P. Bertold Beck SJ
* 21.11.1919    24.05.2004
Eintritt 1938 - Priesterweihe 1948 - Letzte Gelübde 1955

P. Bertold Beck wurde am 21. November 1919 in Breslau geboren als Sohn des Staatlichen Lotterieeinnehmers Bertold Beck und seiner Ehefrau Martha, geb. Hettwer. Bertold besuchte von 1926-1930 die Volksschule und von 1930-1938 das Staatliche St.-Matthias-Gymnasium in Breslau. Er wurde Mitglied der Marianischen Kongregation. Wegen einer Erkrankung seiner Mutter kam er mit seinem Bruder als Externer in das Knabenkonvikt Kurfürst Franz Ludwig, genannt Spittel. Hier wurde sein späterer Beruf grundgelegt, wie er selbst in seinem Lebenslauf schreibt.

Im Frühjahr 1938 machte Bertold sein Abitur und trat am 20. April 1938 in das Noviziat der Jesuiten in Mittelsteine ein, das er mit den Ersten Gelübden am 27. April 1940 abschloss. Nach kurzem Juniorat ging er nach Pullach, um die Philosophie zu beginnen, wurde aber schon im Herbst 1940 als Luftwaffensanitäter nach Possenhofen am Starnberger See eingezogen, wo man ihn zum Ausbilder machte. Nach 13 Monaten wurde er am 8. Dezember 1941 auf Grund des Geheimbefehls Hitlers, alle Jesuiten aus der Wehrmacht zu entfernen, als "n. z. v." entlassen. So konnte er in Pullach bis 1944 Philosophie studieren. Danach kam er als Katechet nach Oppeln in Oberschlesien, von wo er im Januar 1945 nach Glatz fliehen musste. Nachdem er die letzten Wirren des Krieges mit viel Glück überlebt hatte, studierte er von 1945 bis 1948 Theologie in Pullach. Dort wurde er am 25. Juli 1948 von Kardinal Faulhaber zum Priester geweiht und ging dann für das vierte Jahr der Theologie bis 1949 nach Büren. Anschließend folgte 1949-1950 gleich das Tertiat in Münster. Im Herbst 1950 begann er in Rom am Biblicum ein dreijähriges Studium, das er 1953 mit dem Lizentiat in Bibelwissenschaft abschloss. Bis 1955 studierte er dann noch in Innsbruck, wo er bei P. Karl Rahner über das "Gnadenbewußtsein bei Molina" promovierte. Seine Ausbildungszeit schloss mit den Letzten Gelübden am 15. August 1955 in Innsbruck ab.

Eigentlich sollte P. Beck jetzt eine Lehrtätigkeit in Erfurt aufnehmen. Doch da er von der DDR keine Aufenthaltserlaubnis erhielt, begann für ihn nun eine internationale Lehrtätigkeit im Fach Exegese. Im Sommer 1956 wurde er in die USA geschickt, und zwar nach Montezuma in Neu Mexiko in das dortige mexikanische Priesterseminar. Doch ein anderer Pater wollte durchaus an diese Stelle, und so musste P. Beck schon Anfang 1959 nach Santo Domingo in die Dominikanische Republik umsiedeln, wo er neben der Vorlesungstätigkeit auch intensiv Seelsorge in der dortigen deutschen Kolonie betrieb. Hier lernte er den damaligen Ersten Botschaftssekretär Klaus von Amsberg kennen, den späteren Gemahl der niederländischen Königin, mit dem er freundschaftlich verbunden blieb. Im Mai 1960 ging er, vor allem weil ihm das Klima sehr zusetzte, nach Chicago als Seelsorger, und ein Jahr später nach Brasilien, um in Sao Leopoldo Exegese zu dozieren. 1962 ging es erneut nach Santo Domingo, wo er außer Exegese auch Liturgie und Dogmatik las. Weil aber seine Gesundheit nachließ und die Bibliothek unzureichend war, wechselte P. Beck wiederum und kam von 1964 bis 1968 nach San Salvador in das dortige Regional-Seminar. Auch hier entfaltete er neben seinen Vorlesungen eine rege Tätigkeit in der deutschen Kolonie.

Ende 1968 folgte dann ein Wechsel auf einen anderen Kontinent. Der Provinzial schickte ihn nach Chishawasha im damaligen Süd-Rhodesien zu Exegese-Vorlesungen im Regionalseminar. Für ihn waren es schöne Jahre, aber schon 1972 musste er das Seminar verlassen, weil, wie er in seinem Lebenslauf schreibt, der englische Rektor nur Engländer und Iren um sich haben wollte und alle "Continentals" fortschickte. So kam P. Beck für vier Jahre zum Regionalseminar in Hammanskraal in Transvaal (Südafrika), bis dort ein Streik der afrikanischen Seminaristen, die keine weißen Professoren und Schwestern wollten, seine Tätigkeit beendete. Einen Tag vor dem Weihnachtsfest 1976 kam er dann wieder nach Europa zurück.

