P. Günther Reuter SJ
* 25. Juli 1933    4. Juni 2002
Eintritt 1953 - Priesterweihe 1964 - Letzte Gelübde 1978

P. Günther Reuter wurde am 17. Juli 1933 in Piesbach/Saar als Sohn eines Bergmanns geboren; sein Vater betrieb nebenher noch einen kleinen Bauernhof, was bei den saarländischen Kohlebergleuten üblich war. Der Vater war schweigsam und zurückhaltend, die Mutter hingegen liebevoll und offen; sie interessierte sich sehr für die Missionsarbeit ihres Sohnes und besuchte ihn auch in Zimbabwe. Offenkundig ähnelte Günther sehr seinem Vater. Er hatte nur einen Bruder, Alfred. Unglücklicherweise verstand Alfred sich mit Günther nicht und hatte keinen Kontakt mit ihm, was Günther sehr belastete. Allerdings kam er zur Beerdigung nach Köln. Günther trat 1953 ins Noviziat der Westprovinz in Eringerfeld ein.

Nie ein Mann von vielen Worten, verfolgte er ruhig und entschieden sein Ziel, als Missionar nach Afrika zu gehen. Dafür musste er in die Ostdeutsche Provinz wechseln, die zu dieser Zeit Verantwortung für die Sambesi-Mission übernahm. Nach einem Magisterium als Präfekt ging Günther 1961 zum Theologiestudium nach Heythrop. Am Ignatiusfest 1964 empfing er die Priesterweihe. Das Tertiat machte er in Irland, es folgten zusätzliche Studien in Katholischer Soziallehre in Münster. Soziale Gerechtigkeit war ihm ein großes Anliegen und er hoffte, in seiner pastoralen Tätigkeit die Sache der Gerechtigkeit vorantreiben zu können.

Im September 1968 traf Günther zusammen mit P. Eberhard Fuhge in Rhodesien (Zimbabwe) ein. Die Sprache lernte er mit ziemlichem Erfolg. Erste pastorale Erfahrungen machte er bei P. Erich Kotzki im heutigen Guruve. Von dort kam er bald nach Mangula (heute Mhangura), einer Pfarrei von Bergleuten und Bauern - sehr angemessen für den Sohn eines Bergmanns und Kleinbauern. Er erwies sich als sehr gewissenhafter Seelsorger. Die Menschen dort und besonders die irischen Schwestern, die das Bergwerkskrankenhaus betrieben, respektierten und mochten ihn sehr. Durch seine Hausbesuche lernte er die ihm anvertrauten Menschen persönlich kennen und schätzen. (Ich wurde 1973 sein Nachfolger und kann bezeugen, dass ich nie jemanden schlecht über ihn reden hörte.)

Günther war davon überzeugt, dass die Menschen ein Recht auf eine theologisch verantwortliche Glaubensauslegung hatten, gleichgültig, ob ihre Bildung Lücken aufwies oder nicht. Dies war wohl die glücklichste Zeit seines Lebens, wenngleich er bisweilen Phasen von Depression und Niedergeschlagenheit durchmachte. Eine Enttäuschung bedeutete es für ihn, dass sich seine Pläne, in der Pfarrei ein Sozialzentrum zu errichten, nicht verwirklichen ließen. Von Mhangura wechselte er nach Alaska in der Nähe von Chinhoyi, wieder eine Pfarrei von Bergleuten und Bauern. Dort konnte er die Kirche in Shakleton bauen. 1979 wurde er nach Banket versetzt, ein Jahr später beschloss er, in der dortigen Siedlung Caesar Mine zu leben.

Um näher bei den Menschen zu sein, mietete er dort ein kleines Bergarbeiterhaus. Hier war es, dass er eines Tages bewusstlos und blutüberströmt aufgefunden wurde. Anscheinend war er von einem Einbrecher überfallen worden; was wirklich geschah, wurde jedoch nie ganz aufgeklärt. War der Schuldige ein früherer Angestellter der Kirche, der Rache suchte? Wir wissen es nicht. Günther, falls er überhaupt die Wahrheit wusste, sagte darüber nichts. Schon seit einiger Zeit hatten ihm ein sehr schmerzvoller chronischer Husten und ein offenbar unheilbarer Hautausschlag an den Händen, möglicherweise psychosomatisch bedingt, zugesetzt.

Nach dem Überfall und der dabei erlittenen schweren Kopfverletzung brach seine Gesundheit ganz ein. Spezialisten in Zimbabwe und in Deutschland konnten nicht helfen. Zunehmend litt Günther auch unter Gleichgewichtsstörungen. Die Depressionen wurden schlimmer. Aber er kämpfte weiter. Noch eine Zeitlang war er pastoral tätig, bis es ihm schließlich nicht mehr möglich war. 1994 ging er zurück nach Deutschland und lebte von da an in Haus Sentmaring in Münster; seine Krankheit wurde zusehends schlimmer und er wurde zum Pflegefall. Anfang Mai 2002 zog er mit der Kommunität in das neue Altenheim nach Köln um, er starb am 4. Juni. Die Zimbabwe-Provinz hat einen Gefährten verloren, der in beispielhafter Weise unsere Option für die Armen lebte, nicht zuletzt auch durch sein jahrelanges, tapfer ertragenes Leiden. Er möge ruhen in Frieden.

P. Günther Reuter wurde auf dem Friedhof Melaten in Köln beigesetzt.

R.i.p.

P. Oskar Wermter SJ

Jesuiten-Nachrufe 2002, S. 32