P. Edelbert Rüber SJ
* 25. Februar 1931     19. Dezember 1995

Pater Edelbert Rüber wurde am 25. Februar 1931 in Arzheim Kreis Koblenz geboren. Nach dem Abitur trat er am 5. April 1951 in die Gesellschaft Jesu ein. Im Anschluß an das Noviziat in Eringerfeld studierte er ein Jahr in Tisis bei Feldkirch Latein und Griechisch und anschließend drei Jahre Philosophie in Pullach bei München. Entsprechend der Ausbildungsordnung des Ordens absolvierte er dann ein zweijähriges pädagogisches Praktikum im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg. Von 1959 bis 1963 folgte das theologische Studium in Frankfurt. Am 4. September 1962 wurde er im Dom zu Frankfurt zum Priester geweiht.

Nach dem Terziat, das er 1963/64 in Münster machte, arbeitete er zunächst für ein Jahr als Seelsorger in Hannover. Von 1965 bis 1974 war er in der Männerseelsorge und Erwachsenenbildung in Köln tätig. Er gehörte zu den Mitbegründern des Katholischen Bildungswerkes des Erzbistums Köln, das er in dessen Aufbauphase leitete.

Im September 1974 begann er auf eigenen Wunsch als Gefängnisseelsorger in der 'ULMER HÖHE' in Düsseldorf. Mit großem Einsatz und beispielhaftem Einfühlungsvermögen gewann er das Vertrauen der Gefangenen und deren Angehörigen. Er ließ sich von der Not, die ihm hier begegnete, ganz in Anspruch nehmen. Er strapazierte seine Kräfte bis zum äußersten. Damit die Kontinuität seiner Arbeit gewährleistet werde, sorgte er rechtzeitig für einen Nachfolger in seinem Amt, blieb aber selbst mit einer halben Stelle immer noch in Düsseldorf präsent. Die andere Hälfte füllte er mit dem Neubeginn der Gefängnisseelsorge in Kleve.

Wievielen Menschen er darüber hinaus zur Seite stand, läßt sich kaum ermessen. Schon plante er, nach seiner Pensionierung eine neue Arbeit zu übernehmen, da setzte der Herr seinem unermüdlichen Eifer eine Grenze. Am 19. Dezember 1995 gab er sein Leben in die Hände seines Schöpfers zurück.

R.i.p.

P. Alfons Höfer SJ

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Nachruf von Pfarrer Reiner Spiegel für das Gefangenenmagazin der JVA Düsseldorf 'Ulmer Echo', das 1975 von P. Rüber gegründet worden war.

Adieu Pater Rüber

Zum ersten Mal kam ich im Herbst 1983 mit Pater Rüber in Kontakt. Damals war die Entscheidung gefallen, daß ich in der Gefängnisseelsorge arbeiten konnte. Als ich meinen Wunsch, als Seelsorger im Gefängnis leben und arbeiten zu wollen, gegenüber unserem ehemaligen Weihbischof Dr. Hubert Luthe äußerte, ging er hocherfreut darauf ein, da ihm ein Besuch in der JVA Düsseldorf vor Augen geführt hatte, wie überlastet Pater Rüber war. Ich traf also auf meinen zukünftigen Kollegen im Gefängnis, der auf der einen Seite sehr froh war, eine Entlastung zu erhalten, auf der anderen Seite aber auch unsicher, inwieweit wir uns verstehen würden. Wie wir wissen, sollte er mein Kollege bis zu seinem Tode bleiben. Ich erlebte Pater Rüber als einen sehr ruhigen, bescheidenen und zurückhaltenden Menschen. Wir fanden bald heraus, daß wir sehr unterschiedliche Typen waren und es uns deshalb gut tat, einander viel Spielraum zu lassen. So konnte jeder seine Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringen und damit wurde deutlich, hier arbeiten zwei nach Lebensgeschichte, Temperament und Alter sehr verschiedene Seelsorger an den gleichen Zielen.

Pater Rüber hatte die bekannt gediegene Ausbildung der Jesuiten erhalten. So konnte er, was ich bei mancher Konferenz erlebte, aus dem Stand heraus druckreife Formulierungen finden, die jedem Beteiligten zusagten.

