Ewald Plümer SJ

P. Ewald Plümer SJ
* 7. Mai 1914     2. März 2005
Ordenseintritt 1934 - Priesterweihe 1942 - Letzte Gelübde 1953

Ewald Plümer stammt mitten aus dem Ruhrgebiet. In Essen-Steele ist er geboren. Statistisch betrachtet, war seine Heimat konfessionell gemischt, der Katholizismus war aber weitgehend solide und verlässlich. Seine Familie war tief im Glauben verankert. So war es logisch, dass er nach dem frühen Tod des Vaters von seiner Mutter in die Obhut der Jesuiten gegeben wurde. Er kam in das Internat des Aloisiuskollegs in Bonn-Bad Godesberg. Seine religiöse Prägung verdankt er der dortigen Marianischen Kongregation unter Leitung von P. Ferdinand Becker. Dort hat er die Sodalenweihe empfangen. Der Kollegsbesuch schloss mit dem Abitur 1934, und im gleichen Jahr noch trat Ewald in den Jesuitenorden ein. Der war im Gefolge des Bismarckschen Kulturkampfes von 1872 bis 1917 aus Deutschland verbannt und hatte Zuflucht in einigen Städten der Niederlande gefunden. Nach Aufhebung des "Jesuitenparagraphen" durch Kaiser Wilhelm II. dauerte es naturgemäß noch einige Jahre, bis die Mitbrüder in Deutschland richtig Fuß fassen konnten. Erst 1936 wechselte der Sitz des Noviziates von 's-Heerenberg nach Emmerich-Hochelten.

Zur Geschichte seiner Berufung gehört gewiss auch seine Ablehnung des Nationalsozialismus. Wenn es um die Frage ging, wes Geistes Kind dieser sei, dann zitierte er, was er als Schüler eines Morgens durch eine entlarvende Wandschmiererei am Ako-Gebäude vermittelt bekommen hatte: "Ihr Schweinehunde, verreckte Hunde, ihr Pfaffen verschwindet!"

Von 1936 bis 1939 weilte er zum Studium der Philosophie in Pullach. Anschließend begann er die Theologie in Sankt Georgen, Frankfurt. Aber noch vor Ende des Jahres kam die Einberufung zum Kriegsdienst. Als Infanterist fand er Ausbildung in Gotha/Thüringen.
Hier legte er bei einer Offiziersanwärterprüfung ein hervorragendes Ergebnis hin und wurde aufgefordert, den Orden zugunsten einer Offizierslaufbahn zu verlassen.
Er lehnte ab - und kam auf die "Überwachungsliste".

Der Krieg im europäischen Westen konnte den Soldatenhumor nicht löschen. Dazu ein Zitat aus seinen Erinnerungen als Liedermacher für einen Kompanieabend - dieses Lied hieß auf eine Schlagermelodie:

      "Träume von Gisenie,
      von den Stuben ohne Licht,
      Träume von der Knarre,
      die total verrostet ist,
      Träume von den Stiefeln -
      sind auch nicht wasserdicht,
      Träume von der Löhnung -
      von Schulden spricht man nicht.
      Es rauscht das Meer
      die ewig gleiche Melodie:
      Du säufst wie ein Pferd -
      doch deinen Urlaub kriegst du nie!"

Dieser Landserschlager, mit kräftiger Stimme vorgesungen, bewog seinen Kompaniechef, dem Soldaten Plümer einen Sonder-Studienurlaub von vier Monaten zu genehmigen. In Wien hatten die Obern einen theologischen Sonderkursus von zwei Kurzsemestern eingerichtet, auch Karl Rahner war unter den Dozenten.

Am Gedenktag des hl. Aloysius, dem 21. Juni 1941, überfiel die Wehrmacht die Sowjetunion, und Frater Plümer kam mit der 251. Infanteriedivision bis in die Nähe von Leningrad. Von Handgranaten wurde er dort durch Splitter in Kopf und Oberschenkel verwundet. Die Explosion der Granate hatte ihn völlig taub gemacht. Zwar kehrte das Gehör zurück, blieb aber in der Folge beeinträchtigt. Bis zu seiner Entlassung musste er verschiedene Lazarette wie auch Operationen erleiden, nicht ganz ohne Eitelkeit zählte er deren neunzehn auf.

Die Entlassung unserer Jesuitensoldaten 1941/42 aus dem aktiven Dienst war nicht unehrenhaft. Es zeigte sich: Hitler wollte keine Jesuiten in der Wehrmacht, daher kamen wir in die Ersatzreserve II mit Zusatz "nicht zu verwenden" (n.z.v.). Bei der Heimkehr herrschten Befürchtungen, Hitler wolle uns vernichten. In diesen Überlegungen tat der Provinzial den mutigen Schritt mit Hilfe von Bischof Albert Stohr (Mainz) einige der Heimgekehrten zu Priestern zu weihen, soweit sie schon an theologischen Vorlesungen teilgenommen hatten. Am 9. November 1942 also wurde Frater Plümer Priester. Diese Neugeweihten übernahmen in Absprache mit den Obern Kaplansstellen im Bistum Mainz - P. Plümer in der Reihenfolge Klein-Auheim, Gau-Algesheim, Darmstadt. Das war ein wirklich geglücktes Experiment. Diese Erfahrung einer froheinsatzbereiten Seelsorge wirkte weiter in Büren und Umgebung, als im dortigen ehemaligen Jesuitenkolleg die theologische Ausbildung zum Abschluss gebracht wurde.

Das Ewald ein ausgezeichneter Sportler war, hielt seinen erzieherischen Einsatz im Ako, im Bürener Kolleg und bei der MIC von 1617 in Trier als Adlatus von P. Paul Peus in Schwung. Es ist bezeichnend für seine kindlich-selbstverständliche Glaubenshaltung, dass er mit seinen MC'ern auf der Echternacher Springprozession mitgesprungen ist.

Die letzten 25 Jahre priesterlichen Wirkens verbrachte er als Krankenseelsorger im Marienkrankenhaus Trier-Ehrang, bis er Ende 1992 in unser Altenheim in Münster umgesiedelt ist. In der folgenden Zeit machte ihm eine schmerzhafte Beingelenk-Erkrankung zu schaffen, die er tapfer ertrug. In unserem inzwischen von Münster nach Köln umgesiedelten Altenheim vollendete sich das Leben dieses vorbildlichen Ordensmannes.

P. Plümer wurde beigesetzt auf dem Friedhof Melaten in Köln.

R.i.p.

P. Franz Schilling SJ

Jesuiten/Nachrufe 2005, S. 32 f.