Josef Sudbrack SJ

P. Josef Sudbrack SJ
* 8. Januar 1925    † 15. Juli 2010
Ordenseintritt 1946 - Priesterweihe 1956 - Letzte Gelübde 1963

Josef Sudbrack, am 8. Januar 1925 in Trier geboren, war das dritte von fünf Kindern in der Familie eines Bäckers. Die katholische Atmosphäre, in der er aufwuchs und für die er stets dankbar war, lebte in einem starken Urvertrauen in ihm weiter. 1943 absolvierte er das damals übliche Not-Abitur, wurde zum Militär eingezogen und Ende 1944 so schwer verwundet, dass man sein rechtes Bein amputieren musste. Seine Liebe zum Schwimmsport hat ihm bis in die letzten Lebensjahre hinein geholfen, diese Beeinträchtigung zu bestehen. Humorvoll meinte er einmal selbst: Mit zwei Beinen wäre ich wohl unerträglich geworden. Seine Vitalität war nämlich ebenso bewundernswert wie seine ungewöhnliche Belesenheit.

Nach dem Tod seines Bruders - 1943 als Soldat in Russland - entschied er sich für den Priesterberuf und 1946 zum Eintritt in den Jesuitenorden. Nach dem vollgültigen Abitur, dem Noviziat in Burg Eringerfeld und philosophisch-theologischen Studien in Pullach und in Frankfurt wurde er 1956 zum Priester geweiht. 1963 promovierte er in Bonn mit einer Arbeit über den Benediktiner Johannes von Kastl, wodurch er wertvolle Einblicke in die Frömmigkeits-Traditionen des Mittelalters erhielt. Aber auch Karl und Hugo Rahner, Hans Urs von Balthasar und Henri de Lubac sind Namen, die er oft als prägend für seine Theologie erwähnte. 1973 wurde er in Innsbruck für Aszese-Mystik habilitiert, nahm jedoch seine Lehrerlaubnis nur sporadisch wahr. Eine Gastprofessur (1974/75) an der renommierten Harvard-Universität in Cambridge (USA) schenkte ihm geistliche und menschliche Erfahrungen im Ausland, über die er eindrucksvoll zu berichten verstand.

Seit 1966 wohnte Josef Sudbrack im Alfred Delp Haus in München, wo die Redaktionen der Zeitschriften „Geist und Leben" (GuL) und „Stimmen der Zeit" stationiert waren. Schon zu Beginn der sechziger Jahre war er als Mitarbeiter von Friedrich Wulf für „Geist und Leben" tätig und wurde 1979 dessen Nachfolger als Schriftleiter. Er hat die Zeitschrift entscheidend mitgeprägt und wesentlich dazu beigetragen, dass ihr ureigenes Thema „christliche Spiritualität" — inmitten vieler Angebote aus dem Osten und dem Westen — deutlich und verbindlich zur Sprache kam. Wie hervorragend, manchmal beinahe spielerisch, es Sudbrack gelang, bedeutende Gestalten der Vergangenheit zu „verheutigen", zeigen unter anderem seine Aufsätze über Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Friedrich Spee, Thomas von Kempen und Thomas Merton.

Nicht zuletzt durch seine ausführlichen Literaturberichte hat P. Sudbrack zu einer tieferen Klärung der oftmals verwirrend verwendeten Begriffe „Meditation" und „Mystik" beigetragen. Dabei half ihm sein sorgfältiger Umgang mit den Schriften des Alten und des Neuen Testamentes. Es gibt wohl kaum eine Veröffentlichung von ihm, in der die biblischen Wurzeln nicht zentrale Bedeutung hätten. Zwar übte sich Sudbrack bei Karlfried Graf Dürckheim, der die Zen-Meditation im deutschen Sprachraum gefördert hat, im Zazen und machte dabei, wie er sagte, eine tiefe All-Einheits-Erfahrung. Aber auch im Dialog mit Dürckheim hielt er daran fest, dass das Entscheidende christlicher Mystik die Begegnung mit dem persönlichen Gott ist, der für uns Mensch wurde und am Kreuz starb.

