P. Wilhelm Neuhoff SJ
* 18. Mai 1926 in Bad Honnef
21.Dezember 2018 in Köln-Mühlheim

Wilhelm wurde als sechstes von elf Kindern in Bad Honnef geboren. Die Eltern hatten sich in Viersen am Gymnasium als Lehrpersonen kennengelernt. So ist es verständlich, dass Wilhelm in einer Atmosphäre vielfacher Bildung und den zahlreichen Geschwistern aufwuchs. Zeit seines Lebens ließ er seine rheinische Herkunft erkennen, weil er Sympathie für das Ostermannlied hatte, "ze Kölle am Rhin bin ich jebore". In der Familie war das katholische Erbe lebendig, so dass er sagen konnte, in seinem späteren Ordensleben habe sich in der geistlichen Ausrichtung diese religiöse Prägung in der Jugend fortgesetzt. Wilhelm hielt immer zu seiner großen Familie intensiven Kontakt. Darum ist es nicht verwunderlich, dass er mit Freude die Anfragen nach Taufen erfüllte oder Teilnahme bei der ersten heiligen Kommunion der Verwandtschaft. Jahrzehntelange geistliche Begleitung einiger befreundeter Familien waren für ihn eine erfüllende Aufgabe.

Sein Interesse für die Naturwissenschaften führte zunächst an die Uni Bonn, ehe er Anfang September 1949 in Burg Eringerfeld in der Nähe von Geseke in das Noviziat der Gesellschaft Jesu eintrat. Es folgten die im Orden üblichen Ausbildungsjahre der Philosophie und Theologie. Am 31. Juli 1957 empfing er die Priesterweihe.

Die Neigungen zu den naturwissenschaftlichen Fragen setzte er danach mit den Studien der Mathematik und Physik in Bonn von 1959 bis 1964 mit entsprechenden Abschlüssen fort. Über 25 Jahre war er als Lehrer in den angegebenen Fächern an dem von Jesuiten in Hamburg geleiteten St. Ansgar-Gymnasium tätig. Er war als engagierter, aber auch strenger Pädagoge bekannt. Es lag in der Natur der Fächer, dass sich Beurteilungen an der Richtigkeit der Ergebnisse ausrichteten und so wenig Spielraum für Nachsicht ermöglichten. Gerne hat er das Angebot als Austauschlehrer an der Prep. School in Tacoma/USA von 1977 bis 1978 angenommen und, wie er später betonte, mit neuen Anregungen den Unterricht bereichert. Durch seine Sprachkenntnisse war es ihm selbstverständlich, über Jahre als Seelsorger für die englischsprachige Gemeinde in Hamburg zusätzlich zu wirken.

Nach Erreichen des Pensionsalters war er u.a. Seelsorger in Gemeinden der Region Bonn tätig. Ein wesentlicher Abschnitt schloß sich von 2004 bis 2014 als Krankenhaus- und Schwesternseelsorger in Daun in der Eifel an. Wilhelm gibt das Fazit: "Während ich mein Leben lang mit jungen Menschen zu tun hatte, darf ich jetzt viele Menschen begleiten, die wie ich auf ein langes erfülltes Leben zurückblicken können und ärztliche Hilfe suchen. Dabei wird mir sehr deutlich, wie begrenzt das naturwissenschaftliche Weltbild ist. Denn letztlich geht es doch um unseren Weg zu Gott." Zum 50jährigen Priesterjubiläum bereiteten ihm die Schwestern eine große gelungene Feier. "So hat es unser bescheidener Pater verdient. Still und unaufdringlich ist er immer bereit, die Patienten zu besuchen und zu begleiten und Sakramente zu spenden, wenn es gewünscht wird", meinte die Konventoberin.

Sein Hobby war die Astrologie. Bei nächtlichen Spaziergängen um Daun herum gab es viel zu beobachten. Seine u.a. dabei gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse tauschte er immer wieder mit guten Bekannten aus.

Im Januar 2014 zog Wilhelm von Daun in die Wohngruppe der Jesuiten im Seniorenzentrum in Köln-Mühlheim. Am 10. Juli 2018 stürzte er unglücklich in seinem Zimmer und zog sich Brüche des rechten Oberschenkelhalses und des linken Schultergelenkes zu. Er erhielt operativ eine neue Hüfte, wegen des kompliziert gebrochenen Schultergelenkes konnte keine Rehabilitation durchgeführt werden. Dadurch war er an das Bett gebunden und wurde Mitte August in die Pflegeabteilung im Seniorenzentrum der Caritas aufgenommen. Es fiel ihm schwer, das Liegen im Bett und geringe Beweglichkeit verständlicherweise zu akzeptieren. Sein gesundheitlicher Zustand ließ sich nur geringfügig verbessern. Am Nachmittag vor seinem Tod hat er sich angeregt mit einem Mitbruder über den Sinn von Weihnachten und der Geburt des Jesusknaben unterhalten. In den Morgenstunden des 21. Dezembers 2018 - etwa gegen 4.15 Uhr - hat er friedlich sein Leben in die Hände des Herrn übergeben.

R.i.p.