P. Franz Schilling SJ
* 7. März 1918  30. April 2016
Eintritt 1937  Priesterweihe 1948  Letzte Gelübde 1954

Franz Schilling wurde am 7. März 1918 in Saarbrücken geboren. Sein Vater war Beamter der Westdeutschen Eisenbahn. 1921 musste die Familie nach Trier umziehen. Ab 1928 besuchte er das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und wurde Mitglied der Marianischen Jünglingskongregation. In der Kapelle des Ignatiushauses war er neun Schuljahre Messdiener bei P. Paul Peus. Franz Schilling war 14 Jahre alt, als er als "Gruppenführerlehrling" zu Georg Mühlenbrock kam, der ihm auch das Gitarrenspiel beibrachte. Die Entscheidung für die Gesellschaft Jesu fiel in den Herbstferien 1937. Mit Rücksicht auf die Dienstpflicht im Reichsarbeitsdienst wurde der 3. November als Beginn des Noviziats festgelegt.

Am 31. August 1939 folgte er dem Gestellungsbefehl und begann in Wesel seine Rekrutenausbildung, die nach Ende des Polenfeldzugs in Thorn fortgesetzt wurde. Die Ersten Gelübde konnte er erst 1940 in Hochelten ablegen; ab Mitte Dezember war er mit den Mitbrüdern Helmut Frenking, und Franz Hubaleck beim Feldregiment 412 in der 227. Infanteriedivision. Im Sommer 1941 wurde das Regiment von Frankreich nach Russland verlegt. Beim ersten Einsatz nahe am Wolchow fielen fast ein Drittel Kameraden der Kompanie. Helmut Frenking verlor drei Finger der rechten Hand, Franz Hubaleck erhielt einen Bauchschuss; Franz Schilling konnte ihn in Deckung bringen und notverbinden. Sie nahmen voneinander gläubig vertrauend Abschied am 9. Oktober 1941. Ende Oktober folgte die Entlassung "n.z.v."

Für die Kriegsdienstentlassenen begann Mitte Dezember in Pullach die Philosophie. 1943 wurde das Berchmanskolleg durch Luftangriff auf München mit ca. 120 Brandbomben eingedeckt, der Rest des Sommers verging mit Wiederaufbau. 1944 wurde er nach Frankfurt geschickt, wo nur Bombenschutt zu räumen war. Erst Anfang Oktober wurde er nach Trier beordert, wo die Scholastiker Fundamentaltheologie und Exegese hörten, bis die Stadt am 1. Weihnachtstag nach Beschuss durch die Amerikaner evakuiert wurde. P. Heinrich Keller hatte Verbindung zu den Ursulinen in Duderstadt und konnte zehn Theologieanfänger in verschiedenen Privatquartieren unterbringen. Franz nahm der Geistliche Rat Bömeke auf, dort traf sich die Kommunität, und es wurden Vorlesungen gehalten.

Anfang September 1945 fuhr er nach Köln in die Stolzestraße und bekam wieder einen Dachdeckerauftrag: Das Noviziatshaus Hochelten wurde mit dicken Eisenblechplatten eingedeckt, um es vor Verfall zu schützen. Auf den Tag genau acht Jahre nach seinem Eintritt in den Orden traf er in Büren ein, um im dortigen ehemaligen Kolleg mit vielen anderen das Theologiestudium fortzusetzen. Im zweiten Jahr wurde ein Sekretär zur Mitarbeit bei P. Ludwig Esch für die "Neudeutsche Arbeitsstelle" in Köln gesucht. Also wieder Unterbrechung durch Jugendarbeit bis zum Herbst 1947. Als er in Hannover an zwei Gymnasien den gesamten Religionsunterricht übernehmen sollte, bescheinigte ihm Sankt Georgen den akademischen Grad Baccalaureus. Am 28. August 1948 wurde er zusammen mit den Fratres Fine, Frenking, Hornung und Pöppinghaus durch den späteren Kardinal Lorenz Jaeger von Paderborn zum Priester geweiht. Danach kam er nach Godesberg als Externenpräfekt, leitete in der Nachfolge von P. Hahn das Studium und gestaltete mit den Jungen Freizeit, Ferien, Karneval und andere Feste und erhielt von den Jungen den Namen Paschi. 1952/53 schloss er die Ausbildung mit dem Tertiat bei P. Karl Wehner im Haus Sentmaring ab.

Am 1. Juli 1953 übernahm P. Schilling als erste Destination für 15 Jahre die von P. Stein gegründete Jungen-MC in Hannover. Von 1960 bis 1968 war er außerdem Verbandspräses der MCen studierender Jugend, als Nachfolger von P. Fackler. Werbung für den Orden oder das Priestertum hatte er nicht vorgenommen, aber ca. 14 Jungen haben das Theologiestudium begonnen, zehn von ihnen haben ihre Primiz feiern können.

Nach der Jugendarbeit folgten ab Oktober 1968 18 Jahre als Männerseelsorger im Bistum Hildesheim. Dieses Amt war verbunden mit der Leitung des "Verbandes Kath. Männergemeinschaften", dessen Präses er wurde. Die Abberufung 1986 brachte Bischof und Provinzial viele Proteste ein.

In Aachen übernahm P. Schilling am 1. April 1986 die Aufgabe des Kirchenrektors von St. Alfons nach dem Weggang der Redemptoristen. Zu seinem Leidwesen wurde er nach nur vier Jahren aus Aachen abberufen, ohne die geplanten Initiativen in der Kirche abschließen zu können. Als Beichtvater und Operarius in Koblenz traf er seinen Jugendfreund Georg Mühlenbrock wieder. Aber bereits nach zwei Jahren überraschte ihn der Provinzial mit dem Vorhaben, ihn als Rektor nach Haus Sentmaring in Münster zu schicken. Seine Erinnerungen an die Zeit waren durchweg positiv und nur dadurch getrübt, dass die Provinz das Haus aufgegeben hat. Auf eigenen Wunsch konnte er im Herbst 2000 als Hausgeistlicher ins Theresienheim nach Neuss gehen. Erst im 88. Lebensjahr ließen die Kräfte so nach, dass er in die Seniorenkommunität nach Köln-Mülheim umziehen musste.

Seine Kontaktfreude und die Selbstverständlichkeit, die Belastungen des Alters zu tragen, wurden für manche zum Vorbild. Mit seinem plötzlichen Tod am 30. April 2016 hat er uns alle überrascht, weil sein starker Wille und sein geduldiges Annehmen seiner Einschränkungen ihn nicht gehindert hatten, am Alltag im Heim aufmerksam teilzunehmen. Nun hat er sein Ziel erreicht und ist heimgekehrt.

Seine Lebenserinnerungen hat P. Schilling so geschlossen:
"'Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte.' (Lk 17,10) Dieses Wort Jesu hat mich durch mein Leben geführt, und ich war bemüht, einen einigermaßen demütigen Dienst zu leisten. Dabei haben mir so manche Freunde Geleit gegeben und auch schwere Stunden mit mir durchlitten. Ich kann nur Dank sagen und für meine Unbeherrschtheiten um Vergebung bitten. Freuen wir uns alle auf das Wiedersehn in unserer ewigen Heimat."

P. Franz Schilling wurde auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt.

R.i.p.

Albert Giesener SJ

Jesuiten-Nachrufe 2016, S. 30f