Karlheinz Hoffmann SJ

P. Karlheinz Hoffmann SJ
* 31. Oktober 1927    † 19. Januar 2012
Ordenseintritt 1948 - Priesterweihe 1959 - Letzte Gelübde 1966

Karlheinz Hoffmann wurde am 31. Oktober 1927 in Hamborn, Kreis Duisburg, als Sohn der Eltern Heinrich und Helene Hoffmann geboren. Sein Vater war Buchdruckermeister. Mit seinem jüngeren Bruder und seiner jüngeren Schwester blieb er zeitlebens sehr verbunden. Die Lernbegierde, die sein Leben bis ins hohe Alter prägte, entwickelte sich von 1934 bis 1938 in der Volksschule bei einem sehr strengen, aber tüchtigen und darum sehr geschätzten Lehrer, der Bibel und Katechismus so beibrachte, dass man geneigt war, später auch ohne ihn damit weiterzumachen. 1938 wechselte er zur Oberschule für Jungen ebenfalls in Hamborn.

Am 13. Mai 1943 legte ein nächtlicher Bombenangriff das gesamte Schulleben in Duisburg lahm. In dieser Zeit ohne Schule lernte er in Hamborn den früheren Direktor des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg, Jesuitenpater Eduard Hörder kennen, der ihm zwei Monate Griechisch lehrte. Es wuchs ein ungewöhnliches Vertrauensverhältnis. Dann kam er vermittelt durch einen geistlichen Onkel bei den Hiltruper Herz-Jesu-Missionaren auf einen Bauernhof in Everswinkel bei Warendorf. Gleichzeitig konnte er dort das berühmte Gymnasium Laurentianum in Warendorf besuchen. Am 5.1.1944 wurde Karlheinz mit seiner Hamborner Klasse als Luftwaffenhelfer eingezogen. Dienstorte waren Hamborn-Aldenrade, die Hardthöhe bei Bonn, Hangelar und schließlich Friesdorf in Bonn. Nach abenteuerlicher Flucht von Bonn kam er am 17.3.1945 zu Hause in Duisburg an, was 10 Tage später die US-Truppen einnahmen. Mit Raffinesse kam er an Gefangenschaft vorbei. Erst verdingte er sich als Dachdecker und ab Juni 1945 wieder als Landarbeiter in Everswinkel.

Ab Juli 1946 nahm er am Sonderlehrgang der Oberschule für Jungen in Warendorf/Westf. teil und erhielt am 9. Juli 1947 das Zeugnis der Reife. Sofort verfolgte er ein schon länger ins Auge gefaßtes Ziel: Lehrer in Physik und Mathematik, auf diesen Gedanken gebracht durch die Erfahrung tüchtiger Lehrer. Sofort bewarb er sich an der Universität in Münster, mußte jedoch zuerst zwei Bausemester ableisten. Während dieser beiden Bausemester entwickelte sich bei ihm eine innere Kurskorrektur. Er begann häufiger und inniger zu beten, begleitet von dem Büchlein "Jugend vor Gott", herausgegeben von P. Clemente Pereira SJ. Aber auch "Weltliches" nahm in dieser Zeit zu. Seit seinem 8. Lebensjahr war er mit einem Klavier verbunden und konzentrierte sich zunächst auf klassische Musik. Aber durch den großen Kreis von Freunden und Bekannten kam unvermeidlich hinzu: Tanzmusik auf Partys und Hochzeiten.

Dennoch wollte er es genauer wissen und besuchte für einige Tage die theologische Hochschule der Hiltruper Herz-Jesu-Missionare in Oeventrop und den P. Hörder im Jesuitenkolleg zu Büren/W. Nach kurzer Zeit fiel die Entscheidung für die Jesuiten.

So trat er am 7.9.1948 in den Orden der Gesellschaft Jesu ein, ins Noviziat in Burg Eringerfeld, eine gute Fußstunde von Büren entfernt. An der Philosophischen Fakultät des Johannes Berchmans-Kollegs in Pullach bei München studierte er von 1950 bis 1954 Humaniora und Philosophie, die er mit dem Lizentiat abschloß. Im Interstiz war er Erzieher im Internat der Jesuitenschule in Büren. Von 1956 bis 1960 studierte er an der Theologischen Fakultät S.J. Sankt Georgen in Frankfurt, die er auch mit dem Lizentiat abschloss. Am 31. Juli 1959 wurde er vom Mainzer Weihbischof Josef-Marie Reuss in Frankfurt zum Priester geweiht.

Von 1961 bis 1966 war er Seelsorger im Bund Neudeutschland für Schüler, Studenten und Akademiker in Frankfurt, später auch für Schüler in der Diözese Limburg und für Studenten in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Im Sommer 1964 wurde er zum Programmreferenten in die Hauptstelle der Katholischen Fernseharbeit in Deutschland berufen und war von 1967 bis 1968 Fernsehbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz beim ZDF.

