George Platzbecker SJ

P. Georg Platzbecker SJ
* 10. Januar 1925    † 30. Juni 2008
Eintritt 1947 - Priesterweihe 1958 - Letzte Gelübde 1961

P. George Platzbecker war zeitlebens ein sehr musisch interessierter Mensch für Literatur, bildende Kunst, speziell Malerei und Musik. Vor allem die Künstler aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg bis heute interessierten ihn. Darum war es sehr gut, dass wir das Requiem zu seiner Beerdigung in der kunstgestalteten Jesuitenkirche St. Peter in Köln halten konnten. Als George vier Wochen vor seinem Tod nur noch im Bett lag, aber noch gut sprechen konnte, hat er uns überraschend gebeten, den Angelus mit ihm zu beten. Das war das letzte gemeinsame Gebet. Und als wir den Gottesdienst in St. Peter begannen, eröffneten wir die Heilige Messe mit dem Angelusgebet.

P. Platzbecker wurde am 10. Januar 1925 in s' Gravenhage (Den Haag) als letztes von fünf Kindern geboren. Sein Vater Joseph stammte aus Aachen, seine Mutter Maria Josefina, geb. Smeets, aus Valkenburg. Durch die Wirren des Krieges wurde George 1943 nach Deutschland und in Kriegsgefangenschaft nach Frankreich verschlagen. Die Orientierungslosigkeit und Verlorenheit der Menschen im Krieg hat ihn zeitlebens tief getroffen. Es wird berichtet, er sei damals auch deswegen so zerschlagen gewesen, weil er als Kriegsgefangener Minenfelder habe räumen müssen. Und es wird berichtet, dass er sich in der Kriegsgefangenschaft zum Priesterberuf entschieden habe. Dadurch sei er in das Gefangenenlager Chartres zu Abbe Stock gekommen.

Er blieb nach der Entlassung aus der Gefangenschaft dabei, Priester zu werden, und lernte darum in einer niederländischen Lateinschule für Spätberufene die alten Sprachen. Am 7.9.1947 begann er in Grave (N.B.) Mariendaal das Noviziat in der niederländischen Provinz der Gesellschaft Jesu. Von 1949 bis 1950 machte er im Noviziatshaus klassische Sprachstudien (Humaniora). Dann studierte er von 1950 bis 1953 Philosophie im Kolleg zu Nijmegen. Als er hörte, dass bei dem großen Unglück in Herrsching am 19.6.1951 an einem Tag 16 junge Jesuiten, Studierende der Ostdeutschen Provinz, umkamen, meldete sich George Platzbecker mit einigen Mitbrüdern aus den Niederlanden für die Arbeit der Ostdeutschen Jesuitenprovinz. So kam George von 1953 bis 1955 nach Berlin und war Präfekt im Canisiuskolleg Berlin. Dort wurde er am 15.12.1954 offiziell als Mitglied der Ostdeutschen Jesuitenprovinz transkribiert. Von 1955 bis 1957 studierte er Theologie in Frankfurt Sankt Georgen und von 1957 bis 1959 in Maastricht, wo er am 22.8.1958 zum Priester in der Gesellschaft Jesu geweiht wurde. Von 1959 bis 1960 war zum Tertiat in Münster.

Seine erste Aufgabe von 1960 bis 1966 war in der Pfarrei St. Albertus in Gießen als Kaplan. Danach konnte er seiner Berufung als Seelsorger und geistlicher Begleiter eine erste Grundlage geben, als er von 1966 bis 1969 in der Offenen Tür Berlin bei P. Gebhard von Stillfried SJ mitwirkte und sich so auf die Gründung der Offenen Tür Hannover vorbereitete. Am 2.12.1969 gründete er die Offene Tür Hannover, in der Lavestraße. Gleichzeitig war er von 1970 bis 1976 Superior des Friedrich-Spee-Hauses an der Hildesheimer Straße. Für seine Aufgabe in der Beratung und Begleitung machte er intensive Fortbildungen. So begann er 1972 bei zwei Psychoanalytikern eine Zusatzausbildung in Psychotherapie durch eine Analyse, Gruppentherapie und zwei Jahre in einer Selbsterfahrungsgruppe.

