Bernhard Kilian SJ

P. Bernhard Kilian SJ
* 14. August 1936     29. Oktober 2013
Ordenseintritt 1957 - Priesterweihe 1967 - Letzte Gelübde 1973

Bernhard Kilian wurde am 14. August 1936 als Jüngster von fünf Geschwistern in Wiesbaden geboren. Seine Mutter Lucie starb bereits 1958 und sein Vater Karl Matthias 1979. Auch drei seiner Geschwister sind bereits vor ihm verstorben.

Von 1942 bis 1947 besuchte er die Hebbelschule in Wiesbaden und von 1947 bis 1957 das Diltheygymnasium. Dort hatte er viele Freunde, mit denen er lange Kontakt gehalten hat. So auch viel Freude in der Jugendarbeit der Pfarrei - eine Zeit voll von Fröhlichkeit, Erfahrungen und guten Stunden.

"Von den 19 ehemaligen Klassenkameraden leben jetzt noch 13", schrieb sein Mitschüler, Herr Caroselli. "Wo Liebe ist und Güte, da ist Gott. Darum hatte P. Kilian ein Herz - für Jugendliche, für Familien und für alle, die Rat brauchten. Auch die Klassenkameraden konnten, wenn wir wollten, vom Wissen und der Weisheit des Ordensmannes profitieren. Mit einem so toleranten Priester über Gott und die Welt reden zu können, war einfach wunderbar. Und immer, wenn wir uns über die Katholische Kirche ärgern mussten, dachten wir an Pater Bernhard Kilian und das regte uns wieder ab."

Nach dem Abitur begann am 29.4.1957 das Noviziat in Eringerfeld. Seine Ausbildung dauerte von 1957 bis 1968. Darin waren nicht nur die Studienjahre in München und Frankfurt, sondern auch eine Zeit als Internatspräfekt in Godesberg, in der er seine praktischen Seiten ein- und ausüben konnte. Als Höhepunkt und zentrales Ziel empfing er im zehnten Jahr 1967 die Priesterweihe durch Weihbischof Kindermann. Von 1968 bis 1970 machte er eine berufsbegleitende Zusatzausbildung mit Diplom beim Evangelischen Zentralinstitut für Familien-, Ehe- und Lebensberatung in Berlin.

Von 1970 war er bis 2012, also 42 Jahre lang, in Frankfurt Seelsorger, Helfer, Verwalter und Betreuer.

Wie er selber sagte, erlebte er ab 1970 eine reich beschenkte Zeit von acht Jahren beim Hineinwachsen in den gewünschten Beruf der Jugendarbeit - im "Haus der Begegnung" am Gärtnerweg in Frankfurt. Dort war er für die Primanerakademie und die Katholische Studierende Jugend in Frankfurt und im Bistum Limburg zuständig mit wenig "Frei"-Zeit, aber vielen guten, gefüllten Zeiten und Begegnungen.

Und dann leitete er ab 1978 bis 1988 in den nächsten zehn Jahren als Rektor das "Haus der Volksarbeit" in Frankfurt und die Telefonseelsorge. Wieder eine gefüllte Zeit - jeder Tag und jede Begegnung eine neue Anforderung und zugleich Erfüllung.

Dazu ein Zitat aus dem Kondolenzschreiben von Reinhold Adrian: "In diesen 10 Jahren hat Bernhard Kilian neben seiner Tätigkeit im Notruf auch den Prozess der Ausgründung und des Aufbaus von wichtigen Initiativen aus der Telefonseelsorge und dem Familienbildungswerk des Hauses der Volksarbeit zu selbständigen Tochtervereinen, dem Verein Jugendberatung und Jugendhilfe eV und dem Internationalen Familienzentrum eV beharrlich unterstützt und auch dort Verantwortung in den Vorständen übernommen.
Für die Mitarbeiter war er Mut-Macher, Anreger und beharrlich Kämpfender gegenüber den Geldgebern aus Stadt, Land, den Sozialversicherungsträgern und auch der Diözese Limburg.
So gelang es für viele belastete Menschen in Frankfurt Hoffnungswege aufzutun.
Auch nach seinem Ausscheiden hat er mit großer Treue immer wieder den drei Vereinen und den Menschen zur Verfügung gestanden, soweit dies seine Kräfte zuließen."