Zugleich wirkte er seit 1965 als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz in der Päpstl. Kommission für soziale Kommunikationsmittel. Damit arbeitete er ab 1966 mehrfach und dann entscheidend mit im Redaktionsteam, das die neue Pastoralinstruktion "Communio et Progressio" für die Instrumente der sozialen Kommunikation ausarbeite, die dann im Januar 1971 vom Papst gebilligt und veröffentlicht wurde.

Daneben studierte er von 1966 - 1970 Theologie, Philosophie, Soziologie und Publizistik an der Universität Mainz. Dies schloss er im Dezember 1971 ab als Dr. phil. mit seiner Dissertation "Die Wege des Denkens zum "Ev" bei Plotin über die Wege zu Gott.

Ab 1. Januar 1970 lebte er bis 1990 in Rom und sein vatikanischer Lebensweg umfasste viereinhalb Jahre die Leitung der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan. Schon im 2. Jahr organisierte er die ziemlich komplizierte Gründung der deutschsprachigen Wochenausgabe des Osservatore Romano, um Vatikanisches für Meinungsführer in Deutschland zu dokumentieren. Die erste deutsche Ausgabe des Osservatore Romano erschien am 8.10.1971.

Im Herbst 1973 wurde er für 13 Jahre als sogenannter Sottosegretario in der Päpstlichen Kommission für die sozialen Massenmedien ernannt. Denn er hatte sich in Rom in zahlreichen Gesprächen, Sitzungen und Konferenzen durch die Einbringung des deutschen Beitrags große Verdienste erworben. Zusätzlich kommentierte er in dieser Zeit die Übertragungen päpstlicher Ansprachen und des Segens "Urbi et Orbi". Auch wurde er ein Vertrauter der Päpste Paul VI., Johannes Paul I und besonders des Papstes Johannes Paul II. In seiner Nähe hat er Momente erlebt, in denen die Zeit stehen bleibt.
So wurde er auch in Deutschland sehr bekannt, weil man "seine Stimme oft gehört hatte". Er machte auch verschiedene Reisen, so 1974 nach Thailand und Ceylon und 1980 nach Brasilien.
Für sein Wirken in Rom erhielt er am 4.6.1985 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Aber er bewahrte auch lange tiefe Freundschaften, besonders während der Sommerferien, die er häufig in dem Haus der Schulschwestern unserer Lieben Frau zu Pfronten im Allgäu verbrachte.
Dies wurde noch intensiver, als er nach 25 Jahren sein Medien-Management und sein Amt als Untersekretär auf eigenen Wunsch aufgab und direkte Seelsorge ohne Organisationsballast 13 Jahre als Krankenhausseelsorger in das St. Johannes-Stift zu Duisburg-Homberg übernahm. Dort hatte er immer mehr Freundeskreise, mit denen er nach Rom reiste und ihnen dort die Stadt des Heiligen Vaters zeigte. In Duisburg hielt er dann auch geistliche Gespräche mit diesen Freundeskreisen, vor allem mit dem Rupert-Mayer-Cartell.

2003 endete seine Tätigkeit im St. Johannes-Stift und so zog er um in seinen Geburtsort und seine Heimatstadt Duisburg-Hamborn und war dort acht Jahre lang Ruhestandsgeistlicher, half bei den Gottesdiensten der Pfarrei St. Norbertus und den dort zugehörigen drei Altersheimen. Er wohnte allein in einem ehemaligen Pfarrhaus an dem Norbertuskirchplatz. Ab 2006 brauchte er pflegerische und haushälterische Hilfen, weil er an immer stärker werdenden Erkrankungen litt. Schließlich zog er im Februar 2010 um in die Seniorenkommunität der Jesuiten im Caritas-Altenzentrum St. Josef-Elisabeth zu Köln-Mülheim. Er wurde dort Monat für Monat schwächer, musste häufig in Krankenhäuser und konnte ab 2011 nur noch im Rollstuhl fahren. Und vor allem sah er immer schlechter. So nahm er am Ende des Jahres 2011 sein Leben in Gottes Hand auf und starb am 19.1.2012.

Er hat einmal in dem L' Osservatore Romano 1990 in einem "Auf ein Wort" u.a. geschrieben: "Der November gilt dem Gedächtnis derer, die uns im Tod vorangegangen sind auf dem Weg in die ewige Herrlichkeit. Der ‚Advent' im Dezember, da unserer siechen Welt neues Leben in Christus verheißen wird, lässt in unseren befristeten Tagen ein unendlich neues Leben aufscheinen." Das sei ihm nun gewünscht.

Pater Hoffmann wurde beigesetzt auf dem Friedhof in Köln Melaten.

R.i.p.

P. Albert Giesener SJ

Jesuiten/Nachrufe 2012, S. 18 f.