P. Anton Hüren SJ
11. August 1986 im Pflegeheim Maria Hilf in Bedburg-Kirchherten

P. Hüren stammte aus Mönchengladbach, wo er am 11. Juli 1916 geboren wurde. Der Vater - Johann Hüren - kam aus einer seit langer Zeit in Mönchengladbach ansässigen Familie, während die Familie der Mutter - Johanna Berta geb. Bender - im Westerwald beheimatet war. P. Hüren hatte noch einen älteren Bruder; seine drei Schwestern starben im frühen Kindesalter. An seinem Vornamen Anton fand er zeitlebens kein großes Gefallen, vielleicht auch deshalb, weil er nach rheinischer Art Änderungen oder Abkürzungen über sich ergehen lassen mußte. Kindheit und Jugend verlebte er in Mönchengladbach-Waldhausen. Dort besuchte er von 1922-26 die Volksschule, danach das Städtische Gymnasium und schließlich die Oberstufe des Staatl. Quirinusgymnasiums. P. Hüren gehörte dem Bund Neudeutschland an und war ein beliebter Fähnleinführer. Schon damals entwickelte er den ihn kennzeichnenden Sinn für Humor, der ihn zeitlebens nicht verließ. Recht früh scheint er sich für den Priesterberuf entschieden zu haben. Eine Weile dachte er daran, Franziskaner zu werden, aber aus grundsätzlichen Erwägungen einer künftigen Tätigkeit entschied er sich für die Gesellschaft Jesu.

Am 27. Oktober 1936 begann er das Noviziat in Hochelten am Niederrhein. Die anschließenden Studien verliefen, bedingt durch den Krieg, recht unruhig. Von 1939-41 war er zum Arbeitsdienst bzw. zur Wehrmacht eingezogen. Von 1941-43 konnte er in Pullach bei München Philosophie studieren. Die Kriegsverhältnisse zwangen ihn und etliche andere Mitbrüder, die theologischen Studien an verschiedenen Orten durchzuführen und zwar in Frankfurt-Sankt Georgen, Trier, Marienstatt und schließlich in Büren/Westf. in den Jahren 1943-47. Unmittelbar darauf folgte das Terziat in Münster unter Leitung von P. Karl Wehner.

Nach Abschluß seiner Ausbildung war P. Hüren zunächst in der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ) Essen und im Katholischen Männerwerk Köln tätig. An diese Zeit erinnert sich noch gut einer der früheren Mitarbeiter des Betriebs-Männerwerkes bei den Fordwerken in Köln, besonders an eine Weihnachtsfeier im Jahre 1949 auf dem Marienhof, die P. Hüren für die Arbeiter von Ford, die damals in Baracken auf dem Werksgelände leben mußten, gestaltet hatte. Bald darauf begann seine langjährige Tätigkeit an der Berufsschule, zuerst nebenamtlich, später als hauptamtlicher Berufsschulpfarrer.

Am 13. Dezember 1977 erfolgte ein Einschnitt in seiner bisherigen Tätigkeit. An diesem Tage wurde er Rektoratspfarrverweser an St. Ursula in Hürth-Kalscheuren, blieb aber bis zum Jahre 1979 gleichzeitig Berufsschulpfarrer. Diese Gemeinde in Kalscheuren betreute er, bis ihn am Karsamstag 1986 die Kräfte verließen.

Drei Jahrzehnte wirkte P. Hüren als Religionslehrer und Seelsorger an Kölner Berufsschulen, hauptamtlich an der kaufmännischen Berufsschule 11 in der Stolzestraße (heute: Berufsbildende Schule 11), nebenamtlich an der Kaufmännischen Berufsschule 1, damals in der Zülpicher Straße (heute: Brüggener Straße). Zeugnis seines nachhaltigen Wirkens geben zwei Briefe. Eine ehemalige Schülerin schrieb anläßlich seines Todes: "Er gehörte zu den Menschen, die in der entsprechenden Phase des Lebens auch bei mir die Weichen gestellt haben. Ich habe ihm, besonders was mein religiöses Leben betrifft, unendlich viel zu danken. Vor ein paar Jahren habe ich ihm das einmal gesagt und es erstaunte ihn sehr, daß eine relativ kurze Zeit, in der ich ihn als Berufsschullehrer hatte, und die wunderschöne Zeit unseres Schülerkreises in der Stolzestraße es möglich machte, so stark auf uns zu wirken".

Der zweite Brief stammt von einer Diplomhandelslehrerin: "Er hat wohl in unser aller Leben eine bedeutsame Rolle gespielt. Er war nicht nur Kollege für uns; er war viel mehr. Ich habe unter seiner Leitung meine ersten Exerzitien ... gemacht. Und er hat mich mit seinen Vorträgen und Meditationen und überhaupt mit seiner ganzen außergewöhnlichen Art, seiner damals noch strahlend optimistischen Persönlichkeit tief beeindruckt. Nicht zuletzt haben seine Lehren mein Leben gestalten helfen. Die Tage damals haben ... eine tiefgreifende Wirkung hinterlassen, die bis heute - besonders in schweren Situationen meines Lebens - aufstrahlt und Freude aufkommen läßt".

