Bruder Alfons Sacré SJ
4. September 1977 in Berlin

Als am 4. September 1977, einem schönen Sonntagnachmittag, die Nachricht vom plötzlichen Heimgang des Br. Alfons Sacré bei uns eintraf, waren wir alle nicht wenig bestürzt, hatte doch niemand mit einer solchen Nachricht gerechnet. Noch wenige Tage vorher war er vergnügt von hier abgereist, froh, wenigstens für eine kurze Zeit der Hektik der Großstadt entronnen zu sein.

Alfons Sacré war geboren am 15. Juli 1907 in Wuppertal-Elberfeld. Von seinem Bruder Anton erhielten wir unter dem 21. September 1977 folgenden Brief, der über seine Familie berichtet:
"Hochwürdiger Herr Pater Superior, ich will versuchen, noch einiges, besonders über die Familie, beizufügen. Es scheint, daß Bruder Alfons wenig über die Familie, an die er doch sehr hing, gesprochen hat. Wir waren eine kinderreiche Familie, 9 Jungen und 3 Mädchen. Unser Vater war Küster/Organist und Chordirigent einer großen Arbeiterpfarrei (Herz-Jesu/Elberfeld), an der auch Dr. Carl Sonnenschein 2 Jahre als Kaplan wirkte. Vater und Sohn (der Schreiber) waren 75 Jahre an dieser Pfarre, wo Dechant Josef Meiß 40 Jahre segensreich wirkte, als Küster-Organist tätig. Pater Heinrich Meiß SJ war der Bruder des Dechanten. Natürlich hatte Bruder Alfons immer regen Kontakt mit seiner Heimatpfarre. Die älteste Schwester, die Lehrerin war, starb vor 6 Jahren. Sie hat neben ihrem Beruf der Mutter viel Unterstützung gegeben. Der jüngste Bruder kam aus dem Krieg nicht zurück. In der Reihenfolge war Alfons der siebente. Von den Geschwistern leben noch sieben, gestorben sind fünf. Gelernt hat Alfons beim Schneidermeister Jost, der aber nicht mehr lebt. Das Herz unserer Familie war unsere Mutter. "Eine starke Frau; wer wird sie finden". Man könnte die Worte der HI. Schrift auch auf sie anwenden. Wie sie alle Arbeit geschafft und dabei noch 86 Jahre alt wurde, ist uns unvorstellbar. Sie war eine stille Beterin; manches Stoßgebet haben wir aus ihrem Munde vernommen.
Der letzte Brief, den Alfons an die Frau meines verstorbenen Bruders Hubert geschrieben hat, und den ich in Abschrift beifüge, gibt Zeugnis dafür, welche Gedanken ihn beseelten. Es grüßt Sie herzlich und alle im Hause ihr Anton Sacré."

Hier der oben erwähnte Brief an die Schwägerin vom 25.7.1977:
"Liebe Grete! Danke Dir und allen dort für die Glückwünsche zum Geburtstag. Ein wertvolles Gut ist ja die Gesundheit, hoffen wir, daß uns der liebe Gott diese noch erhält! Ist ja alles nicht selbstverständlich! Da gibt es ja Ihm zu danken für bisher von Ihm Geschenktes. Legen wir alles in Seine Hände! Dank für die "Betenden Hände" (glaube von A. Dürer), paßt ja sehr gut zum heutigen Sonntag, wo der Herr uns zu beten lehrt. Ein ganz wichtiges Kapitel! Und dieses immer allezeit und nicht nachlassen. Es mag das nicht immer leicht sein. Die Sprechverbindung mit Ihm darf ja nie unterbrochen sein. Da muß ich auch an meine Mutter denken, wie konnte sie beten! Aufruf, Stoßgebet zu Ihm! Und wohl auch Deine Mutter, da fanden sie Kraft und alles drin.
Zwei Brüder aus Frankfurt luden mich ein, mit ihnen in Berlin Ferien zu machen. So mache ich mit ab 1. September. Dank für die schöne Karte vom Beatenberg, die Hoffnung hierzu habe ich nach wie vor.
Alles Gute Dir und allen dort in der Familie. Dank und freundlichen Gruß,
Dein Schwager Alfons"

