P. Siegmund Alois Pawlicki SJ
* 24. Juli 1951 12. April 2018
Eintritt 1972 - Priesterweihe 1982 - Letzte Gelübde 1995

Siegmund Alois Pawlicki, am 24. Juli 1952 in Hamburg-Wansbek geboren, blieb bei allen Wechseln und Versetzungen im Herzen und in der Sprachmelodie Hanseat. Er stammte aus einer konfessionsverbindenden Familie - der Vater Jan, staatenloser Pole, katholisch, die Mutter Charlotte geb. Kübler, aus Pommern geflüchtet, lutherisch - und wuchs mit den Schwestern Brigitte und Sabine auf. Den Hauptanteil der Erziehung trugen die Patentante/Pflegemutter sowie die oberschlesische Großmutter. Vor dem Ordenseintritt 1972 schrieb er: "Nach meiner Geburt im Jahre 1952 wurde ich von meiner jetzigen Pflegemutter Frau Maria Dießelhorst für kurze Zeit aufgenommen, da meine Eltern zu dieser Zeit eine Wohnung suchten und daher beide arbeiten mussten. Nach etwa einem Jahr bekam ich eine mittelschwere Diphtherie. Nachdem ich das Krankenhaus verlassen durfte, wurde ich im Alter von 2 Jahren vor die Entscheidung gestellt, wo ich wohnen möchte, und entschied mich für Frau Dießelhorst".

Nach der öffentlichen Grundschule in Hamburg-Tonndorf, wo er der einzige Katholik in der Klasse war, besuchte er die von Jesuiten geleitete Sankt-Ansgar-Schule (SAS). Im Dezember 1971 machte er das Abitur. Über diese Jahre merkt er an: "Die Schulzeit war getragen von einerseits großen Aktivitäten im ND und andererseits größeren Schulschwierigkeiten, die jeweils nur durch besondere Anstrengungen am Jahresende zur Versetzung gerade noch ausreichten. ... Das Interesse am Orden gewann ich durch meine Angehörigkeit zum ND und durch die Arbeit, die die Patres unserer Schule leisten. Erst seit der 10. Klasse beschäftigte ich mich intensiv mit religiösen Dingen und fand, das Erziehungsideal, das ich mir in der Jugendarbeit vorgestellt habe, nur durch den Priesterberuf vollenden zu können". Jugendarbeit und Pfarrseelsorge deuteten sich schon früh an als die Schwerpunkte seiner späteren Tätigkeit. Beim Prozess der Entscheidung für den Orden hat ihm "P. Giesener sehr geholfen - damals mein Religionslehrer und Person meines Vertrauens".

Am 12. Sept. 1972 trat er in den Jesuitenorden ein. Nach dem zweijährigen Noviziat in Münster unter P. Georg Hoffmann studierte er an der Hochschule für Philosophie in München und schloss mit dem Bakkalaureat in Philosophie ab. Von 1976 bis 1979 war er Internatserzieher und Religionslehrer am Aloisiuskolleg in Bonn. "Die Schüler merkten immer recht bald, dass sie ihm nichts vormachen konnten, dass sie andererseits bei ihm stets ein offenes Ohr und Herz fanden". Stets hilfsbereit, gewann er die Wertschätzung aller Seiten.

Die anschließende theologische Ausbildung in Sankt Georgen Frankfurt beendete er mit dem Diplom in katholischer Theologie. Zum Priester geweiht wurde er am 3. Juli 1982 in der Kirche des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg durch den Apostolischen Nuntius Guido del Mestri. Dieser Gottesdienst war die einzige Priesterweihe und die letzte große liturgische Feier in der im Jahr 1956 gebauten und 1984 abgerissenen alten Ako-Kirche.

Die Schule und der Einsatz im ND hatten ihn sensibel gemacht für soziale Verantwortung und für den "Einsatz für Glauben und Gerechtigkeit". Das Interstiz am Ako bestärkte ihn in dem Wunsch, für die Schule und die Erziehung zu studieren. Das deshalb in Frankfurt an der Universität begonnene Studium der Politologie musste er jedoch nach kurzer Zeit abbrechen, da der Orden einen Jugendseelsorger für die KSJ (Katholische Studierende Jugend) in Hamburg und einen Religionslehrer an der SAS brauchte. So kam er im Sommer 1983 wieder in seine Heimatstadt. 1992 ging er ins Tertiat nach Berlin-Kladow zu P. Piet van Breemen. Vom Sommer 1993 bis Juli 2003 gehörte er zur Jesuitengemeinschaft in Göttingen, wo er als Schul- und Dekanatsjugendseelsorger wirkte. Zeitweise nahm er Aufgaben eines Pastors der Gemeinde in Adelebsen wahr. In Göttingen legte er am 24.09.1995 die Letzten Gelübde ab. Im Sommer 2003 berief man ihn erneut nach Hamburg, wo er als Oberer der Jesuiten und als Geistlicher Begleiter der hauptamtlichen Mitarbeiter im pastoralen Dienst des Erzbistums wirkte. Von Juni 2004 bis Dezember 2005 arbeitete er als Pfarrer von St. Hedwig in Norderstedt. Seit dem 1. Januar 2006 war er Pfarrer der City-Gemeinde St. Ansgar (" Kleiner Michel"), dazu seit April 2006 katholischer Seemannspastor.

