Alois Stenzel

P. Alois Stenzel SJ
* 1. Januar 1917     11. Oktober 2013
Ordenseintritt 1936 - Priesterweihe 1947 - Letzte Gelübde 1953

P. Alois Stenzel wurde am 1. Januar 1917 als ältestes seiner vier Geschwister in Reichenstein (Schlesien) geboren. Nach 12 Jahren zog seine Familie in die Kreisstadt Reichenbach am Eulengebirge um, wo Alois dann das Gymnasium der König-Wilhelm-Schule besuchte. 1936 machte er dort sein Abitur.

In dieser Schulzeit wurde er Mitglied der katholischen Gemeinschaft Quickborn. Durch seinen Gruppenführer P. Georg Kurz kam er öfter zu religiösen Treffen nach Mittelsteine, wo damals das Noviziat der Ostdeutschen Provinz der Jesuiten war.

Am 21. April 1936 wurde er Jesuit im Noviziat unter der Leitung von P. Otto Pies. Dann konnte er als einer der wenigen damaligen deutschen Scholastiker ohne Unterbrechungen von 1938 bis 1941 die philosophischen Studien im Berchmanskolleg zu Pullach bei München machen.

Im Mai 1941 war er einige Monate in einer sehr angenehmen Situation zusammen mit Frater Johannes Leppich in der Jugendarbeit in der Gabitzstraße von Breslau tätig. Weil damit alle in der Nazizeit eine verschworene Gemeinschaft durchlebten, hat ihm diese Erfahrung in den kommenden Jahren noch viel geholfen.

Aber im Oktober 1941 wurde er doch zum Wehrdienst einberufen, und er blieb dies im Unterschied zu anderen Jesuiten vier Jahre lang als Luftwaffenfunker bei Stäben in Potsdam, im Führerhauptquartier zu Rastenburg und am Ende des Krieges in Zossen bei Berlin. Von Zossen flüchtete er vor dem Eindringen der Russen nach Schleswig-Holstein und war dort vier Monate in Kriegsgefangenschaft.

Im August 1945 kehrte er nach Pullach zurück und begann seine Theologiestudien. Am 6. November 1947 wurde er in Pullach mit Franz Baron, Engelbert Dubiel und Bruno Freund zum Priester geweiht.

Sein Theologiestudium führte er von August 1948 bis Juni 1949 in der Jesuitenfakultät zu Büren i.W. weiter und machte dort sein Abschlussexamen. Danach war er anschließend in Wepion bei Namur im Tertiat.

Von 1950 bis 1952 studierte er sein Biennium mit einer Promotion in Rom und ging dann zu besonderen liturgischen Studien unter der Leitung von P. Andreas Jungmann in das Kolleg zu Innsbruck. So wie P. Jungmann die geschichtliche Liturgie der Messe erarbeitet hat, schrieb P. Stenzel die "genetische Erklärung der Taufliturgie". Dieses auch heute noch von vielen beachtete Buch "Die Taufe" (Verlag Felizian Rauch, Innsbruck) wurde 1958 veröffentlicht. Von 1952 bis 1953 studierte er weiter unter Leitung von P. Josef A. Jungmann an der Katholische-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Dort bekam er die Habilitation als Professor für Liturgie und begann 1953 seine Professur für Dogmatik und Liturgiewissenschaft in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Wichtig war, dass das II.Vatikanische Konzil mit Hilfe der Hl. Schrift, der Theologie der Väter, verschiedener theologischer Schulen und mit den Zeugnissen der Spiritualität manche eng geführte theologische Position aufbrechen konnte. So nahm auch P. Stenzel neben den Vorlesungen in Sankt Georgen an den Fortsetzungen des Konzils teil. Er gehörte zum Rat zur Durchführung der Liturgiekonstitution. Dafür ist er viel gereist und herumgekommen, und zwar noch während des Konzils - denn die Konstitution über die Liturgie war das erste verabschiedete Dokument. P. Stenzel gehörte weiterhin zum Coetus für die Sakramente. Das brachte auf dem Gebiet der liturgischen Praxis Kontakt mit dem weiteren Bereich christlicher Kultur, wie er sie in Italien, Spanien, Frankreich, Belgien, Holland kennenlernen durfte.

