P. Adalbert Hüpgens SJ
* 30. September 1917    17. November 2002
Eintritt 1945 - Priesterweihe 1952 - Letzte Gelübde 1956

P. Hüpgens wollte keine 85 Jahre alt werden. Bereits mit 80 fühlte er sich alt und lebenssatt, wollte keinen neuen Personalausweis mehr und auch kein neues Ordenskleid; er hatte keinen Platz mehr in seinem Bücherregal und lehnte es deshalb ab, sich weitere Bücher zu kaufen oder schenken zu lassen; statt dessen las er die Bücher, die er hatte und auf die er Wert legte, zum zweiten oder dritten Mal und war so mit sich und seiner Welt zufrieden. Den Kontakt zur übrigen Welt pflegte er mit der täglichen Lektüre der FAZ und mit ausgiebigem Fernsehen bis in den späten Abend hinein. Große Ansprüche stellte er nicht, rauchte lediglich täglich zwei Zigarren, stand im Übrigen jeden Morgen um 4.00 Uhr auf und folgte dann einem festen Tagesrhythmus, der durch die Messe um 7.00 Uhr, durch die Beichtzeiten und die Mahlzeiten bestimmt war, wobei er auf das Abendessen verzichtete. In seinem Zimmer im Ignatiushaus in Trier fühlte er sich am wohlsten und wollte dort auch sterben. So lebte er in Trier von 1986 bis 2002.

Auf seine Todesanzeige haben wir ihm die Worte geschrieben: "In Licht und Schatten, über Höhen und Tiefen ist er einen weiten Weg gegangen. Jetzt hat er das Ziel erreicht." Wie sah dieser Weg im Einzelnen aus?

Adalbert Hüpgens wurde am 30. September 1917 in Breslau geboren als zweites von vier Kindern der Eheleute Theodor und Hedwig Hüpgens. Wegen der Berufstätigkeit des Vaters und dessen Laufbahn als katholischer Publizist wechselte die Familie öfter den Wohnort. So verbrachte Adalbert seine Kindheit in Aachen (1920-1923), Düsseldorf (1923-1928) und Berlin (1928-1937), wo er Anfang 1937 am Gymnasium am Lietzensee (dem späteren Canisius-Kolleg) die Abiturprüfung ablegte. Es folgte die Zeit im Reichsarbeitsdienst (RAD) von April bis Oktober 1937. Vom November 1937 bis zum Oktober 1939 studierte er als Theologe des Bistums Berlin Philosophie in Frankfurt, St. Georgen, und vom Oktober bis November 1939 Theologie in Fulda.

Am 1. Dezember 1939 wurde er eingezogen zur 2. Panzernachrichten-Ersatzabteilung nach Weimar, von dort im Februar 1940 zur Feldtruppe nach Düsseldorf (1. Panzerdivision). Er nahm ab 10. Mai 1940 am Frankreichfeldzug teil (Sedan bis Calais; Rethel bis Besancon). Nach dem Waffenstillstand folgten mehrere Monate Ruhestellung an der Loire. Danach, im September 1940, Verlegung nach Nikolaiken (Ostpreußen), von wo er ab dem 22. Juni 1941 am Russlandfeldzug teilnahm - von Tilsit bis vor Leningrad (dort erhielt er das EK2), dann bis vor Moskau; am 8. Dezember 1941 - so berichtet er selber - Aufgabe des Panzers und Flucht zu Fuß nach Wjasma und Teilnahme am Infanterie-Stellungskrieg. Während eines Urlaubs 1942 in Berlin suchte Adalbert Hüpgens Kontakt zu P. Provinzial Hapig, der ihn als Kandidat der Gesellschaft Jesu aufnahm. Im November 1943 wurde er zur Heimattruppe versetzt, zwecks Entlassung aus der Wehrmacht, gemäß dem Geheimbefehl Hitlers. Diese erfolgte am 5. Mai 1943.

