Otto Syré SJ

P. Otto Syré SJ
* 09. März 1913    † 29. Oktober 2008
Eintritt 1934 - Priesterweihe 1942 - Letzte Gelübde 1949

Es sind nicht einfach die 74 Jahre im Orden, das Superiorenamt in sieben Häusern, seine Mitarbeit im Provinzialat, was unser Bild von Otto Syré prägt, es ist der gesamte Eindruck seiner Persönlichkeit: ruhig, doch bestimmt, klar, aufgeschlossen, freundlich, wohlwollend, mitempfindend, hilfreich, wenn Hilfe gebraucht wird — und das alles in vornehmen gepflegten Formen.

Das Licht der Welt erblickte Otto am 9. März 1913 im westfälischen Münster. Sein Vater war ein angesehener und beliebter Handelsvertreter im Textilbereich. Neben dem bewusst katholischen Elternhaus prägte ihn der Bund Neudeutschland, zu seiner Zeit in Münster geleitet von P. Grauvogel. Ein begeistertes Dabeisein bezeugt sein noch lebender jüngerer Bruder, die innere Verbundenheit hielt Otto bis zum Lebensende. Zu jedem Gruppenabend wurde er noch in Köln-Mülheim abgeholt, kein Bundesfest ließ er aus.

Nach zwei Semestern Theologie trat Otto am 25. April 1934 in s'Heerenberg in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Die Philosophischen Studien in Pullach wurden durch eine schwere Tuberkulose unterbrochen; über 15 Monate verbrachte er in der Franziskusheilstätte in Mönchengladbach, zeitweise zusammen mit 10 Mitbrüdern. 1940 macht er das Abschlussexamen in Pullach und beginnt sein Interstiz als Sekretär des Provinzials in Köln. Hier erlebt er die Aufhebung des Canisiushauses am Osterdienstag 1941. Das Provinzialat kann in einer Mietwohnung in Köln bleiben, Otto beginnt sein Theologiestudium in Frankfurt.

Um die Jahreswende 1941/42 wurden fast alle Jesuiten aus der Wehrmacht entlassen. Um sie vor einem Zugriff der Gestapo etwas zu schützen, erklärte sich der Mainzer Bischof Dr. Albert Stohr bereit, sie zu Priestern zu weihen und anschließend in seinem Bistum einzusetzen. Am 1. Juli erhielt Otto die Weihe zum Diakon und am 9. November fand die Priesterweihe von 26 Jesuiten in der Seminarkirche ohne jeden äußeren Aufwand statt. Man hatte gezielt einen Nazi-Feiertag gewählt, weil man dann die Parteigenossen abgelenkt wähnte. Schon drei Tage später trat Otto seine Kaplansstelle in der Deutschordenskirche in Frankfurt an. Die Heimatprimiz war am 1. Januar 1943. Drei Jahre blieb Otto in Frankfurt, mit vielen Bomben, Zerstörungen und großer Not. Am 17. November 1945 fuhr er nach Pullach zur Vervollständigung seiner theologischen Studien. Den letzten Ausbildungsabschnitt, das Tertiat, begann er in Münster, setzte es sehr bald fort als Socius des Novizenmeisters in Eringerfeld. Hier legte er am 2. Februar 1949 die Letzten Gelübde ab.

Am 17. September 1949 begann der Hauptabschnitt seiner Arbeiten. Er wird Superior in Saarlouis, und hier gelingt seinem Verhandlungsgeschick schon der erste große Coup. Der Provinzial P. Deitmer wollte die Residenz in die Hauptstadt des Saarlandes nach Saarbrücken verlegen und gab P. Syré den Auftrag, das Haus in Saarlouis zu verkaufen. Das gelang in der Weise, dass die Stadt das Haus kaufte, und weil man die Patres in Saarlouis halten wollte, es ihnen zur Nutzung überließ, so lange sie wollten. So geschah der Wegzug auch erst im Jahre 2007. Das Projekt Saarbrücken ließ der nächste Provinzial sogleich fallen und holte P. Syré als seinen Sozius nach Köln. Hier blieb er, bis 1955 in Hannover ein Superior gebraucht wurde. 1959 wurde Otto nach Dortmund versetzt, wieder mit dem Auftrag, das Haus zu verkaufen. Wieder fand er einen guten Partner: das Erzbistum Paderborn errichtete auf dem Grundstück eine neue Pfarrei.Das Amt des Superiors nimmt P. Syré sogleich mit nach Köln und erreicht dort beim Erzbistum „ohne Arger", wie es ihm aufgetragen war, dass die Pfarrei Robert Bellarmin, die während des Krieges in unserem Hause Stolzestraße eingerichtet worden war, um die ND Jugendräumevor der Beschlagnahme zu schützen, nun wieder zurückgenommen wird und den Jesuiten die Pfarrei St. Peter mitten in der City anvertraut wird.

