P. Hans von Hahn SJ
* 27. Juni 1904    13./14. Februar 1945
Eintritt 1927 - Priesterweihe 1934 - Letzte Gelübde 1944

P. Hans von Hahn wurde am 27. Juni 1904 in Asuppen (Kurland) geboren. Seine Mutter war eine geborene Baronesse von Koskull, verw. von Kleist.
Was Kurt Heimbucher in seinem Buch über Prof. Dr. Eduard Steinwand (S. 44) über die Balten schrieb, gilt in besonderer Weise auch für P. Hahn: "Es sind Menschen mit einer großen Vornehmheit, mit einer großen Schlichtheit und Demut".

P. Hahn mußte seine Heimat, die er sehr liebte, verlassen. So schrieb er am 14.9.1938 an seinen P. Provinzial Rösch, daß er staatenlos sei, aber einen vollständigen Arierausweis habe. Hans von Hahn trat am 15. September 1927 in die Gesellschaft Jesu ein, nachdem er einige Jahre zuvor konvertiert hatte. Sein Noviziat machte er in Tisis bei Feldkirch (Vorarlberg), seine philosophischen Studien in Pullach und seine Theologie in Innsbruck. Zum Priester geweiht wurde Hahn am 26. Juli 1934 in München. 1936 kam er nach Pullach, wo er ein Jahr lang Philosophie dozierte, und zwar Logik. Kennzeichnend für P. Hahn war, wie er seine Vorlesung begann: "Liebe Mitbrüder! Wenn Sie aufmerken, tun sie gut daran; wenn Sie schlafen, tun Sie besser". So gewann er die Aufmerksamkeit seiner Hörer von Anfang an.

Am 7.1.1937 wurde P. Hahn nach Nürnberg - St. Kunigund (Scharrerstraße 32) versetzt, mußte ein Jahr lang die dortige Frauenkongregation leiten und wurde dann im September 1938 Präses der Marianischen Kongregation für Mittelschüler "Patrona Bavariae". Diese Seelsorgsarbeit wurde seine Lebensaufgabe. Am 2.2.1944 legte F. Hahn seine letzten Gelübde in der Gesellschaft Jesu ab.

Dr. Karl Ulrich schreibt in seinem Artikel "Nürnberg und der Nationalsozialismus": "In den Kriegsjahren war es Pater Hans von Hahn - ein Balte, zwei Meter groß - der besten Kontakt zu den Jugendlichen hatte, der die Flakhelfer in ihren Unterständen aufsuchte und mit Geldern, die ihm zur Verfügung gestellt worden waren, arme Gymnasiasten großzügig unterstützte".

Ich selber habe P. Hahn nur einmal getroffen. Das war in Pullach, im Dezember 1944, als er den Scholastikern Exerzitien geben sollte. Am Tag zuvor wurde das Kolleg in Pullach von der Münchener Bahndirektion, das ausgebombt war, beschlagnahmt, so daß die Exerzitien nicht stattfinden konnten. Meine Aufgabe war es damals, für die Gäste zu sorgen. So mußte ich P. Hahn auf die Bahn bringen. Dabei sagte ich ihm, daß ich viel Gutes von der Jugendarbeit in Nürnberg gehört habe und fragte ihn, worin er das Wesentliche in der Jugendarbeit sehe. Darauf sagte er mir spontan: "Das ist sehr einfach: Man muß den Buben eine Heimat schaffen, dann haben sie Vertrauen und man kann alles mit ihnen machen". Mit diesen Worten, so scheint mir, hat P. Hahn seine Jugendarbeit in der Nürnberger MC zusammengefaßt.

P. von Hahn war ein tief religiöser Mensch, er liebte Christus und die Kirche und wußte vor allem um die Bedeutung der Gottes mutter. P. Hahn war von einer ausnehmenden Nächstenliebe, die sich in steter Hilfsbereitschaft zeigte. Seine Briefe, die er an die Sodalen seiner Kongregation schrieb, geben beredtes Zeugnis. Vielleicht werden diese Briefe Anlaß zu einer Biographie. Dagegen spricht freilich seine Äußerung an P. Stricker, seinem damaligen Superior: "Ich verbiete Ihnen, irgend etwas über mich zu schreiben. Am liebsten wäre mir, wenn ich hoch oben am Eismeer begraben würde, wo niemand mehr um mich weiß".

P. von Hahn war neben seiner Haupttätigkeit als Präses der MC noch Kaplan in der Pfarrei St. Kunigund. Am 13.2.1945, an dem Tag, da er in Dresden den Tod fand, sollte er in St. Kunigund die Fastenpredigt halten. Man hörte P. von Hahn gerne zu. Einmal sprach er mit seinen Jungen über die Predigt und meinte: "Es gibt folgende Zensuren für Predigten: 1 = kurz und gut; 2 = kurz und schlecht; 3 = lang und gut; 4 = lang und schlecht".

Auf die Vorbereitung seiner Predigten, Vorträge und Gruppenstunden legte er großen Wert. Durch Studium und Gebet bereitete er sich darauf vor. In einem Brief an Ernst Schmitt schreibt er: "Ich lese nach wie vor täglich ungefähr 3/4 Stunden in der Summa des hl. Thomas (= das theologische Hauptwerk des hl. Thomas von Aquin) mit viel Nutzen und Vergnügen. Und habe ich am Abend Zeit, so vertiefe ich mich mit Interesse in die Aufsätze von Max Sche- 1er". Dem Ernst schrieb er nach Rom, wo dieser am Germanikum war und an der Gregorianischen Universität studierte, man soll nicht nur auf die Praxis hin studieren, was man später einmal brauchen kann, sondern "man soll sich betend in sie (die ewigen Wahrheiten) hineinbetrachten. Von diesem Gesichtspunkt empfehle er ihm 1. P. de la Thaile; Mysterium fidei; "ein wunderbares Buch über die heilige Messe"; 2. Regnon: Études sur la Sainte Trinité, "ein dogmengeschichtliches Werk, das ich verschlungen habe" ... "Für mich als Konvertiten, der nie in der katholischen Lehre Unterricht in der Volksschule oder Mittelschule gehabt habe, war das Studium Anreicherung unseres Glaubensinhaltes".

