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30. September 1572 - Borja Francisco
† in Rom

Francisco de Borja stammte aus Gandía in der spanischen Provinz Valencia. Dort war er Herzog und gehörte zum spanischen Hochadel. Geboren wurde er als ältester von drei Söhnen am 28. Oktober 1510. Papst Alexander VI. war sein Urgroßvater. Die Mutter von Borja, Juana von Aragon, war die illegitime Tochter des Erzbischofs von Toledo. Dieser Erzbischof selbst war ein unehelicher Sohn des Königs Ferdinand. Der Vater von Borja war legitimes Kind eines Vaters, der wiederum illegitim war.

Im Jahre 1527 trat er als junger Edelmann in den Hofdienst bei Kaiser Karl V. und dessen Gemahlin Isabela. Bald war er in allen Künsten seines Standes geübt: ein leidenschaftlicher Sportsmann, Jäger und begabter Musiker, aber auch ein gewandter Kavalier von integrem Charakter. Kaiser Karl schenkte ihm wahre Freundschaft und überhäufte ihn mit Beweisen seiner Huld. Isabela starb am 1. Mai 1539. Francisco de Borja leitete die Überführung der Leiche nach Granada.

Durch diese Todeserfahrung wandte sich Franz nun intensiver dem religiösen Leben zu. Doch zunächst war er 1538 zum Vizekönig von Katalonien ernannt und war so mit vielen weltlichen Geschäften befasst. In diesen Jahren lernte er auch mehrere Jesuiten kennen, wie Araoz, Peter Faber und Andrés Ovieto. So kam auch ein Briefwechsel mit Ignatius zustande.

Nach dem Tod seiner Frau, der Herzogin Eleonore, 1546, beschloss Franz, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Ignatius war in der Tiefe seines Herzens erfreut und gewährte gern die Aufnahme am 9. Oktober 1546. Der Ordeneintritt sollte aber noch geheim bleiben, bis Borja die Zukunft seiner acht Kinder gesichert, die Dinge der Familie und der Regierung geordnet und von Kaiser Karl die Zustimmung erhalten hatte. Er verzichtete auf seine herzoglichen Rechte und Würden zugunsten seines Sohnes Carlos. Der Papst war eingeweiht. Borja blieb über vier Jahre geheimer Jesuit.

Im Jahre 1550 unternahm er eine Reise nach Rom und wurde überall festlich empfangen. Auf dieser Reise platzte das Geheimnis und erregte in ganz Europa große Überraschung, aber auch Bewunderung. Ignatius hat Borja vielfach protegiert und war seinen Vorschlägen immer zugeneigt. So wurde Borja schon 1551 zur Priesterweihe zugelassen und unterstand unmittelbar Ignatius. 1554 machte Ignatius ihn zum Generalkommissar für Spanien und Portugal. Er blieb es sechs Jahre lang. Unter Laínez wurde er Generalvikar, dann Assistent für Spanien. Im Jahre 1565 wurde er der dritte General der Gesellschaft Jesu. Er blieb es bis zu seinem Tod in Rom am 30. September 1572.

Die Feierlichkeiten zu seinem 400. Jubiläum haben besonders drei Verdienste herausgestellt, nämlich seine Sorge um die Exerzitien, um die Missionen und um die Jugendarbeit.

  • Noch als Herzog von Gandía hat er die 30-tägigen Exerzitien gemacht. Da entwickelte sich sein Beruf. Borja war so begeistert, dass er von Papst Paul III. die Approbation des Exerzitienbuchs erwirkte.
  • Sein universaler Geist zeigte sich in den missionarischen Impulsen, die er dem Orden mitgab. Seine besondere Vorliebe galt Lateinamerika. Aber er schickte Missionare auch nach Afrika, China, Brasilien, Angola, Abessinien und Indien.
  • Auf Bitten von Borgias eröffnete Ignatius das erste Zentrum zur Erziehung Jugendlicher. Das war im Jahre 1546. Schon ein Jahr später wurde das Kolleg in Gandía zum Rang der ersten Jesuiten-Universität der Welt erhoben mit gleichen akademischen Rechten wie die namhaften Universitäten jener Zeit. Die Erfolge in Gandía bewogen Borja, den Kollegien große Aufmerksamkeit zu widmen. Borja gründete 42 Kollegien in Spanien, 5 in Portugal, 27 in anderen europäischen Ländern und einige in Amerika. Aus diesen Kollegien kam viel Nachwuchs für den Orden. Borja legte hohen Wert auf ein gutes erzieherisches System. Auf ihn geht auch die erste Studienordnung zurück, die gültig war bis zur Neuregelung unter P. General Aquaviva.

Borja war auch Mystiker. Es gab eine Begegnung mit Theresa von Avila. Gesprächsthema war die Eucharistie. Borja starb in Rom am 30. September 1572 im Alter von 62 Jahren. Im Jahre 1617 wurde sein Leichnam nach Madrid überführt in die Kirche beim Professhaus. In der Revolution 1931 wurde die Kirche durch Brand weitgehend zerstört. Im Jahre 1624 erfolgte die Seligsprechung und 1671 die Heiligsprechung von Francisco de Borja.

Jahrbuch 72/73, S. 8

 

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