An allen Orten, an denen P. Syré lebte und arbeitete, hielt er Priester-Rekollektionen, Schwesternvorträge und Exerzitien. Eine herausragende Arbeit war die Leitung des Gebetsapostolates als Nationalsekretär für Deutschland von 1981 bis 1988. Es passte zu seiner Art, dass er in diesem Zeitraum alle deutschen Bischöfe aufsuchte, um ihnen das Gebetsapostolat nahezubringen.

34 Jahre diente P. Syré dem Orden insgesamt als Superior und Rektor. Nach außen schuf seine Ausstrahlung gute Beziehungen und Freundschaften, die teilweise bis in die letzten Jahre im Altenheim weiter bestanden. Eine Aufgabe, ganz auf ihn zugeschnitten, hatte ihm P. Provinzial Ostermann zugedacht. Um 1970 lebten 50 Mitbrüder der Germania Inferior auf Einzelposten. Sie zu besuchen, ihnen zuzuhören, in einem guten Lokal zu speisen, und so die Verbindung zum Orden nicht abreißen zu lassen — wer hätte das besser gekonnt? Allen tat diese Ermutigung wohl.

Ermutigung kam von ihm auch immer wieder in der Kommunität: Zuwendung, Zuspruch, nichts Abgegriffenes oder Aufgesetztes. Nach jedem Gottesdienst, nach jedem Unternehmen fand er für den Verantwortlichen einen Punkt, den er als gelungen bezeichnen konnte. Doch es blieb nicht bei schön gesetzten Worten. Nachdem er 1992 mit 79 Jahren das Amt des Rektors in Haus Sentmaring abgegeben hatte und mehr und mehr in die Rolle eines Passagiers im Altenheim hinüberruderte, stand er noch zehn Jahre vormittags im grauen Kittel auf der Leiter in der Bibliothek, ganz handfest, Herr über 30.000 Bände. Natürlich hatte er eine Schreibkraft, doch die Sprechstunde am Samstagnachmittag für Rat suchende Theologiestudenten hielt er selbst.

Über seinen „Ruhestand" im Altenheim ist noch etwas Einmaliges zu berichten: Otto hatte nicht nur zwei volle Jahre seines Lebens Passionen in Krankenhäusern zu erleiden, er ging auch aktiv seinen Passionen nach, und eine war die Historia Societatis Jesu. Mit einer einfachen mechanischen Schreibmaschine und einem DIN A 5 Ringbuch legte er ein Kalendarium an, in dem er jedem einzelnen Tag des Jahres zwei Seiten widmete, indem er ein besonderes Ereignis im Leben der SJ seit 1540 herausgriff und darstellte. 100 davon hat P. Förster in Köln ins Internet gestellt. Meines Wissens fehlen nur noch etwa 50 Tage. Hier ist noch eine Aufgabe für einen geschichtsfreudigen Mitbruder offen geblieben, mit deren Lösung man Otto Syré wirklich ehren könnte. Duhr und Provinznachrichten reichen als Hilfe.

Sieben Jahre war ich zusammen mit P. Stefan Siegel täglich an der Seite dieses Mannes, um all seine Stärken immer wieder zu erleben, aber auch seine schweren Stunden. 2001 brachte ihn eine normale Hüftoperation mit einer kritischen Lungenentzündung auf die Intensivstation, 2003 eine allgemeine Schwäche neun Wochen ins Krankenhaus mit einem Tiefpunkt nahe Null, 2007 eine dritte Bedrohung ohne jede Hoffnung, ließ ihn den Wunsch aussprechen: bringt mich zum Sterben nach Hause. Er blieb noch 20 Monate bei uns. Hier ergab sich nun ein körperlicher Abbau in Millimeterschritten. Auch jetzt gewann er noch viele seiner Pfleger und Pflegerinnen zu Freunden. Vor allem waren die Mitbrüder Tag und Nacht für ihn da.

In der Frühe des 29. Oktober 2008 war sein irdischer Weg zu Ende. Beerdigt ist P. Syré auf unserem Grabfeld in Köln-Melaten.

R.i.p.

P. Friedrich Abel SJ

Jesuiten/Nachrufe 2009, S. 28 f.