1985 beendete er seine Tätigkeit als Professor von Sankt Georgen und war dann 15 Jahre lang Hausgeistlicher in dem Seniorenheim der Franziska-Schervier-Schwestern in der Langestraße 10 in Frankfurt am Main.

Im Januar 2000 zog er dann in das Altenheim der Jesuiten im Haus Sentmaring, Münster, um, und ab April 2002 lebte mit den anderen alten Mitbrüdern in der Seniorenkommunität "Friedrich Spee" im Caritas-Altenzentrum St. Josef-Elisabeth in Köln Mülheim. Dort ging es ihm eigentlich immer gut. Doch ist er im Februar 2011 im Zimmer gefallen und hat seinen Oberschenkel gebrochen. Nach dem Krankenhaus kam er dann auf die stationäre Pflegestation und ist dort gut betreut worden.

Mit seinen Eltern und Geschwistern hat er immer und vor allem nach dem Krieg ein gutes Verhältnis und viele Treffen gehabt. So hat er seinen Eltern in Büren, als er dort studierte, eine Wohnung vermittelt. Ebenso traf er später, wenn es möglich war, seine Schwestern Hildegard Bödeker mit ihren Kindern und Enkeln in Lippstadt, sowie Ursula und Elisabeth Stenzel in Gütersloh. Von Frankfurt ist er regelmäßig im Sommer während der Ferien zum Wörther See gefahren und hat sich dort schwimmend ausgeruht. Auf dem Weg nach Österreich traf er oft seinen Bruder Heinrich in Starnberg. Ebenso seinen Freund Helmut Lotzen, der aus Koblenz stammte und den er in Pullach kennengelernt hatte.

Alois im Erstkommunionanzug stehend
Gütersloh, 4. November 2009
Lieber Bruder Alois, zum Gedenktag Deiner Priesterweihe am 6. November gratulieren Dir herzlich und mit guten Wünschen Deine Schwestern Elisabeth und Ursula. Im Nachkriegsjahr 1947 in Pullach konnten wir mit dabei sein; es war schwierig und die Bahnfahrt mußte vorher behördlich genehmigt werden. Den 50. Gedenktag am 6. November 1997 haben wir in Frankfurt mitgefeiert, Schwester Marion hatte diesen Tag für uns festlich ausgerichtet. Nicht allzu lange danach ist sie nach einem Unfall verstorben und Schwester Hilde hat uns ja im März d. Jahres verlassen. Dir "Danke" für vielmaliges Gedenken am Altar für die Familie, so daß mit Gottes Hilfe auch die schwierigen Jahre gemeistert werden konnten.
Die Aufnahme stammt aus Reichenstein aus dem Jahr 1927 oder 1928, nach Deiner Erstkommunion. Schwester Liesel (1929 geboren) war noch nicht dabei.

P. Alois Stenzel war ein angenehmer Mitbruder und Priester, ein bekannter Professor und sehr gut mit seiner Familie verbunden. Er ist sehr alt geworden und blieb ein stiller, freundlich zugewandter Mensch. Bis in die letzten Jahre konnte er im Rollstuhl sitzend alle Lieder bei der Kommunitätsmesse mitsingen. Nun ist er friedlich in der Nacht vom 11. Oktober in seinem Zimmer gestorben und in Gottes Reich gekommen. Begraben liegt er auf dem Friedhof in Köln-Melaten.

R.i.p.

Albert Giesener SJ

Jesuiten/Nachrufe 2013, S. 34 f.

 

Link zum Buch "Die Taufe"