1978 kommt er zu einem Sabbatjahr der Rückbesinnung und Weiterbildung in die Hochschule Sankt Georgen. Ab April 1979 lebte er drei Jahre im Haus Sentmaring Münster, wo er hauptsächlich Einzelexerzitien gab. 1983 wurde er Minister in der Residenz von Göttingen und wirkte auch in der Pfarrei St. Michael mit. Im November 1983 zog er nach Berlin, wo er dann 19 Jahre als Priester und Seelsorger arbeitete. Dort übernahm er bis 1990 die Beratung in der Offenen Tür an der Rankestraße. Von 1988 bis 1994 war er der Minister im Ignatiushaus, Neue Kantstraße 1. Die Jahre von 1983 bis etwa 1990 waren wohl die erfüllteste Zeit seines Lebens. Er hielt viele Exerzitien und Meditationskurse und stand in gutem Kontakt mit den Schwestern und Leitern des Berliner Exerzitienwerks und des Exerzitienhauses Maria Frieden in Berlin-Kladow. Die Beratung und Begleitung der Menschen in Glaubens- und Lebensfragen war seine bleibende Stärke und Aufgabe. Er hat mit seiner einfühlsamen Güte vielen Menschen geholfen zu einem positiven Lebenssinn durch Exerzitien, Glaubensgespräche, Vorträge und Meditationskurse.

Gegen Ende seiner Jahre in Berlin mehrten sich körperliche Krankheiten. So musste er im Februar 1998 wegen einer Herzrhythmusstörung in ein Krankenhaus, erhielt im März 2000 ein künstliches Kniegelenk. Und gleich wieder im Dezember 2001 musste er zu einer Prostatakrebsbehandlung, deren Auswirkungen ihn später immer wieder belasteten. Im Oktober 2002 entschied sich P. Platzbecker, in die Altersresidenz in Köln-Mülheim umzuziehen. Bei einem Ferienbesuch im Sommer 2003 in Berlin Kladow erlitt er beim Sturz von einem Fahrrad einen Bruch des Kreuzbeins im Beckenbereich. Zurück in Köln musste er für mehrere Wochen in Krankenhäuser und wohnte dann ab Dezember 2003 im stationären Pflegebereich im Caritas-Altenzentrum St. Josef-Elisabeth.

P. Platzbecker war sehr naturverbunden, war gerne am Meer und in den Bergen. Besonders liebte er Gärten, Parks und Landschaften. An diese Liebe zu der Natur erinnert folgende eindrucksvolle handschriftliche Notiz: "Gott schläft in den Steinen, duftet in den Pflanzen, träumt in den Tieren und will in uns Menschen erwachen." Natürlich deutet er seine Beobachtungen für sein Leben und seinen Glauben und schrieb auf: "Was sieht der entfaltete Blütenkelch, was die Knospe nicht sehen kann? Kann die Blume den Knospen ihre Erfahrung mitteilen? Der Auferstandene uns? Wieso sprechen wir trotzdem auf ihn an, wir Blindgeborene? Jesus Christus wird sich uns offenbaren (Joh 14); in das ‚Land' führen."

George ist vielen Menschen begegnet und hat ihnen geholfen, ihnen sehr gut geraten. Er pflegte in seinem Leben einige tiefe Freundschaften, und so kommen ihm immer wieder Gedanken, wie das Leben mit diesen Menschen weiter gehen wird, nach unserem Tod. So schreibt er auf: "Trennung. Was ist das eigentlich? Wenn durch den Tod Trennung kommt zwischen einem Menschen und mir? Ist das dann wirklich eine ‚Trennung'. Oder sind wir im ,göttlichen Bereich' einander näher als je? Ist dann alles nicht wirklicher als je zuvor? Ist das nicht die Zeit des wahren Trostes? La vie immediate?"

Ähnlich spürten wir, als wir ihm am 14. Juni die Krankensalbung spendeten, dass er voller Hoffnung und Erwartung auf den Tod und die Auferstehung, auf den lebenden Gott wartete. Als er dann nicht mehr selbst sprechen konnte, haben wir gerne aus dem Buch von Huub Oosterhuis "Augen, die mich suchen — Gebete und Meditationen zum Abschied" mit ihm und für ihn gebetet:

    "Ich harre auf dich. So wie der Hirsch dürstet nach lebendigem Wasser, dürst' ich nach Gott, dem lebenden Gott.
    Ich bin tief betrübt, ich denk' an dich — all deine Fluten umbranden mich, Wogen schlagen über mich hin.
    Lebender Gott, mein Fels, hast du mich vergessen, warum muss ich in Trauer gehen, gequält und erniedrigt?
    Ich bin mutlos, aufständisch — doch ich harre auf dich. Du bist mir Rettung, mein Gott.
    So wie der Hirsch dürstet nach lebendigem Wasser, dürst' ich nach Gott, dem lebenden Gott."

Herr gib ihm die ewige Ruhe. Herr lass ihn ruhen in Frieden.

P. Albert Giesener SJ