Nach bestandener Gesellenprüfung trat Alfons Sacré am 1. November 1930 in das Noviziat der Gesellschaft Jesu in 's-Heerenberg (Holland) bei Emmerich ein. Dort war er in der Schneiderei eine willkommene Hilfe. Mit Abschluß des Noviziates und nach Ablegung der ersten Gelübde kam die Versetzung ins Ignatiuskolleg Valkenburg (Holland), wo er drei Jahre in der großen Schneiderei eine tüchtige Hilfe war. Von dort wurde er 1938 nach Sankt Georgen, Frankfurt a.M., versetzt, von wo er 1939 zum Militär eingezogen wurde. Gern erzählte er von dieser Zeit, die ihn als Gefreiter bis nach Saloniki in Griechenland führte. 1941 als "nzv" (Geheimbefehl des Führers: als Jesuit nicht zu verwenden) aus der Wehrmacht entlassen, kam er nach Köln, wo er im Marienkrankenhaus bei St. Kunibert als Krankenpfleger hochwillkommen war. Hier hat er in der schweren Zeit der Bombenangriffe gute Dienste geleistet. Nach Beendigung des Krieges siedelte er in die Stolzestraße, Canisiushaus, das von uns nach der Ausweisung 1941 nun wieder in Besitz genommen wurde, über und übernahm die Pforte und die Schneiderei. Aber schon Ende 1947 rief ihn der Wunsch der Oberen nach Eringerfeld, dem damaligen Noviziat, wo er die Schneiderei übernahm.

In Köln gibt es ein Sprichwort: God Duve kumme wieder! (Gute Tauben kommen wieder!). So kam auch Br. Sacré im Oktober 1955 nach Köln zurück, um hier in vielfältiger Weise noch 22 Jahre bis zu seinem Tode tätig zu sein. Er übernahm die Sorge für die Wäsche, die Besorgung der Hauskapelle, der Gästezimmer, Vertretung an der Pforte usw. Vor allem aber wurde er zu einem unermüdlichen Boten für die vielen kleinen Besorgungen des Hauses. Mit seinem Fahrrad flitzte er durch die Stadt, zu Post, Arzt und Apotheke, Sparkasse, Büro- und anderen Geschäften usw. Aber nicht nur fürs Haus, auch für das Provinzialat und die Japan-Mission war er oft unterwegs. Würde uns die Nachricht getroffen haben, er wäre mit seinem Fahrrad im Großstadtgewühl unter ein Auto gekommen, hätte uns das nicht gewundert. Mit seinem Rad konnte er viel Zeit und Geld sparen und darauf war er immer bedacht. Bei einem Besuch von Br. Deckers in Köln hat dieser dem Alfons sein Fahrrad neu in Blau lackiert und Br. Sacré war richtig stolz darauf.

Am 15. Juli 1977 war Br. Sacré 70 Jahre alt geworden und er muß wohl selbst gespürt haben, daß die Arbeit und Lauferei sein Herz zu sehr anstrengte. Aber in seiner zurückhaltenden Art sprach er kaum davon, und so merkte niemand, daß er herzkrank war und sich hätte mehr schonen müssen. Er freute sich aber sehr darüber, daß zwei Brüder von Frankfurt ihn eingeladen hatten, mit ihnen nach Berlin zu fahren, um dort einen ruhigen Urlaub zu machen. Am 31.8.77 reiste er von hier ab, und wir haben ihn noch mit Allotria an der Pforte verabschiedet. Auf dem Weg zum Bahnhof mußte er aber einmal stehen bleiben, weil er plötzlich Herzschmerzen bekam, die aber schnell wieder vorübergingen. Auch in Berlin suchte er die Krankenschwester auf, um für seine Herzbeschwerden Linderung zu bekommen. Erst später erfuhren wir, daß er auch in Köln schon einmal einen Arzt aufgesucht hatte und ein EKG gemacht wurde.

Am Sonntag, dem 4. September 1977, war er dann nachmittags mit mehreren Mitbrüdern zum See gegangen und hatte etwas geschwommen, setzte sich dann auf einen ins Wasser führenden Steg. Plötzlich sahen dann die neben ihm sitzenden Mitbrüder, wie er auf einmal in sich zusammensackte, vom Steg abrutschte und ins Wasser fiel. Man sprang dann sofort hinzu und holte ihn aus dem Wasser. Er war plötzlich ganz blau geworden und gab kaum noch Lebenszeichen. Ein schnell alarmierter Krankenwagen brachte ihn in ein Krankenhaus, wo man aber nur noch den Tod feststellen konnte.

Ein lieber Mitbruder hatte uns verlassen und die hinterlassene Lücke läßt sich nur schwer schließen. Br. Sacré war für sich selbst ein äußerst anspruchsloser und bescheidener Mitbruder, ein guter Ordensmann, treu in Gebet und Arbeit. Gott der Herr wird sein überreicher Lohn sein.

Am Dienstag, 13. September 1977, haben wir ihn in Köln-Melaten beerdigt. Die überaus große Teilnahme beim Requiem und Begräbnis zeigte, wie sehr Br. Sacré beliebt war. Eine große Zahl seiner noch lebenden Geschwister, Neffen und Nichten waren von Wuppertal gekommen, viele Mitbrüder aus verschiedenen Häusern und nicht zuletzt viele alte Bekannte und Freunde aus der Stadt und Nachbarschaft, die ihn seit vielen Jahren kannten und ihm verbunden waren. Möge er ruhen in Gottes Frieden.

R.i.p.

Bruder Peter Franken SJ

Aus der Provinz, Nr. 6 - November 1977, S. 93 ff