Stefan Siegel

P. Stefan Siegel SJ
* 12. Januar 1931    † 25. April 2013
Ordenseintritt 1951 - Priesterweihe 1961 - Letzte Gelübde 1964

Stefan Bernhard Siegel, wurde am 12.1.1931 in Elisenthal, Kreis Bomst, in der Grenzmark Posen-Westpreußen geboren. Sein Vater Anton Siegel war Zollbeamter, hatte in seiner ersten Ehe drei Kinder und mit seiner zweiten Frau Anna Siegel, geb. Kutzner, zwei weitere Kinder Ursula und Stefan Siegel. Seit dem Anfang seines Lebens und bleibend bis zu seinem Ende blieb Stefan mit seiner Familie immer sehr verbunden, besonders mit seiner Schwester Ursula. Aber ebenso mit den Verwandten und besonders mit den Nachkommen seines Vaters.

Im März 1932 erfolgte der Umzug der Familie nach Dresden. Dort erlebte Stefan die kath. Gemeinde St. Josef und hatte dort guten Kontakt mit der Gemeinde. Er besuchte ab Ostern 1937 die 5. Kath. Volksschule von Dresden. Nach deren Auflösung durch die Nazis besuchte er ab Pfingsten 1938 die 26. Volksschule. Im Herbst 1944 begann er die gymnasiale Aufbauschule Freiherr-von-Fletcher-Schule und wechselte nach dem Krieg im Juni 1947 zum Canisius-Kolleg in Berlin. Dabei wohnte er im Don-Bosco-Heim in Berlin-Siemensstadt. Am 22.6.1950 machte er das Abitur. Mit seinen Klassenkameraden hat sich Stefan jährlich getroffen und ist mit ihnen in gutem Kontakt geblieben. Seine Schwester Ursula wurde damals als Schwester Raphaele Siegel eine Ordensschwester bei den Vinzentinerinnen und lebt jetzt im Krankenhaus St. Martini zu Duderstadt.

Von Oktober 1950 bis Juli 1951 studierte er zunächst als Priesterkandidat Philosophie an der Erzbischöflich-Philosophisch-Theologischen Hochschule in Paderborn. Doch am 22.11.1951 begann er auf dem Jakobsberg bei Bingen sein Noviziat in der Gesellschaft Jesu unter der Leitung von P. Otto Pies. Danach folgten die Studien im Juniorat und im Berchmanskolleg zu Pullach bei München.

Im Schuljahr 1957/58 war er Präfekt (Erzieher) am Canisius-Kolleg in Berlin.

Sein Theologiestudium machte er in Sankt Georgen zu Frankfurt von Herbst 1958 bis Sommer 1962. Durch Julius Kardinal Döpfner erhielt er am 27.8.1961 in St. Matthias (Berlin) die Priesterweihe. Die Ausbildung im Orden schloss mit dem Tertiat in Münster unter P. Stein im Sommer 1963 ab.

Von August 1963 bis März 1964 war P. Siegel Heimleiter für die Jugendgruppen in Berlin-Kladow und "Tannerknecht" und wurde bald Socius des Novizenmeisters P. Soballa, der ab Herbst 1965 Provinzial wurde. Damit wurde P. Siegel plötzlich Novizenmeister vom Herbst 1965 bis Sommer 1970. Mit seinen damaligen Novizen, die alle nachher die Gesellschaft Jesu verlassen haben, blieb er sein Leben lang in ständigen Kontakt. Ein schönes, letztes Treffen war 2007 in Königswinter. Stefan hat alle tief im Herzen erwischt (auch wenn andere seine kommunikative Sprödigkeit beklagten)! "Er hat uns ignatianische Spiritualität so nachhaltig beigebracht, dass wir alle trotz Austritt bis heute ‚drin' geblieben sind. Das soll erst mal einer nachmachen", schrieb Herr Gallasch.

Vom 15.8.1970 bis 9.3.1980 war er dann in der Gemeinde Liebfrauen zu Marburg ein sehr freundlicher, lebendiger und gut singender Pfarrer, der noch vieles vollendete: Kirchenkupferdach, Orgel, Glocken, ökumenisches Gemeindezentrum, Kindergarten.

