Bruder Theodor Schröer SJ
1. April 1979 in Köln

"Das muß ja mal gesagt werden!" Dieser Satz, je nach Situation sehr erregt und mit unterstreichenden Faustschlägen auf den Tisch oder weniger kraftvoll oder auch nur bestätigend hervorgebracht, war so etwas wie das Markenzeichen von Br. Wilhelm Theodor Schröer. In der Tat, vieles mußte gesagt werden, und er tat dies schriftlich auf 68 Seiten und einigen Beiblättern: "Mein Lebensweg. Den die göttliche Vorsehung mich geführt hat. Ihm sei Dank! Anhaltspunkte für meinen Nachruf. Nach dem Urteil der Obern. Die Angaben sind kurz gefaßt. Vieles ist nicht weiter erklärt."
Ausführlich berichtet er hier über die Stationen seines Lebens, die Menschen, denen er begegnete, über seine Krankheiten und die Arbeiten und Sorgen, die er im Laufe eines langen Lebens hatte.

"Am 5. Juli, nicht am 7. Juli, wie es die Hebamme irrtümlich angegeben hat, bin ich 1887 zu Bottrop, Eigen Nr. 17/1, geboren. Mein Vater war Angestellter an der Reichsbahn, Bottrop-Nord. Er hat 3 Jahre bei der Infanterie gedient. Der kleine Kotten, 7 Morgen Land, war unbelastet, er lag direkt an einem großen Wald. In dem Hause waren noch die Mutter vom Vater, eine unverheiratete Schwester von ihm und ein 9 bis 10 Jahre älterer, verwaister Vetter von mir. Meine Mutter war immer recht gesund. Bei meiner Geburt wog ich 11,0 Pfund. 8 Tage nach meiner Geburt hat meine Mutter schon wieder den ganzen Tag auf unserem Felde den gemähten Roggen mit ihren Händen gebunden, ohne Schaden zu nehmen. Sie starb im 86. Lebensjahr am 27. 1. 1947." Bruder Schröer wuchs mit 8 Geschwistern (6 Knaben, davon ein Halbbruder, und 2 Mädchen) auf.

Unverkennbar meldete sich schon damals in dem kleinen Theodor das Temperament, das ihn bis in die letzten Lebenstage nicht im Stich ließ. "Im Alter von etwa 4 Jahren erlitt ich einen Oberschenkel-Beinbruch. Ich stolperte in der Eile über das neuangebrachte Fußkratz-Eisen am Treppenstein. Ich wurde dann bald von der Mutter und Tante Maria im Kinderwagen zu einem Spezialarzt für Knochenbrüche nach Kirchhellen gefahren. Beim Einrichten des Beines soll ich auf plattdeutsch gesagt haben: 'Mama, der drückt mir so feste an das Bein, es tut mir so weh, schlag ihm eines in's Gesicht'."

Temperament und Einfachheit, Arbeitsfreude und Zuverlässigkeit prägten ihn; Gewissenhaftigkeit, Gebetsgeist und Berufstreue zeichneten ihn aus. Er war ein Mann, der wußte, was er wollte, und zielstrebig seinen Weg ging. Dieser Weg wurde mit allein fast 68 Ordensjahren durch viele Veränderungen und Wandlungen sehr lang und recht beschwerlich. Eine starke Taubheit belastete ihn zudem in den letzten Jahren.

Mit Br. Schröer verbindet sich ein Stück Geschichte der deutschen Jesuiten, die er als Deutsche, als Niederdeutsche und zuletzt als Norddeutsche Provinz erlebte. Mit ihm starb der nach den PP. Sladeczek und Seggewiß Ordensälteste unserer Provinz. Im Jahre 1973 stellte er eine Statistik der erlebten "Oberen in der Gesellschaft" zusammen, Zahlen, die er später noch fortschrieb. Neben 4 Generälen und 1 Generalvikar erlebte er 14 Provinziäle, 18 "Soziuse Prov.", 20 Hausobere, 2 Hausoberinnen in Stolberg, 18 PP. Minister (Br. Minister Franken konnte er wohl nicht mehr nachtragen), 21 PP. Spirituäle, 2 Visitatoren von Rom, 9 Brüderbidelle... eine fürwahr stattliche Anzahl!

