P. Albert Giesener SJ
* 29. April 1936 in Essen
6. August 2021 in Köln-Mülheim

Unser Mitbruder Albert Giesener wurde als erstes von drei Kindern der Eheleute Franz und Margret Giesener in Essen geboren. Schon als Kind begegnete er in seiner Heimatstadt den Jesuiten, die in das Friseurgeschäft seiner Großmutter in der Nähe des Essener Hauptbahnhofes kamen. In den Kriegswirren wurde Albert 1942 eingeschult. Als die Bombenangriffe auf die Stadt Essen stärker wurden, zog die Mutter mit den drei Kindern zu ihrer Schwester Rosa Trück nach Baden-Baden, wo Albert weiter die Schule besuchte. Wirtschaftlich und lebensmäßig ging es der Familie in dieser Zeit gut. 1946 kehrte die Familie nach Essen zurück, wo allerdings die elterliche Wohnung und das Friseurgeschäft zerstört waren. Eine Zeitlang wohnten sie zu sechst in einer Dachwohnung, in die es reinregnete. Vielleicht stammt aus dieser Zeit Alberts Einstellung, dasjenige, was zerstört oder zu armselig oder beengt war, neu zu machen bzw. wiederaufzubauen.

Als Schüler war Albert gerne Ministrant in der Jesuitenpfarrei in Essen und seit 1946 Mitglied im Bund Neudeutschland. Auf die Frage seines Religionslehrers, doch Theologie zu studieren, reagierte er mit Widerstand und widersetzte sich seinem eigenen Wunsch, Priester zu werden. Er wollte frei über sein Leben entscheiden und nicht gedrängt werden. Er konnte sich sogar ein Familienleben vorstellen. So begann er nach dem Abitur am Burggymnasium 1955 ein Praktikum als Maschinenbaustudent in einer Turbinenfabrik der AEG in Essen. Hier begriff er allerdings, dass er mehr bei den Menschen und mit den Menschen leben und sich für sie einsetzen wollte als für Maschinen oder Gebäude. 1955 trat er in das Noviziat des Jesuitenordens in Eringerfeld ein. Nach den ordensüblichen Studien der Philosophie und Theologie wurde er am 28. August1965 vom Nuntius Konrad Bafile im Frankfurter Dom zum Priester geweiht.

In den 40 Jahren von 1966 bis 2007 trug er zu wesentlichen baulichen Veränderungen in Hamburg, Frankfurt, Bonn-Bad Godesberg und Berlin bei. Mit viel Engagement und persönlicher Freude erfüllte er die an ihn gestellten Aufgaben von Neuordnungen und Neubauten. Durch seine Initiative als Rektor am St. Ansgar-Kolleg in Hamburg wurden zwischen 1972 bis 1977 bauliche Veränderungen vorgenommen. In der Zeit von 1977 bis 1988 war er als Minister und Verwaltungsleiter der Phil.-Theol. Hochschule St. Georgen in Frankfurt für den Neubau von Bibliothek, Küche und Mensa verantwortlich. Als Rektor und Geschäftsführer des Aloisiuskollegs in Bonn-Bad Godesberg wirkte er in den Jahren von 1989 bis 1998 und veranlasste notwendige Renovierungen. Anschließend wurde er Pfarrer der 1995 abgebrannten Kirche St. Canisius in Berlin, deren Neubau er mitplante und die im Jahre 2002 eingeweiht werden konnte. Mit Begeisterung sprach Albert immer wieder über diese für ihn bedeutsame Zeit in Berlin.

Während all dieser Jahre war er mit Freude neben den Bautätigkeiten Seelsorger für die ihm anvertrauten Menschen. So hielt er fast 10 Jahre jeden Sonntag in einer kleinen, armseligen Diasporakapelle in Barsbüttel den Gottesdienst. Er war Koordinator der Jugendseelsorgerkonferenzen. In St. Georgen begleitete er die Kurskorrektur von Abiturienten und Studenten in der Karwoche und war auch in einer Equipe des Priesterseminars tätig. Im Aloisiuskolleg hielt er neben den Gottesdiensten im Kolleg den Gottesdienst im Altenheim der CBT Haus Emmaus. Die Pfarreiarbeit in St. Canisius in Berlin war nach seinen eigenen Worten der Höhepunkt seines Lebens.

Im Jahre 2007 wechselte Albert Giesener in die Seniorenkommunität der Jesuiten in Köln-Mülheim. Dort war er bis zum Jahre 2015 Superior und anschließend bis 2018 Minister. Auch hier im Caritas-Altenzentrum wirkte er pastoral, hielt regelmäßig Kommunionfeiern für die Bewohner und an hohen Festtagen Eucharistiefeiern in der Hauskapelle für die Mitbrüder und alle Heimbewohner.

In den letzten Jahren litt Albert Giesener an einer fortschreitenden Demenz, die ihn physisch wie psychisch beeinträchtigte und ihm die Kommunikation mit Anderen erschwerte. Im April 2021 wechselte er in die stationäre Pflege des Caritas-Altenzentrums in Köln-Mülheim, wo seine Kräfte mehr und mehr nachließen. Nachdem er am Donnerstag, 5. August, morgens die Krankensalbung empfangen hatte, übergab er sein irdisches Leben gegen 1.30 Uhr in der Nacht zu Freitag, 6. August, dem Fest der Verklärung Christi, in die Hände seines Schöpfers.

R.i.p.