P. Walter Katterbach SJ
* 27. Januar 1925 22. Mai 2018
Eingetreten 1946 - Priesterweihe 1957 - Letzte Gelübde 1960

Walter Katterbach erblickte am 27. Januar 1925 in Stolberg das Licht der Welt. Er wuchs in einer katholisch geprägten Familie und Welt auf. Die Eltern betrieben ein Geschäft, in dem Walter fleißig mithalf. Im Alter von 16 Jahren erlebte er einen ersten Konflikt mit den Nationalsozialisten, denen gegenüber er das Christentum verteidigte. In dieser Zeit hegte er, durch Lektüre angeregt, ein erstes Mal den Plan, Jesuit zu werden. Bald musste er zum Arbeitsdienst. Es folgten die Einberufung des 18jährigen im Jahr 1943 und ein Kriegseinsatz in Italien, wo er am Kopf verwundet wurde. In Kopenhagen interniert, wurde er im August 1945 aus der Gefangenschaft entlassen. Vor der endgültigen Anerkennung seines Kriegsabiturs stand die Teilnahme an einem Ergänzungslehrgang.

Nun stand der Weg offen in die Gesellschaft Jesu, die allerdings den jungen Mann, der durch das ganze Dunkel des Krieges gegangen war, zunächst einmal wieder auf die Schulbank bzw. in den Hörsaal schickte. Er trat im Januar 1946 ins Noviziat ein und wurde von dort aus Präfekt im Bonner Aloisiuskolleg (1947-1949). Dorthin kehrte er nach dem dreijährigen Philosophiestudium (1950-1952) noch einmal für ein Jahr (1953) zurück, als man seine Eignung einer zusätzlichen Prüfung unterziehen wollte. Nach dem dritten Jahr der Theologie in Frankfurt (1954-1958) wurde er am Ignatiusfest 1957 vom damaligen Nuntius Erzbischof Münch zum Priester geweiht. Sein Primizspruch: "Priester aus den Menschen, für die Menschen". Die Ausbildung schloss ab mit dem Tertiat bei P. Pies in Münster (1958-1959) und den Letzten Gelübden. Zwei Schwerpunkte kennzeichnen das apostolische Wirken von Walter Katterbach: die Jugendseelsorge und die Polizeiseelsorge.

Anfänglich zeichnete sich eine Destination an die Seite der Patres Johannes Leppich oder Clemente Pereira ab. Tatsächlich aber kam er 1959 nach Bonn ins Paulushaus und wurde dort ND-Gruppenkaplan, als Nachfolger von Josef Sudbrack. Damals bewegte sich Neudeutschland noch auf den bekannten und eingeübten Pfaden der katholischen Jugendbewegung. Als Gruppenpater war er einerseits rheinisch-jovial, andererseits streng, fordernd und nicht selten belehrend. Auch cholerisch. Es gehört zu seinen großen Lebensleistungen, dass Walter Katterbach in den späten 60er und den 70/80er Jahren ein gutes Gespür für den Wandel hatte, der sich im Denken und Empfinden der jungen Leute vollzog und dass er sich auf ihn einließ: in Demut und mehr und mehr in der Bereitschaft, selbst ein Lernender zu sein - ohne doch die Verantwortung als Priester und als eine Person aufzugeben, an der man sich orientieren konnte. Er schenkte jungen Leuten Vertrauen und förderte sie als Jugendleiter und, ab einer gewissen Zeit, als auch Mädchen in die Gruppe kamen, als Jugendleiterinnen. Das Gruppenleben der "ND-Florentiusgruppe" kannte neben den wöchentlichen Runden und der Gruppenmesse zahlreiche Ferienfahrten und die Zeltlager und Wochenendfreizeiten, die vielfach in der Nähe von Bonn in Berkum stattfanden, wo ihm seine Familie ein einfaches, kleines Bauernhaus als Jugendheim geschenkt hatte. Eng arbeitete er in der kommunalen Jugendarbeit mit. Sein Engagement reichte weit über die Gruppe hinaus. In Bonn war er einer der ersten, die sich um junge Leute mit Drogenproblemen und ihre Eltern kümmerte. Dieses Engagement wurde 1972 durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt. Er machte sich die Bonner Städtepartnerschaft mit Oxford zur eigenen Sache und organisierte Jugendreisen dorthin. Auch im deutsch-französischen Jugendwerk war er aktiv. Seine internationalen Begegnungen waren nachgefragt und waren konzeptionell gut durchdacht. Sein Organisationstalent bewies er durch die Gründung eines Fördervereins "Pro Juventute" (der auch die gewünschte Distanz zum ND-Bundesamt in Köln ermöglichte). P. Katterbach wurde milder, nachdenklicher, empathisch und aufmerksam. Die jungen Leute honorierten dies durch große Anhänglichkeit bis weit ins Erwachsenenalter hinein, wenn sie zu den Ehemaligentreffen kamen.

