2

Helmut Meumerzheim und seine Schwester Margarete mussten als Kinder und Jugendliche mit der Familie mehrfach von Trier umziehen: berufsbedingt, der Vater war Eisenbahnbeamter, und kriegsbedingt, an den Rhein evakuiert.
Lebenslang bewahrte Helmut aus den Orten, an denen er gelebt hatte, Menschen in lebhafter Erinnerung und pflegte solche Verbindungen. Er konnte sein Erzähltalent mit dem typisch Trierer Einschlag, an Beispielen aus seiner Kindheit und Jugendzeit besonders gut entfalten. Während der Gymnasialzeit in Trier erfuhr Helmut Meumerzheim in der MJC von 1617, der Marianischen Jünglings Congregation, eine starke jesuitische Prägung. Als Gruppenleiter sammelte er erste Erfahrungen in der Jugendarbeit. Obwohl klein von Gestalt, zeigte Helmut über Jahrzehnte herausragende sportliche Leistungen, für die er auch ausgezeichnet wurde.
Nach dem Abitur studierte er anfänglich in Köln und in Mainz Jura, trat jedoch 1956, mit 22 Jahren, in den Jesuitenorden ein. Noviziat und Juniorat (Sprachenlernen) in Eringerfeld, das Philosophiestudium in Pullach (1959 -62), und ein Jahr Erziehertätigkeit im Aloisiuskolleg wusste Helmut zeitlebens in pointierten Anekdoten zusammenzufassen. Das Theologiestudium in Frankfurt/St. Georgen (1963 - 67) schloss seine Priesterweihe 1966 im Kaiserdom ein.
Weder die kirchliche Aufbruchstimmung des Konzils, noch die nachfolgende Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche, haben P. Meumerzheim aus seinem bedachtsamen, gradlinigen Lebenskurs heraus zu reißen vermocht. Das tägliche Gebet und die Betrachtung verbanden sich in bewundernswerter Regelmäßigkeit mit der täglichen hl. Messe zu einem wichtigen Teil seines Lebens.

3

Das spürten die Menschen in seiner Umgebung deutlich. Darin und in dem stillen und bescheidenen Wesen von P. Meumerzheim entdeckten sie mehr Gewinnendes als von trommelnden Missionseifer ausgegangen wäre; der hätte auch nicht zu seiner Persönlichkeit gepasst.
Die 11 Jahre von 1967 bis 1978 als Jugendseelsorger im Mergener Hof in Trier waren für P. Meumerzheim eine erfüllte, glückliche Zeit. Die war lediglich einmal durch die Sabbatzeit des Tertiats unterbrochen.
Prall gefüllt mit Leben, so kamen ihm diese Jahre immer vor. Zwischen Sport, Tennis, Bildung, Freizeitgestaltung und Jugendbegegnungen suchte "Meu", wie er von allen Seiten oft liebevoll genannt wurde, die vielfältigen Chancen eines angstfreien Umgangs mit Menschen aller Altersstufen. Es gelang ihm. Er spielte nie irgendeine Rolle; und als Jesuitenpater nahmen rebellierende Jugendliche, die sich an Autoritäten und Fremdbestimmtheit rieben, ihn gerne wahr.
P. Meumerzheim blieb der linksrheinischen Mentalität treu, als er für die kommenden 33 Jahre ans Aloisiuskolleg nach Bad Godesberg berufen wurde. Sofort identifizierte er sich total mit dem dortigen AKO-PRO-Seminar, einer Art Volkshochschule für Jungen und Mädchen aus der gesamten Umgebung. Ihr widmete er fortan, bis 2012, seine Kraft. Treue und Zuverlässigkeit bei seinem Dienst wurden von allen hochgeschätzt. Als Ansprechpartner fiel es ihm leicht, fremde und auch gehemmte Jugendliche ins Gespräch zu ziehen. Die spürten sofort seine Herzlichkeit, gepaart mit Schlitzohrigkeit. Sein ausgezeichnetes Namensgedächtnis zeigte sein Interesse am Menschen. Er mochte nie in der ersten Reihe stehen, war aber im Hintergrund einfach zuverlässig für alle da.

4

Wie seit Jahrzehnten schöpfte er im Sommer Kraft aus dem Wandern in den Bergen.
Pater Meumerzheim war sehr beliebt bei Jungen und Mädchen, auch als Beichtvater. Altschüler bestellten stets Extragrüße für ihn. Seine ausgleichende unaufgeregte Art war aber auch eine Wohltat für die Jesuitenkommunität. Er hat uns enorm viel Persönliches von seiner Familie erzählt. Helmuts großer Sprachwitz hielt stets Überraschungen bereit. Sein Humor wirkte nie verletzend. Mit ihm konnte man herzlich lachen.
Im Jahre 2000 wurde eine Herzklappen-OP notwendig. Es war ein Lebenseinschnitt. Jahre später tauchten weitere gesundheitliche Probleme auf, die P. Meumerzheim mit Humor und mit der Erinnerung an bessere Zeiten ertrug. Im März 2013 hatte er einen atypischen Hauttumor am Kopf und musste häufig im Krankenhaus behandelt werden. Zuvor hatte er immer mehr Erkrankungen und konnte nur noch mit einem Rollator gehen. So machte es notwendig, im Herbst 2013 stationäre Pflege im Caritas-Altenzentrum St. Josef-Elisabeth zu Köln-Mülheim zu haben. Etwas überraschend starb er am 31.1., dem Gedenktag des Heiligen Don Bosco, in dessen Art Helmut selber immer gelebt hatte. Im Vertrauen auf unseren Schöpfer hatte P. Meumerzheim auf uns immer irgendwie "erlöst" gewirkt. Wir sollten - mit ihm - unserem Erlöser für das Geschenk seines Lebens aus tiefstem Herzen danken!

R.i.p.

1

Helmut Meumerzheim SJ

P. Helmut Meumerzheim SJ
* 31. Oktober 1934 in Trier
31. Januar 2014 in Köln-Holweide