Als er knapp 24jährig am 26. April 1911 ins 's-Heerenberg eintrat, hatte er schon manches erlebt und Erfahrungen schweren Leides hinter sich. Der Vater starb nach 5jähriger Lungenkrankheit am 29. Dezember 1894. Die verehrte Großmutter verlor er am 20. 6. 1895. Am 5. 2. 1896 verheiratete sich die Mutter wieder mit Wilhelm Bockholt. Der Stiefvater war sehr gut zu den Kindern. Br. Schröer nennt ihn nur "der Vater". Er machte den Kindern gern eine Freude, und es gab viele Pläne, Unternehmungen und Abwechslungen. "Wir hatten einen Garten und einige Obstbäume. Die Tauben und die Kaninchenbetreute ich." Der Stiefvater hatte im Hause seiner Eltern neben einer Gastwirtschaft eine vollständige Bäckerei und Conditorei. Zeitweilig war er auch Bergmann. So machte Br. Schröer schon damals verschiedene Wohnwechsel mit. Einmal vermerkt er, "wir zogen mit allem, was wir benötigten, Möbel, auch die Kuh und Ziege, zu unserem Großvater".

Mit den Gesellen hatte der Vater weniger Glück. Im Frühjahr 1901 entstand eine Spannung zwischen dem Gesellen und Br. Schröers Stiefvater. An einem Sonntagabend erhielt er nach einem kurzen Wortwechsel durch den Gesellen mit einer leichten Schußwaffe zwei schwere Kopfwunden. "Mein Vater wurde (eine Schlag- und eine Schußwunde) nicht bewußtlos. Der Arzt hat auch wohl keine Lebensgefahr festgestellt. Er hat ihn verbunden, kam einige Male wieder. Nach etwa 14 Tagen wurde der Zustand des Vaters bedenklicher. Die Mutter ließ den Geistlichen kommen. Er hat dann gebeichtet. Die hl. Kommunion wollte er am nächsten Morgen bringen, doch etwa nach einer Stunde ist er gestorben. Meine Mutter und ich waren bei ihm im Sterbezimmer. Meine Mutter hat ihm kurze Stoßgebete vorgebetet. Der schnelle Tod des Vaters auf diese Art und Weise war ein schwerer Schlag für unsere Familie. Die Sache wurde zur Anzeige gebracht. Es kam vor das Gericht. Der Geselle wurde wegen Körperverletzung mit Todeserfolg bestraft. Er war ein junger Mann, 25 Jahre alt, aus Danzig."

Leid und Krankheit - "in etwa Anteil am Kreuz Jesu Christi", wie er mit roter Tinte anmerkte - standen immer wieder im Leben von Br. Schröer. Auf 4 Seiten zählt er Gebrechen und Krankheiten auf. In der Tat machte ihm die schwache Gesundheit immer wieder zu schaffen, so daß neben Fachleuten auch Mitbrüder an ihm ihre Kunst versuchten: "Im ersten Noviziatsjahr hatte ich ein großes Geschwür am Knie. Dr. P. Rensing hat es aufgeschnitten." Die vielen Krankheiten waren wohl auch der Anlaß für manche Eigenheit und für den Ritus, den Br. Schröer beim Essen entwickelte. Mancher Mitbruder staunte, wie Milchsuppe und Hering oder Diät und Speisen des "normalen Tisches" sich miteinander vertrugen und einen gemeinsamen Weg fanden. Da mußte auch manches gesagt werden! Und manchen Weg ging er jeden Tag, bis er alles zusammen hatte und sich zum Frühstück setzen konnte.

