P. Bernhard Determann SJ
31. März 1986 in Köln

P. Bernhard Determann wurde am 27. Juni 1907 in Gronau/Westfalen als Sohn der Eheleute Gerhard Determann und Maria geb. Sitfeld geboren. Der Vater betrieb ein kleines Fuhrgeschäft, das er später zu einem Baumaterialienhandel ausweitete. Seine Mutter wird als eine sehr fromme Frau gekennzeichnet, die viel Gutes getan hat im Sinne des Wortes: 'Laß Deine Rechte nicht wissen, was die Linke tut'.

Bernhard hatte vier Geschwister, einen Bruder und drei Schwestern. Es zeugt für die Weitsichtigkeit der Eltern, daß sie bemüht waren, allen Kindern eine gediegene Ausbildung zu verschaffen. Mit Ausnahme der jüngsten Schwester besuchten alle das Gymnasium und absolvierten ein Studium. Seine zweite Schwester, Christine, machte in Mühlhausen bei Kempen bei den Schwestern Unserer lieben Frau ihr Abitur, wurde Lehrerin und trat in den Orden ein. Die Familie Determann galt als eine alteingesessene Familie in Gronau. Tief im katholischen Glauben verwurzelt, war es den Eltern eine Freude, daß ihr ältester Sohn Bernhard nach seinem Abitur am 9. März 1926 sich entschloß, in den Jesuitenorden einzutreten. Schon während seiner Gymnasialzeit hatte er sich auf diese Entscheidung vorbereitet, wie seine Cousine sich erinnert: "Aus seiner Jugendzeit muß ich noch hinzufügen, daß Bernhard ein treuer Meßdiener seines Religionslehrers war, der jeden Morgen im Krankenhaus die Messe zelebrierte. Bei Wind und Wetter war Bernhard um 6.00 Uhr zur Stelle. Er hatte auch durch das Geschäft viel Kontakt mit den Klostergemeinschaften an der holländischen Grenze, vor allem mit den Maristen. Die Patres der hiesigen Klöster waren immer gerngesehene Gäste bei Determanns."

Eine weitere Beobachtung aus seiner Schulzeit kennzeichnet den jungen Gymnasiasten: "Eine Mitschülerin, (das einzige Mädchen in der Klasse) war, wie Bernhard, sehr begabt und beide haben das Abitur mit summa cum laude bestanden. Sie haben vor dem Abitur zusammen gelernt, sehr zum Ärger von P. Determann, denn sie war die Tochter des hiesigen evangelischen Pastors und in der damaligen Zeit standen hier die Katholiken und Protestanten noch hart gegeneinander".

Am 26. April 1926 trat P. Determann in 's-Heerenberg in das Noviziat der Jesuiten ein. Nach seinem Noviziat studierte er Philosophie in Valkenburg und in Pullach bei München. Sein Interstiz verbrachte er in Köln, wo er drei Jahre lang im ND mitarbeitete. 1932 kam er wieder nach Valkenburg, um seine theologischen Studien dort fortzusetzen und abzuschließen. Am 27. August 1935 empfing er durch die Handauflegung von Bischof Wilhelm Lemmens die Priesterweihe. Mit seiner Diakonatsweihe am 25. März 1935 beginnt ein Tagebuch, in dem alle opera apostolica bis 1938 eingetragen sind.

