P. Rolf-Dietrich Pfahl SJ
* 19. Dezember 1939 in Leipzig
22. August 2018 in Lüdenscheid

"Ich glaube, dass ich in der seelsorglichen Tätigkeit eine Aufgabe finde", hat Rolf-Dietrich Pfahl SJ bei seinem Eintritt in das Noviziat festgehalten. Mit Freude war er Seelsorger, jedoch haben ihm seine vielen Talente das Leben nicht nur leicht gemacht, da sie ihm immer wieder Aufgaben mit großer Verantwortung beschert haben, die die Arbeit als Seelsorger in den Hintergrund geraten ließen und an den Rand seiner Kräfte führten. Stark an Glauben und Vertrauen auf Gott hat er auch schwere Zeiten des Ordenslebens gemeistert.

Geboren wurde Rolf-Dietrich am 19.12.1939 als Sohn eines Verlegers in Leipzig. Sein Elternhaus wurde 1943 ausgebombt. Deshalb zog die Familie nach Laupheim, Kreis Biberach. Schließlich fand die Familie im nahe gelegenen Mietingen eine neue Bleibe. Der Sohn besuchte zunächst die Laupheimer Schule, später lebte er im Studienheim St. Josef in Ehingen. 1957 zog die Familie dann nach Baden-Baden, wo er 1958 das Abitur machte. In Tübingen begann er das Studium der Rechtswissenschaften, das er nach einem vierten, in Münster verbrachten Semester abbrach, um am 26. April 1960 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu einzutreten. Ab 1962 studierte er Philosophie in Pullach und schloss mit dem Lizenziat ab. Nach einem praktischen Jahr als Sekretär des Provinzials in Berlin begann er die theologischen Studien in Sankt Georgen/Frankfurt/M. 1969 wurde er in Berlin von Bischof Martensen/Kopenhagen zum Priester geweiht. Danach begann er eine Promotion bei Prof. Bruno Schüller SJ, zunächst in Frankfurt und Bochum, die er schließlich mit einer moraltheologischen Arbeit in Innsbruck abschloss.

Von 1973 bis 1977 war Pater Pfahl Studentenpfarrer in Göttingen - eine Zeit, die er selber als die glücklichste seines Lebens bezeichnete. Danach musste er als Rektor des Berliner Canisius-Kollegs (von 1977 bis 1981) eine große Verantwortung übernehmen. Die Aufgabe war von P. Provinzial Bernward Brenninkmeyer mit dem Auftrag verbunden, einen dringend erforderlichen Neu- und Erweiterungsbau der Schule vorzunehmen und das dafür notwendige Geld zu sammeln. Der Neubau (die sogenannten "Pfahl-Bauten") wurde im September 1980 eingeweiht.

Am 1. Dezember 1980 ernannte ihn der Generalobere Pater Pedro Arrupe als Nachfolger von P. Joh. Günter Gerhartz zum Provinzial der Norddeutschen Provinz in Köln. Er nahm diese Berufung im Gehorsam an und wurde in seiner Amtszeit (vom 1.1.1981 bis 31.07.1986) sehr gefordert. Nach einer Sabbatzeit in Bad Godesberg trat er am 1.1.1987 das Amt des Rektors in Frankfurt Sankt Georgen an. Durch die großen Belastungen geriet er in eine Alkoholkrankheit. Dass er sich seine Sucht eingestand und durch therapeutische Hilfe in einer Erholungszeit im Schwarzwald lernte, abstinent zu leben, beeindruckte viele im Orden.

1990 wechselte er als Cityseelsorger und Kirchenrektor von St. Alfons nach Aachen. Ab 1998 leitete er bis zum Erreichen der Altersgrenze das Exerzitienreferat im Bistum Essen und setzte dort mit "Exerzitien im Alltag" und in der geistlichen Begleitung deutliche Akzente. "Dem Teufel macht es höllischen Spaß, die Menschen an ihrer Vergangenheit festzuhalten und sie dadurch mit großem Erfolg davon abzuhalten, das Heute zu leben und zu gestalten", hat er einmal geschrieben und dagegen die Einladung Christi gestellt, "jedes Tun, jeden Tag, jedes Jahr, jeden Abschnitt meines Lebens ihm zurückzugeben und in seine Sorge zu übergeben: Mit Dank für alles, was mir gelungen ist, mit der Bitte um Vergebung, wo ich versagt habe, vor allem, dass er ergänzt und heilt, wo ich anderen nicht gerecht geworden bin, sie enttäuscht habe". Als 2010 Vorwürfe sexuellen Missbrauchs, sexueller Übergriffe und Grenzüberschreitungen gegen Kinder und Jugendliche durch Jesuiten öffentlich bekannt wurden, übernahm er für seine Versäumnisse während seiner Zeit als Rektor in Berlin und seine Fehleinschätzung als Provinzial Verantwortung und bat die Opfer um Vergebung.

Auf eigenen Wunsch ging er 2011 als Seelsorger in das märkische Sauerland und verstärkte dort das Pastoralteam der Pfarrei St. Medardus in Lüdenscheid. Gerade den älteren Menschen vermittelte er, dass der Abend des Lebens eine gute und wichtige Zeit des Reifens ist und dass wir vor Gott nie unnütz sind. "Feierabend bei Gott" hieß es einmal pro Woche in Lüdenscheid. Er gehe jeden Mittwoch "erfüllt nach Hause - erfüllt von zutiefst ehrlichen menschlichen Begegnungen und von der Nähe Gottes."

Im Juni 2018 wurde bei ihm ein aggressiver Tumor diagnostiziert, der trotz operativen Eingriffs nicht mehr einzudämmen war.

Am frühen Morgen des 22. August 2018 gab Rolf-Dietrich im Hospiz in Lüdenscheid sein Leben Gott dem Vater zurück. P. Pfahl war ein verantwortungsbewusster und treuer Gefährte des kreuztragenden Sohnes des Herrn.

R.i.p.