Dr. Bernward Lukner SJ
* 17. April 1926
5. Oktober 2010

Bernward Lukner wurde als ältester von drei Söhnen der Eheleute Franz und Maria Lukner am 17. April 1926 in Voerde, heute Ennepetal, geboren. Bereits seit 1927 lebte er dann in Hamburg, wo sein Vater ein fähiger Diplom-Ingenieur war, der ihn schon im Vorschulalter zum Kirchgang mitnahm. Von 1932 an besuchte Bernward die kath. Grundschule, Pestalozzistraße in Barmbek, ab 1936 die Höhere Kath. Knabenschule und ab 1938 bis Ende 1942 das Wilhelm-Gymnasium. Im Juli 1943 wurde die Wohnung seiner Eltern ausgebombt und so siedelte die Familie zu den Großeltern nach Iserlohn um. Dort legte er 1944 - wie er meinte - "eine liebenswert harmlose" Abiturprüfung ab. In Iserlohn war er kurzfristig ein Luftwaffenhelfer, wurde aber wegen seiner versehrten linken Hand entlassen. Denn Bernward Lukner hatte eine angeborene hochgradige Missbildung der linken Hand. Er hatte dort nur einen deformierten Daumen, aber die Beweglichkeit im Handgelenk und die Unterarmbewegung blieben erhalten. Den Krieg erlebte er dann vom Mai 1944 bis zum Ende des Jahres im Studentischen Ausgleichsdienst in Berlin, Versuchsanstalt für Luftfahrt. Das Trauma der damals so trostlosen Reichshauptstadt wirkte auf ihn immer kalt und grau. Dann kam er wieder in seine norddeutsche Heimat nach Reinbek bis Juli 1945 zu einem Dienst bei der Staatl. Forschungsanstalt für Weltforstwirtschaft und Bodenkultur.

Von 1945 bis 1951 studierte er, zunächst unter armseligen Bedingungen, in Hamburg Geographie, Deutsch, Latein und Philosophie bei hervorragenden akademischen Lehrern. Mit einer verkehrsgeographischen Dissertation, die er mit Hingabe anpackte, promovierte er 1950 zum Dr. rer. nat.. Nach der Referendarzeit wurde er 1953 sogleich von der Sankt-Ansgar-Schule angeworben, vor allem für Erdkunde. Im Laufe von 33 Lehrerjahren wechselten jedoch die Schwerpunkte seiner Fächer beträchtlich, je nach Bedarf. In seinem Beruf ging er ganz auf. 1958 fragte er zum ersten Male an, ob er wohl als Bruder in die Gesellschaft Jesu eintreten könne. Die Antwort war damals negativ: als Akademiker könne er kein Bruder werden. Weiter erzählt er selbst: "Erst sieben Jahre später, 1965, erfuhr ich von P. Rendenbach auf einer Harzwanderung, seit dem Konzil seien auch Akademiker als Brüder willkommen." So begann er im April 1967 im Noviziat der Jesuiten zu Ascheberg seine Probezeit. Auch als Vierzigjähriger fühlte er sich im Kreise der jüngeren Novizen wohl. Der Novizenmeister P. Mühlenbrock förderte ihn sehr durch seine schwungvolle, optimistische Art. "Sie sind der Jesuit der Zukunft!" Den ignatianischen Grundintentionen "iuvare animas" und "Gott finden in allen Dingen" (zu ergänzen: und allen Menschen) stimmte er gerne zu. Einfacher gesagt: er wollte für die Mitmenschen da sein, wo immer sie ihn brauchten. So bekam er sein Leben lang viele Freunde und Bekannte in Familien, bei Kollegen und ehemaligen Schülern, die sich gerne mit ihm trafen oder mit ihm Briefe wechselten.

1971 wurde er zum Studiendirektor i.K. für die Unterklassen 5 und 6 der Sankt-Ansgar-Schule ernannt. Die Mehrarbeit, verantwortungsvoll vor allem bei der Aufnahme neuer Schülerinnen und Schüler und bei den "Sorgenkinderkonferenzen", brachte ihm Erfüllung und Freude trotz nur geringer Unterrichtsentlastung. 1976 musste er wegen Erschöpfungsdepression über zwei Monate aussetzen. Grobe Schlafstörungen begleiteten ihn mit Intervallen bis zur Pensionierung 1986; danach waren sie schlagartig verschwunden.

Bereits 1986 wurde der so begabte Lehrer nach seiner Pensionierung um Mitarbeit in der Erwachsenenbildung in Hamburger Pfarreien gebeten. Diese Tätigkeit bedeutete ihm sehr viel.

Zwei Schwerpunkte lagen ihm besonders am Herzen: Vor allem Glauben und Vertrauen auf möglichst einfache Linien und Strukturen zurückzuführen, Erkenntnisse der Theologie für den Laien "auf den Punkt zu bringen", sowie den Weg zur Einheit der Kirchen in kleinen Schritten aufzuzeigen.

Sein Leben lang war Bernward Lukner immer gut zu Fuß. Für das "corpus sanum" sorgte fast jede Woche eine ausgedehnte Wanderung durch "Laub und Gras" im Gedenken an viele vertraute Menschen. Durch ganz Deutschland und in vielen Alpenländern war der beliebte Erdkundelehrer von Ort zu Ort unterwegs.

1998 wurde bei ihm eine Pankreas-Krebsoperation im Marienkrankenhaus zu Hamburg durchgeführt, die ihm zunächst 10 gute Jahre schenkte. Aber nach und nach kam es zu mehr Erkrankungen des Herzens und auch zu Knochenbrüchen der Schulter und des Armes. Dennoch blieb er mit vielen seiner Freunde und Bekannten im telefonischen Kontakt und schrieb gerne schöne Briefe.

2003 musste er seine Wohnung bei der Sankt-Ansgar-Schule in der Bürgerweide aufgeben und in das Altersheim der Jesuiten nach Köln-Mülheim umziehen. Dort kam es dann 2009 zu sehr behindernden Metastasen eines Lebersarkoms, die langsam zu seinem Ende führten.

R.i.p.