Helmut Meumerzheim SJ

P. Helmut Meumerzheim SJ
* 31. Oktober 1934     31. Januar 2014
Ordenseintritt 1956 - Priesterweihe 1966 - Letzte Gelübde 1973

Sie kennen das sicher, dass Sie in ein Zugabteil einsteigen oder einen Platz im Restaurant suchen und ein gutes oder nicht so gutes Gefühl haben beim Blick auf die Personen, die da sind, die Sie sich ja oft nicht aussuchen können. Neben wem komme ich da zu sitzen? Es gibt Menschen, die haben eine Ausstrahlung, das Wort von der Aura kennen Sie - da fühle ich mich wohl, da ist eine Wärme, ein Glanz in den Augen, eine gewisse Offenheit oder Herzlichkeit. Oder ich spüre eine Verschlossenheit, ein kühle Distanz, ein "Komm mir ja nicht zu nah". Sind es die Augen? Ist es die Körperhaltung? Die Lachfältchen, das Spitzbübische ... das erste Wort? Ich meine ja, es ist zumeist das Herz, der ganze Mensch also, der von innen heraus eine Wärme und Zugewandtheit hat - das berühmte Wort von Saint-Exupéry ist wohl wahr: "Man sieht nur mit dem Herzen gut!"

Helmut Meumerzheim war so ein Typ: Das erste, was ich erinnere und was mir vor Augen steht, ist seine Freundlichkeit, seine Zugewandtheit, sein großes Herz - da setzt man sich gern dazu.

Am 31. Oktober 1934 ist Helmut geboren, am Gedenktag des im Orden so geliebten und verehrten Hl. Alfons Rodriguez. Seiner Trierer Heimat ist er stets verbunden geblieben - bis in den Tonfall war das zu hören. Neben der Familie und dem Gymnasium war die MJC, "die MiiiZ", die Marianische Jünglings-Congregation prägende Heimat für ihn; hier hat er die Jesuiten kennen gelernt.

Nach dem Abitur studierte er zunächst Jura in Köln und Mainz, trat jedoch 1956, mit 22 Jahren, in den Jesuitenorden ein. Von den Jahren des Noviziats und des Juniorats in Eringerfeld wie von der Zeit des Philosophiestudiums in Pullach hat Helmut viel gesprochen bzw. erzählt. Er konnte ganze Goutés nacherzählen, Mitbrüder parodieren und ausführlich von Bergtouren berichten. Es war erstaunlich für mich, zu erleben, wie nah und lebendig Pater Meumerzheim teure Erinnerungen vor Augen und im Herzen hatte. Es sei zugegeben, dass wir manche Geschichte zuletzt immer häufiger gehört haben; aber es ging bei all den Anekdoten immer um konkrete Menschen, um lebendige Beziehungen. 1966 wurde er im Frankfurter Kaiserdom zum Priester geweiht.

Das tägliche Gebet und die Betrachtung der Hl. Schrift verbanden sich in großer Treue mit der täglichen hl. Messe zu einem wichtigen Teil seines Lebens. Das spürten die Menschen in seiner Umgebung deutlich. Er brauchte keine Kraftmeierei und mochte sie nicht - das Grundlegende wusste er grundgelegt, von oben her. So hat er sich gesehen, so hat er vor allem die Kinder und Jugendlichen angesehen.

Die Jahre 1967 bis 1978 als Jugendseelsorger im Mergener Hof in Trier waren für P. Meumerzheim eine erfüllte, glückliche Zeit. Zwischen Sport, Bildung, Freizeit und Echternacher Springprozession suchte er die vielfältigen Chancen eines angstfreien Umgangs mit Menschen aller Altersstufen. Er spielte nie irgendeine Rolle, er trat nie heraus; und als Jesuitenpater nahmen rebellierende Jugendliche, die sich an Autoritäten und Fremdbestimmtheit rieben, ihn gerne wahr.

Sein Weggang nach Bad Godesberg ans Aloisiuskolleg wurde in Trier sehr bedauert - aber er blieb immerhin auf der "richtigen", also linken Rheinseite. 33 Jahre lebte und wirkte er dann am und für das Aloisiuskolleg und hier besonders für das AKO-Pro. Der Tennisplatz war sein zweites Zuhause, und das kleine Büro an der Pforte des AKO war Symbol für seine treue Sorge, seine stetige Ansprechbarkeit und Hilfsbereitschaft. Zugegeben, er war ein gefürchteter Fahrer des Mercedes-Bus, aber er war sich auch für keine Tour zu schade, ob zum Sportwettkampf oder zur Höhlenwanderung, ob zum nächtlichen Astronomieabenteuer in die Eifel oder zu Besinnungstagen - die "Maus" war bereit: hilfsbereit, engagiert, großzügig, herzlich.

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren mehrfach mit ihm sprechen wollen und sprechen müssen über Missbrauch im Bereich des AKO-Pro. Die Dinge, die seit 2010 aus "seinem" geliebten AKO-Pro bekannt wurden und die aufzuarbeiten sind, haben ihn sehr bedrückt (wahrscheinlich im mehrfachen Sinn des Wortes); er wollte öffentlich (selbst in der Kommunität) nicht darüber sprechen. Ich weiß, dass er sehr darunter gelitten hat; er hat sich einerseits schwere Vorwürfe gemacht, blind gewesen zu sein, naiv vielleicht. Er spürte aber auch, dass er benutzt wurde, getäuscht - "gefoppt" sagte er einmal, ein Ausdruck, den ich auch aus meiner Heimat kenne. Ob er uns in der Kommunität oder im Kollegium helfen wolle, die Dinge besser zu verstehen, habe ich ihn gefragt und gebeten? Er wollte nicht und konnte wohl auch nicht. Wir haben weinen können zusammen. Da waren eigene Wunden und ja, so habe ich das verstanden, da war auch eine Sorge um die vielen schönen Erinnerungen - unzählige Trainer und Kursleiter kannte er beim Namen und wusste von ihnen zu erzählen; jetzt verstehe ich, dass er sich an diese Beziehungen an diese vielen guten "Kerle" gehalten hat. Und schließlich war da auch eine Entschlossenheit, nicht richten zu wollen über andere.

Sein Todestag, der 31. Januar, ist der Gedenktag des großen Jugendapostels und Patrons aller Erzieher Johannes Don Bosco. Den mochte er und das verwundert nicht. Wir haben das Evangelium eben gehört: "Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen " Helmut Meumerzheim hat das Geheimnis dieses Satzes gelebt, gerade in den letzten Monaten. Pater Meumerzheim konnte vertrauen, wollte vertrauen und ist immer wieder ins Vertrauen gegangen, wie es eben Kinder tun. Sein Tod kam ja nicht zuletzt deswegen so überraschend, weil er stets eine Gelassenheit, ja Fröhlichkeit ausgestrahlt hat, die über ihn hinaus verwies; es schien mir, er hatte keine Angst. Wir dürfen sehr dankbar sein für das Leben von Pater Meumerzheim; wir dürfen ihn jetzt auch gehen lassen in dem Vertrauen, dass Helmut angekommen ist bei seinem Herrn und Erlöser, bei unserem Herrn und Erlöser. Amen.

P. Meumerzheim liegt begraben auf dem Melaten-Friedhof in Köln.

R.i.p.

Johannes Siebner SJ

Jesuiten/Nachrufe 2014, S. 20 f.