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22. September 1611 - Pedro de Ribadeneira
in Madrid

Ribadeneira stammte aus Toledo. Dort wurde er am 1. November 1526 geboren. Mit dreizehn Jahren kam er als Page des Kardinals Alessandro Farnese nach Rom. Im August des Jahres 1540 wurde er in die Gesellschaft Jesu aufgenommen. Ribadeneira war erst vierzehn Jahre alt. Er war lebhaft und intelligent, leicht aufbrausend und feurig, dabei doch kindlich fromm und demütig. Ignatius hat ihn hochgeschätzt und hatte eine unglaubliche Geduld mit seinen vielen Streichen. Immer wieder hat er sich für ihn eingesetzt, oft gegen die Meinung der Mitbrüder.

Nach Studien in Paris, Löwen und Padua war er zunächst am Kolleg in Palermo tätig, dann am Germanikum in Rom. 1553 empfing er die Priesterweihe und wirkte in den Niederlanden, in London und Italien. Unter Laínez und Borja hatte er wichtige Ämter inne. Er war Provinzial in der Toskana, Kommissar in Sizilien und Assistent für Spanien und Portugal. 1573 wurde er unter General Mercurian erneut nach Spanien gesandt. Er starb in Madrid am 22. September 1611 im hohen Alter von 85 Jahren.

Ribadeneira verfasste eine lateinische Biographie des hl. Ignatius, die 1572 in Neapel verlegt wurde. 1583 erschien eine verbesserte spanische Ausgabe. Später folgten viele Neudrucke in den meisten Sprachen Europas. Er verfasste auch eine Biographie von Francisco de Borja. Er übersetzte die 'Bekenntnisse' des hl. Augustines ins Spanische und eine Geschichte des englischen Schismas von Heinrich VIII. bis zum Tode von Maria Stuart. Sein vielleicht berühmtestes Werk ist eine zweibändige Heiligenlegende, die 1599/1601 in Madrid erschien und weite Verbreitung fand.

In den Vorbereitungsnotizen zur Ignatius-Biographie zog Ribadeneira die Parallele zwischen Ignatius und Luther. Diese Prallelisierung, die über Jahrhunderte ein beliebtes Thema der Historiker wurde, war also erstmalig im Kreis der Jesuiten selbst erfunden. Darauf hat John W. O'Malley in seinem Buch 'Die ersten Jesuiten' (S. 322) hingewiesen.

Von Bedeutung ist die Frage, wie Ribadeneira die Ordenskandidaten mit jüdischen Vorfahren beurteilte. Diese Frage war damals sehr aktuell. Die Christen mit jüdischen (und damals auch muslimischen) Vorfahren waren immer wieder Verfolgungen ausgesetzt. Ihre Unterdrückung im Mittelmeerraum erfuhr durch die Vertreibungsdekrete 1492 in Spanien und 1496 in Portugal eine bedrohliche Härte.

Ignatius und seine Nachfolger weigerten sich, dem öffentlichen Druck nachzugeben. Die Zahl der Aufnahme judenchristlicher Kandidaten in den Orden war nicht gering. Erst die fünfte Generalkongregation hat 1593 solche Kandidaten vom Eintritt in die Gesellschaft Jesu ausgeschlossen.

P. Antonio Possevino, wahrscheinlich selbst jüdischer Herkunft, und andere waren erbittert über diese Entscheidung und qualifizierten sie als einen Verrat an Ignatius und am Institut der Gesellschaft. Das Verbot wurde 1608 und dann nochmals 1923 abgemildert, doch erst 1946 vollständig abgeschafft. Die Wahl von Laínez als Nachfolger von Ignatius im Amt des Generals zeigt überzeugend, dass wenigstens in der Frühzeit des Ordens jüdische Herkunft kein Hindernis war, auch nicht für die höchste Position in der Gesellschaft.

 

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