P. Friedrich Kempf SJ
geboren am 25. Juni 1908 in Wiesbaden
zum Priester geweiht am 27. August 1938 in Valkenburg
gestorben am 29. Mai 2002 in Köln

Friedrich Kempf war der zweite der vier Söhne des Mittelschuldirektors Peter Kempf aus Schloßborn i.T. und seiner Frau Walburga geb. Schwickert aus Eibingen. Er wuchs in Wiesbaden auf. Prägend wurden in der Jugend die Ferien in Eibingen, in denen Friedrich jeden Morgen am Konventamt der Benediktinerinnen teilnahm. Die Atmosphäre des Klosters, die strenge gregorianische Liturgie und die katholische Landschaft des Rheingaus wurden sowohl bei Friedrich als auch beim ältesten Bruder Wilhelm (1949-1981 Bischof von Limburg) entscheidend für den Priesterberuf.

Obwohl Friedrich schon am Gymnasium an einen Ordenseintritt dachte, entschloß er sich, nach dem Abitur (1927) zunächst Geschichte, Germanistik und Philosophie zu studieren. Nach zehn Semestern in Marburg und Berlin promovierte er mit "Das Rommersdorfer Briefbuch des 13. Jahrhunderts". Drei Wochen nach dem Rigorosum trat er am 10. Mai 1932 in 's-Heerenburg ins Noviziat ein. Der Wunsch, Jesuit zu werden, war nicht durch persönliche Kontakte zum Orden entstanden, sondern durch den Einfluß seines Bruders Wilhelm, der zunächst am Germanikum in Rom, dann in Sankt Georgen studierte. Von 1933-1935 absolvierte Friedrich die Philosophie in Pullach, von 1935-39 die Theologie in Valkenburg, wo er am 27.8.1938 zum Priester geweiht wurde. Bereits im Sommer 1936 hatten die Obern ihn für die Lehrtätigkeit an der Universitä Gregoriana in Rom bestimmt.

1940 zog er nach Rom um und forschte zwei Jahre im Vatikanischen Archiv. 1942 begann er mit Vorlesungen zur Paläographie und Urkundenlehre. 1946 zum ordentlichen Professor ernannt, las er auch Kirchengeschichte des Mittelalters. Seit 1955 betreute er nur noch dieses Fach. Im Sommer 1978 wurde er emeritiert. Aus gesundheitlichen Gründen siedelte er 1981 nach Sankt Georgen um.

Im Oktober 1997 kam er fast erblindet ins Altenheim Haus Sentmaring in Münster, im April 2002 nach Köln, wo er am 29. Mai 2002 an Herzversagen starb.

P. Kempf war ein ausgewiesener Wissenschaftler, der sich als Mediävist nicht nur mit Arbeiten zur Thematik "Innozenz III." einen Namen machte. Er setzte sich auch zäh für die Rückgabe der deutschen Institute in Rom ein, die nach Vorstellung von alliierter Seite internationalisiert werden sollten. Das ihm im April 1973 verliehene Verdienstkreuz I. Klasse würdigte beides. Eine Charakteristik seiner Arbeit gab Kempf selbst: " Obwohl der unmittelbare apostolische Einsatz (Beichthören, Predigten ...) nicht ganz fehlte, trat er doch hinter dem wissenschaftlichen Einsatz in Lehre und Forschung entschieden zurück. Hierin sah ich meine eigentliche apostolische Aufgabe." P. Kempf überzeugte als Wissenschaftler und Ordensmann.

R.i.p.