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Sprachkenntnisse und das juristische Denken zu Gute, so wurde nun sein Gespür für die innere Ausrichtung und für die Sorgen der Menschen, die seine Begleitung suchten, wichtig. War früher vor allen Dingen die Leitungsverantwortung seine Aufgabe, so brachte er nun die persönliche geistliche Erfahrung in der Begleitung von Seminaristen und anderen mit ein. Das persönliche Vertrauen, das im Psalm 23 in den Worten "Ich fürchte mich nicht, denn du bist bei mir" zum Ausdruck kommt, war ihm wichtiger geworden als ein Denken, das auf Sicherung bedacht ist. Ähnlich bewegte ihn der Gedanke, weg vom eigenen Tunmüssen zum Sich Gott überlassen, um mit Gottes Willen das Notwendige zu tun. Weg von dem bedrängenden Gebot hin zum bewegenden zur Liebe führenden Geist. So war in ihm das Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit gewachsen, das ihn mit der Hoffnung erfüllte, letztlich in die Liebe des Vaters zu seinem Sohn hineingenommen zu werden.
   Johannes Günter Gerhartz hat die gesundheitliche Belastung im Laufe seines Lebens, vor allen Dingen der letzten Monate, gespürt und bewusst ertragen. Er schrieb: "So lebe ich in großer, staunender Dankbarkeit gegenüber Gott, der in Jesus Christus mich geliebt und sich für mich hingegeben hat" (vgl.Gal 2,20).

R.i.p.

Link zu 2 Predigten

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Johannes Günter Gerhartz S.J.
* 7. November 1926
8. April 2016
Eintritt in die Gesellschaft Jesu am 13.4.1948
Priesterweihe am 31.7.1958

   Als Johannes Günter Gerhartz anlässlich seines letzten Geburtstages etwas über sich und seinen bisherigen Lebensweg erzählte, wurden wir zunächst in die Zeit des zu Ende gehenden Weltkrieges versetzt.

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Seine Abneigung gegen das Regime der Nationalsozialisten war besonders deutlich geworden, als die konfessionellen Jugendverbände verboten wurden und er als Neunjähriger die Uniform der "Hitler-Jugend" tragen musste. Im Bismarck-Gymnasium war er als einziger Katholik in der Klasse und suchte gestützt von den Eltern und seinen fünf Geschwistern nach Offenheit und Orientierung. Dabei blieb er stets interessiert an den Meinungen und Weltanschauungen der Anderen. Im Alter von 15 Jahren wurde er als Luftwaffenhelfer verpflichtet und im Juli 1944 zur Wehrmacht eingezogen und nach Ausbildung an verschiedenen Orten in Ungarn eingesetzt. Als er am 20.März 1945 von einem Granatsplitter am rechten Ellenbogen verletzt wurde, fuhr ihm die Eingebung in den Kopf: "Du kommst nach Hause, jetzt wirst du Priester". Diese Erkenntnis gab ihm innere Ruhe und Gelassenheit. Der Rückmarsch nach Hamburg war verständlicherweise durch das Chaos der letzten Kriegstage in Etappen erfolgt. Wieder bei der Familie standen natürlich die Versorgung und die Zukunft im Blick. Er holte das Abitur nach, informierte sich und trat nach ausführlichen Überlegungen am 13.04.1948 in Burg Eringerfeld in das Noviziat des Ordens ein. Die Ausbildung wurde wie üblich in verschiedenen Abschnitten absolviert, mit Sprachstudien, mit drei Jahren Studium der Philosophie, einer

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praktischen Zeit (als Präfekt) und darauf folgend vier Jahre theologischer Studien in Frankfurt. Den Abschluss der Ausbildung bildete das ein Jahr dauernde Terziat in der Nähe von Dublin in Irland. Es folgten vier Jahre Studium des Kirchenrechtes mit abschließenden Doktorat an der Universität Gregoriana in Rom.
   Dann war es seine Aufgabe, sich an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt zu habilitieren und im Fach Kirchenrecht zu dozieren. Er wurde nach kurzer Zeit zum akademischen Rektor gewählt. Damit wurden seine Begabungen immer deutlicher. So wurden ihm die Aufgabe des Provinzials der Niederdeutschen Provinz von 1972 bis 1977 und anschließend die Leitung der zusammengeführten Norddeutschen Provinz von 1978 bis 1981 anvertraut.
   Der Ruf an die Ordenskurie nach Rom im Jahre 1982 zum Assistenten der dortigen Leitung, die Wahl zum Sekretär der Gesellschaft Jesu (von 1983 bis 1992) macht deutlich, wie sehr sein Urteil und seine Mitarbeit im Orden geschätzt war. Im Anschluss an diese Zeit leitete er verantwortlich bis 1998 als Rektor das Germanicum in Rom. Das Engagement als Spiritual im Studienhaus in Lantershofen, in der Seelsorge und in der geistlichen Begleitung haben eine andere Stärke bei ihm aufgezeigt. Kamen den bisher aufgeführten Arbeiten die Leitungserfahrung, die