P. Josef Pflumm SJ
* 29.9.1901 in Frankfurt-Main
20.11.1973 in Nörvenich

Im Nachlaß des Verstorbenen fand sich ein köstliches Foto aus seiner Kinderzeit. Mit tiefem Ernst und langen Hosen marschiert der etwa dreijährige kleine Josef allein durch die Gegend. Wahrscheinlich geht er auf den Fotografen zu. Aber man sieht keinen Menschen in der Gegend. Das scheint ihn aber auch gar nicht zu stören. Selbstbewußt und unentwegt geht er seinen Weg.

In etwa scheint dieses Bildchen aus der Kinderzeit des Pater Pflumm auf sein ganzes Leben zu passen. Froh, und wie er es selbst beschreibt, gesund verlebte er im Kreise seiner Eltern und Geschwistern eine unbeschwerte Jugend. Wie er später selbst äußert, erklärt er nach einer Notiz in der Hohenzollerischen Zeitung den Familiennamen Pflumm als Ableitung von 'fromm'; es sei lediglich das r gegen ein l abgewandelt. Diese Deutung mag er halb im Ernst und halb im Scherz gemacht haben. Es wird ja beigefügt, daß die heutige Bedeutung 'fromm' erst seit dem 16. Jahrhundert besteht. Vorher bedeutet "vrum" soviel wie "tüchtig", wacker, nützlich. Wahrscheinlicher scheint auch ihm die Ableitung vom lateinischen "pluma"; althochdeutsch pfluma = Pflaumfeder. Belegt ist diese Deutung durch das Vorkommen eines Namens Cunz Pflum. In der Übersetzung müßte er Federer oder Federle heißen. P. Pflumm erwähnt die Bedeutung "fromm" wie er von den geistlichen Berufen aus seiner Familie spricht. Gern erzählte er von seinem Onkel, P. Placidus im Kloster Beuron, dessen Diamantenes Priesterjubiläum er mitfeierte. Zwei Schwestern von ihm traten in einen Orden ein.

Nach einem Bericht machte P. Pflumm als Primaner einen Exerzitienkurs im Bonifatiushaus 's Heerenberg bei Emmerich mit, an dem 111 Schüler aus Frankfurt teilnahmen; sieben von ihnen meldeten sich für den Eintritt in den Orden. P. Vincenti gab den Kurs, und Exerzitien-Angelus war der Carissimus Föhrer. Im damaligen Blättchen "Aus der Provinz" heißt es in der Mai-Nummer 1920, daß im Bonifatiushaus zum Ostertermin 28 Scholastiker-Novizen eintraten, unter ihnen Wilhelm Gregori und Josef Pflumm aus Frankfurt am Main. Pflumm brachte ein ganz ausgezeichnetes Abiturzeugnis mit, wie es späterhin die brillanten Kenntnisse der klassischen Sprachen verrieten; sonst sprach er nicht davon.

1920-1922 machte er unter den Novizenmeistern P. J. B. Müller, P. Bernhard Bley, P. Walter Sierp und auch noch kurz P. Paul Sträter sein Noviziat, an das sich ein kurzes Juniorat anschloß. Die Zahl der Novizen war verhältnismäßig groß. Carissimus Pflumm wird nicht besonders aufgefallen sein. So erinnern sich an ihn seine Kursgenossen, von denen nicht wenige bereits vor ihm gestorben sind. Seine Studien der Philosophie und Theologie, die durch ein Interstiz von 2 Jahren im Kolleg Kalksburg unterbrochen wurden, macht er in Valkenburg, wo er 1930 die Priesterweihe empfing. Die Studien scheinen ihm nicht so gelegen zu haben, wie vorher das Studium auf dem Gymnasium. Die Art, wie er seinen Weg ging, erinnert irgendwie an das im Anfang erwähnte Bild aus seiner Jugend. Ohne viel aufzufallen und ohne sich besonders an andere anzuschließen, ging er ruhig und stetig seinen Weg. Es gab bei ihm keine große Aufregungen, aber auch keine besonderen Höhepunkte. Der Gedanke an sein späteres Priestertum und sein apostolisches Wirken ließen ihn sich mit einer hohen Auffassung seiner Verpflichtungen auf die künftigen Arbeiten vorbereiten. An die Vorbereitung seiner Predigten und Vorträge stellte er hohe Ansprüche und überragte den Durchschnitt

