Bruder Fritz Wellner SJ
* 1. August 1915    19. Juli 2002
Eintritt 1934 - Letzte Gelübde 1945

Alle Kirchenglocken läuteten am Sonntagmorgen, 1. August 1915, in der Gemeinde Borghorst nordwestlich von Münster, als Fritz Wellner das Licht der Welt erblickte. Es war die Stunde, in der die Wallfahrer der Gemeinde im Wallfahrtsort Telgte in die Kirche einzogen. In echter Marienverehrung ist Fritz diesem Zeichen sein ganzes Leben treu geblieben. Die Menschen im Münsterland standen fest im Glauben, und so war es auch in der Familie Wellner. Der Vater Wilhelm Wellner, der in der zweiten Hälfte des Ersten Weltkriegs Soldat an der Westfront war, kam zur großen Freude seiner Frau Maria und der ganzen Familie im September 1918 in einem mehrwöchigen Urlaub nach Hause. Jedoch erkrankte er am letzten Urlaubstag an einer schweren Lungenentzündung und wurde ins Lazarett gebracht. Nur noch wenige Tage hat er gelebt. Die Mutter hat über diese Tage für die Kinder einen handschriftlichen Bericht verfasst, von dem Br. Wellner oft gesprochen hat und der in seinem Schreibtisch aufbewahrt wurde. "Ich möchte gern noch leben", sagte der Vater zur Mutter, "doch wenn Gott dieses Opfer von uns verlangt, müssen wir es bringen."

Als Schneiderin arbeitete die Mutter oft bis in die Nacht, um ihre kleinen Kinder zu versorgen. Eine Kriegerwitwenrente gab es nicht, da der Vater nicht an der Front gefallen war! Der ältere Bruder bemühte sich, so schnell wie möglich mit der Lehre fertig zu werden, um der Mutter finanziell beistehen zu können. Fritz Wellner besuchte nach der Grundschule drei Jahre eine Rektoratsschule. Irgendwie ging es mit dem Lernen mühsam, es war keine rechte Lust da. Ganz ohne Sorgen ließ der stürmische Junge die Mutter ohnehin nicht. In allem Sturm und Drang wurde bei ihm ein Wille immer stärker, später für das Reich Gottes zu arbeiten. Zu dieser Zeit bauten die Steyler Missionare in Rheine ein Kolleg. SVD war mit seinen Schriften in jedem katholischen Hause vertreten. Für Fritz Wellner wurde der Weg klar: Ich werde Bruder bei den Steylern. Der erste Schritt war eine Schriftsetzerlehre in Greven, mit täglicher Radfahrt von Borghorst nach Greven.

Der Kaplan seiner Heimatpfarrei war ein Canisianer von Innsbruck, der Kontakte zu durchreisenden Jesuiten herstellte. Fritz fuhr nach Sentmaring, darauf mit seinem Bruder per Rad nach s'Heerenberg ins damalige Noviziat. Der Novizenmeister war von dem 16-jährigen Fritz angetan, gab ihm aber den Bescheid, er solle zuerst seine Lehre abschließen und dann mit 18 Jahren wiederkommen. Daran hielt sich Fritz Wellner und trat im März 1934 ein. Am 25.3.1936 legte er die ersten Gelübde ab und arbeitete an einer erbärmlichen Druckerpresse im Pfortenzimmer. Der Novizenmeister machte P. von Nell-Breuning, den Provinzverwalter, auf den jungen Bruder aufmerksam. Auf dessen Wunsch wurde Br. Wellner nach Köln auf eine private kaufmännische Schule geschickt und anschließend in die Provinzverwaltung geholt. So kam der einsatzwillige Schriftsetzeraspirant durch mehrfache Fügung in seine Lebensaufgabe. Abgesehen von einem kurzen Zwischenspiel in Sankt Georgen (1937-1938) arbeitete er bis 1947 in der Provinzverwaltung kräftig mit.

Noch ganz andere Dinge warteten auf den jungen Bruder in diesen Kriegjahren. Mit ungebrochenem Wagemut brach er nachts mehrmals in unser beschlagnahmtes Haus in der Stolzestraße ein und holte Sachen heraus, die bei der Auflösung nicht hatten mitgenommen werden konnten. 1943-1945 wurde ihm nach vierwöchiger Einführung das Brotbacken für das gesamte Franziskus-Hospital in Köln-Ehrenfeld übertragen; bis mittags backte er, nachmittags buchte er. Die letzte Heldentat folgte nach dem Krieg. Der Superior des Canisiushauses in Köln jammerte: Wie bekomme ich die drei Brüder für den Wiederaufbau zurück, die noch rechtsrheinisch in Köln-Mühlheim arbeiteten? Br. Wellner sprang in den Rhein (wirklich!), schwamm hin und zurück, und die Mitbrüder kamen zum Aufbau. Von 1947-1950 finden wir Br. Wellner, wieder als Prokurator, in Büren, wo die Sankt-Georgener Hochschule ein Unterkommen gefunden hatte. Mit ihr ging er 1950 nach Frankfurt, wo er bis 1980 wieder in der Verwaltung arbeitete; im Hauskonsult war er "consultor de rebus temporalibus".