Am 3. Februar 2009 wurde er als Hausoberer der Trierer Jesuiten eingeführt. Zunächst half er in der Seelsorge in St. Helena (Euren) und in St. Martinus (Zewen) mit. Seit 2011 betreute er als Pfarrer die Pfarreiengemeinschaft Ehrang - Pfalzel - Biewer. Hier konnte er sowohl seine langjährige praktische Erfahrung aus der Jugendarbeit und der Erwachsenenbegleitung einbringen als auch sein Organisationstalent und seine baulichen Vorstellungen umsetzen.

Im Frühjahr 2016 erkrankte er schwer: Darmkrebs. Im Juli 2016 wurde ein großer Tumor entfernt; die Chemo sollte bis Ostern 2017 dauern. Im Pfarrbrief "Blickpunkt 11/2016" schrieb er: "Woher nehmen wir unsere Hoffnung und wie leben wir mit Leid und Ungerechtigkeit im eigenen Leben? Zumindest kannst Du Dich auf das Paradies freuen, das der barmherzige Gott Dir zuspricht. Mit dieser Gewissheit lassen sich viele Leiderfahrungen besser ertragen, der Blick weitet sich und eine tiefe Freude entsteht ... Diese Freude hat mir in meiner Erkrankung sehr geholfen". Nach Abschluss der Chemo bestand kurzzeitig die Hoffnung, der Krebs sei überwunden. Doch im "Blickpunkt 04/2017" musste er mitteilen: "Auf die Freude zu diesen fröhlichen Ereignissen (Firmung, Erstkommunion) hat sich leider bei mir ein kleiner Schatten gelegt, denn der Krebs hat sich wieder gemeldet und gibt mir wohl - irdisch gesehen - keine große Lebensspanne". Im "Blickpunkt 04/2018", dem letzten von ihm bei der Redaktion noch begleiteten Pfarrbrief fasste er gleichsam seine Erfahrung für die Gemeinde zusammen: "Gott lädt uns ein, an seinem Tisch das Brot des Lebens zu empfangen. In diesem Bild werden wir daran erinnert, dass Gott uns nicht allein lässt auf dem Weg des Lebens. ... Persönlich erfahre ich das gerade selbst. Denn der Krebs hat sich wieder bei mir gemeldet und setzt mich mehr und mehr außer Gefecht. Ich will es als Gabe und Aufgabe aus Gottes Hand annehmen, gestärkt durch seine heilige Speise und sein liebevolles Wort".

Er starb am 12. April auf der Palliativstation des Mutterhauses in Trier, begleitet und umsorgt von seinen engsten Mitarbeiterinnen und von seinen Mitpastoren.
Die Zeitungsanzeige der Pfarreiengemeinschaft dankte für sein Wirken so: Pfarrer Pawlicki "war ein engagierter Seelsorger, für den das konkrete Wohl der Einzelnen immer an erster Stelle stand. Der Respekt vor der Freiheit eines jeden Christen war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Seine hauptamtlichen und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen bestärkte er darin, ihre Möglichkeiten beherzt zu ergreifen und in Eigenverantwortung zu handeln. ... Sein Leitungsamt verstand er als 'Ermöglicher' - als einer, der Türen öffnet".

Die Pfarreiengemeinschaft und das Bistum verabschiedeten ihn am 21. April in einem von Weihbischof Franz Josef Gebert zelebrierten Auferstehungsamt in St. Peter, Trier-Ehrang. Beerdigt wurde er am 23. April auf dem Jesuitenfeld des Friedhofs in Köln-Melaten. Das Requiem feierten wir als Dankamt des Ordens in St. Peter, Jabachstraße.

Te Christus in pacem!

Karl Heinz Fischer SJ

Jesuiten-Nachrufe 2018, S. 39ff
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