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28. September 1972 - Przywara Erich
in Murnau

Przywara stammte aus Kattowitz (Oberschlesien). Dort wurde er am 12. Oktober 1889 geboren. 1908 wurde er Jesuit. Da der Orden in Deutschland verboten war (Kulturkampf), führten ihn Noviziat und Ausbildung nach Exaten und Valkenburg in den Niederlanden. Hier begannen seine Auseinandersetzungen mit den verschiedenen philosophischen und theologischen Autoren und Richtungen, von der Patristik über die Scholastik bis hin zu neuzeitlichen Philosophen und Theologen.

Dieser immense geistige Horizont machte Przywara zu einem geistreichen und scharfdenkenden Beobachter seiner Zeit. Das kam ihm zugute bei seiner Tätigkeit in der Redaktion der 'Stimmen der Zeit', wo er von 1922 bis zum Verbot der Zeitschrift (Naziregime) 1941 arbeitete. In zahlreichen Aufsätzen, Vorträgen und Kursen gab Przywara bedeutende und einflussreiche Impulse für die im Umbruch begriffene katholische Welt und wurde weit darüber hinaus beachtet. Beim internationalen Philosophenkrongress in Prag 1934 hatte er das Hauptreferat über 'Religion und Philosophie' zu halten. Gespannte Aufmerksamkeit und weihevolle Stille erfüllten den Saal.

In den Kriegsjahren war Przywara in der Akademikerseelsorge tätig und hielt weiterhin unter schwierigsten Bedingungen Vorträge und Predigten, nicht nur in München, Berlin und Wien. Nach dem Kriege war seine Tätigkeit von einer schweren Krankheit überschattet. Ab 1951 lebte er zurückgezogen auf dem Lande. Er starb in Murnau am 28. September 1972.

Sein Lebenswerk umfasst über 800 Publikationen, davon mehr als 50 Monographien. Sein Hauptwerk erschien bereits 1932 unter dem Titel 'Analogia entis'. Trotz seiner bizarren Sprache wurde er in der ganzen Welt zu Vorträgen eingeladen, nach Südamerika, Asien, Skandinavien. Auch das dichterische Wort war ihm nicht versagt. Seine Lieder zeugen davon. Manche sind von P. Kreitmeier vertont.

Przywara war ein wichtiger Wegbereiter der ökumenischen Begegnung. Schon 1928/29 traf er in Davos mit Prof. Paul Tillich ( 1965 in Chicago) zusammen. Sein hervorragender Partner aber war der reformierte Schweizer Theologe Karl Barth ( 1968 in Basel).

Philosophisch war Przywara Fachmann für Phänomenologie und Existenzphilosophie. Nahe verbunden waren ihm Edmund Husserl, Max Scheler und Martin Heidegger. Nicht unerwähnt bleiben darf sein Dialog mit dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber ( 1965 in Jerusalem). In geistiger Verbundenheit standen ihm nahe Hugo Rahner, Peter Lippert, Urs von Balthasar, Gertrud von Le Fort, Reinhold Schneider und Hermann Bahr.

Letztes Thema all seines Denkens war der je größere Gott ('Deus semper maior'). Mehr und mehr gewann seine christologische Sicht einen deutlich kreuzestheologischen Akzent. Seine Gedanken provozierten und wollten es. Ebenso seine Impulse. Der Mensch ist zwar Gott unerhört nahe, aber er darf Gott nicht auf seine Ebene hinabziehen zu einem vertrauten Du-zu-Du. Er bleibt ehrfürchtig und anbetend vor der allmächtigen Größe Gottes und seinem unbegreiflichen Willen. Obwohl er sich erlöst weiß, bleibt er angefochten von Sünde und ist stets neu auf das Erbarmen Gottes verwiesen.

Jahrbuch 73/74 S. 142

 

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