Diese beiden Briefe stehen nicht vereinzelt da. Eine andere ehemalige Kollegin schreibt über seine Tätigkeit: "Seine 'strahlend optimistische Persönlichkeit' wirkte ins Kollegium hinein. Er konnte ein befreiendes Wort finden, wenn es Spannungen gab, er war immer der hilfsbereite Kollege der riet und half, wo er es nur konnte. Bei den Schülern war es nicht anders. Suchte man P. Hüren im Schulgebäude, konnte man ihn oft schnell finden. Plötzlich hörte man hinter einer Türe ein herzhaftes Lachen der Schüler. Ja, da war er. Natürlich konnte er auch streng sein. Aber eine Mahnung, vielleicht in heimatlicher Mundart, kam bei den Kölner Schülern richtig an. Der Pater, der auf diese Weise einem begegnete, hinterließ nachhaltigen Eindruck. Viele ehemalige Schüler und Schülerinnen kamen nach Jahren zu ihm, um sich von ihm trauen oder ihre Kinder taufen zu lassen. Und sie holten ihn in ihre jungen Familien und ihre Probleme".

P. Hüren wurde auch mit den besonderen Schwierigkeiten fertig, die den Religionsunterricht an Berufsschulen belasten, Schwierigkeiten organisatorischer Art, Möglichkeit der Abmeldung vom Religionsunterricht für die Schüler. Unter dem Wandel der Schule hat er sehr gelitten. Trotzdem waren die Religionslehrer anderer Schulen nicht wenig erstaunt, daß es bei ihm noch Schulmessen gab.

Um die Schüler stärker zu erfassen, ergriff er auch ungewöhnliche Initiativen. Es sei nur erinnert an sein Eintreten für den religiösen Sänger P. Aime Duval S.J., an die Unterstützung eines Kinderdorfes in Andheri (Indien) und die Gründung einer Theatergruppe an einer Berufsschule, was etwas völlig Neues war.

Als Pfarrverweser an St. Ursula in Hürth-Kalscheuren begann für P. Hüren der letzte Abschnitt seines priesterlichen Wirkens in einer neuen Umgebung mit neuen Aufgaben. Obwohl zeitlich wesentlich kürzer als der vorhergehende, war sein Wirken dort offenbar nicht weniger eindrucksvoll und nachhaltig. Als Aushilfspriester an den Wochenenden begann er, zog aber später ganz ins Pfarrhaus. Zu allen Jahreszeiten erlebte er dort bewußt, dankbar und glücklich die Natur vor seiner Haustüre. Durch die Gemeinde fuhr er lieber mit dem Fahrrad statt mit dem Auto. "Da kann ich mit den Leuten sprechen und sie mit mir". Er verstand und sprach ihre Sprache. Die Kinder hatten es ihm von Anfang an angetan. Seine besondere Sorge galt den Alten und Kranken. Zur Unterstützung seiner Arbeit sprach er Mitglieder der Gemeinde an und bewog sie zu regelmäßigen Treffen, Besprechungen und Übernahme von Aufgaben. Er selber war rund um die Uhr ansprechbar. Keine Arbeit, kein Gang waren ihm zu lästig, solange er noch gesund war. Für nichts war er sich zu schade. Er lebte in dieser Gemeinde, er ging in ihr auf. Diese dankte es ihm und brachte ihre Dankbarkeit besonders anläßlich der Feier seines 40-jährigen Priesterjubiläums zum Ausdruck, mit der sie ihn ehrte als 'Ordensmann und Priester, Religionslehrer und Pfarrer, immer Seelsorger - heute Jubilar', wie es in der kleinen Festschrift heißt.

Gegen Ende seines Lebens war P. Hüren immer mehr von Krankheit gezeichnet, doch seine Tätigkeit wollte er nicht aufgeben. "Ich will für den Herrgott dasein, bis ich umfalle". Und so geschah es denn auch. Es war am Karsamstag 1986. Dem Aufenthalt im Hildegardis-Krankenhaus in Köln folgte das Pflegeheim Maria Hilf in Bedburg-Kirchherten. Dort verschied er am 11. August 1986 gegen 6.00 Uhr. Er hatte sich auf's Sterben gut vorbereitet, auf die Begegnung mit Christus, seinem Herrn. Noch im Pflegeheim schenkte er seine Zeit dem Herrgott mit den Worten: "Für meine Kalscheurer. Ich werde von oben für euch weitersorgen".

Für die Menschen sorgen, das war seine Lebensaufgabe. Die Menschen haben es gespürt. Unter großer Anteilnahme seiner Familie, seiner Mitbrüder, seiner ehemaligen Kollegen und Schüler und nicht zuletzt seiner Kalscheurer wurde er am Fest Mariä Himmelfahrt bei seinen verstorbenen Mitbrüdern auf dem Friedhof Melaten/Köln beigesetzt.

R.i.p.

Aus der Norddeutschen Provinz, 3/1987 - Juni, S. 61f