Trotz seiner großen Erfolge hat P. Sudbrack die Schriftleitung von GuL 1986 aus verschiedenen Gründen abgegeben. Dies wurde verständlicherweise von vielen beklagt. Er selbst sprach gelegentlich davon, dass die Oberen ihn zu wenig unterstützt hätten, worüber er enttäuscht gewesen sei. Vielleicht war es auch die Last des Schriftleiters, die ihm zu wenig Freiraum für andere Aufgaben ließ. Neben seiner Redaktionstätigkeit war er nämlich ein vielbegehrter Referent bei Tagungen aller Art, Begleiter von Exerzitien oder Meditationskursen und 1976 bis 1987 geistlicher Leiter des Instituts der VOD für die Weiterbildung von Ordensfrauen in München.

Schon in einem Porträt zu seinem 65. Geburtstag, hieß es zweifellos zutreffend: „Klar in seiner Ausrichtung, verbindlich im Stil der Auseinandersetzung, ein verlässlicher, guter, aber immer auch Distanz haltender Freund, ein Mann von überlegener Intelligenz und gleichwohl warmer Affektivität, das alles und vieles mehr ist Josef Sudbrack." Als Mitbruder, der seit 1968 sein Kollege in der Redaktion war, möchte ich diese Einschätzung ausdrücklich bestätigen.

Eine vollständige Liste der Beiträge von J. Sudbrack in GuL findet man im Internet unter www.geistundleben.de (Archiv-Bibliografien). Das erwähnte Porträt schrieb G. Ruhbach in: Gottes Nähe. Festschrift zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von Paul Imhof. Würzburg 1990. Siehe auch H. Gaspar, Gottes Geist ist konkret. Josef Sudbrack zum 85. Geburtstag, in: GuL 83 (2010), 153-156.

Gemeinsam mit dem langjährigen evangelischen Akademiedirektor Wolfgang Böhme gründete P. Sudbrack im Jahre 1987 die „Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik e. V" Als dankbare Anerkennung verlieh diese ihrem Mitgründer am 17. November 2007 in Salzburg, in der Aula der Universitätsbibliothek, einen entsprechenden Preis, den der Geehrte im Rahmen des Symposions „Mystik und Natur" persönlich entgegen nehmen konnte. Einige Mitglieder des Vorstands dieser Gesellschaft haben P. Sudbrack auch während seiner Jahre im Altenzentrum besucht und — soweit es sein Befinden noch einigermaßen zuließ — zu einzelnen Tagungen mitgenommen. So berichtete Frau Dr. Dietlind Langner in ihrer respektvollen Würdigung während der Trauerfeier auf dem Friedhof in Melaten.

Die Mysterien von Tod und Leben, von Karfreitag und Ostern, von Kreuz und Auferstehung hat P. Sudbrack unzählige Male als Autor behandelt. Einmal schrieb er: „Nur der verletzte, zerschlagene Leib des Herrn ist — Quelle der Osterfreude. Ostern überwindet nicht den Karfreitag, sondern vollendet ihn". In den letzten Abschnitten seines irdischen Lebens musste er dieses Geheimnis konkret und schmerzlich erfahren. Seit 2002 lebte er wegen zunehmender Altersschwäche im Seniorenheim unserer Ordensprovinz in Köln-Mülheim. Der fortschreitende Verlust des Augenlichtes hatte ein weiteres Arbeiten unmöglich gemacht. Bis 2005 hielt er noch Vorträge mit Gesprächen im Domforum zu Köln. Dann aber wurde sein Kurzzeitgedächtnis immer schlechter, er konnte sich nur noch im Rollstuhl bewegen und verlor die Fähigkeit zu lesen. So wurde er am 12. April 2006 in die stationäre Pflege des Caritas Altenzentrums St. Josef-Elisabeth aufgenommen. Dort besuchten ihn regelmäßig einige Bekannte, lasen ihm vor oder sprachen mit ihm über die Mystik. Aber seit seinem 85. Geburtstag im Jahr 2010 wurde er immer schwächer. Schließlich war er wegen einer Lungenentzündung neun Tage im Krankenhaus Köln-Holweide. Dort besuchte ihn am letzten Tag morgens seine jüngste Schwester Mahlen Brings. Sie drückte ihm die Hand, er drückte auch, dann verstarb er in ihrem Beisein. Der Herr über Leben und Tod wird ihm gewiss die erhoffte, ewige Vollendung schenken, die er so unermüdlich verkündete.

R.i.p.

P. Franz Josef Steinmetz SJ

Jesuiten/Nachrufe 2010, S. 28 f.

 

Link zum Artikel in 'Geist und Leben'
anlässlich des 85. Geburtstags von P. Josef Sudbrack SJ