Heinz Ley SJ

P. Heinz Ley SJ
* 14. Dezember 1926    † 20. Juni 2011
Ordenseintritt 1947 - Priesterweihe 1958 - Letzte Gelübde 1965

Seit dem Februar 2009 konnte P. Ley nur noch im Rollstuhl mit Mitbrüdern zum Essen gefahren werden. Immer schwächer wurde er so von Monat zu Monat. Aber er blieb mit seinen Verwandten, Freunden, Klassenkameraden, Schülern und Lehrerkollegen und den Schwestern in brieflicher oder telefonischer Verbindung. Das hatte sein Leben geprägt: die Beziehungen zu den Menschen und zu Gott lebendig zu halten.

Am 14. Dezember 1926 wurde Heinz Ley als Sohn des Lokführers Heinrich Ley und seiner Ehefrau Anna geb. Kriechel in Köln-Humboldt geboren. Von 1938 besuchte er die damalige Oberschule für Jungen Köln-Deutz. Im Juni 1943 wurde er zuerst als Luftwaffenhelfer in Köln, im März 1944 zum Arbeitsdienst und im 1944 zur Heeresflak nach Hamm/W. eingezogen. Seit Herbst 1944 war er als Infanterist an der Westfront eingesetzt. Am 29. April 1945 geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Mai 1945 entkommen konnte. Bis Oktober 1945 arbeitete er in Dernau / Ahr in der Landwirtschaft, dann legte er nach einem zweijährigen Sonderlehrgang am Humanistischen Gymnasium zu Köln-Deutz am 11. März 1947 die Reifeprüfung ab. Mit seinen Klassenkameraden und seinen Verwandten blieb er bis zu seinem Tod immer in regelmäßigem Kontakt.

Von 1949 bis 1953 war er zum Juniorat und den philosophischen Studien im Berchmanskolleg zu Pullach bei München. Von 1953 bis 1955 arbeitete er für jeweils ein Jahr als Erzieher in den Internaten des Aloisiuskollegs, Bad Godesberg, und des Immakulata-Kollegs, Büren/W. Vom Herbst 1956 bis 1959 studierte er Theologie in Sankt Georgen. Am 31.7.1958 wurde Heinz in Frankfurt vom Nuntius Erzbischof Joseph Muench zum Priester geweiht. Dann war er von 1959 bis 1960 zum Terziat in Dublin, Irland, das vor allem mit praktischer Seelsorgetätigkeit verbunden war.

Im WS 1960/61 begann er an der Universität Bonn das Studium von Geschichte und Englisch. Die Semesterferien der folgenden Jahre verbrachte er regelmäßig mit Seelsorgeaushilfen in England. Am 31. August und 4. November 1965 legte er das erste Staatsexamen für den Unterricht an Gymnasien in Geschichte und Religion ab. Die Erweiterungsprüfung in Englisch machte er am 11. Juli 1966 als Beifachprüfung, sodass ihm auf Grund des Ergebnisses die Lehrbefähigung in Englisch als Hauptfach zuerkannt wurde. Die zweite philologische Staatsprüfung für den Unterricht an Höheren Schulen legte er in Bonn am 26. Juni 1967 ab.

Von 1967 bis 1983 unterrichtete er dann als Studienrat sehr anfordernd und weiterführend am Aloisiuskolleg in Bonn die Fächer Geschichte, Englisch und Sozialwissenschaften.

Für den damaligen Schüler am Aloisiuskolleg, Klaus Mertes, war Pater Ley ein wichtiger Lehrer. Zwar war er vom Typ her nicht für jeden Schüler geeignet, da seine mitunter etwas zwanghafte Art in konkreten Fällen auch hart wirkte. Er litt wohl selbst sehr darunter, Noten geben zu müssen, und die durchgerechnete Gerechtigkeit war seine Weise, sich vor den Unwägbarkeiten des Bewertenmüssens zu schützen. Verschiedene Krankheiten zwangen ihn schließlich, die Lehrtätigkeit am Aloisiuskolleg 1983 aufzugeben.