Trotz der schwachen Gesundheit erlernte Br. Schröer ein sehr schweres Handwerk. "Von seiten der Eltern wurde auf die Berufswahl kein Druck ausgeübt. Im letzten Schuljahr stand mein Entschluß fest, Schlosser zu werden. Mit meinen Eltern wurde die Lehrstelle bei meinem Onkel, Schmiede- und Schlossermeister Johann, Kleinebrink in Horst-Emscher, festgelegt: Lehrzeit drei Jahre, Kost und Wohnung beim Meister, ohne Wäsche und ohne Taschengeld. Gegen Ende August 1901 habe ich die Lehrstelle angetreten. Die Arbeitszeit war von morgens 6 Uhr, in den Wintermonaten 6.30 Uhr, bis des Abends 7.45 Uhr und 8 Uhr. Um 8 Uhr war das Abendessen. Die Mittagspause dauerte eine Stunde mit dem Essen. Der Meister hatte gewöhnlich einen Gesellen und zwei oder drei Lehrlinge. Er arbeitete selber immer mit. Er besuchte gewöhnlich jeden Tag, wenn es eben ging, um 6 Uhr, im Winter 6.30 Uhr, die Hl. Messe. Er sah es auch gerne und duldete es, wenn wir seinem Beispiel folgten. Ich habe dann auch öfters von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht, im letzten Jahr vor meinem Eintritt in die Gesellschaft jeden Tag. Vor und nach dem Essen betete der Meister immer vor: in der Fastenzeit und im Oktobermonat gewöhnlich noch den Rosenkranz, im Mai die Maiandacht. Er hielt uns auch dazu an, wie er am Sonntag zwei Hl. Messen beizuwohnen und alle 4-5 Wochen die Hl. Sakramente zu empfangen, was ich auch befolgt habe. Der Meister war in der Männerkongregation, im Kirchenvorstand, im Gesellen-Meisterverein, im Vinzenzverein Armenpfleger und er kollektierte dafür. Bei Festlichkeiten trug er die Fahne.

Die Arbeiten in der Werkstatt waren sehr mannigfaltig. Der Meister war Huf- und Wagenschmied, Kunst- und Bauschlosser. Die Werkstatt war sehr geräumig: 3 Schmiedefeuer, eine Feldschmiede. Alles wurde mit der Hand gemacht, alle Maschinen mit der Hand gedreht oder betätigt. Am Abend nach dem Essen mußten wir die Arbeiten in einem Buch aufschreiben mit Angabe der Zeit und des Materials. In der Werkstatt wurden sie auf einer Tafel kurz notiert.

Wir Lehrlinge durften des Abends nicht ohne besonderen Grund ausgehen. Wir konnten Bücher lesen aus dem Borromäusverein, die Hl. Schrift, das Leben der Heiligen, die Fachzeitschrift oder die Zeitung; auch Kartenspielen (um Bohnen), Mühlespiel oder Basteln. Dreimal in der Woche mußten wir des Abends die Fortbildungsschule besuchen. In den Sommermonaten waren die Schulstunden von 6.45 - 8.45 Uhr, in den Wintermonaten von 6.30-8.30 Uhr, danach war Abendessen. Nach einem Jahr Lehrzeit wurde ich krank: Magenstörung, Oberanstrengung? Ich war einige Male beim Arzt, danach war ich ein Jahr lang nicht recht gesund. Dem Meister war es nicht recht. Er meinte, daß der Beruf für mich zu schwer sei, und er sagte, ich hätte lieber Schneider werden sollen. Ich wurde dann auch mehr für die leichteren Schlosserarbeiten verwandt." Die Ausbildung erforderte den ganzen Mann: "um die geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu erhalten und zu handhaben, brauchte es eine übernatürliche Kraft von oben; darum habe ich öfters gebeten."

Beim Abgang von der Fortbildungsschule war Preisverteilung. Unerwartet erhielt Th. Schröer einen Preis: ein Portemonnaie, ein Taschenmesser und ein Buch über Handwerkerbestimmungen und Innungen. "Im Zeugnis hatte ich in Religion gut. Betragen gut. Aufmerksamkeit und Fleiß gut. Zeichnen gut. Nach der Lehrzeit machte ich meine Gesellenprüfung vor einer Prüfungskommission und bei einem Schmiedemeister in Dorsten. Praktisch gut, theoretisch genügend".

Von 1904-1911 arbeitete er als Geselle in der Schmiede und Schlosserei. In vielem entwickelte er sich, wie er es bei seinem Onkel und Lehrmeister gesehen und gelernt hatte: er wurde auch Mitglied im Gesellenverein und bei Kolping; bei festlichen Anlässen trug er die Fahne; später war er auch Vorstandsmitglied.

