Pater Franz Scharfenberger SJ
* 25. Oktober 1925 in Berlin-Lichterfelde
† 23. Dezember 2020 in Köln-Mülheim

Unser Mitbruder Franz Scharfenberger wurde als fünftes von zehn Kindern der Eheleute Albert und Martha Scharfenberger in Berlin-Lichterfelde geboren und am selben Tag auch getauft. Die Erstkommunion empfing er zusammen mit seinem Bruder Otto in der Pfarrkirche "Zur Heiligen Familie" am 08. April 1934. Nach der Grundschule besuchte er ab 1936 das Gymnasium am Lietzensee (Canisiuskolleg) und musste wegen zwangsweiser Schließung der Schule 1940 zum Schillergymnasium in Berlin-Lichterfelde wechseln. Mit der Einberufung zum Reichsarbeitsdienst und Wehrdienst 1943 erlangte er das Kriegsabitur mit der Versetzung in die Unterprima. Nach Kampfeinsätzen an der Ostfront wurde er im April 1945 schwer verwundet, kam ins Kriegslazarett und geriet im Juni 1945 in englische Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung besuchte er 1945/46 das Gymnasium Carolinum in Osnabrück, um die Hochschulreife zu erlangen.

Am 18. Juni 1946 trat er in das Noviziat des Jesuitenordens in Eringerfeld ein. Das Philosophiestudium absolvierte er in England, zunächst im Heythrop College, dann im Manresa College in London. Von 1952 bis 1956 folgte ein japanisches Sprachstudium in Yokosuka in Japan als Vorbereitung für den Deutsch- und Englischunterricht für Studenten der Sophia Universität in Tokyo. Von 1956 bis 1960 studierte er Theologie in St. Georgen, Frankfurt a. Main. Am 29. Juni 1959 wurde er in St. Clemens in Berlin-Kreuzberg von Julius Kardinal Döpfner zum Priester geweiht.

Im August 1961 begann er als geschätzter Englischlehrer am Canisiuskolleg in Berlin. Um einen bestätigten staatlich anerkannten Abschluss zu erhalten, unterbrach er für eine Sabbatzeit von zwei Jahren die Arbeit am Kolleg für entsprechende Spezialstudien an der Georgetown Universität in Washington D.C. Danach kehrte er nach Berlin zurück und hielt neben dem Unterricht Gottesdiente für die Soldaten und deren Familien der Englischen und Amerikanischen Schutzmächte. 1971 wurde er zu Vorträgen der Katholischen Kirche Berlins und der DDR in die USA und nach Kanada eingeladen.

Weiter befasste er sich am Kolleg mit phonetischen Fragen und besuchte dazu in den Schulferien das Institute of Phonetic Sciences der Universität Groningen. Dort schloss er 1975 mit der Promotion in Allgemeiner Sprachwissenschaft ab. Das kam ihm ein Jahr später zugute, als Mitglied der Delegation der Universität Groningen am Internationalen Phonetikerkongress in Tokyo teilzunehmen. Durch ein Kurzreferat über Fragen im deutschen Vokalismus nahm er u.a. an den Diskussionen teil.

Ein Herzinfarkt 1978 und eine Bypass-Operation mit einem längeren Klinikaufenthalt führten dazu, dass er die geliebte Tätigkeit als Lehrer am Kolleg 1980 aufgeben musste. Er selber schrieb: "Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sind somit erheblich begrenzt". P. Provinzial Gerhartz destinierte ihn 1981 zum persönlichen Referenten und Sekretär des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Guido Del Mestri, nach Bonn-Bad Godesberg. Ein unvergessliches Erlebnis war in dieser Arbeit für ihn der Besuch in Rom während der Kar- und Ostertage 1984 anlässlich seines Silbernen Priesterjubiläums. Hier hatte er eine persönliche Begegnung mit Pater General Kolvenbach und mit Papst Johannes Paul II. Ein weiteres prägendes Erlebnis waren 1985 zwei Wochen lang die Dolmetschertätigkeiten in Rom bei der Bischofssynode anlässlich der 20 Jahre Beendigung des II. Vatikanischen Konzils.

Wenige Tage nach dem Unglück im Atomkraftwerk Chernobyl wurde er 1986 als Berater und Mitarbeiter in der Ständigen Vertretung des Heiligen Stuhls bei den in Wien ansässigen internationalen Organisationen nach Wien versetzt. Seine Arbeit bestand hauptsächlich im Studium von Dokumenten und der Teilnahme an Konferenzen und Versammlungen. Die qualifizierte und verlässliche Mitarbeit von P. Scharfenberger wurde sehr geschätzt. Sein Vorgesetzter, Monsignore Mario Zenari, lobte und dankte dem damaligen Provinzial mit bewegten Worten.

Mehrere Krankheiten schränkten ihn seit 1988 in seinen Tätigkeiten ein.

Freudig und dankbar feierte er mit seinen Priesterbrüdern Carl und Otto im Juni 1999 den 40. Jahrestag seiner Priesterweihe.

Mit Vollendung des 75. Lebensjahres beendete er seine Tätigkeit in Wien. Als Symbol der Anerkennung erhielt er bei der Verabschiedung die Medaille Pro Ecclesia et Pontifice für 20 Jahre im Dienste des Heiligen Vaters.

Im Jahre 2003 übersiedelte er in die Seniorenkommunität der Jesuiten in Köln-Mülheim. Da er dort schon viele Mitbrüder kannte, fiel ihm die Eingewöhnung nicht schwer. Er konnte noch einige kleine Reisen nach Mettingen, Wien und Tokyo planen und unternehmen. Am Priesterjubiläum seiner Brüder Carl und Otto nahm er selbstverständlich gerne teil. Sein eigenes Goldenes Priesterjubiläum feierte er 2009 im Kreise seiner Familie.

2014 wechselte er in die stationäre Pflege des Caritas-Altenzentrums in Köln-Mühlheim. Trotz all der Beeinträchtigungen und Nebenwirkungen durch die vielen Medikamente war Franz Scharfenberger immer guten Mutes und zeigte Geduld und Willenskraft bei Rückschlägen. Immer wieder kämpfte er sich sein Leben zurück. So schrieb P. Provinzial Höfer schon 1988: "Sie haben bisher die Beschwerden in einer Weise getragen, die ein hohes Maß an Bewunderung und Anerkennung verdient…"

Als seine Kräfte nachließen, hat er sehr bewusst die Krankensalbung als Stärkung für sein irdisches Ende empfangen. Am Mittwoch, 23. Dezember 2020, übergab er sein irdisches Leben gegen 0.18 Uhr in die Hände seines Schöpfers.

R.i.p.