P. Heinrich Ostermann SJ
* 1. Mai 1912
11. November 1973

Selig der Knecht, den der Herr bei seinem Kommen wachend findet.
(Mt 25,46)

"Unser ganzes Leben muß auf die letzte Stunde, in der es kein Zurück mehr gibt, ausgerichtet sein. Unsere Lebensrichtung muß stimmen. Deshalb die Aufforderung zur Wachsamkeit. Wachsein heißt nicht schlotternde Angst vor dem Tod, sondern aus dem Vertrauen auf die barmherzige Liebe Gottes leben, wirken und hoffen."

Diese Worte, die Pater Ostermann bei einer Radioansprache in der Woche nach Ostern dieses Jahres an seine Hörer richtete, waren ein Bekenntnis seines Glaubens und seiner Lebenseinstellung.

Pater Ostermann trat im Jahre 1931 in den Jesuitenorden ein und begann sein seelsorgerliches Wirken nach seiner Priesterweihe im Jahre 1940 als Kaplan in Duisburg-Hamborn und anschließend als Volksmissionar. 1946 wurde er Stadtmännerseelsorger von Köln. In dieser Arbeit gründete er im Katholischen Männerwerk das Soziale Seminar, die heutige Akademie für Erwachsenenbildung, und die Betriebsgruppen, wodurch er großen Einfluß auf die gesellschaftspolitische Entwicklung unseres Landes nahm.

Zeit seines Lebens sah er es als seine Pflicht an, seine priesterliche Tätigkeit in enger Verbindung mit großen gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit auszuüben. Die Klarheit seines Urteils und die Weite seines Blickfeldes machten ihn zum Freund und Berater vieler führender Persönlichkeiten. Dabei verlor er jedoch nicht die Aufmerksamkeit für die zahllosen persönlichen Sorgen derer, die ihn um Rat und Hilfe baten. Wo immer er sich gefordert fühlte, kannte sein Einsatz keine Rücksicht auf seine Gesundheit.

Als er 1965 zum Provinzial der Niederdeutschen Ordensprovinz der Jesuiten ernannt wurde, lagen eine schwere Aufgabe und drückende Verantwortung auf ihm. Voll Tatkraft und Liebe zu seinem Orden nahm er dieses Amt auf sich. Die zeitgemäße Erneuerung der Gesellschaft Jesu, von der 32. Generalkongregation eingeleitet, an der er schon als Provinzial teilnahm, blieb über die Zeit seines Obernamtes sein Herzensanliegen. Viele Mitbrüder haben ihn als einen verständnisvollen und mitfühlenden Vorgesetzten erlebt, der Autorität weniger durch Anordnungen als durch menschliche Qualitäten besaß.

Ein Herzinfarkt im Dezember 1966 setzte seiner Schaffenskraft eine für ihn schmerzliche Grenze. Kaum daß er genesen war, nahm er seine volle Amtstätigkeit wieder auf und mutete sich in zahllosen Reisen zu allen Mitbrüdern neue Strapazen zu. Als er 1971 aus seinem Amt schied, war er vielen vom Provinzialoberen zum persönlichen Freund geworden. Mit großer Freude übernahm er von nun an wieder die Leitung der Akademie für Erwachsenenbildung im Haus der Begegnung, die er immer als seine persönliche Schöpfung ansehen durfte.

Obwohl er spürte, daß seine Kräfte mehr und mehr nachließen, übernahm er viele Vorträge, Einkehrtage und offene Exerzitien, zu denen er eingeladen wurde. Manche neue Initiativen gingen von ihm aus in der Gestaltung und Ausweitung des Bildungsprogramms der Akademie. Seine Erfahrung und seine Güte machten ihn zum hochgeschätzten Freund seiner engeren Mitarbeiter.

Er starb, wie er es sich immer gewünscht hatte, mitten in seiner Arbeit. Der Orden verliert in ihm einen lieben Mitbruder, die Akademie für Erwachsenenbildung einen ideenreichen Organisator und das Katholische Männerwerk einen vorbildlichen Priester.

R. i. P.