Der erlernte Beruf bleibt seine Haupttätigkeit auch in der Gesellschaft. Als Schlosser, Elektriker, Maschinist, Heizungsfachmann und Monteur war er in verschiedenen Häusern tätig, zu denen er nicht immer gehörte, an die er bisweilen nur ausgeliehen wurde. Im Jahre 1965 rechnete er zusammen und kam auf 54 Jahre als Schlosser und Elektriker, 24 Jahre als Heizer mit Koks und 151 und auf 19 1/2 Jahre als Maschinist und Monteur.

In die Gesellschaft trat er ein am Fest Maria vom guten Rat, dem 26. April 1911. "Als ich etwa 23 Jahre alt war, äußerte der Meister den Wunsch, ich möchte meine Meisterprüfung machen. Ich sagte ihm, ich sei noch keine 24 Jahre alt. Auch hatte ich etwas anderes vor, das ich aber geheimgehalten hatte. So etwa mit 18 Jahren hatte ich den Entschluß gefaßt, in einen apostolischen Orden einzutreten, aber es geheimzuhalten, doch danach zu leben, so gut es ging. Ich wollte mich zuerst selbst prüfen, im Gebete mit Gott überlegen, ob es mein Beruf sei. Auch wollte ich zuerst vom Militärdienst frei sein. Schon bei der ersten Musterung kam ich zur Ersatzreserve. Wie ich später von meiner Mutter erfuhr, hatte mein Meister vor, mir den Betrieb zu überlassen. Ein starker Anlaß, in einen apostolischen Orden einzutreten, war auch ein Theaterspiel: der hl. Aloisius. Alle die Jahre hielt der Gedanke immer an. Anfang Januar 1911 nahm ich an einem Exerzitienkurs für Gesellen in Münster teil, welchen P. Ansgar Holtschneider gab. Ich teilte ihm mein Vorhaben mit. Als er hörte, daß ich schon lange den Gedanken gehabt hätte, drängte er auf eine baldige Entscheidung.

Es war am 10. oder 11. März 1911 als ich abends mit Josef Busch auf der Straße zusammentraf. Durch den Gesellenverein waren wir schon länger miteinander bekannt. Über die Standeswahl hatten wir nie gesprochen. Er sagte zu mir: 'Theodor, weißt Du was, ich fahre am Sonntagmorgen, dem 12. 3., nach Emmerich. Die Jesuiten haben dort ein neues Haus gebaut: ein Noviziat und Exerzitienhaus. Ich sehe es mir einmal an. Ich habe vor, dort einzutreten und in die Mission zu gehen. Willst Du nicht mit?' - Ich habe ihm mein Vorhaben mitgeteilt und freudig ja gesagt. Am Sonntag in der Frühe fuhren wir nach Emmerich zum Bonifatiushaus. Wir wußten, daß dort um 9.30 Uhr noch eine Hl. Messe gelesen wurde. Irgendwo hatten wir nur Gelegenheit gehabt, unterwegs dem ersten Teil einer Hl. Messe beizuwohnen. Als wir im Bonifatiushaus ankamen, empfing uns Br. Weber an der Pforte sehr freundlich (wir hielten ihn für einen Pater). Als er sich bescheiden nach dem Zweck unseres Besuches erkundigt hatte, führte er uns sogleich in die Krypta, wo die Hl. Messe schon begonnen hatte. Der erste Anblick, als ich die ganze Kommunität im Ordenskleid bei der Hl. Messe zusammen sah, machte auf mich einen erhebenden Eindruck. Nach der Hl. Messe wurde der Zweck unseres Besuches weitergeleitet. P. Schilgen sprach mit uns, das Haus und die Werkstätten wurden uns gezeigt. Es wurde gesprochen über die Arbeiten der Gesellschaft in der Heimat und in den Missionen, über die wissenschaftlichen Arbeiten und ihre heiligen Mitbrüder. Ferner über das zweijährige Noviziat, die Tagesordnung, das Stillschweigen, das Rauchverbot, die Großen Exerzitien und anderes. Als wir keine Schwierigkeiten hatten, es bejahten und bereit waren, es anzustreben, wurden wir in den Zwischenpausen von 4 Patres examiniert. Die Patres waren: R.P. Rektor Neusester, P. Julius van Volxem, der Sozius von P. Provinzial, P. Magister Müller und P. Minister Steinen. Wir aßen dort zu Mittag und tranken dort Kaffee. Gegen 3.30 Uhr wurden wir zum P. Provinzial Thill gerufen, der gerade wegen der Hausvisite dort war. Wir betraten zusammen sein Zimmer und zu unserer großen Freude nahm er uns zusammen in die Gesellschaft auf". Die deutsche Provinz zählte lt. Katalog in seinem Eintrittsjahr 607 Patres, 267 Scholastiker, 345 Brüder, insgesamt 1.219 Mitglieder.