Schon in den späten 60er Jahren begann dann auch die Polizeiseelsorge, erst nebenamtlich und von 1970 bis 2000 hauptamtlich. Natürlich musste und wollte er die Standardtätigkeiten ausüben, vor allem den Unterricht erteilen. Aber immer stärker traten eigene Ideen in den Vordergrund. Er lud zu Frühstücken und besonderen Gesprächstreffen ein, in späten Jahren bevorzugt in einer - wie er selber sagte - angemieteten, "konspirativen Wohnung" in Bad Godesberg, unweit des AKO. Er organisierte Reisen für die Beamten, machte zahllose Besuche auf den Wachen und nahm an Einsätzen teil. So war er den Beamten sehr nahe und konnte ihnen aus dieser Nähe heraus menschlich und religiös viele Impulse geben. Dass dies nicht ohne Wirkung blieb, beweist die große Anhänglichkeit auch der Polizisten - weit über die Ruhestandsgrenze hinaus. Zumal er bis in die letzten Lebenswochen hinein als alter Mann fast täglich - aus Köln nach Bonn reisend - das Polizeipräsidium aufsuchte und mit den dort Beschäftigten und auch jungen Beamten ins Gespräch kam.

Fast könnte man über diese beiden Hauptwirkungsstränge übersehen, dass Walter Katterbach zusätzlich stark auch in der Erwachsenenbildung tätig war und eine Reihe von Gesprächskreisen, sogenannten "Runden" animierte, von denen er gewiss auch selbst großen Nutzen hatte, weil sie ihn intellektuell forderten. Mehr und mehr wurde dies zu seinem Metier: Menschen zusammenzufuhren, zu sammeln, einzuladen. Seine humorvolle, coole und gesellige Wesensart machte ihn dabei sehr erfolgreich.

Man muss gewiss nicht alle theologischen Ideen und Bewertungen von Walter Katterbach teilen. Aber, der Pater war ein treuer Priester - wenn auch mit einer wohl bemessenen Distanz zur Amtskirche und deren Prioritäten. Er war gerne und überzeugt Mitglied des Jesuitenordens - aber ohne zu große Anlehnung an die Oberen. Im Alter lebte er, nachdem das Bonner Paulushaus geschlossen wurde (1998) zunächst im Aloisiuskolleg und dann ab 2004 - der Wechsel fiel ihm nicht leicht - in der Residenz in Köln-Mülheim, wo er nochmals ein Zuhause fand. Immer stärker trat seine große Hinneigung zu Israel in den Vordergrund. Jedes Jahr reiste er im Herbst für etliche Wochen dorthin; um sich auszuruhen, Neues zu entdecken und den Schwestern, die ihn aufnahmen, willkommene Impulse zu geben. Er bewahrte ihnen eine treue Verbundenheit und war überhaupt treu und zuverlässig. Am Ende seines Lebens und nach seinem Tod, der Gott sei Dank ohne eine lange Periode des Krankseins kam, bewiesen sich viele Menschen umgekehrt ihm als treu. Requiem und Beisetzung wurden zum Treffpunkt zahlreicher "Ehemaliger" und einer großen Zahl von Polizeibeamten. Sie zeigten ihre Verehrung und beteten für ihn.

P. Katterbach liegt begraben auf dem Melaten-Friedhof in Köln

R.I.P.

Hans Langendörfer SJ

Jesuiten-Nachrufe 2018, S. 26f
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