Aber er hatte immer noch Hoffnung auf eine neue Arbeit im Ausland. Er benutzte die Wartezeit, um eine vom Stuttgarter Bibelwerk organisierte Reise nach Palästina und zum Sinai mitzumachen, denn während seiner Studien am Biblicum war für ihn als Deutschen die Reise nicht möglich gewesen. Inzwischen hatte sein Provinzial ihm eine neue Stelle für Exegese in Asunción (Paraguay) besorgt. Aber acht Tage vor dem vorgesehenen Abflug meldeten sich der dortige Provinzial und der Rektor der Universität und verlangten, P. Beck solle statt Exegese Fundamentaltheologie lehren. So sagte P. Beck ab.

Im Mai 1978 kam er an die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen. Kurze Zeit half er als Sprachlehrer aus, dann war er bis 1995 vor allem mit Aufsichtsdienst in der Bibliothek beschäftigt. Bis 1993 übernahm er auch gerne Aushilfen, vor allem in Friedrichsdorf. Außerdem hielt er Monatsvorträge für Schwestern und gab Exerzitienkurse. So wirkte er in diesen Jahren unauffällig im Hintergrund. Aber in zunehmendem Maße zeigten sich bei ihm gesundheitliche Beschwerden: Zuckerkrankheit, Leistenbruch, Herzinfarkt, Netzhaut-Ablösung am linken Auge, zunehmende Gedächtnisschwäche. Jahrelang litt er außerdem viel an Skrupeln und Gewissensqualen, die ihn erst im Herbst 2001 verließen.

So zog er im November 2000 nach Münster in das Altenheim Haus Sentmaring um. Seine Krankheiten stellten seine Geduld auf eine harte Probe, und die der Pflegerinnen und Pfleger manchmal auch. Im April 2002 musste er noch einmal umziehen, als Haus Sentmaring aufgelöst wurde. So kam er zu seiner letzten Station im Friedrich-Spee-Haus in Köln-Mülheim. Neben schlechten Tagen gab es auch immer wieder gute, wo er für alle Besuche und Dienste seinen Dank ausdrückte. Am 24. Mai 2004 hat ihn der Herr von seiner langen, schweren Krankheit erlöst.

P. Beck besaß eine große Sprachbegabung und war außerordentlich fleißig. Er hatte ein vielfältiges Wissen, sein Interesse war weitgestreut. Vor allem Sprachen und Sprachwissenschaft interessierten ihn. Wohl ein Dutzend alte und moderne Sprachen sprach oder las er. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit hat er sehr unter dem Mangel an Büchern gelitten, denn sowohl in Santo Domingo wie in San Salvador waren die Bestände der Bibliotheken sehr dürftig. So begann er, theologische Bücher in allen Sprachen zu sammeln. Das wurde seine große Leidenschaft, und er brachte, als er nach Frankfurt kam, eine stattliche Bibliothek mit. Aber auch dann setzte er das Kaufen und Sammeln von Büchern weiter fort. Die meisten davon hat er sorgfältig gelesen, die wichtigsten Stellen waren unterstrichen und teilweise mit Anmerkungen versehen. Da er immer noch viel vorhatte, kopierte er zahlreiche Artikel aus Zeitschriften oder Büchern. Bis ins hohe Alter blieb er aufgeschlossen für neue Gedanken und Strömungen in Kirche und Welt.

Seine Freunde und Verwandten und alle, die ihn näher kannten, schätzten ihn sehr, auch wegen seiner Fröhlichkeit, seines stillen Humors und seines aus dem Herzen kommenden Lachens. Bescheidenheit, Gehorsam, Gottvertrauen und Treue, aber auch die genaue, oft ängstliche Beobachtung seiner Pflichten waren für ihn kennzeichnend. Bis zum Schluss zeigten ihm viele Verwandte ihre Anhänglichkeit und Verehrung und besuchten ihn regelmäßig. Vielen werden seine liebenswürdige, bescheidene Art, sein tiefer Glaube und seine profunde Kenntnis des Neuen Testamentes in Erinnerung bleiben.

P. Bertold Beck wurde auf dem Kölner Friedhof Melaten beigesetzt.

R.i.p.

P. Günter Switek SJ

Jesuiten-Nachrufe 2002, S. 2f