P. Alfred Matern SJ
28. November 1986 in Neuß

Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, P. Matern, über den ich diesen Nekrolog schreiben soll, zu interviewen und ich die Gelegenheit gehabt hätte, ihn zu fragen, was ich sagen solle, würde er geantwortet haben: "Vergiß es; es gibt nichts, worüber man schreiben könnte." Er betrachtete sich als eines jener Arbeitspferde ohne Namen, die ihre Pflicht tun und dann ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwinden. Er war nie einer, der Schlagzeilen machte oder der in Artikeln erwähnt wurde. Ich zweifle, ob in den 30 Jahren seiner Missionsarbeit in Japan je einmal in dem Heft 'Aus dem Lande der aufgehenden Sonne' von seiner Arbeit berichtet wurde. Wie bei Johannes dem Täufer kann man sein Leben mit den Worten zusammenfassen: ER muß wachsen und ich muß abnehmen. Dies gilt besonders für die letzten Jahre seines Lebens.

Gemäß der Gewohnheit der Gesellschaft, über einen verstorbenen Mitbruder wenigstens einen kurzen Nachruf zu schreiben, will ich versuchen, über die wichtigsten Daten im Leben von P. Matern zu berichten.
P. Matsumiya-Matern's Heimat war Ostpreußen, heute polnisches Territorium. Am 16. März 1909 wurde er in Stablaken bei Insterburg/Ostpr. in einer großen Bauernfamilie geboren. Er hatte zwölf Geschwister. Erzählt hat er nie davon, aber man kann sich vorstellen, daß es ein ziemlich hartes Leben gewesen sein muß. Nach Abschluß des Gymnasiums studierte er an der Universität in Königsberg, wo Kant gelehrt hat, Jura. Es könnte sein, daß er dort einen Jesuiten kennengelernt und beschlossen hat, einer der ihren zu werden.

1929 trat er in das Noviziat der Ostdeutschen Provinz in Mittelsteine ein. Nach Ablegung der Gelübde begann er sein Philosophiestudium in Valkenburg/Holland. Seine speziellen Freunde waren die Patres Böckenhoff und Siemes - eine rauhe und zähe Gruppe, die für alle Arten von Unfug bekannt war. In dieser Zeit bat er, nach Japan gesandt zu werden. Seinem Wunsch wurde entsprochen, aber er mußte noch einige Jahre, bis zum Abschluß seines Theologiestudiums, warten. Zum Teil machte er diese Studien in Irland, wo er auch 1937 zum Priester geweiht wurde. Dieser Aufenthalt in Irland war vielleicht die glücklichste Zeit seines Lebens. Einer, der ihn gut kannte, notierte: P. Matern hielt nicht viel von Konversation, aber wenn das Gespräch auf Dublin kam, wurde er gesprächig und konnte uns mit einer Menge Geschichten über Milltown Park unterhalten.

Nachdem er 1939 sein Terziat in Münster abgeschlossen hatte, ging er nach Japan gerade noch rechtzeitig, bevor der Krieg die Reise unmöglich gemacht hätte. Seine erste Aufgabe war es, in Okayama Japanisch zu studieren und sich an das japanische Leben zu gewöhnen. Dies alles geschah unter der freundlichen Leitung von P. Heidrich und Bischof Ross. 1941 übernahm er P. Krischer's Platz in Kurashiki, wo er die schweren Jahre während und direkt nach dem Kriege verbrachte. Diese Jahre waren hart, aber voller Abenteuer. Mit seinem Fahrrad erkundete er die Umgebung. Später bekam er eines dieser billigen spanischen Mopeds, die wir 'Francos' nannten. Es war laufend reparaturbedürftig. Eines Tages blieb es plötzlich stehen. P. Matern wußte nicht, was geschehen war - bis Kinder ihm die Kette brachten, die er verloren hatte.

Nach dem Kriege wurden neue Missionsstationen errichtet und P. Matern wurde nach Mukaibara, einem Ort 20 km nördlich von Hiroshima, gesandt. P. Lassalle hatte diese Missionsstation gegründet. Trotz aller Anstrengungen in den langen Jahren gab es kaum einen Erfolg, stattdessen eine Enttäuschung nach der anderen.

Schließlich wurde P. Matern abgelöst und kam nach Misasa, Hiroshima. Hier fand er mancherlei Arbeit: er gab u.a. Schwesternexerzitien, einige Male auch die 'Großen Exerzitien'. Nach sieben Jahren in Misasa verbrachte er zwei Jahre in Tokuyama, um schließlich nach Kudamatsu zu gehen, wo er 16 Jahre blieb. In diese Zeit fällt auch die Annahme der japanischen Staatsbürgerschaft, aufgrund derer er auch einen japanischen Namen annahm: Tsukasa Matsumiya.

Ein Mitbruder, der P. Matsumiya, wie er sich jetzt nannte, sehr gut kannte, hat folgendes über seine apostolische Tätigkeit berichtet: 'P. Matern war sehr vorsichtig, wenn es darum ging, aus Nicht-Christen Christen zu machen. Er bevorzugte individuelle Belehrungen. Oft vergingen Jahre, bevor er seine Katechumenen taufte. Das Resultat waren glaubensstarke Christen. Viele von ihnen habe ich getroffen. Alle waren sie stolz auf ihren geistigen Vater.'

P. Matern war der erste Pfarrer von Kusamatsu. So mußte er alles der Reihe nach aufbauen: Kapelle, Pfarrhaus, Küche und schließlich den Kindergarten. Dabei erhielt er kräftige Unterstützung von seinem Superior, P. Braun.
P. Matern arbeitete sehr hart. Aber allmählich traten die ersten Anzeichen seiner späteren Krankheit auf. Seine Kontakte, die nie sehr zahlreich gewesen waren, wurden noch seltener. Es wurde schwer, an ihn heranzukommen. Es wurden einige Versuche unternommen, ihm aus seiner Isolation herauszuhelfen. Sie blieben ohne Erfolg. Ein Besuch in Deutschland? Nein. Schließlich sollte er eine Reise nach Hokkaido machen. Doch auch das nützte nichts.

Mehr und mehr verschloß er sich und es wurde immer schwieriger, mit ihm zu reden. Man glaubte, eine Reise in die deutsche Heimat würde ihm gut tun; aber auch das wurde ein kompletter Mißerfolg. Die Verschlechterung seiner geistigen Kräfte schritt immer weiter voran. Es wurde klar, daß er in einem Heim untergebracht werden mußte. Da in Japan kein geeigneter Ort gefunden werden konnte, wurde 1982 beschlossen, ihn nach Deutschland zu bringen. P. Laures begleitete P. Matern und brachte ihn in die psychiatrische Abteilung des Alexius-Krankenhauses in Neuß, nicht weit von Köln. Am 28. November 1986 kam für den Kranken die Erlösung von seinem Leiden. Einige Zeit lag er in einem komaartigen Zustand. Er erkannte niemand und konnte mit keinem sprechen. Durch eine hinzugekommene Lungenentzündung wurde sein Zustand kritisch. Ruhig und ohne jeden Todeskampf ging er in den Frieden Gottes ein.

Die Exequien wurden am Fest des hl. Franz Xaver in Köln, in der Canisiuskapelle (Stolzestraße) gehalten. Anschließend wurde P. Matern auf dem Melatenfriedhof zur letzten Ruhe beigesetzt.

R.i.p.

P. Josef Edelmann SJ

Aus der Norddeutschen Provinz, 1/1987 - Februar, S. 8f