Vom 10. bis 28. Februar 1937 verzeichnete er die erste Volksmission zusammen mit P. Heppener und P. Schäfermeier. Nach dem Terziat, das er 1937 unter Leitung von P. Walter Sierp in Münster machte, durfte er am 2. Februar 1938 seine Letzten Gelübde ablegen. Schon bald sollte er in seiner priesterlichen Tätigkeit die Willkürherrschaft des Dritten Reiches am eigenen Leibe verspüren. In der am 7. Mai 1942 verfassten Urteilsschrift lesen wir: "Der Angeklagte gehört dem Jesuitenorden an. Seit dem Jahre 1937 betätigt er sich im Rheinland und in Westfalen als Aushilfsseelsorger. Später arbeitete er in der Hauptsache in der Diözese Osnabrück. Seine Wohnung hatte er während dieser Zeit vom Dezember 1940 bis Juli 1941 in dem Priesterseminar in Osnabrück. Während seiner Tätigkeit in der Diözese Osnabrück hielt der Angeklagte hauptsächlich Exerzitien und religiöse Wochen ab, darunter auch mehrfach Rekrutenexerzitien. Vom 15. Juli 1941 ab wurde er von dem Bischof in Osnabrück zum Pfarrvikar in Teglingen bei Meppen bestellt."

In dieser Anklage wird ihm vorgeworfen, daß er während der Rekrutenvorträge wehrzersetzerische Ausführungen gemacht habe. Wörtlich heißt es: "Die Auslassungen des Angeklagten über einen bevorstehenden Gaskrieg, den Ausgang des Krieges über einen zweiten Kampf mit Frankreich und über eine kommende Seuche sind gehässig und hetzerisch. Sie stellen eine üble Kritik an der deutschen Staats- und Kriegsführung dar und gipfeln letzten Endes darin, daß es bei dem jetzigen Krieg nicht um besonders hohe Ziele geht, sondern der ganze Krieg nur ein sinnloses Morden ist."

Seine Verurteilung zu zwei Jahren Gefängnis beurteilt er selbst in einem Brief ovom 22. Mai 1942 an seine Verwandten: "Jetzt weiß ich: wieder einmal zwei Jahre Novize, zwar zum Kartäuserleben, aber immerhin, wie ich P. Provinzial am vorigen Sonntag sagte, ein wiederholtes Noviziat. Und ich hatte so sehr gehofft, der liebe Gott hätte sich mit der Wiederholung des Terziates mindestens begnügt."

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde P. Determann von seinen Oberen nach Köln-Deutz berufen, wo er als Krankenhausrektor wirkte. Noch vor Kriegsende wurde er nochmals versetzt, diesmal nach Viernheim bei Mannheim. Dazu schreibt P. Mühlenbrock: "Am 12.02.1945 stand morgens früh P. Determann, begleitet von Br. Schönbrod, mit Rucksäcken an der Tür des Pfarrhauses von St. Aposteln in Viernheim und brachte die Order von P. Flosdorf, er solle mich in Viernheim ablösen und ich solle unverzüglich mit Br. Schönbrod nach Godesberg reisen und in seine bisherige Aufgabe als Krankenhausseelsorger dort einsteigen. Nach Zerstörung durch Luftangriffe waren die Lindenburg und das Deutzer Krankenhaus (Schervierschwestern) nach Godesberg ins 'Päda' verlegt worden. P. Determann war Krankenhauspfarrer in Köln-Deutz (nach seiner Gefängnishaft) und war mit den Schervierschwestern nach Godesberg gekommen. Aber die Gestapo stellte ihm wieder nach und darum hielt P. Flosdorf es für gut, ihn in Viernheim 'untertauchen' zu lassen."

Schon sehr bald erkannte P. Determann, daß für die Jugendlichen keine hinreichenden Möglichkeiten zur Berufsausbildung vorhanden waren. Deshalb gründete er zusammen mit einigen Ortsgeistlichen und Studienräten die Albertus-Magnus-Schule in Viernheim, die bis heute besteht und die ihn bei ihrem 40-jährigen Jubiläum als einen der Mitgründer dankbar feierte.

