Fritz Abel SJ

P. Fritz Abel SJ
* 5. April 1930     17. März 2013
Ordenseintritt 1950 - Priesterweihe 1961 - Letzte Gelübde 1964

Wenn man Pater Abel auf dem Foto anschaut, dann zeigt das ihn, wie er uns begegnet ist. Durch die starke Brille blicken uns gütige Augen an, die auch eine gewisse Ängstlichkeit verraten. Der Mund verzieht sich zu einem wohlwollenden Lächeln, das einem Mut macht, ihn anzusprechen.

Einen Menschen anschauen, das kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Ich kann einen neugierig forschenden Reporterblick auf jemanden werfen, um schnell zu einem Urteil zu kommen, ich kann aber auch behutsam ein vertrautes Antlitz nach seinem Geheimnis befragen, wessen Bild und Gleichnis es sei. Wenn man einen Menschen gern hat, nähert man sich seinem Leben mit dieser Behutsamkeit - so, wie jeder von uns gerne mit den Augen Gottes angeschaut wäre. Fritz lebte im unerschütterlichen Vertrauen darauf, dass "die Liebe Gottes, ihren Weg über jeden Abgrund hinweg findet, der sich zwischen uns auftun kann".

Er stellte seine Gaben ganz in den Dienst der Menschen, schien nie das Gefühl zu haben, etwas für sich zurückhalten zu müssen: weder Zeit, wenn er sich noch nachts zu einem Sterbenden in die Klinik rufen ließ, noch sein gutes Gedächtnis, das für jeden Kostbarkeiten aufbewahrte. In vorbildlicher Weise nahm Pater Abel die Ordensgelübde - Armut, Keuschheit, Gehorsam - ernst. Von seinen Gaben haben viele Menschen, auch wir Mitbrüder profitiert. Wer, wie er, immer ansprechbar war, den finden die Menschen, die Gott suchen: Am Krankenbett, beim Gottesdienst, in der Beichte, in Lebens- und Glaubensfragen. Sie spürten, wie er im Glauben ruhte, dass er dem Gebet vertraute, in das er sie täglich einschloss. Sein weiser Rat war gefragt, seine geistliche Begleitung suchten viele. Wenn er seine Geduld überstrapaziert spürte, konnte er durchaus unwirsch aus der Haut fahren: seltene Ausbrüche eines Temperaments, das er sonst zu zügeln wusste.

Mit großer Dankbarkeit sprach Pater Abel stets von seiner Familie, in die er 1930 im Sauerland geboren worden war. Sie blieb ihm stärkste Quelle der Kraft und des Glaubens. Fritz blieb stolz auf seine Familie. Er sei von "gut katholischen, froh gelaunten, rechtschaffenen, aber nicht engen, sondern weltoffenen Eltern erzogen worden", schreibt Fritz und fährt - einem Ausrufezeichen vergleichbar - fort: "Trotzdem herrschte Ordnung bei Abels!". Wer Fritz Abel kannte, hätte daran nie gezweifelt, dass er einen großen Ordnungssinn eingeatmet hatte.

Sein Vater verlor wegen seines Widerstands gegen die Nazis bald die Stellung des Amtsbürgermeistes im Sauerland. Deshalb musste die Familie nach Dortmund umziehen, als Fritz 6 Jahre alt war. Dort fand der Vater, promovierter Jurist, wieder Arbeit.

Wie ohnmächtig wir Menschen sind und wie wenig wir unser Schicksal selbst bestimmen können, erfuhr Fritz in den Bombennächten Dortmunds. Damals durchlitt er brutale Existenzängste. Selten sprach er davon. Manchmal dachte man, diese Erfahrungen könnten seinem Empfinden dauerhaft eine Spur Ängstlichkeit beigemischt haben, aber dann überraschte Fritz einen immer wieder durch innere Weite und Großzügigkeit für Andere. Auf jeden Fall hatten die schrecklichen Kriegserfahrungen in ihm die Gewissheit gestärkt: "Verlass ist ganz allein auf Gott!" Ausgebombt, kehrte die Familie 1944 ins Sauerland zurück.

