." Am frühen Morgen des 29. Oktober 2008 vollendete er ganz ruhig sein Leben.

"Du erleuchtest alles gar, was jetzt ist und kommt und war.
Voller Pracht wird die Nacht, weil dein Glanz sie angelacht,
weil dein Glanz sie angelacht."


R.I.P.


Zur Einführung

Von dem dänischen Philosophen und Theologen Sören Kierkegaard (1813-1855) stammt das Wort: 'Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts.' Für jeden Menschen hat seine Vergangenheit eine wesentliche prägende Bedeutung. Das gilt auch für Organisationen und erst recht für Lebensgemeinschaften.

Dieses Kalendarium wendet sich an die Mitglieder des Ordens und erstrebt, sowohl die Verbundenheit mit dem Leben des Ordensgründers wie auch die Traditionsverbundenheit mit wichtigen Ereignissen der Gesellschaft Jesu und mit der Geschichte der deutschsprechenden Ordensprovinzen zu fördern und zu stärken.

Schon früher gab es Publikationen solcher Art. Im Jahre 1870 waren im Scholastikat der Gesellschaft Jesu zu Maria-Laach die fast vergessenen 'Gesammelte Nachrichten aus der Deutschen Provinz und den Missionen' erschienen. Sie nahmen aber schon 1872 durch die Vertreibung der Jesuiten aus Deutschland ein jähes Ende. Im Jahre 1897 erschienen in der Verbannung die 'Mitteilungen aus der Deutschen Provinz'. Mit Ausnahme der Unterbrechung im 2. Weltkrieg erschienen sie zuletzt Ostern 1967. Offenbar waren redaktionelle Gründe dafür ausschlaggebend. Dem letzten Redakteur, P. Adolf Rodewyk, (gestorben 1989 in Münster im hohen Alter von 95 Jahren) wurde es zu mühsam, die gewünschten Artikel und Nekrologe beizubringen.

Das vorliegende Kalendarium hat die gleiche Zielrichtung wie diese früheren Publikationen. Es möchte wichtige Kenntnisse über unsere Gesellschaft und über die deutschsprechenden Ordenprovinzen bewahren und vertiefen und dadurch eine größere Liebe zur Gesellschaft Jesu fördern und stärken. Der Text ist so redigiert, dass er als kurze Tischlesung geeignet ist, zumal in den Ausbildungshäusern für unsere jüngeren Mitbrüder, für die ein historisches Wertebewusstsein von hoher Bedeutung sein dürfte.

Für die Auswahl der Artikel hat der Herausgeber im Zweifelsfall den Rat kompetenter Mitbrüder eingeholt. Dennoch wird manches der Verbesserung und Ergänzung bedürfen. Der Herausgeber bittet daher um Anregungen und Empfehlungen. Gedankt sei allen, die bei der Vorbereitung dieses Kalendariums mitgeholfen und seine Publikation ermöglicht haben.

Köln, Friedrich-Spee-Haus,
am 1. Januar 2004,
dem Titularfest der Gesellschaft Jesu.

P. Otto Syré SJ