Nach zehn Pfarreijahren wurde er vom 14.6.1980 bis 26.1.1991 P. Minister des Canisius-Kollegs in Berlin. Zusätzlich sorgte er sehr intensiv im Franziskus-Krankenhaus als Seelsorger für die Schwestern und die Kranken.

Am 2.2.1991 lebte er als Superior im Exerzitienhaus Hoheneichen in Dresden-Hosterwitz und übernahm die stellvertretende kirchliche Assistenz der GCL.

1993 suchte die Provinz einen guten P. Minister für das Altenheim Haus Sentmaring in Münster. So musste Stefan Siegel seine Heimat Dresden wieder verlassen und war dann ab 7.10.93 Minister und Ökonom in Münster, wo er die pflegebedürftigen Mitbrüder betreute und mit allen Angestellten gut zusammen arbeitete. So schrieb sein Hausarzt Dr. Wolfgang Müller aus Münster: "Pater Siegel zeigte sich in seiner ruhigen, besonnenen und freundlichen Art stets wohltuend zugewandt. Sein Bemühen insbesondere um das Wohl der anderen entsprang seinem empathischen Wesen. Für sich selbst stellte er nie besondere Ansprüche. Er nahm sich gütig und bescheiden zurück. Stets stand für ihn das Wohl der Gemeinschaft im Vordergrund. Sein Wesen und sein Verhalten verdienen Hochachtung und Respekt. Pater Siegel war ein Vorbild in seiner Menschlichkeit und seiner Glaubensgewissheit, die ich als evangelischer Christ bewundern konnte. Die Bibelworte der Todesanzeige sind für Pater Siegel treffend. Er fühlte sich zu Gott gehörig im Leben wie im Sterben, wie es schon Paulus den Römern geschrieben und bezeugt hat."

Fast zehn Jahre später wurde das Haus Sentmaring in Münster am 28.4.2002 aufgelöst. Die Angestellten mussten aufhören und die Mitbrüder umziehen in die Pflegestation und die Wohngemeinschaft im Caritas-Altenzentrum St. Josef-Elisabeth zu Köln-Mülheim. Dort sorgte er ganz intensiv für alle, die krank und sterbend waren. Stefan war ein guter Jesuit, der aus den Exerzitien und den Empfehlungen von dem Ordensgründer Sankt Ignatius daran festgehalten hat, Jesus zu erfassen und ihm zu folgen: Jesus, der im Geheimnis der Dreifaltigkeit als Wort Gottes den Menschen nahe kommt, Jesus, von dem die ganze Schöpfung erfüllt ist, Jesus, der in geschichtlicher Zeit mit den Menschen umherzog und predigte, heilte, und aufrichtete, esus, der sich uns schenkt im Sakrament des Altares, der Eucharistie, der Auferstandene, der das All zusammenfassen wird. Stefan liebte Jesus.

Überraschend hatte er am 19.12.2008 einen Herzinfarkt und bekam er eine Herz-Bypass-Operation. Danach ging es ihm etwas besser. Aber am 25.9.2010 erlitt er einen Gehirn-Infarkt. Seitdem war er täglich der Hilfe bedürftig und wohnte deshalb in der stationären Pflegestation des Caritas-Altenzentrums St. Josef-Elisabeth.

Schließlich erlitt er am 2. April 2013 einen Herzstillstand, weil er sich verschluckt hatte. Zwar lebte er danach noch drei Wochen weiter, aber ohne Kontaktmöglichkeit und nur künstlich beatmet. Seine Schwester Raphaele, die ihn während der letzten Jahre immer wieder getroffen und betreut hatte, besuchte ihn nach dem Osterfest täglich in der Intensivstation des Evang. Krankenhauses Köln-Kalk, wo er am 25.4 abends gestorben ist. Er wurde begraben auf dem Friedhof in Köln-Melaten.

Stefan Siegel hat vielen Menschen persönlich sehr geholfen, besonders als Pfarrer, Krankenhausseelsorger und Betreuer der Jesuiten im Altenheim zu Münster und zu Köln-Mülheim. An diese seine gütigen Hilfen denken wir alle dankbar sehr gerne.

Pater Siegel wurde beigesetzt auf dem Friedhof in Köln Melaten.

R.i.p.

Albert Giesener SJ

Jesuiten/Nachrufe 2013, S. 28 f.

 

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