Alois Koch SJ

P. Alois Koch SJ
* 27. Dezember 1932    † 02. Februar 2009
Eintritt 1953 - Priesterweihe 1964 - Letzte Gelübde 1967

„Mit diesen Aufzeichnungen möchte ich nicht nur dem Mitbruder, der einen Nachruf verfassen soll, Hilfen an die Hand geben. Ich hoffe, selber in meinem Leben einiges deutlicher zu sehen", so leitet P. Koch seinen ausführlichen Lebenslauf ein, den er in den letzten Jahren in Trier und ab 2006 in Köln-Mülheim geschrieben hat. Er wusste seit dem Herzinfarkt vor 20 Jahren, der Krebsoperation vor 8 Jahren und dem vor 5 Jahren diagnostizierten Aneurisma, dass der Tod jeden Tag kommen kann. Diese Zeit nutzte er, das noch zu tun, was ihm möglich war in der Beichtseelsorge in Trier, an Veröffentlichungen zu sportethischen Fragen, und er nutzte die Zeit, dankbar und zufrieden zurückzublicken auf sein erfülltes Leben, dankbar zu sein für jeden Tag, der ihm noch geschenkt war.

P. Koch wurde als drittes Kind einer Winzerfamilie in Longuich-Kirsch an der Mosel am 27.12.1932 geboren. Seine Eltern beschreibt er als zwei einfache, lautere Menschen, die einen schweren Lebensweg in bescheidenen Verhältnissen gemeinsam gemeistert haben. Dem Vater verdanke er einen unbestechlichen politischen Klarblick, die Arbeitsauffassung und das Verantwortungsgefühl, der Mutter die Herzlichkeit, den Sinn für menschliche Würde, die Liebe zum Frieden, die Nüchternheit. Zeit seines Lebens verband ihn mit seinen Eltern und Geschwistern ein herzliches Verhältnis.Während seiner Gymnasialjahre in Trier wurde er beeindruckt und geprägt von P. Peus, dem Präses der Jugendkongregation, und das Ignatiushaus wurde zu seiner zweiten Heimat. Er schreibt: „Was mir an diesem Mann so gefiel, das war seine Nüchternheit bei innerstem Engagement, seine männliche Frömmigkeit, die begeistern konnte. Nie hat er aber einen religiös ,überfahren'; immer respektierte er die Freiheit. Ich darf wohl sagen: ohne Pater Peus hätte ich nie den Weg in die Gesellschaft Jesu gefunden; ohne ihn wäre ich geistig und geistlich ein anderer geworden. Ich kann für die Begegnung mit diesem Menschen immer nur von Herzen Gott danken."

Es war für sein Umfeld nicht verwunderlich, als er 1953 in das Noviziat der Jesuiten eintrat.

Nach dem damals üblichen Studienverlauf war er 1955 im Juniorat zu Tisis (Vorarlberg) und lernte dort die Berge lieben. Von 1956 bis 1959 war er zum Philosophiestudium in Pullach bei München. Von 1959 bis 1961 wirkte er als Präfekt im Aloisiuskolleg zu Bonn-Bad Godesberg. Dann folgte von 1961 bis 1965 das Theologiestudium in Sankt Georgen. Über die Priesterweihe am 28.8.1964 und die Heimatprimiz schreibt er: „Der Höhepunkt des Theologiestudiums in Frankfurt war natürlich die Priesterweihe im Frankfurter Dom und die acht Tage später stattfindende Primiz daheim in Kirsch. Selten ist mir so eindringlich zum Bewusstsein gekommen, dass der Priester ein unvollkommener Mensch ist, mühselig und beladen, der der Gnade Gottes in seinem Dienst für Gott und den Menschen bedarf. Immer mehr wurde mir bewusst, was Bernanos seinen ‚Landpfarrer' bekennen lässt: ‚Alles ist Gnade.' Und wenn das stimmt, dann kann der Mensch angesichts des göttlichen Gnadenhandelns nur noch ‚Danke!' sagen. Ich meine: Darin besteht die frohmachende und befreiende Botschaft des Christentums:Wir sind erlöst aus Gnade, nicht aufgrund der eigenen Perfektion."

Er beendete die Studienjahre mit dem Tertiat zu Münster. 1966 holte ihn P. Schadt als Lehrer und Internatsleiter in das Bürener Jesuitenkolleg, schwere Jahre für ihn, da er wenig Erfahrung mitbrachte und das Kolleg vor seiner Auflösung stand. Danach wurde P. Koch von 1968 bis 1970 zum Religionslehrer an der Sankt-Ansgar-Schule zu Hamburg destiniert.