In der JVA Düsseldorf ist Pater Rüber als der Mann bekannt, der viele Veranstaltungen und Gruppen, die auch heute noch stattfinden, ins Leben gerufen hat, z.B. Soziales Seminar, Karnevalssitzung, Kirchenchor; nicht zuletzt die Gründung des ULMER ECHOS.

Hier wurde auch eine Seite von Pater Rüber deutlich, die über die JVA Düsseldorf hinaus von Bedeutung war. Pater Rüber konnte sehr gut 'über den Tellerrand' des eigenen Umkreises hinaussehen und -denken. Insofern war er ein sehr politischer Mensch. Lange Jahre war er stellvertretender Vorsitzender der Nordwestdeutschen Konferenz der Katholischen Gefängnisseelsorge, danach einige Jahre Vorsitzender der entsprechenden NRW-Konferenz. Automatisch war er damit auf Bundesebene im Beirat der Konferenz der Katholischen Gefängnisseelsorge. In unzähligen Gesprächen in Vollzugsämtern und Ministerien hat er immer wieder die Interessen der Kirche, der Gefängnisseelsorger, der Inhaftierten, Entlassenen und ihrer Angehörigen vertreten. Jeder, der dies Metier kennt, weiß, dies ist Sysiphusarbeit. Allerdings und 'Gott sei Dank' konnte Pater Rüber bei diesen Gesprächen auch sehr heftig reagieren, wenn er nicht ernst genommen wurde.

In Düsseldorf war Pater Rüber lange Jahre Geschäftsführer unseres Katholischen Gefängnisvereins, dem so wichtigen 'Instrument' der Gefängnisseelsorge in dieser Stadt. In seine Zeit fallen die Gründung der mit dem Evangelischen Gefangenenfürsorgeverein gemeinsam betriebenen Beratungsstelle Gefangenenfürsorge und der Übergangswohnungen für Haftentlassene. Zudem entstand der jährlich stattfindende Einführungskurs für ehrenamtliche Betreuer/innen und das regelmäßige Ehrenamtlichentreffen. Ursprünglich wollte Pater Rüber die Geschäftsführung bis zum 100-jährigen Jubiläum unseres Vereins behalten, spürte dann jedoch sehr deutlich, wie sehr seine Kräfte nachließen und bat mich im Jahre 1992, sein Nachfolger zu werden. Weiterhin blieb er im Rahmen seiner Möglichkeiten im Verein aktiv.

Frühzeitig dachte Pater Rüber an seine Nachfolge. So kam schon vor einigen Jahren Pater Wolfgang Sieffert von den Dominikanern mit einer halben Stelle zu uns. Er wird nun mit seiner ganzen Arbeitskraft in die Gefängnisseelsorge einsteigen. Im Zuge des Arbeitsbeginns von Pater Wolfgang verlagerte Pater Rüber die Hälfte seiner Arbeitszeit im Wege der Abordnung in die JVA Kleve.

In manchem Gespräch ist mir klar geworden, wie sehr Pater Rüber mit anderen Menschen mitfühlen konnte. Er war im echt jesuanischen Sinne ein 'Mitleidender'. In der letzten Zeit sprach er häufiger von der Not, die ihm im Abschiebegefängnis für Frauen in Neuß begegnete; ihm war dabei deutlich anzumerken, wie bis an die Grenze seiner seelischen Belastbarkeit betroffen er von diesem Leid war.

Pater Rüber war mit zunehmendem Alter ein kranker Mensch geworden. Er konnte jedoch den Bitten, sich zu schonen, nicht nachkommen. Er hat sich wirklich bis zum letzten Tag aufgebraucht, sozusagen verzehrt. Zuletzt begleitete ihn die Sorge um die Gestaltung seiner Pensionszeit. Zur Pensionierung ist es nun nicht mehr gekommen. Wir sind darüber sehr traurig, weil wir sagen, das hätte er verdient gehabt. Gott jedoch geht andere Wege, als wir denken.

Meine Hoffnung ist damit verbunden, daß Pater Rüber nun das Glück in der Anwesenheit Gottes erlebt, um das er für andere und mit anderen Menschen auf dieser vergitterten Erde gekämpft hat.

R.i.p.

Nachrichten der Norddeutschen Provinz, Nr. 4 - Juli 1996, S. 140 ff