P. Dr. Josef Sudbrack SJ
* 8. Januar 1925 in Trier
15. Juli 2010 in Köln

Josef Sudbrack wurde am 8.1.1925 in Trier geboren. Über seine Kindheit schrieb er selbst: "Ich bin dankbar für den Schatz an Geborgenheit, den mir meine Kindheit schenkte, ein Schatz an Verwurzelung, an Heimat-Erfahrung. Der christliche Glaube in katholischer Ausprägung war so selbstverständlich wie mein Kind-Sein, wie meine deutsche Sprache, wie mein behütendes Elternhaus. Dieses 'Heimat'-Gefühl lebt bis heute in einem tiefen Urvertrauen weiter." In dieser im Urvertrauen gefestigten Identität und der Hinwendung zum Du Gottes lag der zentrale Impuls für Josef Sudbracks Leben und Wirken.

Zugleich war Josef Sudbrack seit seiner Jugend sein ganzes Leben lang ein begeisterter Schwimmsportler. Hinzu kam die Musik, zumal die Orgel. Hier kam es zunächst einmal zu einem abrupten Ende, als 1944 dem 19jährigen Kriegsverwundeten das linke Bein amputiert wurde.

1946 trat Josef Sudbrack der Gesellschaft Jesu bei und wurde nach Studien in Pullach und Frankfurt 1956 zum Priester geweiht. 1963 promovierte er in Bonn mit einer Arbeit über den Benediktiner Johannes von Kastl (um 1400). Josef Sudbrack erhielt durch ihn wichtige Zugänge zu den Quellen der großen Tradition mittelalterlicher Spiritualität. Unter der anspruchsvollen Ägide von Friedrich Wulf begann er 1962 für die Zeitschrift "Geist und Leben" zu arbeiten. Unterbrochen wurde diese Redaktionsarbeit durch seine Habilitation 1973 in Innsbruck und von 1974 bis 1975 durch eine Gastprofessur an der Harvard-Universität in den USA.

Von 1979 bis 1986 war er Schriftleiter, der Zeitschrift. Im Laufe seines Lebens hat Josef Sudbrack allein für "Geist und Leben" fast 200 Artikel geschrieben.

Von 1976 bis 1987 war Josef Sudbrack in München Geistlicher Leiter des Schwesterninstituts der Vereinigung der Ordensoberinnen Deutschlands. Er hat darüber hinaus durch Meditationskurse und Vorträge vielen Ordensschwestern seine Spiritualität vermittelt.

Sein Thema in all seinen Schriften, Vorträgen und Publikationen ist die christliche Spiritualität. Er stellte ihre Besonderheit und ihren Reichtum, ihre Unentbehrlichkeit als Fundament jeglicher Theologie heraus. Gegen Missverständnisse und Verzerrungen und angesichts eines wachsenden Marktes von Spiritualitäten setzte er sich nachdrücklich ein für ihre Unterscheidung. "Personale Liebe, gerade dem Höchsten gegenüber, ist für die christliche Mystik der Höhepunkt aller Meditation und Erfahrung." Dass religiöse Erfahrung, Meditation und Mystik sich öffnen für die Begegnung mit dem Gott der Bibel, für den Gott Jesu Christi, war sein Anliegen. Als Autor und Herausgeber war er unermüdlich bestrebt, diese Mitte und den darin gründenden Reichtum aufzuzeigen: bei den griechischen Vätern, Augustinus, Hildegard von Bingen, Bernhard von Clairvaux, Mechthild von Magdeburg, Meister Eckhart, der "Wolke des Nichtwissens", dem ostkirchlichen Jesusgebet, Martin Luther, Ignatius von Loyola, Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz bis hin zur heiligen kleinen Therese von Lisieux.

Josef Sudbrack hat nach eigenem Bekunden bei Karlfried Graf Dürckheim in der Zen-Meditation eine tiefe Erfahrung gemacht hat. Er fordert daher eindringlich das theologische Gespräch mit dem Zen-Buddhismus und dem Buddhismus insgesamt. Ähnlich hat Josef Sudbrack das "respektvolle Gespräch" mit der Neuen Religiosität gesucht. Sein Buch "Neue Religiosität. Herausforderung für die Christen. Mainz 1987" ist bis heute eines der Besten zum Thema. Noch im gleichen Jahr 1987 kam es zusammen mit dem langjährigen evangelischen Akademiedirektor Dr. Wolfgang Böhme zur Gründung der "Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik", um einem breiteren Kreis die authentischen Zeugnisse christlicher Mystik zu erschließen und offen zu sein für das Gespräch mit Suchenden.

Josef Sudbrack lebte seit 2002 im Seniorenheim der Jesuiten in Köln-Mülheim. Der fortschreitende Verlust des Augenlichtes hat weitere Arbeit unmöglich gemacht. Sein Vermächtnis aus den Jahren 1999 und 2002 sind zwei wichtige Bücher: Die Monographie über einen der ganz Großen christlicher Mystik, über Dionysius Areopagita. Dessen "mystische Theologie", ein sprachliches Meisterwerk, wird zugleich von Josef Sudbrack in den Kontext dichterischer Sprache gestellt. Gewissermaßen eine Summe seines Weges ist schließlich ein Buch, das autobiographisch anhebt und dann noch einmal den weiten Horizont der Themen abschreitet. Der Titel ist zugleich ein Lebenszeugnis Josef Sudbracks: "Gottes Geist ist konkret".

R.i.p.