Pater Hüpgens ist zweimal in den Orden eingetreten, eine Tatsache, die in der Trierer Kommunität zu der Frage führte, welches nun das richtige Datum sei. Zunächst war er von 12. Mai 1943 bis April 1944 Novize der Ostdeutschen Provinz, wurde aber - wie aus einem Brief von P. Hapig vom 11. September 1944 hervorgeht - wegen schwacher Gesundheit entlassen, allerdings mit der Hoffnung auf Wiedereintritt, wenn seine Gesundheit wieder hergestellt sei. Er fand danach Aufnahme in St. Georgen bis Kriegsende und trat dann am 21. September 1945 in das Noviziat der Niederdeutschen Provinz in Münster ein. Insofern stimmt der in den Katalogen angegebene Termin, weil das zweite Eintrittsdatum vermerkt wird, wenn jemand die Gesellschaft verlassen hat und wieder eintritt.

1946 setzt Adalbert Hüpgens seine Noviziatszeit in Eringerfeld fort und legte am 22. September 1947 die ersten Gelübde ab. Es folgte das Philosophiestudium in Pullach und ab Herbst 1949 die Theologie in Innsbruck. Dieses Studium brach er ab und übersiedelte 1951 mit Erlaubnis von P. General nach Eringerfeld, um das Studium privat zu Ende zu bringen. Der Grund war die sein weiteres Leben bestimmende Bechterewsche Krankheit (nach dem russischen Neurologen Bechterew benannt). Pater Hüpgens schreibt selbst dazu: "Diese Krankheit hat mich 10 Jahre durch viele Kuren, Sanatorien und Krankenhäuser getrieben, die Studien außerordentlich erschwert. Sie wurde endgültig diagnostiziert erst 1951 im Hüfferstift der Universität Münster. Es handelt sich um eine Polyarthritis der Wirbelsäule mit zunehmender Versteifung und Verlust der Bandscheiben bis zur Verkrümmung der Wirbelsäule - ein Andenken an Russland. Deshalb mein Primizspruch: 'Misericordias Domini in aeternum cantabo' (Ps 88,1)."

Am 6. August 1952 wurde Adalbert Hüpgens mit 31 anderen Diakonen in Paderborn durch Erzbischof Lorenz Jaeger zum Priester geweiht, legte am 21. Juni 1954 in Frankfurt das Punkteexamen ab und begann am 1. September 1954 unter P. Pies das Tertiat.

Die weiteren Stationen seines Lebens seien stichwortartig genannt: Seit Juli 1955 Kaplan, Beichtvater und Mädchenseelsorger in St. Clemens, Berlin; von Juli 1960 bis Anfang 1965 Minister am Germanikum in Rom; von Mai bis September 1965 Operarius in Marburg/Lahn; vom September 1965 bis 1982 Krankenhausseelsorger und Spiritual bei den Alexianerbrüdern in Neuß; ab Juni 1982 Krankenhausseelsorger am Geriatrischen Krankenhaus Elbroich in Düsseldorf-Holthausen und seit dem 1. Januar 1986 bis kurz vor seinem Tode im Jahre 2002 Beichtseelsorger im Ignatiushaus in Trier.

Ob wir ein hohes Alter erreichen und wie alt werden, hängt davon ab, was uns im Laufe der Jahre widerfährt und wie wir damit umgehen. Pater Hüpgens war offensichtlich gezeichnet von der Bechterewschen Krankheit. Wie hat er damit gelebt? Er hatte sich mit dieser Krankheit und ihren Folgen - vor allem dem gebeugten Gang - arrangiert und sich entsprechend eingerichtet. Wehleidig war er jedenfalls nicht, aber voller Abneigung gegen Ärzte. So betonte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass er jahrzehntelang keinen Arzt aufgesucht habe und auch nicht daran denke, je wieder einen Arzt zu konsultieren. Ein geregelter Tagesablauf und feste Gewohnheiten, an die er sich eisern hielt, führten dazu, dass er in der Kommunität als der mit Abstand gesündeste Mitbruder galt. Als er schließlich schwer erkrankte (Speiseröhrenkrebs) und ins Altenpflegeheim bzw. Krankenhaus nach Köln-Mülheim übersiedeln musste, wurde das für ihn naturgemäß zur Tortur. Es war kein leichtes Sterben, aber sein Leben ging sicher zu Ende im Glauben an den Gott, der uns alle zur Vollendung führen will.

Am 26. November 2002 wurde P. Hüpgens auf dem Friedhof Melaten in Köln beerdigt.

R.i.p.

P. Robert Gelberg SJ

Jesuiten-Nachrufe 2003, S. 8f