Das Noviziat begann er im Bonifatiushaus in 's-Heerenberg, von wo er allerdings am 30. 9. 1912 bereits nach Dänemark versetzt wurde. Im Andreaskolleg Ordrupshhj wurde er von Br. Fruntzek empfangen und eingewiesen. 22 Brüder fand er dort vor, 5 davon unterrichteten an der Schule. Br. Schröers Zuständigkeitsgebiet wurden Licht, Kraft und Elektrizität. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte er wie einige andere Mitbrüder den Befehl, im Falle einer Mobilmachung sich sofort zu melden. Auf dem Konsulat wurde ihm mitgeteilt, daß er nach Deutschland zurück müsse. Am 4. 8. 1914 verließen sie Ordrupshhj. Auf Umwegen und mit vielen Hindernissen gelangte man in drei Tagen über Hamburg nach Recklinghausen. Da aber Br. Schröer zunächst nicht einberufen wurde, blieb er im Bonifatiushaus. Bedingung dafür war, daß er in Emmerich bei Pfarrer Horstmann angemeldet würde. So blieb er kriegsbedingt bis zum 3.2.1919 in Emmerich/'s-Heerenberg. Immer wieder reklamierte man ihn vom Militärdienst für wichtigere Aufgaben. Im Andreaskolleg in Ordrupshhj war er dann nochmals vom 7. 2. 1919 bis 2. 9. 1920. Von dort wurde er wieder nach 's-Heerenberg versetzt, wo er bis 1936 blieb. Am Fest Mariä Himmelfahrt, dem 15. August 1921, durfte er zugleich mit P. Sudbrack und Br. Kamerke die Letzten Gelübde ablegen. "So war ich denn noch fester und inniger, mündlich, schriftlich und mit dem Herzen mit dem Heiland und der Gesellschaft verbunden".

Da vom Kolleg aus auch das Schloß und die Gemeinde 's-Heerenberg mit Strom versorgt wurden, machte die Stromlieferung sehr viel Arbeit. Die Maschine und die Akkumulatoren waren zu klein. Im Winter und an den dunklen Tagen mußte die Maschine 12-14 Stunden laufen und bedient werden. Ein automatischer Zellenschalter war noch nicht vorhanden. Neben der Elektrizität mußte er auch die Wasserversorgung sichern, die Schlosserarbeiten beaufsichtigen usw. Für die Heizung wurde ein Regenwasserbassin gebaut. Er montierte eine Motorpumpe und so konnte er die ganze Heizung mit Regenwasser füllen. Im Jahre 1925 begann Br. Kamp, die Exerzitantenkapelle auszumalen. Da die Beleuchtung unzulänglich war, wurde Dr. Schröer gedrängt, einen schon länger geplanten Kronleuchter zu fertigen. An dem Entwurf des Kronleuchters hatte Br. Kamp mitgearbeitet; er hat ihn auch vergoldet. Als Anerkennung für diese Arbeit bekam Br. Schröer von P. Rektor Beiker die Erlaubnis, einen Schweißapparat zu kaufen. Schon drei bis vier Jahre früher hatte er verschiedentlich darum gebeten, aber keine Erlaubnis erhalten. Störend und unangenehm waren besonders die von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Überschwemmungen. Dann mußten die Abläufe im Keller rechtzeitig zugedichtet und überwacht werden, Zusatzarbeitsschichten wurden nötig.

