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aufgrund seiner bisherigen Tätigkeiten und Erfahrungen kein Problem. Als er schließlich im Alter von 88 Jahren in die Seniorenkommunität "Friedrich Spee" zu Köln-Mülheim umzog, wurde seine Kontaktfreude und die Selbstverständlichkeit, die Belastungen des Alters zu tragen, für manche zum Vorbild. Mit seinem plötzlichen Tod am 30. April 2016 hat er uns alle überrascht, weil sein starker Wille und sein geduldiges Annehmen seiner Einschränkungen ihn nicht gehindert hatten, am Alltag im Heim aufmerksam teilzunehmen. Nun hat er sein Ziel erreicht und ist heimgekehrt.

R.i.p.

 

 

 

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P. Franz Schilling S.J.
* 7. März 1918
30. April 2016

   Selten nehmen wir Abschied von einem Verwandten oder Mitbruder, der in hohem Alter geistig noch so offen und interessiert war, P. Franz Schilling. In Saarbrücken am 7. März 1918 geboren kehrte er mit

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seiner Schwester Annelise und den Eltern 1920 nach Ende des ersten Weltkriegs, weil das Saargebiet unter französische Verwaltung kam, nach Tier zurück. Franz blieb offensichtlich nur die Durchfahrt durch den Tunnel zwischen Mettlach und Saarhölzbach in Erinnerung. Es wäre für den Schaffner zu aufwendig gewesen, für diese kurze Fahrt im Dunkeln die Gaslampen im Zug anzuzünden. Er wusste sich auf dem Schoß der Mutter wohl geborgen. Franz hat uns den Tag seiner ersten hl. Kommunion nahegebracht, einerseits, weil dort die Zuneigung zu Jesus Christus für ihn grundgelegt war, aber auch, weil er im Blick auf die Geschenke seine erste Rede vor der Familie und den Gästen mit vollem Erfolg gehalten hat. Seine christliche Erziehung gründete natürlich im Vorbild und Handeln seiner Eltern. Aber auch die Nachkriegsereignisse forderten ihn heraus. Die Klassengemeinschaft am Friedrich-Wilhelmgymnasium half ihm gegen die politische Entwicklung. Vor allen Dingen hat ihn die Gesinnung der Marianischen Jünglingskongregation von 1617 getragen. Durch Jesuiten geleitet ließ diese Zeit in der Jugendgruppe die Lebensausrichtung reifen. Ihm wurde klar, wenn es um eine gute Sache geht, muss ich auch gegen den Strom schwimmen. Franz Schilling lebte von diesen Erlebnissen in der Jugendzeit, Gruppen führen, die Mitglieder anregen, gemeinsam etwas unternehmen.

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Diese Erfahrungen wiederholten sich in den folgenden Jahrzehnten immer wieder und befähigten ihn, schnell und dauerhaft Kontakte zu schließen. Für Franz war besonders der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld eine imponierende Person, die ihm in Trier nahegebracht wurde und seinen Respekt weckte.
   Dann wurde er aus dem Noviziat heraus zum Militärdienst eingezogen. Zunächst die Grundausbildung in Wesel, dann Teilnahme am Feldzug gegen Frankreich, um schließlich über den polnischen Korridor bis kurz vor Leningrad an die russische Front zu gelangen. Dann folgte 1941 die Entlassung aus der Wehrmacht. Franz konnte und musste die Ausbildung als Jesuit in der Nazizeit und in den schwierigen Nachkriegsjahren zu Ende bringen. Dann begann er 1953 seinen Einsatz in der Seelsorge in der Jugendarbeit in Hannover. Diese 15 Jahre und die folgenden 18 Jahre in der Männerseelsorge in Hannover und im Bistum Hildesheim brachten ihm viel Freude und bestätigten seine Entscheidung, Gefährte Jesu zu sein. Aber auch in den späteren Einsatzorten, in Aachen und in Koblenz machte seine frohe Natur und positive Lebenssicht es ihm leicht, Kontakt zu finden und sich den Sorgen der Mitchristen zu stellen und Trost und Hilfe zu schenken. So wurde die Beauftragung als Rektor des Altersheimes des Orden in Münster