Bernhard Kilian blieb lange Mitglied des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe. Ebenso war er lange Mitglied des Verbandes katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberatung, und er war im Vorstand der Behinderten Selbsthilfe.

Im Herbst 1988 kam er dann nach Sankt Georgen, war dort fünf Jahre Minister und Verwaltungsleiter. Er sorgte dafür, dass die Professoren und Studenten in Ruhe arbeiten konnten - viel Organisation, Verwaltung und Bauhintergrundarbeit mit ganz eigener Beanspruchung und Belastung.

Und dann erlitt er im Juni 1993 den Schlaganfall, der vieles in seinem Leben änderte, ihn vor allem "ruhig stellte", ihm auf einmal unglaublich viel freie Zeit brachte, aber auch vieles, bis in kleinste Alltäglichkeiten, verlangsamte und ihn lehrte, anders mit der Zeit umzugehen. Er hatte eine rechtsseitige Lähmung an Arm, Hand und Bein.

Er war lange Mitglied des Ordensrates des Bistums Limburg und des Priesterrates, wofür sich der Generalvikar Franz-Josef Kaspar bei seinem Abschied von Frankfurt 2012 bedankte.

Im Frühjahr 2012 ist er mitten während des Mittagessens in der Sankt Georgener Kommunität ganz plötzlich bewusstlos vom Stuhl gefallen - gleich wieder wach gewesen - bei vollem Bewusstsein und voller Reaktionsfähigkeit. Und so schien es besser, dass er im Oktober 2012 aus Sankt Georgen in die "Seniorenkommunität" in Köln umzog. Bald fühlte er sich recht wohl dort, gut akzeptiert und angenommen.

Natürlich musste er in seinen letzten 20 Jahren immer wieder Krankengymnastik und Ergotherapie machen und somit seine Gesundheit pflegen. Das war notwendig, aber wäre wohl nicht so ganz befriedigend gewesen, wenn er nicht wieder hätte seelsorgerlich tätig werden können. Vor allem bei regelmäßigen Besuchen von Aids-Kranken im Eschenbachhaus in Frankfurt-Sachsenhausen. Sonntags hat er viele Gottesdienste im Nordwest-Krankenhaus Frankfurt und im städtischen Krankenhaus Offenbach halten können. Trotz akuter Krankheitsphasen war er ein angenehmer Seelsorger und Priester.

Am 29. Oktober vormittags musste sich Bernhard Kilian im Krankenhaus Köln-Holweide einer kleinen Operation unterziehen. Nachmittags verstarb er dort völlig unerwartet. Unter großer Anteilnahme wurde er auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt.

An seinem 70. Geburtstag schrieb P. Kilian: "Ich denke, es ist vor allem eine Zeit von 70 geschenkten Jahren mit ungezählten guten Stunden und Tagen, für die ich dankbar bin - auch für die Zeiten, wo es einmal nicht so glatt und positiv ging, vielleicht auch Orientierungen wackelten. Dank an Gott und seine gute Führung und Fügung, meine Ordensgemeinschaft und die vielen Menschen auf meinem Lebensweg, die mich geführt und begleitet haben, aber auch an die, denen ich Begleiter sein durfte und die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und schenken. Und da sind die vielen Menschen, die Kameraden und Wegbegleiter wurden und waren und sind und denen ich unendlich viel verdanke."

R.i.p.

Albert Giesener SJ

Aus: Jesuiten/Nachrufe 2014, S. 20 f.

 

Predigten von P. Bernhard Kilian SJ