Anfang August 1936 verlegte man das Noviziat nach Hochelten, das Bonifatiushaus wurde 1937 an die Weißen Väter verkauft. Für die Kommunität von 70 Personen, die für Hochelten bestimmt war, war nicht genügend Platz vorhanden. Die Dachgeschosse des Haupthauses, des Försterhauses und des Ökonomiegebäudes wurden zu Zimmern und Schlafsälen ausgebaut. Die Kapelle wurde verlegt und neueingerichtet. Da keine Werkstätten vorhanden waren, wurden auch diese eingerichtet, so eine Anstreicherei, Schreinerei, Schumacherei und Schlosserei. Maschinen mußten dafür gekauft und aufgestellt werden. Diese Arbeit machten die Brüder alle selbst.

Am 30. 11. 1941 wurde Br. Schröer nach Sankt Georgen versetzt. Hochelten war aufgehoben und beschlagnahmt worden. Die Kommunität bewohnte damals nur noch das Lindenhaus und den D-Zug und hatte die Kapelle zur Verfügung. Der Neubau war vom Städtischen Krankenhaus, der Altbau von der Wehrmacht als Reservelazarett belegt. Die Brüder hatten die Küche, die Heizung und die Reparaturen zu besorgen. In Sankt Georgen blieb er bis 1944, dann zog er nach Saarlautern, allerdings nur für 4 Monate. Von dort wurde er ans Krankenhaus nach Stolberg "ausgeliehen", wo P. Böhmer Rektor war. Im September rückte die Front näher und das Haus lag beständig unter Beschuß. Drei Monate hauste man mit den Kranken mehr oder weniger im Keller. Es gab kein Licht und kein Gas. Das Wasser mußte man aus einem alten Brunnen im Hof holen. Da kein Strom vorhanden war, stellte Br. Schröer die Maschinen auf Handbetrieb um. P. Böhmer las die Hl. Messe im Luftschutzkeller oder in der Spülküche, wobei Br. Schröer ministrierte. Auch hielt man dort die Abendandachten. Das Haus erhielt mehrere Treffer.

Am 6. 10. 1945 kam Br. Schröer ins Canisiushaus nach Köln. "Es herrschte viel Not und Elend; auch viel Arbeitsfreude und Humor. Das Terziat hatte schon begonnen. Die erste Sorge war, die Heizung wieder in Gang zu bringen. Das Material war schwer zu bekommen. P. Superior Fatzaun und P. Minister Tophinke haben sich große Mühe gegeben und haben manchen Bittgang gemacht. Wir hatten nur teilweise Strom. Auf einem Handkarren mußte man das Wasser am Hahnentor holen."

Gut 33 Jahre lang konnte er hier in der "Provinzialsresidenz" die Entwicklungen mitverfolgen: vieles temperamentvoll kommentierend - den Provinziälen und Superforen mußte einiges ja auch mal gesagt werden - , manches still mittragend oder ertragend. Alles aber hat er im Gebet begleitet "mit Freude und Dank", wie er in seinen Erinnerungen immer wieder betont. "Am 26.April 1961 hatte ich die große Freude und Gnade, mein 50jähriges Ordensjubiläum zu feiern. Ich habe viele Gebete, persönliche und briefliche Glückwünsche von den Mitbrüdern und Verwandten bekommen. Bei der Feier der hl. Messe in der Hauskapelle und am Mittag im Refektor waren 19 von meinen Verwandten dabei. Die Klausur der Kapelle war für die Feier aufgehoben... Am 27. April 1971 hatte ich die Gnade und Freude, mein 60jähriges Ordensleben zu feiern mit Dank gegen Gott den Herrn". Freude vor dem Herrn und Dank bestimmten Br. Schröer und bis in die letzten Tage blieb er bei der hl. Messe und oft während des Tages der treue Beter für seinen Orden und die Anliegen der Kirche.

Der diesjährige lange Winter hat ihm ziemlich zugesetzt und ihn stark geschwächt. Ende März bekam er eine Grippe, die es nötig machte, ihn ins Hildegardiskrankenhaus zu bringen. Dort ist er still und ruhig verstorben. Mit ihm verließ uns ein Stück gewachsener Tradition deutscher Jesuiten.

R.i.p.

P. Sozius

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1979 - Pfingsten, S. 45-49