1946 versetzten ihn seine Oberen nach Essen, wo er als Männerseelsorger eingesetzt war. Es folgen nun eine Reihe von Versetzungen, die darin begründet waren, daß die Oberen in dem entsprechenden Haus einen neuen Superior benötigten. 1954 Ignatiushaus in Trier, 1958 Canisiushaus in Köln, 1962 Haus am Schlump in Hamburg, 1966 Ignatius in Essen. Die Tatsache, daß er nacheinander in fünf Häusern der Provinz als Superior eingesetzt war, zeugt von dem großen Vertrauen, das seine Oberen in ihn setzten und zugleich von der Achtung und Wertschätzung, die er bei seinen Mitbrüdern genoß. In Frankfurt und Trier stand die Männerseelsorge im Vordergrund seines priesterlichen Wirkens, in Hamburg war er als Priesterseelsorger und Exerzitienmeister eingesetzt. Ein Dechant schreibt ihm zu seiner Versetzung nach Essen: "Im Gespräch mit den Konfratres habe ich immer wieder festgestellt, daß Sie uns während Ihrer Tätigkeit in Hamburg ein lieber Konfrater geworden sind und von uns allen auch wegen Ihrer inhaltsreichen Vorträge sehr geschätzt wurden. Wir bedauern es sehr, daß Sie nun nicht mehr in unserer Mitte sind."

In Essen sollte P. Determann 1966 das Amt des Obern übernehmen, aber schon nach einem Jahr zeigte es sich, daß er dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen war. Er bat seine Oberen um Ablösung, blieb aber weiter in Essen als Priesterseelsorger und Exerzitienleiter tätig. Im Juni 1972 wurde er erneut versetzt, diesmal als Minister in das Canisiushaus nach Köln, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Neben seinen Verpflichtungen in der damals noch recht umfangreichen Kommunität des Canisiushauses betätigte er sich weiterhin in der Exerzitienarbeit und Schwesternseelsorge. 1975 wurde er von Kardinal Höffner zudem mit der Blindenseelsorge im Erzbistum Köln betraut, eine Aufgabe, die ihm sehr ans Herz wuchs und die ihm vor allem von den Blinden selbst mit großer Dankbarkeit vergolten wurde.

Am 20. April 1976 hatte er die Freude, sein Goldenes Ordensjubiläum feiern zu können. Zu diesem Fest schrieb ihm P. Arrupe: "Ich erinnere mich noch sehr gut an unsere gemeinsame Zeit in Valkenburg, wo wir das theologische Fundament für unser apostolisches Wirken erhielten. In den vergangenen Jahrzehnten waren Sie Seelsorger und Oberer. Als Seelsorger - ich denke da vor allem an Ihre Tätigkeit als Männerseelsorger konnten Sie durch Ihre Predigten sehr segensreich wirken. Sie verstanden es, das Wort Gottes den Hörern nahezubringen, es ihnen verständlich zu machen und sie zu bereiten, es offenen Herzens aufzunehmen. Auf diese Weise konnten Sie Vielen auf ihrem Weg zu Gott helfend zur Seite stehen.

Mit großer Begeisterung und tiefer, gläubiger Dankbarkeit erzählte er selbst von der festlichen Feier anläßlich seines Goldenen Ordensjubiläums in seiner Heimatstadt Gronau.

Wegen einer Lungenentzündung mußte P. Determann Anfang März 1986 ins Franziskushospital in Köln gebracht werden. Nachdem er sich von dieser Krankheit soweit wieder erholt hatte, daß er hoffte, in der Woche nach Ostern wieder entlassen werden zu können, traf ihn am Ostermontag, den 31. März, ein Herzinfarkt, der seinem Leben ein plötzliches und unerwartetes Ende setzte.

P. Determann wird den Mitbrüdern, die ihn kannten, als ein unermüdlicher Seelsorger und gütiger, hilfsbereiter Mitbruder im Gedächtnis bleiben. Wievielen Menschen er in seinem Leben durch seine priesterliche Tätigkeit in wirklicher Selbstlosigkeit zur Seite gestanden hat, weiß nur der Herr allein, der ihn in seinen Dienst berief und nun zu sich genommen hat.

R.i.p.

Aus der Norddeutschen Provinz, 4/1987 - Juli, S.78ff