P. Philipp Schmitz SJ
* 22. November 1935     29. August 2015
Eintritt 1957 - Priesterweihe 1966 - Letzte Gelübde 1978

Philipp Schmitz lebte mit seinen Eltern Matthias und Rosa Schmitz und den Brüdern Erich und Kurt bis 1945 in Köln. Dann zog seine Familie um nach Gerolstein/Eifel; dort und in Prüm absolvierte er die Gymnasialzeit. 1956 machte er Abitur und war dann für ein Jahr Präfekt im bischöflichen Internat Albertinum in Gerolstein. In dieser Zeit besuchte er juristische Vorlesungen an der Universität in Köln.

Am 29.04.1957 begann er das Noviziat in der Gesellschaft Jesu in Eringerfeld, ohne einen Jesuiten näher gekannt zu haben, wie er selbst sagte, aber mit dem Wunsch, Priester zu werden. Er war dann drei Jahre zum Studium der Philosophie in Pullach, danach 1962/63 Präfekt im Internat des Aloisiuskollegs, und studierte dann von 1963 bis 1967 Theologie in Sankt Georgen in Frankfurt. Am 27.8.1966 wurde er im Kaiserdom zu Frankfurt zum Priester geweiht.

Ab 1967 studierte Philipp Schmitz Moraltheologie an der Gregoriana in Rom und schloss 1970 mit der Promotion ab. Die Arbeit mit dem Titel "Die Wirklichkeit fassen. Zur induktiven Normenfindung in der 'Neuen Moral'" erschien in deutscher und italienischer Sprache. Es folgte ein Jahr als "postdoctoral research fellow" an der Yale-Universität. In dieser Zeit sammelte er erste Lehrerfahrung bei einem Summercourse 1970 an der Universität von San Francisco und 1971 bei einer Vorlesungsvertretung an der Jesuit School of Theology in Berkeley.

Das Tertiat führte nach Bangalore in Indien. Die Zeit dort hat ihn persönlich, aber auch seine künftige Arbeit stark geprägt. Der junge Student Paul Chummar hörte damals einen Vortrag am De Nobili College in Poona. Jahre später betreute P. Schmitz dann seine Doktorarbeit, und es entwickelte sich über 45 Jahre hinweg eine gute Freundschaft.

Ab 1971 bis 1996 lehrte Philipp Schmitz Moraltheologie in der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Im Jahre 1975 erfolgte seine Habilitation und seine Berufung zum außerordentlichen Professor in Moraltheologie, 1981 kam die Berufung als ordentlicher Professor. Zu seiner Bereicherung behielt er den Kontakt mit der Graduate Union und an der Summerschool of San Francisco. Charakteristisch für seine Arbeit in der Moraltheologie waren Themen, die er auf verschiedenen Reisen z.B. nach Manila, Indien, Nigeria und Estland entfaltete. Auf europäischer Ebene nahm Philipp Schmitz als Ratgeber u.a. im konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung teil. Nachdem er wegen einer Umstellung des Schuljahres die Lehrpläne in den USA und Deutschland nicht mehr miteinander verbinden konnte, wurde er 1990 an die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom eingeladen. Daraus wurden mehr als 15 interessante Jahre in Rom mit fast jährlichen Sonder-Vorlesungen für den Lizenziatskurs. 1996 rief ihn Pater General als Professor für Moraltheologie an die Gregoriana, wo er dann 2008 emeritiert wurde.

Die Originalität, Vielfältigkeit und Kühnheit der Forschung von Philipp Schmitz spiegeln sich in seinen Veröffentlichungen sowie in seiner Lehrtätigkeit wider. Mit der Wahl seiner Themen hat er die Fachwelt immer wieder überrascht. Gegen das Vergessen und die Vernachlässigung der "fundamentalen Begriffe" der Ethik trat er in der ethischen Welt als ein liebevoller Mahner auf. Denn es war seine tiefste Überzeugung, dass man, um wirklich "Mensch zu sein" und "sittlich zu handeln" sowie eine lebensfreundliche Gesellschaft aufzubauen, grundlegende und gesunde ethische Prinzipien braucht - selbst wenn sie von der Modernität vernachlässigt werden. Dabei betonte Philipp Schmitz immer wieder, dass Ethiker und Ethikerinnen die Fühler in die Zeitgeschehnisse ausstrecken und die Sinne für die daraus resultierenden Fragen schärfen müssen, damit die Herausforderungen der Zeit und des Raums nicht unbeantwortet bleiben oder das Urteil einfach der Mehrheit überlassen wird. Darum galt Philipp Schmitz als unermüdlicher Vorreiter mancher brisanter Themen der Zeit: "Ethik der Umwelt", "Ethik der Politik", "Ethik der Technik", "Ethik der Nutzung der Kernenergie", "Ethik des Friedens", "Globalisierungsethik" usw. Er hat damit als Ethiker und Moraltheologe zur rechten Zeit für die richtigen Themen in fundierter Weise zum fachlichen Dialog aufgerufen. Eine für ihn persönlich wichtige Veröffentlichung - noch unter dem Eindruck der Erfahrung während des Tertiates - war der Titel: Die Armut in der Welt als Frage an die christliche Sozialethik.

P. Philipp Schmitz hat sich intensiv um die Studierenden, besonders aber um die Doktoranden gekümmert. Die über 25 Schüler aus 13 verschiedenen Ländern dankten es ihm bereits zum 75. Geburtstag mit der Festschrift "Ethik der Lebensfelder". P. Paul Chummar brachte diese Dankbarkeit "für seine so behutsame und zurückhaltende Begleitung" dann auch in seiner Ansprache bei der Beerdigung zum Ausdruck. Dabei betonte er besonders, dass Philipp Schmitz "trotz dieser außerordentlichen großen Schülerzahl und seiner Berühmtheit in der wissenschaftlichen Welt" sehr bescheiden und zurückhaltend geblieben war. Er erinnert sich an die Antwort auf seine Frage, warum sich P. Schmitz die Sendung nach Rom zumute: "Ich habe nicht viele Tugenden, aber ich lasse mich in meinem Verständnis des Gehorsams durch andere führen!" Nach Einschätzung von P. Chummar hat P. Schmitz trotz der schweren Krankheit und auch Beeinträchtigung der letzten Jahre bis zum Tod an dieser Überzeugung festgehalten.

Nach der Emeritierung 2008 kehrte Philipp Schmitz aus Rom nach Frankfurt in das Ignatiushaus zurück. 2013 erkrankte er an Parkinson. Die fortschreitende Krankheit machte im Februar 2015 seinen Umzug in die Seniorenkommunität Friedrich Spee nach Köln-Mülheim erforderlich. Von diesem Jahr an ging es ihm körperlich schlechter. Im Juli 2015 musste er in die stationäre Pflege und starb dann am 29. August um 7.30 Uhr im Krankenhaus Köln-Holweide.

Auf dem Melaten-Friedhof in Köln wurde er beigesetzt.

R.i.p.

Albert Giesener SJ

Jesuiten-Nachrufe 2015, S. 24f