Im Herrn starb, im Herrn lebt

Bruder Wilhelm Westermeyer SJ

Der Verstorbene war am 5. Oktober 1907 in Rulle bei Osnabrück geboren. Nach der Volksschule ging er in die Landwirtschaft. Am 23. März 1933 trat er im Bonifatiushaus bei Emmerich in die Gesellschaft Jesu ein. Schon zwei Jahre später kam er in das große Studienhaus der Niederdeutschen Provinz, in das Ignatiushaus zu Valkenburg (Prov. Limburg/ NL), um die Krankenpflege zu erlernen. Im Brüderkrankenhaus zu Trier vollendete er seine Lehre und legte dort das staatl. Examen in der Krankenpflege ab (1938). Im Jahre darauf kehrte er nach Valkenburg zurück und blieb dort bis zur Auflösung im Jahre 1942.

Die Nazi-Wirren ließen ihn im Vinzenzkrankenhaus zu Paderborn für drei Jahre Arbeit finden. Sie wurde unterbrochen von vier Monaten Soldatenzeit, die er in Marienburg und Thorn verbrachte. Dann traf auch ihn die "Wehrunwürdigkeit" der Jesuiten. Er wurde entlassen und kehrte nach Paderborn zurück. Als dann 1945 das Kölner Haus wieder in den Besitz des Ordens kam, wurde Br. Westermeyer dort Krankenpfleger bei den alten und kranken Mitbrüdern, die er 1961 in das neuerbaute Heim in Haus Sentmaring (Münster i. W.) begleitete.

Nach einigen Jahren selbstlosen Dienstes erkrankte er selbst. Nach einiger Zeit der Erholung, kam er 1969 ins Kölner Canisiushaus, wo er neben der Sorge um die alten und kranken Mitbrüder das Amt des Sakristans übernahm. Mit viel Eifer und Mühe suchte er sich in die Neuerungen der Liturgie einzuleben und versah sein Amt mit erstaunlicher Sicherheit.

Sein Charakter war geprägt von seiner Heimat: zuverlässig und treu ging er still seinen Weg. Damit verband er eine stete innere Heiterkeit. Er war ein vorbildlicher Ordensmann, der die Ordnung und die Regel lebte. Die Liebe stellte er über alles: er war stets freundlich und hilfsbereit. Gütig und geduldig, in selbstloser Aufopferung und Einsatzbereitschaft, war er dem Herrn ein getreuer Jünger, den Obern ein zuverlässiger Mitarbeiter, den Mitbrüdern Hilfe und Erbauung.

Als ihn der auferstandene Herr am 7. Ostersonntag, den 3. Juni 1973, auf einem Spaziergang zu sich rief, war das für die Mitbrüder und Verwandten plötzlich, er aber war wohl bereit. Denn wir finden in seinen wenigen Aufzeichnungen mehrmals die Worte: Herr, ich bin nichts, aber ich bin Dein! Heilige mich! SELBSTLOS sein!

R. I. P.

Barmherziger Gott,
du hast den verstorbenen Bruder Wilhelm gerufen, alles zu verlassen und Christus nachzufolgen, damit er dich verherrliche im Dienst an den Brüdern. Wir bitten dich: Verzeih ihm seine Sünden und vollende sein Leben in der ewigen Gemeinschaft mit unserm Herrn JESUS CHRISTUS, deinem Sohn.
Aus der Totenliturgie für Ordensleute