Von 1970 bis 1986 war er 16 Jahre in Bremen. Dort erfüllte ihn die Arbeit als außerschulischer Religionslehrer für die Bremer Gymnasiasten und als Jugendseelsorger. Von 1972 an verbrachte er häufig bei einer Familie die Sommerferien in St. Leonhard (Pedraces) nahe bei Brixen. Seine Naturverbundenheit, seine Freude an der Blumenpracht und die Luft der Berge, das war für ihn im Kreis der Freunde und Gruppenmitglieder immer eine tiefe Erholung und Freude.

In die Bremer Zeit fällt auch 1977 seine Promotion in Innsbruck über das Thema „Reduktion des Humanum? Zur ethisch-moralischen Wertung des Hochleistungssports". Bereits in den Studienjahren hatte sich Alois Koch mit den sport-ethischen Themen befasst. Über 40 Aufsätze und Bücher hat er bis zuletzt zu diesen Fragen veröffentlicht.

1986 siedelte Alois von Bremen nach Köln um und übernahm dort das Amt des Missionsprokurators der Deutschen Japanmission. Dies war für ihn ein Schritt in absolutes Neuland. Im Laufe der Jahre hat er in seinen Rundbriefen, in Artikeln und Predigten auf den wahren Sinn von Mission hingewiesen. Dreimal konnte er nach Japan reisen und viele Eindrücke mitbringen, über die er gerne erzählte und vieles niederschrieb.

1990 begann für ihn eine fast zwanzig Jahre währende Zeit schwerer Erkrankungen. Ein befreundeter Arzt in Bremen stellte eine koronare Herzkrankheit fest, welche mehrere Behandlungen in der Kölner Universitätsklinik erforderten.

1997 gab er das Amt des Missionsprokurators in Köln ab und zog nach Hannover. Dort entwickelte er eine neue missionarische Tätigkeit. Er übernahm die Priesterseelsorge durch Rekollektionen und übte eine intensive Konvertitenseelsorge aus.

Im Jahr 2001 überraschte ihn vor Ostern, als er schon — wie jedes Jahr — zur Karliturgie in die Abtei Varensell bei Gütersloh fahren wollte, eine schwere Krebserkrankung: Ein Karzinom an der Prostata, die Blase und der Enddarm mussten entfernt werden. Der bleibende künstliche Darmausgang erinnerte ihn jeden Tag an diesen „Wendepunkt" in seinem Leben: Reduzierung der Arbeit war angesagt, doch außer einer Reduzierung der Besuche in auswärtigen Dekanaten, arbeitete er unermüdlich wie zuvor, bis die Residenz 2004 geschlossen wurde. Die letzte Station seiner reichen, umfangreichen seelsorgerlichen Tätigkeit war das Ignatiushaus zu Trier, das ihn in seiner Jugend so entscheidend geprägt hat. Er kam sozusagen nach Hause. Da er nur wenige Stunden in der Woche im Beichtstuhl Dienst tat, hatte er viel Zeit zum Studieren und zum Schreiben. Fast jeden Vormittag verbrachte er im Lesesaal der Theologischen Fakultät und befasste sich mit der antiken Agonistik und Athletik in den frühchristlichen Schriften der Kirchenväter.

Dieser Ort inspirierte ihn auch, ein Lebensbild von P. Paul Peus zu verfassen, das 2006 erscheinen konnte. Es war P Koch ein Anliegen, dass dieser bedeutende Trierer Seelsorger nicht in Vergessenheit geriet und es war wohl auch eine Dankesschuld, die er P. Peus abstattete.

Zunehmende gesundheitliche Probleme ließen es angeraten sein, dass P. Koch 2006 ins Altenheim nach Köln-Mülheim übersiedelte. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit war P. Koch in der Kommunität ein lebendiger, ausgeglichener Gesprächspartner, ein von allen geschätzter, auf Ausgleich bedachter Mitbruder.

Zwei Aneurismen an der Aorta haben schließlich am 2.2.2009 zu seinem plötzlichen Tod geführt. P. Alois Koch wurde beigesetzt auf dem Friedhof Melaten in Köln.

R.i.p.

P. Wolfgang Bauer SJ

Nach den Aufzeichnungen von P. Alois Koch SJ und P. Albert Giesener SJ

 

Webseite von P. Alois Koch SJ