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23. September 1590 - Bobadilla Nicolás Alonso
† in Loreto

Er wurde nach seinem Heimatsort Bobadilla del Camino im Bistum Palencia in Alt-Kastilien einfach Bobadilla genannt. Dort wurde er um das Jahr 1509 geboren. Ignatius hatte den Pariser Studenten durch seine Exerzitien für seinen Freundeskreis gewonnen. Er gehört zu den sieben Gefährten von Montmartre.

Bobadilla war der erste Jesuit, der aus deutschen Landen durch Kaiser Karl V. ausgewiesen wurde, nachdem er hier sechs Jahre mit großem Erfolg gewirkt hatte. Er war sein Leben lang Prediger und Volksmissionar in Deutschland und in Österreich. Er begleitete den Nuntius Verallo und war als theologischer Berater tätig, besonders in Augsburg bei den Verhandlungen, die dem 'Interim', dem Religionsvergleich zwischen Katholiken und Protestanten vorangingen. Dieses Interim gestattete u. a. die Kommunion unter beiden Gestalten und die Priesterehe. Bobadilla wandte sich so scharf dagegen, dass er des Kaisers Missfallen erregte, der ihn ausweisen ließ.

Bobadilla begab sich nach Rom und versetzte Ignatius in ein Dilemma. Ignatius wollte einerseits den Kaiser nicht verärgern, andererseits wusste er, dass auch Papst Paul III. Gegner des Interims war.

Ohne Zweifel besaß Bobadilla einen schwierigen Charakter, Die eigenen Gefährten haben ihn recht hart beurteilt. Sie nennen ihn extravagant und unausgeglichen, rauh und bäuerlich wie seine Heimat, einen Feind aller Heuchelei und Schmeichelei, der stets sein Herz auf der Zunge hatte und jedem ohne Umschweife offen ins Gesicht sagte, was er dachte. Er war burschikos, jovial und redselig. Gern sprach er von sich, seinen vielen Studien und Erlebnissen. Er konnte auch hartnäckig und eigensinnig sein. Bei alledem war er feurig, energisch, opferwillig und voll Eifer für das Reich Gottes.

Im April 1548 verließ er Deutschland und wirkte seelsorglich in Italien und Dalmatien, wobei er siebzig Diözesen durchzog. Bei der Gestaltung der Ordensverfassung spielte er eine mehr hemmende und verwirrende als fördernde Rolle, wie es seinem affektvollen Wesen entsprach.

Gegen Ignatius konnte er sich sehr beleidigend äußern. Schon 1543 hatte er an Ignatius geschrieben, dass er zu beschäftigt sei, um Ignatius' Brief zu lesen und seine Korrespondenz der von Ignatius vorgeschriebenen Form anzupassen.

Bobadilla war gegen den Führungsstil von Ignatius, den er einen 'Tyrann' nannte und äußerte freimütig, dass einige Regeln des Ordens nicht beobachtet werden müssen. Er beschwor den Geist der Freiheit und wünschte weniger Organisation. Er bezeichnete die Satzungen 'als ein undurchdringliches Labyrinth'. Man kann verstehen, dass Ignatius ihm nie ein Führungsamt im Orden anvertraut hat - vielleicht ein einziges Mal in Neapel.

Nadal äußerte sich vernichtend über Bobadilla, der auch darüber unwillig war, dass er nicht in die Vorbereitungen zur Generalkongregation einbezogen wurde. Bobadilla intrigierte auch beim Papst und überzeugte ihn, dass die Gefährten der ersten Stunde durch Laínez, Polanco und Nadal übergangen würden. Rodrigues und Broët unterstützten ihn in diesem Punkt zeitweise.

Bobadilla lebte von den ersten Gefährten am längsten. Er nahm an der Wahl der vier ersten Generäle teil: Ignatius 1541, Laínez 1558, Francisco de Borja 1565 und Mercurian 1573. Er starb in dem bedeutenden Wallfahrtsort Loreto in der Provinz Ancona, nahe der Adria, am 23. September 1590 im Alter von etwa achtzig Jahren. Die Wallfahrtsorte waren von Ignatius und in der ganzen frühen Gesellschaft Jesu hoch geschätzt.

 

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