Für Fritz gab es bis zur Oberprima nur zwei Berufswünsche, die miteinander konkurrierten: entweder den höheren Dienst bei der Eisenbahn anstreben, oder Altphilologie studieren. Der Eisenbahn ist er im Hobby treu geblieben. In seinen knappen Lebenserinnerungen schreibt Fritz, dass er in seiner Schulzeit diese Berufswünsche immer wieder im Gebet durchdacht habe. In diesen Prozess habe sich plötzlich die Frage nach dem Priestertum dazwischen geschmuggelt. Dabei reizte Fritz besonders, dass sein geistlicher Religionslehrer den Jesuiten skeptisch gegenüber stand und offen Contra gab. Gerade deshalb besorgte Fritz sich Literatur über den Jesuitenorden. Ein halbes Jahr vor dem Abitur, 1950, entschied er sich für den Eintritt, "weil die Jesuiten ihm " besonders weltoffen, großzügig im Denken und Tun" begegnet seien. Als sein einziges Geschwisterkind, sein 2 Jahre jüngerer Bruder Franz, dem Jesuitenorden auch beitrat, war Fritz zuerst ganz stolz, litt dann darunter, dass der Bruder sich doch für das Weltpriestertum entschied. Später fanden beide den Weg des anderen bereichernd für sich selbst.

Fritz sagte oft: Dass alles im Leben Geschenk ist, und dass Gott die Liebe ist, die alles trägt, diese fundamentale Wahrheit unseres Lebens sei ihm in seinem Studium der Theologie kaum begegnet. Erst mit dem Aufbruch des II. Vatikanums sei ihm dies als erregende Entdeckung aufgegangen. Das war von 1963 bis 1966 in Trier und von 1966 zwei Jahre lang als Jugendkaplan in Göttingen. Nur, wo es gelänge, Jugendlichen ein Bild der Liebe zu sein, die Gott zu uns hat und die uns trägt, ließe sich Glaube vermitteln.

Im Evangelium sagt Jesus, der kluge Mann baue sein Haus auf tiefe Fundamente, auf Fels. So war Fritz Abel: ganz tief verwurzelt in einer unangreifbaren Wertewelt. Sein Glaube, seine Tugenden und Lebenseinstellungen ragten bis in die Weisheiten der griechischen Kultur, verbanden sich mit Biblischem und neuzeitlichen Denken. Die bestimmten auch seine Genauigkeit und Gesetzestreue, der er sich stets verpflichtet wusste. So schätzten ihn die Schüler, seine Kollegen und Mitbrüder in Hamburg am St. Ansgar Kolleg 20 Jahre lang, von 1971 bis 91 in der Funktion des Religionslehrers und in der KSJ. Und so prägte Pater Abel sieben Jahre lang als Rektor Atmosphäre und Stil des Ansgar-Kollegs.

Im sich anschließenden Jahrzehnt bis 2000 sah man den Pater aus Hamburg gerne im Dienst der Kölner Erzdiözese, unterwegs in der Männerseelsorge. Aus Hamburg und aus dieser Zeit behielt er viele Kontakte. Danach leitete Fritz sieben Jahre lang unser Jesuiten-Seniorenheim in Münster und in Köln: den Älteren ein fürsorglicher und väterlicher Freund, den Jüngern ein Vorbild.

In den Tagen vor seinem Schlaganfall wähnte sich Pater Abel gesundheitlich auf gutem Weg, er verabschiedete sich an seinem Namenstag froh und dankbar, um in Dortmund das Grab seines Bruders zu besuchen. Dort traf ihn am Hauptbahnhof der Schlaganfall. Halbseitig gelähmt, konnte er dann weder schlucken noch sprechen. Er verstand alles, reagierte lebhaft auf die vielen Namen, die durch Grüße und Gebete in einem vertrauensvollen Verhältnis zu ihm standen. Das ging 12 Tage so. Ich bin dankbar, dass ich mit ihm beten konnte, bevor der zweite Schlaganfall ihn ruhig einschlafen ließ.

Pater Fritz Abel wurde auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt.

R.i.p.

P. Theo Schneider SJ

Jesuiten/Nachrufe 2013, S. 2 f.