Im Juni 1984 wurde er nach Berlin ins Peter-Faber-Kolleg versetzt als Minister, wo er bis Oktober 1988 blieb. In einem Brief schreibt er dazu: "Der Abschied von Sankt Georgen ließ mich erkennen, wie verbunden ich den Mitbrüdern und Mitarbeitern durch die langen Jahre der Zusammenarbeit an dieser schönen Aufgabe bin; ich bin sicher, das ich mit meinen Gedanken künftig oft dort weilen werde." Und zu seinem neuen Amt in Berlin: "Ich weiß, welche Zuwendung ich hier alten und kranken Mitbrüdern schuldig bin". Zum 1.11.1988 ist Br. Wellner nach Aachen versetzt worden, um in der dortigen Residenz das Amt des Ministers und Ökonomen zu übernehmen (bis 18.11.1991). Dazu schreibt er in einem Brief: "Der Abschied von Berlin fällt mir nicht leicht, hatte ich doch hier eine schöne Aufgabe in schöner Umgebung; ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. ... doch ich weiß mich in allen Weisungen der Obern geborgen im Willen Gottes."

Vom 4.11.1993 bis zur Auflösung des Altenheims (29.4.2002) verbrachte Br. Wellner seinen Lebensabend in Haus Sentmaring in Münster. Seine Gesundheit war inzwischen sehr angeschlagen. In einem Brief an die Freunde aus der charismatischen Erneuerung vom 30.10.1993 schreibt Br. Wellner zu der Versetzung ins Altenheim: "Münster hat natürlich für mich einen besonderen Reiz; habe ich doch dort vor 62 Jahren meine ersten Kontakte mit den Jesuiten aufgenommen und es sieht jetzt so aus, dass sich dort auch der Kreis meiner irdischen Wanderschaft schließt." Den Umzug in das neue Altenheim in Köln-Mühlheim (29.4.2002) hat er nicht lange überlebt. Er starb am 19.7.2002 im Evangelischen Krankenhaus Köln-Kalk an Lungenentzündung.

Bruder Wellner war ein vorbildlicher Ordensmann, der ganz aus dem Geist der Exerzitien zu leben versuchte. Die Begegnung mit der charismatischen Erneuerung in der Mitte der siebziger Jahre gab seinem Ordensleben neuen Schwung und kam seinem großen Wunsch entgegen, für das Reich Gottes zu arbeiten und zahlreichen Menschen Zeugnis zu geben von der Liebe Gottes zu uns Menschen. Sowohl in Frankfurt als auch in Berlin und in Aachen nahm er an den wöchentlichen Treffen der Gebetsgruppen teil, und auf zahlreichen Tagungen der CE war er ein belebendes und anregendes Element. Ursprünglich wollte er Priester werden, gab den Gedanken aber dann auf zugunsten der Berufung als Bruder: er wollte den Patres in ihrer Arbeit dienen mit seinen Fähigkeiten der Verwaltung.

Immer wieder warb er auch für den Brüderberuf in den Orden. Von 1976 bis 1980 war er Vorstandsmitglied im Ordensrat der Diözese Limburg. Es ging ihm um eine geistliche Erneuerung des Brüderberufs in den Orden, speziell im Jesuitenorden. Zu vielen Menschen außerhalb des Ordens hatte er Kontakt und diese Menschen schätzten sein freundliches Wesen und seinen echten Glauben. In Sankt Georgen sorgte er für ein freundliches und menschliches Klima unter den zahlreichen Angestellten. Viele von ihnen sprechen noch heute mit Hochachtung und Dankbarkeit von ihm. Er litt darunter, dass die Zahl der Brüder so rapide abnahm. Denn sie prägten einen wesentlichen Teil der Atmosphäre eines Ordenshauses. Br. Wellner war ein großer Beter und hat auch auf diese Weise die apostolische Arbeit der Patres unterstützt.

Br. Fritz Wellner ist auf dem Friedhof Melaten in Köln begraben.

R.i.p.

P. Fritz Abel SJ / P. Rainer Koltermann SJ

Jesuiten-Nachrufe 2003, S. 32f