Auf sein Gebet für seine apostolische Arbeit weist ein Grundsatz hin, den er in einem "Grundriß zum Aufbau einer Religionsstunde" niederschrieb: "II. Einstimmung: Jeder Erdboden wird gelockert, bevor man die Saat in ihn streut, ebenso die oft mit vielen zerstreuenden und dummen Gedanken erfüllten Bubenseelen. Mittel der Einstimmung: a) für Euch selbst: 1. Ihr müßt viel für Eure Buben beten, daß sie ein offenes Herz haben für das, was Ihr ihnen sagt. 2. Ihr müßt selbst ganz erfüllt sein von dem, was Ihr sagt. Was von Herzen kommt, geht zu Herzen, Geschwätz verdient überhört zu werden. Die Buben müssen merken, daß Ihr mit Leib und Seele für sie da seid ... ".

Wieviele Beispiele werden heute noch erzählt, wie P. Hahn sich um den einzelnen Jungen angenommen hat, wieviel Gruppenstunden er gehalten, wieviel Nachhilfestunden er gegeben, wieviel Hausbesuche er machte, besonders bei seinen Sodalen, die im Arbeitsdienst waren oder bei der Flak, die er in Zivil (siehe Bild) besuchte.

Der Grundgedanke seiner Spiritualität war Christus, den er gerne mit einem Wort des hl. Paulus "Kyrios" nannte. So schreibt er: "Verkünden, daß Christus durch seine Menschwerdung, sein Kreuz und seine Auferstehung, der Kyrios über die ganze Schöpfung, über alles ist". Dem Willen dieses Kyrios sich zu übergeben, war die Quelle seiner Kraft. "Hast Du dieses Dich an Gott schenken in lebendiger Übung, dann hast Du alles. Seht: Das ist der Sinn unserer Notzeit: Christus will sich eine neue Gefolgschaft heranziehen, die von der Stimmung unabhängig ist. Er kümmert sich, was kein irdischer Machthaber kann, um jeden einzelnen von Euch. Einen jeden will er an seiner Erlösernot teilnehmen lassen und dadurch zur Teilnahme an seiner Erlöserherrschaft berufen. Die schwere Zeit, die er uns sendet, soll nach seiner Absicht eine Erzieherin hin zum Herzen Christi werden ... ".

Der Weg zu Christus war ihm Maria, nach dem Wahlspruch der MC: Per Mariam ad Jesum. Seine Liebe zur Gottesmutter erkennen wir daran, daß er zur Gnadenmutter von Altötting geht. Am 27.7.1939 schreibt er an einen Sodalen: "Am 16. August will ich, wenn möglich, in Altötting am Gnadenaltar eine hl. Messe für unsere MC lesen". Am 6.8.39 schreibt er noch einmal darüber: "Am 15.8. fahre ich von hier nach Altötting und zelebriere dort am 16.8. um 6 Uhr am Gnadenaltar eine heilige Messe für unsere Gemeinschaft, daß sie immer nahe dem Schutz der lieben Muttergottes anvertraut sein möge". In einem Brief vom 27.10.43 schreibt P. Hahn: "Eine große Freude ist mir die Weihe an das Herz Maria gewesen. Ich setze alle Hoffnung darauf".

In seinem letzten Brief, am 28.1.1945 an Clemens Dellert, schrieb er wieder von einer Wallfahrt nach Altötting: "Dann war ich am Sylvesterabend in Altötting, wo ich beichtete und am Neujahrmorgen die heilige Messe las. Das war gut so, denn gleich habe ich im Neuen Jahr die Hilfe der Gottesmutter dringend gebraucht. Am 2. Januar kam dann der schwere Angriff auf Nürnberg, von dem unsere MC besonders schwer getroffen wurde ... Am 20.1. bekam ich ein Telegramm von meiner Mutter, das mich dringend nach dem Warthegau rief. Ich fuhr mit dem nächsten Schnellzug nach Leipzig und Berlin, kam aber nicht mehr hinein. Die Einreise war schon gesperrt. Ich kam nach zwei Tagen unverrichteter Dinge wieder zurück und habe seitdem von meinen Eltern keine Nachrichten ...". P. Hahn muß dann doch Nachricht bekommen haben; denn er fuhr am 12. Februar 1945 nach Dresden, um von dort seine Mutter zu holen. In Dresden war der schwere Fliegerangriff. Die letzte Nachricht, die nach Nürnberg kam, lautete, P. Hahn sei am Bahnhof noch gesehen worden, wie er mit seiner Mutter in den Luftschutzbunker ging. Dieser wurde von den Bomben völlig zerstört, so dass nichts übrig blieb und damit gibt es auch kein Grab in Dresden für P. Hahn.

P. Hans von Hahn gibt uns die Antwort auf dieses grausame Schicksal in seinem letzten Brief vom 28.1.1945: "Das ist der Sinn unserer schweren Notzeit ... Christus will uns an seiner Erlösernot teilnehmen lassen und dadurch zur Teilnahme an seiner Erlöserherrschaft berufen".

R.i.p.

P. Georg Deichstetter SJ