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Nach seinem Terziat in Münster war er 1932 zuerst in der Krankenhausseelsorge in Köln tätig und wurde dann Kaplan in St. Ignatius Frankfurt und betreute die Neudeutschen, wie auch die Männerkongregation. Von 1935 bis 1939 war er dort auch Operarius.

P. Pflumm, der bei seinem Eintritt erklärte, daß er nie krank war, litt seit 1932 an einer Fistel, die auch durch vier Operationen und einen wiederholten mehrwöchigen und mehrmonatigen Aufenthalt im Krankenhaus nicht geheilt werden konnte. Weil ihm ein Höhenaufenthalt in der Schweiz sehr gut getan hatte, weil außerdem damals in der Nazizeit eine apostolische Tätigkeit in Deutschland immer mehr behindert wurde, schlug man ihm vor, nach Südamerika zu gehen, wohin viele unserer Patres eingeladen wurden. Er wählte Kolumbien und war dort einige Jahre vor allem in der Schule tätig. Die erhoffte Genesung trat aber nicht ein, die Krankheit wurde vielmehr schlimmer. So ging er nach einem dreijährigen Aufenthalt in Kolumbien im Jahre 1942 nach Argentinien, wo er in Buenos Aires unterrichtete und bald dann auch eine Missionstätigkeit im Delta, des Parana ausübte. - Im ganzen war er 9 Jahre in Südamerika. Dann siedelte er in das Juniorat der Provinz von Neu-England in den Vereinigten Staaten über, um dort Deutschunterricht zu geben und selbst Englisch zu lernen.

Im September 1950 kehrte er in die Heimatprovinz zurück. Er wurde Operarius und Hausminister im Hochelten, wo das Haus der Unsrigen durch den Krieg sehr gelitten hatte und noch nicht wieder hergestellt war. Als er dort in seinem Amt als Minister den P. Sträter zum Nachfolger bekommen hatte, ging er als Hausgeistlicher in das Kinderheim in Lehmen/Mosel, das er bei seiner Tätigkeit in der außerordentlichen Seelsorge kennengelernt hatte. Einige Jahre später finden wir ihn wieder im Trutz/Frankfurt, wo er fleißig Aushilfe in der Seelsorge leistete. Seine Endstation wurde dann im März 1960 das Altenheim Maria-Hilf in Nörvenich bei Düren, wo er sich mit großem Eifer der alten Leute annahm. Jahrelang war er dort zusammen mit seinem Mitbruder, P. Peter Vollmer, dem er in langen letzten Jahren seines Lebens eine große Hilfe war. Beim Tode von P. Pflumm stellte sich heraus, daß er sich im Klerus dieser Gegend viele Freunde erworben hatte.

Die letzten Jahre seines Lebens brachten dem P. Pflumm noch viel Krankheit und Leid. Sicher hat er dadurch andere verstehen gelernt, die ein ähnliches Kreuz zu tragen hatten, und hat sich immer mehr auf sich und den Herrgott zurückgezogen. Durch Leiden geläutert rief ihn der Herr überraschend am 20. November 1973 zu sich. Es stimmt sicher, was ein Nachruf von ihm sagte: "P. Pflumm war ein frommer Priester, der es mit seinen Pflichten ernst nahm. Er ging seinen Erdenweg in treuem Gehorsam". Wir denken wieder an das Bild aus seiner Kinderzeit, gelassen, wie selbstverständlich, ist er seinen Weg gegangen, ein wenig einsam, aber geradewegs auf seinen Herrgott zu. Der Herr wird ihm sein Lohn sein.

R.i.p.

Mitteilungen aus der Provinz, Nr.1, Januar 1974, S. 3f