P. Mertes erinnerte sich: P. Heinz Ley war für viele von uns ein wichtiger und prägender Lehrer. In der Oberstufe konnte ich seinen Kurs wählen. Sein Unterricht hat mich intellektuell für die politischen Auseinandersetzungen der 70er und 8oer Jahre und auch für danach gerüstet. Wir lasen Marx, Lenin und Mao, ebenso wie Rousseau, Hobbes und die großen Staatstheoretiker der Aufklärung - Marx kannten wir zum Schluss besser als die meisten Marxisten an der Uni. Oft saßen wir bis tief in die Nacht hinein beisammen und diskutierten mit ihm aktuelle Fragen. Das setzte sich in der Zeit nach der Schule fort, bis hin zur legendären Autofahrt durch die Sowjetunion 1976. P. Ley konnte in seiner verhaltenen Art zugleich starke Beziehungen zu Schülern aufbauen. Äußerlich zurückhaltend und wortkarg konnte er dann doch in lautes und herzliches Lachen ausbrechen. Da wurde dann auch seine Güte sichtbar, die den Schülern auch mal gestattet, die Nerven zu verlieren.

1984 war er in den USA, wo er schon zuvor in anderen Jahren während der Ferien gewesen war, und machte pastorale Studien in der Loyola University von Chicago.

Danach war er bis 1994 vor allem seelsorglich als Beichtvater in der Jesuitenkirche zu Koblenz tätig. Von Januar 1994 bis April 2006 war er dann begabter Hausgeistlicher bei den Schönstätter Marienschwestern in der Bildungsstätte und dem Schönstattzentrum Haus Maria Rast zu Euskirchen. Ja, er half vielen Ordensschwestern dort in Euskirchen, aber ebenso bei den Clara-Fey-Schwestern, HerzMaria-Schwestern und den Klarissinnen.

Von Koblenz und von Euskirchen besuchte er wöchentlich die Lehrerkollegen im Aloisiuskolleg beim abendlichen Basketball. Auch mit seinen ehemaligen Klassenkameraden aus Köln-Deutz, sowie mit seinen ehemaligen Schülern vom Aloisiuskolleg traf er sich immer wieder. Weil es ihm gesundheitlich immer schlechter ging, zog er im April 2006 in die Seniorenwohngemeinschaft Friedrich-Spee-Haus der Jesuiten zu Köln-Mülheim um. Besonders eindrucksvoll war für alle, als er im Jahr 2008 sein 50-jähriges Priesterjubiläum am 9. August 2008 im Aloisiuskolleg mit einer Hl. Messe und einem festlichen Abendessen feierte mit seinen Verwandten, Schülern und Lehrerkollegen. Das war ein sonniger, froher Tag im Ako.

Nach dem Jubiläum ging es P. Ley von Jahr zu Jahr schlechter. Schließlich blieb er vom Februar 2009 an immer im Rollstuhl und wurde von der ambulanten Pflege betreut. Seit Oktober 2010 musste er in die stationäre Pflege umziehen.

Wenn wir ihn im Krankenhaus besuchten, wo er in dem Jahr vor seinem Tod mehrfach gewesen ist, und ihn fragten, ob er einen Wunsch habe, dann antwortete er wie in den letzten Jahren: „Ich wünsche mir die ewige Seligkeit."

Er starb in der Frühe des Pfingstsonntags. So schrieb nach seinem Tod die Schwester M. Christburga aus Haus Maria Rast: „P. Ley darf jetzt schauen, was er im Leben geglaubt hat. Viele Schwestern haben ihn für seinen selbstlosen, priesterlichen Dienst in guter Erinnerung." Gott sandte ihm den Heiligen Geist, so dass er jetzt mit Christus aufersteht und er neu erschaffen wird.

Pater Ley wurde beigesetzt auf dem Friedhof in Köln Melaten.

R.i.p.

P. Albert Giesener SJ - P. Klaus Mertes SJ

Jesuiten/Nachrufe 2011, S. 18 f.